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AboDer FCB-Ersatzgoalie im Interview

«Ich bin beim FC Basel ein Führungsspieler»

Torhüter Mirko Salvi vom FC Basel trainiert während des Trainingslagers in Schruns mit dem Fussball.
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Mirko Salvi, Sie beherrschen einige Sprachen. Gibt es eigentlich jemanden im Team, mit dem Sie sich nicht unterhalten können?

(überlegt kurz) Nein, ich kann eigentlich mit allen reden. Sei es Französisch, Italienisch, Englisch oder Deutsch, auch Spanisch verstehe ich ein wenig.

Also auch mit Neuzugang Keigo Tsunemoto?

Japanisch kann ich natürlich nicht. (lacht) Aber da er Englisch spricht, funktioniert auch das.

Sie vernetzen andere sprachlich – spiegelt dies Ihre Rolle in diesem FCB-Team, wenn es um die Kabine geht?

Ich bin ein offener Typ, jemand, der andere zusammenbringt. In dem Sinne ja, diese Rolle nehme ich auch innerhalb des Teams wahr.

Sie haben viele Jugendmannschaften des FC Basel durchlaufen, kennen den Verein gut. Als Nummer 2 im Tor stehen Sie aber selten wirklich auf dem Platz. Hindert Sie das daran, eine Führungsfigur zu sein?

Ich bin beim FCB ein Führungsspieler. Auch wenn meine Rolle als Ersatzkeeper dafür nicht typisch ist. Dafür spricht meine Erfahrung. Ich pushe meine Teamkameraden, damit wir unsere Ziele erreichen können.

Sie sprechen Ihre Rolle als Ersatzkeeper an. Die grosse Aufmerksamkeit ist in der Regel auf Marwin Hitz gerichtet. Meiden Sie das Rampenlicht als Nummer 2 im Tor etwa bewusst?

Überhaupt nicht, natürlich will ich lieber die Nummer 1 sein als die Nummer 2. (lacht) Jeder Spitzensportler möchte spielen und seine Qualitäten öffentlich präsentieren. Im Rampenlicht zu stehen, würde auch mir bis zu einem gewissen Grad gefallen. Aber ich akzeptiere meine Rolle: Ich unterstütze Marwin so gut wie möglich, ich pushe das Team. Dafür schiebe ich mein Ego zur Seite.

Das Ego zur Seite zu schieben – kann man das lernen?

Ja klar, das kommt auch mit der Erfahrung. Man muss lernen, seine Emotionen zu kontrollieren. Das Ego stelle ich hinten an und mache einen Schritt zurück, um meiner Mannschaft zu helfen. Nur so sind wir erfolgreich. Ich denke, das ist die richtige Art, um mit dieser Situation umzugehen.

Das klingt nach einem inneren Konflikt: Auf der einen Seite möchten Sie unbedingt spielen. Auf der anderen wissen Sie aber, dass Sie das in der aktuellen Rolle nicht können, Sie sich in den Dienst der Mannschaft stellen müssen. Wie schaffen Sie das?

Ich denke, dieses Zusammenspiel hat auch viel mit den Charakteren der Torhüter zu tun. Marwin und ich passen sehr gut zusammen. Er ist eher der ruhige Typ, ich rede eher etwas mehr. Das passt gut, so können wir uns gegenseitig auch pushen.

Läuft denn ein Konkurrenzkampf zwischen Ihnen?

In gewissem Sinne schon. Eine gesunde Konkurrenz ist wichtig, damit der, der spielt, eine gute Leistung bringen kann. Aber eben, die Konkurrenz muss gesund und positiv sein.

Wie meinen Sie das?

Damit meine ich, präsent zu sein, obwohl man weiss, dass der andere spielt – denn so ist die Hierarchie. Damit unterstütze ich die Nummer 1 darin, ihre Leistung zu bringen. Eine negative Konkurrenz wäre zum Beispiel, heimlich schlecht über den ersten Torhüter zu reden, wenn er Fehler macht. Doch Fehler passieren uns allen.

Wobei Fehler beim Goalie natürlich besonders sind …

Ja, weil jeder sie sofort sieht!

Umso schwieriger ist es, sich vorzustellen, ohne Rhythmus genau auf den Punkt bereit sein zu müssen.

Das ist eigentlich das Schwierigste an meiner Rolle: die Leistung genau dann zu bringen, wenn es sie braucht. Während der Stammtorhüter sein Vertrauen dabei aus seinen Ernstkämpfen zieht, nehme ich es aus dem Training. Deshalb muss ich mich da auch besonders fokussieren. Ich bereite mich so vor, als würde ich spielen.

Verlangen diese unterschiedlichen Ausgangslagen auch eine andere Art von Training zwischen Ihnen und Marwin Hitz?

Nein, wir machen genau das Gleiche.

Warum sind Sie eigentlich in Basel die Nummer 2 statt anderswo die Nummer 1?

Gute Frage. Ich liebe diesen Verein, es ist mein Herzensverein. In einem anderen Club würde ich das nicht tun.

Hätten Sie denn Lust, sich anderswo wieder als Nummer 1 zu versuchen?

Im Fussball muss man immer offen für alles sein.

Der Satz ist im Fussball geläufig …

Nun ja, man kann nie wissen, was passiert, das Geschäft geht so schnell. Es ist einfach so.

Aber kommen denn beispielsweise andere Super-League-Clubs auf Sie zu? Schliesslich hätten Sie wohl die Qualität, um dort die Nummer 1 zu sein …

Ja klar. Aber ich habe mich entschieden, hier in Basel zu bleiben.

Nie mehr von Basel weggehen zu wollen, würden Sie aber nicht behaupten.

Ich lasse das offen. In diesem Geschäft muss man das so machen. Sonst heisst es ein Jahr später dann, man habe ja damals etwas ganz anderes gesagt.

Könnten Sie sich denn auch vorstellen, in einem anderen Land als der Schweiz zu spielen?

Ja.

Zum Beispiel Italien?

Ja, Italien. Schliesslich bin ich Italiener, deshalb habe ich da immer ein spezielles Auge darauf geworfen.

Nun sind Sie bereits 31-jährig. Wissen Sie denn schon, wie lange Sie überhaupt noch aktiv bleiben wollen?

Solange ich gesund bleibe, möchte ich spielen. Ich denke, das werden schon noch ein paar Jahre sein.

Dennoch wird unweigerlich eine Zeit nach dem Fussball folgen. Sehen Sie sich als künftigen Goalie-Trainer?

Als Goalie-Trainer eher nicht, doch auch das möchte ich mir offenlassen. Gedanken dazu habe ich mir jedenfalls schon gemacht.

Sie könnten sich also auch ein Engagement neben dem Fussball vorstellen.

Ja.

In welcher Richtung wäre das?

Das behalte ich noch für mich.

Sie haben eine Idee im Kopf, wollen sie aber nicht sagen.

Genau.

Nicht einmal einen kleinen Tipp? Wir sind ja unter uns. Geht es eher in Richtung Banker, eher in Richtung Gärtner …

(überlegt kurz) Lieber nicht. Wenn ich mir bei einer Idee noch nicht sicher bin, verrate ich lieber noch nichts.

Schade. Doch zurück ins Jetzt: Wie blicken Sie denn der kommenden FCB-Saison entgegen?

Natürlich freue ich mich! Wir haben schöne Ziele zu erreichen, sind europäisch wieder dabei – das ist grossartig.

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