Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert.

Basels 5:1 gegen Servette

Basel berauscht sich an sich selbst – und kann die Titelfeier planen

FC Basel-Spieler Jonas Adjetey, Xherdan Shaqiri, Albian Ajeti und Dominik Schmid jubeln über Ajetis Tor zum 2:0 gegen Servette FC in Basel.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.

BotTalk

In Kürze:

  • Xherdan Shaqiri begeistert die Fans mit vier Skorerpunkten beim 5:1-Sieg gegen Servette.
  • Die Basler Mannschaft dominiert das Spitzenspiel mit beeindruckender Spielfreude und Toren.
  • Der FCB steht kurz vor dem ersten Meistertitel seit acht Jahren. Die Freude in der Stadt ist so gross wie seit 15 Jahren nicht.

In Basel singen sie Lieder, die man im St.-Jakob-Park schon länger nicht mehr gehört hat. Eines handelt von der aktuellen Tabelle und ein paar freien Platzierungen hinter dem FC Basel, auf den Plätzen 2 und 3 zum Beispiel. In einem anderen beliebten Klassiker geht es um Geister, an die man besser nicht glauben sollte.

Acht Jahre lang hat man sich in Basel nicht mit diesen Liedern befasst, seit dem Sommer 2017 und dem letzten Meistertitel des Clubs. Und ganz ehrlich: Damals gab es in Basel Menschen, die all die Lieder von Geistern und von freien Tabellenplätzen nicht mehr hören konnten, weil der FCB so regelmässig Titel gewann, dass es fast ein bisschen langweilig war.

Im Mai 2025 ist das anders, das spürt man schon weit vor dem Anpfiff des Spiels gegen Servette. Spätestens seit dem Halbfinalsieg gegen Lausanne-Sport stellt sich die Stadt auf grössere Feierlichkeiten in den nächsten Tagen ein. Und das liegt nicht nur an den Resultaten, sondern vor allem an der Art und Weise, wie sich das Team gerade präsentiert.

Xherdan Shaqiri reisst im Stadion alle mit

Seit 2010 haben sich die Menschen in Basel nicht mehr so über ihr Team gefreut. Damals bewegte sich der FC Basel zum ersten Mal nach der Ära Christian Gross auf einen Titel zu. Der Trainer hiess Thorsten Fink, der Captain Franco Costanzo und der letzte Basler Torschütze der Saison Scott Chipperfield.

Allein das zeigt, wie endlos lange das her ist – und was da gerade in Basel passiert. Acht Jahre Chaos und Niedergang hat es gebraucht, dass sich alle wieder offen und ehrlich freuen können.

An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.

Als die Mannschaften den Rasen betreten, stehen auf der dreistöckigen Gegengerade – natürlich in Rot und Blau – drei Buchstaben: F, C und B. Mehr muss man im Moment auch gar nicht sagen. Es braucht kein «Kämpft für uns», kein «Holt den Titel für Basel», kein «Schreibt Geschichte!». Es geht einzig und allein um diesen F, C und B, der alle verbindet.

Die Partie gegen Servette ist ein Spitzenspiel, zumindest auf dem Papier. Aber es dauert dann nur ein bisschen mehr als eine halbe Stunde, um zu erkennen, dass die Basler sich an der Tabellenspitze inzwischen ihren eigenen Wettbewerb erschaffen haben: «Spiel und Spass mit Shaqiri».

Natürlich ist es falsch und unfair, die Basler Einheit auf einen Namen herunterzudampfen. Aber auch dieses Mal ist es wieder Shaqiri, der das Stadion jedes Mal belebt, wenn er eine Ecke tritt. Inzwischen ist es längst zum Ritual geworden, dass die Fans in einer der Stadionecken aufspringen, sobald Shaqiri sich ihnen nähert. Allein darum ist der Rückkehrer ein ständiger Antreiber für Mannschaft und Club.

Feiern mit Shaqiri, Ajeti, Barry und Xhaka

Zur Halbzeit führen die Basler nach den Toren von Shaqiri und Albian Ajeti 3:0. Die Tore sind jeweils eine Mischung aus Genfer Unvermögen und Basler Spielfreude. Und sie sind der letzte Beweis, dass den Baslern gerade alles gelingen will: Seit Anfang November hat Albian Ajeti nicht mehr getroffen – jetzt gelingt ihm innerhalb von vier Minuten ein Doppelpack vor der Muttenzerkurve.

Nach der Halbzeit, als die Partie längst entschieden ist, lässt der FC Basel sich im eigenen Flow treiben. Bénie Traoré erzielt das vier Basler Tor, Nicolas Vouilloz das fünfte, Shaqiri hat am Ende des Tages mal wieder vier Skorerpunkte gesammelt. Aber er macht das in dieser Saison so regelmässig, dass es schon gar keine Meldung mehr wert ist. 

Fans des FC Basel präsentieren eine Choreografie in Rot und Blau im Stadion bei einem Super League Spiel gegen Servette FC am 4. Mai 2025.

Kurz vor dem Schlusspfiff liegen sich die Menschen auf den Rängen bereits in den Armen. Und auch unten, vor dem Spielertunnel, feiert der Staff des FCB, als hätte der Club den Meistertitel schon gewonnen. So weit ist es zwar noch nicht, frühestens am Sonntag könnten die Basler auf dem Sofa ihren 21. Meistertitel feiern. Aber es besteht kein Zweifel mehr, dass es passiert.

Und wenn man ganz ehrlich ist, dann haben die Feierlichkeiten schon längst begonnen. Nach dem Spiel gegen Servette läuft plötzlich Thierno Barry über den Rasen im St.-Jakob-Park und wird von den Fans gefeiert. Kurz danach spielt Taulant Xhaka mit seinem Sohn ein paar Bälle und ruft allen im Stadion ganz subtil in Erinnerung: «Mich gibt es übrigens auch noch.»

Im Grund fehlt nur noch, dass sich Karli Odermatt, Helmut Benthaus und Marco Streller in einer anderen Stadionecke ein paar Bälle zuspielen. Aber irgendwie muss man die Szenen ja noch steigern können, wenn der FCB dann in der letzten Runde gegen den FC Luzern den Pokal überreicht bekommen wird.

Drei Titelfeiern für zwei Basler Titel

Nach dem 5:1 gegen Servette können die Basler sich jetzt mit den wirklich wichtigen Fragen befassen. Vor einem Jahr – das nur noch mal kurz zur Erinnerung – waren die Fragen rund um den Club schwer und existenziell. «Wie soll es bloss weitergehen?» Zwölf Monate später geht es darum, wie oft das Team in diesem Sommer auf dem Barfüsserplatz auftauchen wird.

Im Moment deutet ziemlich viel darauf hin, dass die Basler dreimal ins Zentrum der Stadt pilgern, um dort vor ihren Fans auf den Balkon zu klettern. Zur «spontanen» Meisterfeier, die vielleicht am nächsten Sonntag stattfinden könnte. Nach dem letzten Spiel der Saison, dann mit dem Pokal in den Händen. Und idealerweise auch am Tag des Cupfinals gegen den FC Biel.

Bei all diesen Aussichten will sich in Basel niemand mehr zurückhalten. Albian Ajeti sagt in einem Interview nach dem Spiel zwar, dass man die nächsten Aufgaben gewissenhaft vorbereiten und von Spiel zu Spiel schauen werde. Aber man muss nur kurz in sein glühendes Gesicht schauen, um zu wissen: Er weiss ganz genau, dass sich dieser FC Basel nicht mehr aufhalten lassen wird.

Similar Posts

  • FC Basel: Xherdan Shaqiri kritisiert den Trainer – und wirft damit Fragen auf

    AboFC Basel – Xherdan Shaqiri kritisiert den Trainer – und wirft damit Fragen aufNach dem 1:1 gegen Kopenhagen zeigt sich der Basler Captain unzufrieden mit den Wechseln von Ludovic Magnin.Publiziert heute um 10:13 UhrWenn es nach Xherdan Shaqiri ginge, hätte man Jonas Adjetey auswechseln müssen.Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkIn Kürze

  • FCB-Goalie in Topform: Marwin Hitz und die Sogwirkung der Vertragsverlängerung

    AboFCB-Goalie in Topform – Marwin Hitz und die Sogwirkung der VertragsverlängerungDer Torhüter des FC Basel hält gegen Zürich einen Penalty, bleibt ohne Gegentor und steht für das aktuelle Basler Hoch.Publiziert heute um 08:42 UhrDie Schlüsselszene im Letzigrund: Zürichs Mounir Chouiar läuft an, Basels Marwin Hitz hält den Penalty.Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkUm das Offerieren des Apéros ist Marwin Hitz diesmal herumgekommen. «Einen ausgeben» in der Kabine nach dem 1:0-Sieg des FC Basel beim FC Zürich muss der FCB-Goalie nicht. Das sagt zumindest Dominik Schmid: «Die Getränke gehen auf mich.» Schmid hat kurz vor dem Seitenwechsel die Gelbe Karte gesehen, was zur Folge hat, dass der Kaiseraugster am Donnerstag gegen Luzern gesperrt fehlen wird. Deshalb wird der FCB-Trainerstaff im Hinblick auf diese Partie erstmals in diesem Kalenderjahr seine Startelf neu zusammenstellen müssen.Dabei hätte auch Hitz allen Grund gehabt, eine «Runde» auszugeben. Beim ersten FCB-Sieg über den FC Zürich seit August 2022 ist der 37-Jährige der Matchwinner. Sämtliche Angriffsbemühungen der Zürcher scheitern. Auch weil der Ostschweizer in Basler Diensten einen hervorragenden Nachmittag einzieht. Der Reflex gegen Juan José Perea (24.), der wohl knapp im Abseits gestanden hat, sowie der gehaltene Elfmeter gegen Mounir Chouiar (33.) sorgen dafür, dass der FCB in Zürich nicht in Rückstand gerät, schliesslich gewinnt und Hitz zum sechsten Mal in dieser Saison in der Liga «zu null» spielt.Deshalb spricht Hitz nach dem hart erkämpften Arbeitssieg von einem «guten Gefühl». Und natürlich ist auch ihm nicht entgangen, «dass wir nun auch solche Spiele gewinnen, wenn wir nicht alles richtig gemacht haben». Zumindest seine Vorderleute nicht, denn Hitz zeigt eine Partie, wie man sie von ihm in dieser Saison schon des Öftern gesehen hat: eine fehlerlose.Das Lob des TrainersDas ist natürlich auch Fabio Celestini nicht entgangen. Weshalb er ein weiteres Mal in dieser Spielzeit betont: «Marwin ist der beste Goalie dieser Liga.» Der FCB-Trainer mag aber nicht einzelne Akteure für das aktuelle Basler Hoch hervorheben, vielmehr spricht er von «dieser Mannschaft»: «Einmal ist es Shaqiri, einmal ist es Carlos und jetzt ist es eben Hitz, der den Unterschied ausmacht.»Marwin Hitz ist nicht nur der Älteste im Basler Team, sondern auch ein absoluter Leader.Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)Es scheint, als ob das vorzeitige Klären seiner Zukunft Marwin Hitz nochmals einen zusätzlichen Motivationsschub verleiht. Vor Wochenfrist hat der im Thurgau wohnhafte Goalie seinen Kontrakt in Basel um eine weitere Saison verlängert – bis im Juni 2026.Damit hat Hitz mit seiner Familie und seinem Umfeld nochmals eine Auslegeordnung seiner Karriere vornehmen müssen. Denn geplant war, dass in diesem Sommer Schluss ist. Doch dann kam im letzten Herbst der Verein auf ihn zu, suchte das Gespräch, und der 37-Jährige merkte rasch, dass er noch ein Jahr länger spielen möchte als geplant.Hitz und der TitelgewinnDas ist nun der Fall, und Hitz hat nach wie vor ein grosses Ziel vor Augen: Als der Goalie im Sommer 2022 aus der Bundesliga ans Rheinknie wechselte, sagte er, dass er mit dem FCB Titel gewinnen möchte. Gelungen ist dies bis heute nicht.Aber: Dass der FC Basel nach einer schwierigen letzten Saison nun plötzlich an einem Punkt angelangt ist, wo Titelgewinne wieder realistisch sind, ist auch das Verdienst von Hitz. Wir erinnern uns: Dass Rotblau im Viertelfinal des Schweizer Cups steht, ist stark an die Personalie der Basler Nummer 1 gekoppelt. In Nyon hält Hitz einen Elfmeter von Franck Koré, und im Achtelfinal gegen den FC Sion sehen die Walliser im Penaltyschiessen zwei Elfmeter vom Basler Torhüter abgewehrt. Der FCB ist in diesem Wettbewerb noch drei Siege vom Titel entfernt.Um einiges schwieriger ist es für die Basler hingegen, auf dem Ligaweg zu einem Pokal zu kommen. Das weiss auch Marwin Hitz, der nach dem 1:0 im Klassiker und dem Festigen von Platz zwei nach wie vor nichts von einem möglichen Super-League-Titel wissen will. Er sagt: «Mit diesem Punkteschnitt sind wir noch kein Meisterschaftskandidat.»Doch mit dem Start ins 2025 hat der FC Basel ein starkes Ausrufezeichen gesetzt. Drei Spiele, sieben Punkte. Macht der FCB so weiter und hält Hitz wiederholt derart bravourös, dürfte sich der Punkteschnitt nach oben schrauben. Was das heisst, weiss der erfahrene Fussballprofi nur allzu gut – auch wenn er aktuell nicht darüber sprechen möchte.Der FC Basel im 2025:Den Podcast können Sie auf Spotify oder Apple Podcasts abonnieren. Falls Sie eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie einfach nach «Dritte Halbzeit».NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenDominic Willimann ist seit 2007 Sport-Redaktor der BaZ und kennt den regionalen Sport aus dem Effeff. Ebenso ist er mit den Geschehnissen rund um den FC Basel vertraut und hat seit 2007 kein Eidgenössisches Schwingfest verpasst. Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare