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Das Defensiv-Zentrum des FC Basel steht vor dem Stresstest

Jonas Adjetey und Adrian Barisic hören Trainer Ludovic Magnin beim Trainingslager des FC Basel in Schruns, Österreich, zu.
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In Kürze:

  • Das defensive Zentrum des FC Basel weist vor den Champions-League-Playoffs Schwächen auf.
  • Die sechs möglichen Defensivspieler bringen zusammen nur zwölf Europacup-Einsätze mit.
  • Mit durchschnittlich 1,75 Gegentoren pro Ligaspiel ist die Basler Abwehr weit über dem Wert der Meistersaison.
  • Die Suche nach einem erfahrenen Innenverteidiger wird durch Nicht-EU-Ausländerregelung erschwert.

Gegen den FC Biel wäre es für den FC Basel wohl auch anders gegangen. Mit Marvin Akahomen in der Innenverteidigung zum Beispiel. Oder mit Dion Kacuri im defensiven Mittelfeld. Denn wenn der aktuelle Schweizer Meister gegen einen Vertreter der Promotion League im Schweizer Cup antritt, dann müssen auch jene Spieler gut genug für den Sieg sein, die normalerweise nicht oder nur wenig zum Zuge kommen.

Dass FCB-Trainer Ludovic Magnin stattdessen eine Startformation auf den neuen Hybrid-Rasen des St.-Jakob-Parks schickte, die zumindest auf den defensiven Positionen ohne wirkliches Experiment daherkam, war zwar durchaus dem Gegner geschuldet. Allerdings nicht jenem aus Biel, den der FCB mit 6:1 souverän besiegte. Sondern jenem aus Kopenhagen, der dem FCB am Mittwoch gegenübersteht und in den Playoffs zur Champions League eine ganz andere Hürde darstellt.

Der FC Basel und die Höhe der Hürde

Diese ist zwar nicht unüberwindbar. Aber doch so gross, dass die Basler zuerst im eigenen Stadion und dann eine Woche später in der Parken-Arena des FC Kopenhagen ziemlich hoch springen sollten, wollen sie daran nicht hängen bleiben. Oder anders gesagt: Sie werden gegen den dänischen Meister ihrem Leistungsmaximum sehr nahekommen müssen, soll es klappen mit den vielen Millionen, die es einem in der europäischen Königsklasse in die Kassen spült – und soll es in den folgenden Monaten nicht «nur» die klar weniger lukrative Europa League sein, in der sich die Basler im internationalen Schaufenster präsentieren.

Fragezeichen gibt es dabei nach den ersten fünf nationalen Pflichtspielen einige, wenn es darum geht, ob dieser FC Basel schon über das nötige Rüstzeug verfügt, um in dieser ersten, wegweisenden internationalen Affiche zu bestehen.

Da ist die Erfahrung mit dieser oder einer vergleichbaren Europacup-K.-o.-Situation, die in den Basler Reihen trotz eines Xherdan Shaqiri oder Marwin Hitz insgesamt dünn gesät ist, während der Gegner davon einiges vorzuweisen hat, sich allein in den vergangenen drei Saisons via Qualifikation zweimal in die Champions League und einmal in die Conference League spielte. Da sind die Rädchen beim FC Basel, die bisher mal besser (4:1 gegen YB, 2:1 gegen GC), mal schlechter (1:2 in St. Gallen, 1:3 in Lugano) ineinandergegriffen, aber noch nicht den Eindruck einer konstant funktionierenden Maschine vermittelt haben. Da ist die Überfigur Shaqiri, die bisher eher in Unterform schien. Und da ist – wohl vor allem anderen – der Basler Defensiv-Verbund, der auf den zentralen Positionen die Zweifel nährt, dass das was wird mit der Champions-League-Teilnahme.

Der FC Basel und die fehlende Europacup-Erfahrung

Gerade in diesem Bereich ist die fehlende Europacup-Erfahrung besonders auffällig: Geht man vom bisher praktizierten 4-2-3-1-System aus, dann wird der FC Basel gegen Kopenhagen mit zwei Innenverteidigern und zwei defensiven Mittelfeldspielern agieren. Dabei wird sich FCB-Trainer Ludovic Magnin für jeweils zwei Spieler aus diesen jeweiligen Trios entscheiden: Jonas Adjetey, Nicolas Vouilloz und Adrian Barisic kommen für die Innenverteidigung infrage, während Metinho, Léo Leroy und Koba Koindredi Anwärter für die beiden Positionen zwischen der defensiven Viererkette und Offensiv-Regisseur Shaqiri sind. Die kumulierte Europacup-Erfahrung dieser sechs Kandidaten beträgt gerade mal 12 Spiele, was einem Durchschnitt von exakt zwei Partien entspricht.

Hinzu kommt, dass die bisherigen Eindrücke dazu führen, dass Magnin die beiden «erfahrensten» Europacup-Spieler wohl gar nicht für die Startelf nominieren wird: Vouilloz – der sieben internationale Einsätze mit Servette vorweisen kann – spielte zwar gegen Biel, schien zuletzt aber nur die Nummer 3 in der Innenverteidigung zu sein. Dasselbe gilt für Koindredi (drei Europa-League-Spiele für Sporting Lissabon) im defensiven Mittelfeld. Es würde bedeuten, dass das Basler Defensiv-Zentrum von einem Quartett gebildet wird, in dem Barisic mit zwei erfolglosen Qualifikationspartien zur Conference League für Osijek als Einziger schon mal europäisch gespielt hat.

Sicher ist: Im defensiven Zentrum werden Spieler agieren, die ihre europäische Premiere erleben. Adjetey ist in Magnins Idee eines hohen Pressings aufgrund seines Speeds zur Absicherung bei langen gegnerischen Bällen in der Abwehr normalerweise gesetzt – und selbst wenn es wie gegen Biel auf ein Innenverteidiger-Tandem Barisic/Vouilloz hinauslaufen sollte, so wird davor zumindest einer des Duos Metinho/Leroy in der Startelf stehen.

Jonas Adjetey vom FC Basel zeigt Enttäuschung während des Super-League-Spiels gegen Grasshopper Club Zürich in Basel.

Allein diese Statistiken sind Indiz genug, dass die auf Umschaltmomente setzenden Kopenhagener für die Basler Defensive eine besonders schwierige Prüfung darstellen, die einem Stresstest gleichkommt. Auch weil der Gegner im Angriff als aussergewöhnlich effizient gilt: Beim Qualifikations-Rückspiel gegen Malmö genügte den Dänen der verblüffend-bescheidene Wert von nur 0,69 zu erwartenden Toren, um den schwedischen Champion mit 5:0 aus dem Kopenhagener Parken zu schiessen.

Ein fehlerfreies Basler Spiel gegen den Ball und im Aufbau täte folglich not. Allein: In den bisherigen vier Ligapartien ist man davon ein gutes Stück entfernt gewesen.

Der FC Basel und die 1,75 Gegentore pro Ligaspiel

Selbst die klar beste FCB-Leistung beim 4:1-Heimsieg gegen den BSC Young Boys beinhaltete unsaubere Momente, wovon jener beim Gegentreffer zum 0:1 am stärksten wog, als erst Vouilloz im Zweikampf gegen Torschütze Males und dann Goalie Marwin Hitz im Positionsspiel suboptimal agieren. Und in den anderen Partien finden sich ohnehin Beispiele, wie man eine Situation besser hätte verteidigen können.

Unter dem Strich führt dies dazu, dass der FCB in der Liga noch nicht zu null gespielt, aber bereits sieben Gegentreffer kassiert hat, wobei er sich nicht zuletzt bei Standards (vier Gegentore) anfällig zeigte. Der bisherige Gegentor-Schnitt (1,75 pro Partie) ist weit vom meisterlichen Vorjahreswert (1,13) entfernt, als man nicht nur den besten Angriff, sondern auch die beste Abwehr der Super League stellte.

Dazu passt, dass Magnin im Defensiv-Zentrum, wo man meist nur wechselt, wenn dies nötig erscheint, schon verschiedene Kombinationen für die Startelf nominierte. In Verbindung mit der Anzahl Gegentreffer ist dies ein klarer Hinweis darauf, dass in diesem Schlüsselbereich einer jeden Mannschaft bisher noch nicht alles so ist, wie sich das der Trainer wünscht.

Der FC Basel und die Nicht-EU-Ausländer

Vielleicht liegt das auch daran, dass in Sachen Kaderplanung nicht alles so verlaufen ist wie beabsichtigt: Ungeachtet der möglichen Abgänge war stets vorgesehen, einen zusätzlichen Innenverteidiger zu verpflichten, welcher der Mannschaft ohne Anlaufzeit helfen kann. Dass dies bisher nicht geschehen ist, liegt offenbar daran, dass sich aus der Liste der Kandidaten mit dem passenden Profil bisher nur Nicht-EU-Ausländer als frühzeitig realisierbare Transfers erwiesen haben.

Das Problem daran ist, dass in der Super League nicht mehr als maximal fünf Nicht-EU-Ausländer gleichzeitig auf dem Feld stehen dürfen. Dies, während der FCB bereits zehn Nicht-EU-Ausländer im Kader hat, von denen neben dem Ghanaer Adjetey und dem Kongo-Brasilianer Metinho auch der japanische Rechtsverteidiger Keigo Tsunemoto sowie die Flügelangreifer Bénie Traoré (Elfenbeinküste) und Philip Otele (Nigeria) aktuell zur Startelf zählen. Solange sich an dieser Konstellation nichts ändert, bedeutet dies: Wenn der neue Innenverteidiger kein Schweizer ist, so sollte er doch zumindest als EU-Ausländer zählen, damit der Trainer in der Meisterschaft keinen potenziellen Starter aussen vor lassen muss.

Wie schwer all diese Faktoren gegen Kopenhagen tatsächlich wiegen, werden die beiden kapitalen Spiele gegen den dänischen Meister zeigen. Dass die Mannschaft des FC Basel als Ganze zwei gute Leistungen benötigt, um sich in dieser Affiche durchzusetzen, gilt ohnehin.

Klar ist aber auch, dass die Grundlage eines jeden gelungenen Spiels im Defensiv-Zentrum gelegt wird. Dessen Performance entscheidet massgeblich über die Stabilität des Gebildes mit und ohne Ball. Soll dies beim FCB zum Guten geschehen und in die Champions League führen, dann ist im Vergleich zum bisher Gezeigten eine Steigerung nötig.

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Und wie viele wissen eigentlich, warum in der Nähe des Barfüsserplatzes ein Plakat mit der Aufschrift «Rebellion» an der Hauswand hängt? Das Wimmelbuch hat in Sachen Fankultur jedenfalls mindestens so viele Details und Anspielungen zu bieten wie bei all den Dingen, die «nur» auf dem Rasen passieren.Das Wimmelbuch «Vo dr Rhygass bis zum Spaledoor» ist an folgenden Orten für den Preis von 30 Franken erhältlich: Plattformbar hinter der Muttenzerkurve, Saal 12, FCB-Fanshop am Joggeli, Kulturhaus Bider & Tanner, Didi Offensiv sowie im Wirth’s Huus.Aktuelles zum FC Basel:«Dritte Halbzeit» – der Fussball-PodcastDen Podcast können Sie auf Spotify oder Apple Podcasts abonnieren. Falls Sie eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie einfach nach «Dritte Halbzeit».Tilman Pauls arbeitet seit über zehn Jahren für die Sportredaktion der Basler Zeitung und beschäftigt sich seit 2013 intensiv mit dem FC Basel.Mehr Infos@tilman_pDominic Willimann ist seit 2007 Sport-Redaktor der BaZ und kennt den regionalen Sport aus dem Effeff. Ebenso ist er mit den Geschehnissen rund um den FC Basel vertraut und hat seit 2007 kein Eidgenössisches Schwingfest verpasst. Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare