AboRotblaue Feier während ESC?

Wird der FCB am Sonntag Meister, kommt es zu Einschränkungen beim ESC

Matias Delgado hält den Super League Pokal und feiert mit FC Basel Fans am Barfüsserplatz.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.

BotTalk

In Kürze:

  • Der FCB könnte bereits am kommenden Sonntag den ersten Meistertitel seit 2017 feiern.
  • Die Barfi-Feier kollidiert möglicherweise mit den Veranstaltungen des Eurovision Song Contest.
  • Behörden planen Massnahmen für bis zu 20’000 erwartete Fans im Stadtzentrum.
  • Bei einer späteren Titelentscheidung wären Feiern bis zum 24. Mai denkbar.

Auch wenn sich Fabio Celestini und Co. demütig geben und auf der Zielgeraden der Meisterschaft noch nicht vom Titel reden: Alles spricht dafür, dass der FC Basel in den nächsten Tagen seinen 21. Meistertitel der Clubgeschichte feiern wird. Aktuell beträgt der Vorsprung von Rotblau auf die Konkurrenz vier Runden vor Saisonende mindestens neun Zähler.

Diese Ausgangslage sorgt dafür, dass der Zeitpunkt, zu dem sich der FCB zum Meister gratulieren lassen darf, ungewiss ist. Es gibt verschiedene Szenarien, wann Rotblau mathematisch nicht mehr eingeholt werden kann. Sicher ist einzig: Sobald der FCB von Platz 1 der Super League nicht mehr verdrängt werden kann, steigt in der Stadt, genauer gesagt auf dem Barfüsserplatz, eine Riesenparty. Das wäre an sich kein Problem. Nur: Vom 10. bis zum 17. Mai dominiert der Eurovision Song Contest (ESC) in der Stadt, der Barfüsserplatz wird zum Festivalplatz. Das bringt Herausforderungen mit sich.

Folgende Szenarien der FCB-Feierlichkeiten sind möglich:

11. Mai: FCB und ESC auf dem Barfi

Am Sonntag wäre der erstmögliche Termin für eine spontane Meisterparty. Damit diese steigt, muss Folgendes eintreten: Erstens muss der FCB am Samstag in Lugano gewinnen. Und zweitens darf Servette am Sonntag im Vergleich mit dem Schweizer Meister aus Bern nicht siegen. Der FCB würde also Sofameister – er dürfte jubeln, ohne gespielt zu haben.

In diesem Fall würde in der Stadt eine Riesensause steigen. Die Euphorie rund um den FC Basel ist in diesen Tagen so gross wie lange nicht mehr. Verständlich, geht der letzte Meistertitel doch auf die Saison 2016/17 zurück. Am Samstag werden Hunderte FCB-Fans nach Lugano reisen, das Cornaredo ist wenige Tage vor dem Spiel praktisch ausverkauft.

Matias Delgado feiert mit FC Basel Fans auf dem Balkon am Barfüsserplatz in Basel, umringt von jubelnden Anhängern und leuchtenden Fackeln.

Kehrt Rotblau mit einem Sieg heim, wird die Mannschaft das Spiel zwischen Servette und den Young Boys am Sonntag gemeinsam im privaten Rahmen vor dem Fernseher schauen – voraussichtlich in der Innenstadt, nahe dem Barfüsserplatz.

Denn dort soll – wie immer – die spontane Meisterfeier durchgeführt werden. Kein Thema ist, etwa auf den Marktplatz auszuweichen. Auf dem dortigen UBS-Balkon sind Anfang dieses Jahrtausends von den FCB-Fans auch schon Pokale bejubelt worden.

Es ist damit zu rechnen, dass ab 18.30 Uhr die ersten FCB-Fans auf dem Barfi eintreffen. Die Polizei rechnet mit rund 20’000 Menschen, die wegen des FC Basel auf den Barfüsserplatz kommen. Gegen 21 Uhr schliesslich dürfte die Mannschaft vom Balkon des Papa Joe’s den Fans zujubeln. Das dortige Geländer wurde in den letzten Tagen wegen der wahrscheinlichen Feier auf den neusten Stand gebracht.

Eine Meisterparty am Sonntag hat Auswirkungen auf das Menschenaufkommen und das ESC-Programm in der Innenstadt. Am Sonntag werden allein Zehntausende in der Stadt erwartet, weil der ESC mit der Opening Ceremony und der Parade seine Ouvertüre erfährt. Zudem sind die Läden geöffnet. Beim prognostizierten schönen Wetter dürfte die Stadt rappelvoll sein. Der Tramverkehr durch die Innenstadt jedenfalls wird von 13.15 Uhr bis etwa 17.30 Uhr umgeleitet.

Auf der Barfi-Bühne, wenige Meter neben dem Casino-Balkon, findet eine Reihe an Jazz-Konzerten statt. Es ist davon auszugehen, dass diese spätestens dann, wenn die FCB-Spieler vom Balkon jubeln, pausieren müssen oder gar ausfallen. Nach Informationen dieser Zeitung sind die Behörden, der ESC sowie der FCB gemeinsam bestrebt, eine Lösung auf dem Barfi anzubieten, die allen Besuchern gerecht wird – und die sicherheitstechnisch vertretbar ist. Dennoch dürfte es zu Einschränkungen im dortigen ESC-Programm kommen.

14. Mai: Feier weit nach Mitternacht

An diesem Mittwoch tritt Rotblau auf dem Kunstrasen in Lausanne an. Hat der FC Basel nach dieser Partie zehn oder mehr Punkte Vorsprung auf Rang zwei, wäre er Meister. Das Spiel im Stade de la Tuilière wird gegen 22.30 Uhr beendet sein.

Das bedeutet, dass die Mannschaft am Donnerstag gegen 2.30 Uhr in der Früh vom Papa-Joe’s-Balkon seinen Fans zujubeln würde. Die zwei Extrazüge aus Lausanne kommen kurz nach 2 Uhr am Basler Bahnhof an, danach ginge es direkt zum Barfi. Allerdings werden dort wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit weitaus weniger Fans erwartet als etwa am kommenden Sonntag. Aber: Immerhin gelangen FCB-Fans problemlos mit dem ÖV in die Stadt und wieder heim. Denn Trams und Busse fahren in der ESC-Woche rund um die Uhr – und auch die Züge stehen kaum still.

15. Mai: Sofameister zum Zweiten

Wie am Sonntag besteht auch am 15. Mai die Möglichkeit, vom Sofa aus den Meistertitel zu bejubeln. Servette und YB tragen ihre Partien des 36. Spieltags erst am Donnerstag aus. Sollte der Vorsprung des FCB nach deren Ernstkämpfen sieben Punkte oder mehr betragen, ist Rotblau Meister.

In diesem Fall tangieren die FCB-Feierlichkeiten den ESC an dessen Halbfinaltag nur am Rande. Gefeiert würde auf dem Barfi wohl ab Mitternacht, wenn die Konzerte auf der dortigen Bühne ohnehin beendet sind.

18. Mai: Titel in Bern

Der FCB weiss, wie man in Bern Meister werden kann. Unvergessen, wie Rotblau 2002 im Neufeld die Young Boys besiegte und nach 22 Jahren des Wartens wieder eine Meisterschaft bejubeln durfte.

Nun tritt Basel aber auf dem Kunstrasen des Wankdorfs an und kann mit einem Sieg alles klarmachen. Das Spiel ist auf 14.15 Uhr angesetzt, die Mannschaft würde gegen 22 Uhr auf dem Barfi erwartet. Das Gute an diesem Szenario: FCB und ESC kämen sich nicht in die Quere, da der Grossevent dann vorbei ist.

24. Mai: Die offizielle Feier

Entscheidet sich die Meisterschaft tatsächlich erst am letzten Spieltag, käme es am 24. Mai zu einer spontanen und offiziellen Feier in einem – sofern der FCB den komfortablen Vorsprung in den letzten vier Spielen nicht vergeigt. Ist Rotblau vor der 38. Runde Meister, steht an diesem Samstag «nur» die offizielle Meisterfeier auf dem Programm.

Diese dürfte sich vom Ablauf her an früheren Meisterfeiern orientieren. Um 18 Uhr empfängt der FCB im St.-Jakob-Park den FC Luzern. Nach Abpfiff wäre im Stadion die Pokalübergabe, ehe am späten Abend die Mannschaft ein zweites Mal vom Stadtcasino-Balkon ihre starke Saison zelebrieren würde. Gut möglich auch, dass der FCB ein drittes Mal am Barfi aufkreuzt: dann, wenn die Mannschaft am 1. Juni den Cupfinal gegen den FC Biel gewinnt.

Newsletter

Rotblau aktuell

Erhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.

Weitere Newsletter

Similar Posts

  • Wochenduell zum FC Basel: Trikot-Hype beim FCB – braucht es das?

    AboWochenduell zu den Goldtrikots – Sind vier FCB-Shirts in einer halben Saison zu viel?Erst sind es Flammen-Tenüs, jetzt läuft der FCB gegen Servette in Gold auf. Die Trikots dieser Saison spalten die Anhängerschaft.Publiziert heute um 07:02 UhrHattrick und Platz 1: Der Sonntagabend war für Xherdan Shaqiri ein goldener.Foto: Ennio LeanzaJetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkJa! Mit dieser Trikot-Schwemme geht der Erinnerungswert des Einzelstücks vollends verloren. Freuen kann sich nur die Fanshop-Kasse.Fussball, das sei mehr als nur ein Sport – so zumindest lautet ein gängiger Spruch. Eine These, die genauerer Betrachtung bedarf: Worum geht es beim Fussball denn eigentlich?Um Unterhaltung, sagen die einen. Um Emotionen, um Ästhetik, ums Zusammensein. Dafür gehen wir gern ins Joggeli.Um Geld, entgegnen die anderen. Die Erfolgsrechnung sei doch der wahre Antrieb der Clubs. Fussball, nichts anderes als Mittel zu Umsatz und Gewinn.Ums Toreschiessen, meint dann vielleicht ein Dritter und grinst über den gelungenen Scherz. Und darüber, der explosiven Fragestellung geschickt ausgewichen zu sein.Einig wird man sich offenbar nur darin, dass es einer Organisation wie dem FC Basel um mehr geht als den grünen Rasen. Exemplarisch dafür: die diesjährige Basler Trikot-Strategie.Die Flammen-Trikots sorgten anfänglich für eine grosse Kontroverse.Foto: Anthony AnexGanze vier Trikotsorten sind es nämlich, die der FC Basel in dieser so jungen Saison bereits in den Verkauf gebracht hat. Hinzu kommen etliche Trainings- und Ausgangskollektionen. Dabei sind erst 15 Runden gespielt.Bestätigt sehen sich damit natürlich sofort diejenigen, die hinter grossen Fussballvereinen ohnehin schon Geldmaschinerien vermuten. Und ihre Argumente sitzen. Denn selbst wenn ausser Frage steht, dass sich jede und jeder selbstverständlich über neue FCB-Trikots freuen darf (und keinerlei Kaufzwang besteht): Gleich vier Trikots innert vier Monaten braucht es dafür nicht. Zu nützen scheint dies nur der Kasse des Fanshops. «Nimmersatt, dieser FCB», wird dann leise geraunt.Hinzu kommt: Der Erinnerungswert eines Trikots, die Identifikation mit einer spezifischen Saison, sie löst sich mit einer derartigen Schwemme an Stoff allmählich auf. Das FCB-Tenü verkommt zum reinen Modeobjekt. «Aus welcher Saison stammt dein Shaqiri-Shirt?» – «Keine Ahnung, aber schau, das Gold passt zu meiner Armbanduhr.»Immer bunter, immer mehr. Natürlich ist der FC Basel nicht der einzige Verein, dessen Marketingabteilung auf Hochtouren läuft, vielmehr ist dies eine globale Entwicklung. Am Ende des Tages geht es aber eben doch um Geld, das zu machen ist.Das ist kein Verbrechen, sondern letztlich überlebenswichtig. Trotzdem sollte der FCB, möchte er weiterhin regionale Akzeptanz geniessen, auf seine Prioritäten achten. Weniger Nebenschauplätze, weniger Extravaganz – weniger goldene Spezialtrikots. Das wäre unter dem Strich mehr – und täte dem Basler Fussballerlebnis ganz sicher keinen Abbruch. Jankó WeibelNein! Die Fans lieben die Leibchen – warum sollte man den Hype künstlich bremsen?Zugegeben: Es war schon etwas ungewohnt, den FC Basel am Sonntagabend in goldenen Trikots zu sehen. Mit dunkelroten Akzenten. Gegen Servette. Und ja: Das grüne Basler Trikot, das dritte dieser Saison, wäre nur minimal weniger ungewohnt gewesen, hatten es die Spieler doch nur im Cupspiel gegen Subingen an. Es ist nicht schwierig, daran Kritikpunkte zu finden. Aber man muss auch die positiven Seiten der bisherigen vier FCB-Trikots dieser Saison anerkennen. Und von denen gibt es einige. Grün wie der Basilisk: Das dritte FCB-Trikot dieser Saison.Foto: Peter Klaunzer (Keystone)Die lange Schlange vor dem Fanshop am Sonntagmorgen vor dem Servette-Spiel spricht für sich. Auch die Goldtrikots sind ein absoluter Fan-Favorit. Manche der Käuferinnen und Käufer sind eine Stunde für das neue Leibchen angestanden. Am Montagmittag vermeldete der FCB, dass der «kleine Restbestand» der Goldtrikots jetzt im Onlineshop erhältlich sei. Der Hype um den Club ist derzeit riesig. Wieso sollte der FCB das nicht ausnutzen? Letztlich kommen die Einnahmen der Trikots ja zu einem Teil auch den Fans wieder zugute. Denn geht es dem FCB gut, sportlich und finanziell, sind auch seine Anhängerinnen und Anhänger glücklich.Es ist ja auch nicht so, dass der FCB wahllos Trikots herausbringt, die lieblos gemacht sind oder keine Qualität haben. Die beiden Flammen- sowie die beiden Basilisken-Designs wurden in Zusammenarbeit mit der Modedesignerin Anaïs Marti und den Grafikdesignern des Basler Designstudios Tristesse entworfen. Die Schrift für die Rückennummern und Spielernamen des Basler Grafikers Sylvan Lanz erhielt den Swiss Design Award. Diese Qualität macht sich bezahlt: Schon vor der Rückkehr Xherdan Shaqiris verkaufte man zehn Prozent mehr Trikots als im Vorjahr. Ende September, nach dem Coup, waren es dann hundert Prozent mehr. Haben sich ebenfalls gut verkauft: Die schwarz-weissen Flammen-Trikots.Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)Nun bringt man eben mit dem goldenen Trikot das vierte der Hinrunde heraus. Doch macht man das nicht lieblos. Sondern der FCB verbindet es mit seinem 131. Geburtstag und bietet den Fans während der Länderspielpause in Form einer Schnitzeljagd die Möglichkeit, vorab an ein Leibchen zu kommen. Dass das nun gleich zusammenkommt mit dem ersten Mal seit 2021, dass der FCB auf Platz 1 der Super League steht, und dem ersten Hattrick Xherdan Shaqiris auf Clubebene, konnte man nicht voraussehen. Es ist fast schon zu kitschig, hat dieses Goldtrikot nun doch auch noch einen kleinen historischen Wert. Aber es zeigt, dass der FCB derzeit auf verschiedenen Ebenen vieles richtig macht.Der FCB ist LeaderDen Podcast können Sie auf Spotify oder Apple Podcasts abonnieren. Falls Sie eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie einfach nach «Dritte Halbzeit».NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. Mehr Infos@linusschauffertFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • FC Basel: Jetzt redet der Boss: David Degen: «Ich weiss nicht, ob Fabio Celestini im Sommer gehen will»

    FC Basel: Jetzt redet der Boss – David Degen: «Ich weiss nicht, ob Fabio Celestini im Sommer gehen will»Der FCB-Präsident will den Titel. Er spricht über die Trainer-Causa und sagt, dass Taulant Xhaka bei ihm wohl öfters im Kader stünde.Publiziert heute um 06:18 UhrDer Chef und sein Trainer: David Degen (links) und Fabio Celestini.Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkDer FC Basel hat einen neuen Podcast mit dem Namen «Achzädreyenünzig». In der ersten Folge ist FCB-Präsident David Degen zu Gast. Dabei spricht er unter anderem über …… seine allgemeine Stimmung«Wenn man die Tabelle anschaut, könnte die Stimmung natürlich nicht besser sein. Vor den letzten drei Siegen hatten wir sicher eine schwierige Phase. Aber nun hat man gesehen, dass die Mannschaft merkt, dass in dieser Saison etwas in der Luft liegt. Jetzt haben wir vier Punkte Vorsprung. Da fängt man irgendwo an, weiterzudenken.»… den Traum vom Titel«Unser Ziel war die Top sechs und das haben wir erreicht. Es ist klar, dass man Ziele immer mal wieder anpassen muss. Ein Titel ist kein Muss ist. Ich hoffe, dass uns das in den nächsten zwei, drei Jahren gelingt. Nur: So, wie wir sieben Runden vor Schluss dastehen, will ich Meister werden. Wenn nicht jetzt, wann dann?»… die Unruhe um Trainer Fabio Celestini«Natürlich haben wir von der Sportkommission Gespräche geführt in der Nationalmannschaftspause, auch mit dem Trainer. Die Diskussionen waren lang, intensiv und kritisch. Meine Einstellung dabei ist, dass man nicht das Maximum herausholen kann, wenn man nicht kritisch miteinander umgehen kann. Am Schluss zählt nur der Erfolg des Clubs. Fabio hat einen Vertrag bis 2026 und Stand jetzt ist er im Sommer unser Trainer. Ich kenne natürlich seine Sicht nicht. Ich weiss nicht, wie Fabio tickt und ob er im Sommer gehen will. Das werden wir sehen. Aber das ist für uns jetzt kein Thema.»… den Inhalt der Gespräche«Die Gespräche sind da, um das Maximum herauszuholen, gewisse Reize auszulösen und Punkte anzusprechen, die wir sehen. Wir reden dabei über alles: Auswechslungen, die taktische Ausrichtung, die Startaufstellung. Fabio ist beispielsweise stark darauf aus, sauber von hinten herauszuspielen. Dafür braucht man die entsprechenden Spieler. Wenn man diese Charaktere nicht unbedingt hat, muss man vielleicht etwas adaptieren, um erfolgreicher sein zu können. Ich würde Spieler nie so einsetzen, dass sie ihre Schwäche zeigen müssen, sondern so, dass diese auf ein Minimum reduziert werden. Ich versuche, die Stärken der Spieler einzusetzen. Aber wichtig ist dabei: Ich rede Fabio nicht rein. Ja, ich würde dem Trainer gerne mal eine Aufstellung diktieren, mache ich aber nicht. An dem Tag, an dem ich das mache, muss ich künftig selbst an die Linie stehen. Aber man diskutiert intensiv und sagt dem Trainer Dinge, die wir sehen. Am Schluss muss er aus dem Büro raus und es sich überlegen.»… Gespräche mit anderen Trainern«Natürlich haben wir vor allem mit der Sportkommission gewisse, lose Gespräche geführt, die normal sind im Fussballbusiness. Wir müssen den Club strategisch richtig für die Zukunft aufstellen und im Fussballbusiness kann jeden Tag etwas passieren. Es ist logisch, dass man für alle Eventualitäten vorbereitet sein muss. Aber wir stehen hundert Prozent hinter Fabio, er ist unser Trainer im Sommer, er hat einen Vertrag bis 2026. Gut, dass er und sein Team sich die Unruhe, die hereingetragen worden ist, nicht haben anmerken lassen und sie die drei Siege geholt haben.»… die wenige Spielzeit von Taulant Xhaka«Das ist reine Sache des Trainers. Ich habe mich noch nie eingemischt, auch wenn andere sagen, ich hätte es getan. Ehrlich gesagt: Ich würde Taulant wohl das eine oder andere Mal auf die Bank mitnehmen, auch wenn er nicht spielt. Aufgrund seiner Energie und seiner Motivation und weil er weiss, was Basel bedeutet. Ich hoffe schwer für Tauli, ja für alle, dass wir ihm einen schönen Abschied bereiten können. Das würde ihm sicher viel geben.»David Degen spricht im Podcast über viele weitere Themen. Beispielsweise über seine Karriere als Spieler, Erlebnisse aus seiner Kindheit und er verrät auch, dass er inzwischen eine Freundin hat. Die ganze Folge können Sie hier anhören.Der FC Basel und das Trainer-Thema CelestiniDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. Mehr Infos@linusschauffertOliver Gut schreibt seit März 2001 für das Sport-Ressort der Basler Zeitung, das er seit 2019 leitet. Vorher für diverse Sportarten zuständig, konzentriert sich der Fricktaler seit 2011 auf den Fussball – und damit hauptsächlich auf den FC Basel. Zudem ist er regelmässiger Diskussionsgast im Fussball-Podcast «Dritte Halbzeit».Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • FCB-Präsident David Degen: «Verband und Liga müssen reformiert werden. Da gibt es hundert Themen, die anzupacken sind»

    David Degen im Interview – «Verband und Liga müssen reformiert werden. Da gibt es hundert Themen, die anzupacken sind»Warum Sanches zu teuer war, Magnin mit Shaqiri funktioniert und der FCB die Stadionmiete verweigert. Das grosse Gespräch mit dem Clubbesitzer.Publiziert heute um 07:03 UhrFCB-Präsident und -Mitbesitzer David Degen (42) im ausführlichen Gespräch mit dieser Zeitung.Foto: Dominik PluessDavid Degen, das Transferfenster ist seit Montag zu – und Alvyn Sanches spielt nun bei YB statt beim Schweizer Meister. Hie und da hiess es, das müsse den FC Basel ärgern …Mich ärgert null, dass Alvyn Sanches nun bei YB ist. Wenn, dann habe ich mich höchstens daran gestört, dass medial suggeriert wurde, dass wir uns über diesen Transfer aufregen.Im YB-Communiqué war aber die Rede davon, dass Sanches nur zu YB wechseln wollte …Das heisst es doch immer … Ich glaube sehr wohl, dass Sanches auch zu uns gekommen wäre. Wir hatten ihn schon lange auf dem Radar. Und natürlich haben wir uns auch in jüngerer Vergangenheit gedanklich mit ihm befasst – das Paket war uns aber zu teuer.Befasst?Unser Sportdirektor Daniel Stucki war mit Lausanne im losen Gespräch. Aber die Meinung in unserer Sportkommission war klar: relativ tiefe Ablöse, relativ hohe Beteiligung an einem Weitertransfer. Diese Wette wäre uns das Risiko wert gewesen. Das, was er nun gekostet hätte, wollten wir jedoch nicht bezahlen.Also hat YB einen Fehler gemacht?Das würde ich nie behaupten! Vielleicht liegen auch wir falsch. Alvyn Sanches ist zweifellos ein aussergewöhnlicher Fussballer. Einer, der jetzt im Ausland wäre, hätte er sich im März nicht das Kreuzband gerissen. Heutzutage ist diese Verletzung im Normalfall kein Problem. Das klar grössere Fragezeichen ist für mich aber der Faktor Zeit: Sanches wird im Februar 23. Für mich stellt 23 eine Schwelle dar, wenn es darum geht, ob ein Weitertransfer noch lukrativ ist. Denn auch potenzielle Abnehmer machen die Rechnung, ihn in zwei, drei Jahren nochmals gewinnbringend transferieren zu können – dann zu einem der ganz grossen Clubs … In Sanches’ Fall bedeutet das: Kaum wieder fit, muss er ab Januar durchstarten, damit es für den abgebenden Club zu einem einträglichen Transfer kommt.David Degen über Alvyn Sanches: «Kaum wieder fit, muss er ab Januar durchstarten, damit es für den abgebenden Club zu einem einträglichen Transfer kommt.»Foto: Pascal Muller (Freshfocus)Aber wenn das nicht der Fall ist, dann kann er die Ausgaben ja auch in einem grösseren Zeitraum durch sportliche Leistung in Form von Uefa-Prämien einspielen …Grösserer Zeitraum? Auch ein Spieler, der 25 ist, macht einen Transfer, sobald er einen Club wie den FCB sportlich weiterbringt. Nur sind es dann bei weitem keine 15 Millionen Ablöse mehr, die fliessen. Aber das ist nur meine Meinung, meine Sichtweise. Ich sage nicht, dass ich recht habe. Wenn Sanches ab Januar durchstartet, dann gratuliere ich YB-Verwaltungsrat Christoph Spycher zu diesem Transfer – dem Spieler selbst wünsche ich es sowieso.Bei Sanches ist von einem YB-Transfercoup die Rede. Beim FC Basel blieb in diesem Sommer eine spektakuläre Neuverpflichtung aus …Wir wollen gute Transfers machen, nicht spektakuläre. Spektakulär allein bringt uns nichts.Aber Xherdan Shaqiris Heimkehr war doch spektakulär, oder?Ja, aber vor allem hat er uns sportlich massiv weitergebracht. Das ist einfach perfekt aufgegangen. Spektakulär allein darf nie das Ziel sein. Es geht darum, ob es sportlich und finanziell Sinn macht. Meine Linie gebe ich da nicht auf.Manche sagen, der FCB müsse mehr erfahrene Spieler verpflichten.Wir sind eine Ausbildungsliga, wir müssen jung bleiben. Erfahrene Spieler kosten hohe Gehälter, die wir uns nicht in Hülle und Fülle leisten können. Ein einzelner erfahrener Spieler kann helfen, aber er macht nicht die ganze Mannschaft aus. Ich bin überzeugt, dass es für den FC Basel, ja generell für einen Schweizer Club nur diesen Weg geben kann, will er nachhaltig sportlich erfolgreich und finanziell gesund sein. So, dass er keinen Mäzen braucht, der das Portemonnaie aufmacht.Nun kann man aber auch sagen: Hätte der FCB in den Playoffs zur Champions League ein breiteres Kader mit mehr Europacup-Erfahrung gehabt, dann hätte es gegen Kopenhagen vielleicht gereicht – und würden von der Uefa einige Millionen mehr ins rotblaue Kässeli fliessen …Ich sehe den Punkt mit der Europacup-Erfahrung. Ich sehe aber auch, dass unsere Startelf im Hinspiel gar älter als jene des Gegners war – und wie wir vor allem in Kopenhagen im Rückspiel auftraten. Für mich war da der Kopenhagener Goalie der Matchwinner, wie er unsere beiden Topchancen zum 1:1 zunichtemachte. Vor allem der Reflex gegen Moritz Broschinski war Extraklasse. Was ich auch sehe, sind die beiden Clubs: Im Vergleich zum FC Kopenhagen sind wir beim FCB nur Schulbuben.Wie meinen Sie das?In Kopenhagen wurde mir der Club von den Verantwortlichen ausführlich präsentiert. Der FC Kopenhagen hat fixe Einnahmen von rund 100 Millionen Euro im Jahr. Das ist mehr als das Doppelte des FC Basel. Was die aus der Vermarktung, dem Merchandising und vielem mehr herausholen, ist beeindruckend. Hinzu kommt, dass auch aus der Liga mehr Geld fliesst: Während wir hier aus dem TV-Pool rund 1,25 Millionen Franken erhalten, sind es für den FC Kopenhagen 8,5 Millionen Euro pro Saison. In Dänemark, wo 3 Millionen Menschen weniger leben als in der Schweiz …Was schliessen Sie aus alldem?Verschiedenes. Etwa, dass wir trotzdem unsere Chancen gegen Kopenhagen hatten und über das Verpassen der Champions League enttäuscht sein dürfen. Die Königsklasse zu erreichen, wäre finanziell, aber auch fürs Prestige toll gewesen. Da ist aber auch das Gefühl, dass wir wohl einfach noch nicht so weit sind, um wirklich wieder zur Champions League zu gehören. Und dass es sportlich und für den Uefa-Koeffizienten der Schweiz vielleicht sogar besser ist, in der Europa League zu spielen, zumal wir attraktive Gegner zugelost erhalten haben. Dann ist da – mit Blick auf die genannten Zahlen – vor allem auch noch dies: Wir müssen in der Schweiz verdammt aufpassen, dass wir gegenüber Nationen, die eigentlich in unserer Bandbreite liegen, nicht den Anschluss verpassen. Ich glaube, da ist es nicht fünf vor, sondern bereits eins vor zwölf.Was ist zu tun?Meiner Meinung nach müssen der SFV und die Swiss Football League reformiert werden. Da gibt es hundert Themen, die anzupacken sind!Welche Themen erachten Sie als die dringlichsten oder grössten?Beim Verband geht es um die Ausbildung des Nachwuchses und der Trainer. Bei der Entwicklung unserer Talente haben wir selbst im Vergleich zu kleineren Nationen Land verloren. Schauen Sie zum Beispiel die U17-Auswahl an, die zuletzt fast jedes Spiel verloren hat … Da läuft etwas verkehrt. Und wenn ich sehe, dass man bei uns selbst als Nationalspieler im allerbesten Fall fünf Jahre benötigt, um als Trainer die Uefa-Pro-Lizenz zu erwerben, dann wundert mich das nicht. Da muss man doch die Trainerausbildung in der Schweiz hinterfragen. Ich sage nichts gegen den einen oder anderen Trainerkurs. Aber ich sage: ein halbes, vielleicht ein ganzes Jahr – und Stempel aufs Papier. Ein guter Trainer ist ein Leader, der ein Gefühl im Umgang mit Menschen hat – das hast du oder nicht. Da kannst du noch so viele Kurse in Bern besuchen. Und zumindest die, die das haben, müsste man gezielt fördern und rasch voranbringen. Denn die brauchen wir – im Nachwuchs und bei den Profis.David Degen: «Ein guter Trainer ist ein Leader, der ein Gefühl im Umgang mit Menschen hat – das hast du oder nicht. Da kannst du noch so viele Kurse in Bern besuchen.»Foto: Dominik Plüss.Und bei der Liga?Ich sehe in der Challenge League aktuell eine Handvoll Clubs, die das Potenzial für die Super League haben. Da geht es nicht nur um den Sport, sondern auch darum, wie es sich auf das Produkt auswirkt. Denn es gibt immer wieder Aufsteiger mit bescheidener Fanbasis, die der Super League und ihrer Attraktivität eher schaden als nützen. Ich wünsche mir zwar keine geschlossene Liga. Aber ich denke, die wirtschaftlichen Kriterien für eine Aufnahme in der Super League müssten strenger sein. Hinzu kommt, dass die Challenge League semiprofessionell betrieben werden müsste. So, wie es jetzt ist, spielen dort ganz viele ausländische Profis, die es nie mehr weiterbringen werden – und es ist folglich zu wenig Platz für den Schweizer Nachwuchs, um sich zu entwickeln.Aber ist das nicht auch ein Problem in der Super League, wo nicht zuletzt der FCB allein mit den ausländischen Profis in seinem Kader fast zwei Mannschaften aufs Feld schicken könnte?Das sind aber ausländische Spieler mit Qualität. Da sind wir dann eben wieder beim anderen Thema: Wollen wir international einigermassen wettbewerbsfähig sein oder den Anschluss verlieren? Die Super League ist überreguliert, was die internationale Wettbewerbsfähigkeit hemmt. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Kadergrösse, die auf 25 beschränkt ist. Und ich verstehe auch nicht, warum wir bei der Lizenzierung zwischen EU- und Nicht-EU-Ausländern unterscheiden, zumal wir ja gar nicht in der EU sind. Ich tue mich schwer damit, dass ein 18-jähriges Talent aus Brasilien aufgrund des Arbeitsgesetzes eine sogenannte Fachkraft sein muss, also bereits professionelle Erfahrung mitbringen muss, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. So bleibt dieser Markt den Schweizer Clubs komplett verwehrt. Wir sind aber Fussball-Unternehmen in einem globalen Wettbewerb – kein regionales Handwerkergeschäft. Und wir sprechen auch nicht von Tausenden von Arbeitsplätzen, die man schützt. Sondern von 300 oder 400. Da braucht der Schweizer Fussball eine Sonderregelung. Bei diesem System wurde zu kurz gedacht.Sie sagten, Ihre ausländischen Spieler hätten Qualität. Bewiesen hat das aber bei weitem nicht jeder Ausländer, den Sie verpflichtet haben …Ich strebe eine hundertprozentige Trefferquote an – im Wissen, dass kein Club der Welt diese je erreichen wird. Ja, es gibt Fehleinschätzungen oder -entscheidungen. Oder Dinge, die nicht nach Wunsch verlaufen, Umstände, die sich als schwierig erweisen. Verletzungen auch. Ich kann auch gleich einige Namen nennen, bevor Sie mir diese aufzählen: Juan Gauto, Djordje Jovanovic, Gabriel Sigua oder Emmanuel Essiam etwa. Für jeden dieser Spieler und für uns wünschte ich mir, es wäre anders gekommen. Aber das ist Fussball. Es funktioniert nicht alles. Die Frage lautet aber: Wie viel funktioniert – und wie gut? Ich habe vor vier Jahren den Club übernommen. Aktuell sind wir Meister und Cupsieger und machen auf dem Transfermarkt einen ziemlich ordentlichen Job.Kein Widerspruch. Und doch erlauben wir uns diese Anschlussfrage: Nachdem man nun mit Ibrahim Salah und Jeremy Agbonifo nochmals zwei ausländische Flügelangreifer verpflichtet hat, obwohl weder Philip Otele noch Bénie Traore den Club verliessen: Wo sehen Sie da noch die für die Entwicklung nötige Einsatzzeit des eben noch gelobten Marin Soticek oder von Junior Zé, dem Siegtorschützen beim 1:0 in Sion?Wir haben jetzt ein sehr starkes Kader. Und zwar in allen Mannschaftsteilen. Das ist Luxus pur. Und ja, auf den Flügeln ist es vielleicht noch etwas ausgeprägter. Aber Salah war ein No-Brainer, ein Schnäppchen – gemessen an dem, was er schon gezeigt hat und was er uns per sofort bringen kann. Ich konnte fast nicht glauben, dass er für diese Ablöse zu haben war. Und Agbonifo ist für mich Edon Zhegrova 2.0. Ein Zocker. Kommt er bei uns zum Laufen, dann kann das vielleicht ein 20-Millionen-Spieler werden. Er hat zuletzt 8,5 Millionen gekostet – doch die Kaufoption, die wir nun ausgehandelt haben, liegt um einiges tiefer.Nochmals: Was wird jetzt aus Soticek und Zé?Sie müssen sich wie jeder andere beweisen, sich dem Konkurrenzkampf stellen, den jede Mannschaft braucht. Ich denke auch, dass sie aufgrund der Dreifachbelastung weiterhin Gelegenheit erhalten werden. Ich kann mir sowohl bei Otele als auch Salah vorstellen, dass sie nicht ausschliesslich als Flügel eingesetzt werden. Aber das ist Sache des Trainers. So, wie es Sache des Trainers ist, dieses Kader gut zu moderieren. Das wird eine der zentralen Aufgaben von Ludovic Magnin sein.«Wenn er so weitermacht, kommen die Resultate.» David Degen über FCB-Trainer Ludovic Magnin (Bild).Foto Pascal Muller (Freshfocus)Wie nehmen Sie Ludovic Magnin bislang wahr?Ludo ist ein Trainer, den ich sehr ehrlich und reflektiert und direkt erlebe. Und zwar mit allen. Das finde ich super, zumal viele Trainer ja nicht mal mit sich selbst ehrlich sind. Wenn er so weitermacht, kommen die Resultate. Einhundert Prozent.Das klingt so, als hätten Sie sich schon oft mit ihm ausgetauscht …Tatsächlich war das fast nur im Vorbeigehen der Fall. Bei den Gesprächen zu seiner Verpflichtung war ich bei einem Treffen dabei. Seither hat es zwischen ihm und mir kein terminiertes Gespräch mehr gegeben. Ich glaube, ich habe noch gar kein Training beobachtet. Sportdirektor Daniel Stucki, aber auch die Sportkommissionsmitglieder Ruedi Zbinden und Valentin Stocker sind diejenigen, die mit Ludo im intensiven Austausch sind. So, wie es sein muss. Ich komme erst, wenn es heiss wird – und stelle die Antenne wieder ein. (lacht)So, wie Sie das bei Magnins Vorgänger Fabio Celestini gemacht haben …Fabio Celestini hat das Double geholt und vieles richtig gemacht. Das Kapitel ist aufgearbeitet und abgeschlossen.Also muss nichts korrigiert werden, was geschrieben wurde.Vieles war übertrieben. Aber manchmal muss man die Antenne einstellen …Was nehmen Ihre eigenen Antennen wahr, wenn Sie hören, wie Xherdan Shaqiri nach dem Playoff-Hinspiel zur Champions League gegen Kopenhagen vor laufender Kamera die Wechsel von Ludovic Magnin hinterfragt?Ich glaube nicht, dass Shaqiri es böse gemeint hat. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn man offen und ehrlich miteinander ist. Ich finde auch, Shaqiri darf das Ludo sagen. Es ist in seiner besonderen Rolle sogar seine Pflicht, das zu tun. Aber dass das öffentlich, in den Emotionen direkt nach dem Spiel geschah, empfand ich als unglücklich.So unglücklich, dass Sie bei ihm die Antennen einstellen mussten?Nein, natürlich nicht. Das Thema war nach dem Spiel intern auch schnell wieder erledigt, und Ludo hat an der Medienkonferenz ja auch sehr gelassen reagiert.Shaqiris Einfluss ist aber aussergewöhnlich – egal, wie es läuft …Er kennt seine Rolle. Und aussergewöhnlich ist auch der Druck, der damit einhergeht. Da wird auch vieles medial heisser gekocht, als es bei uns gegessen wird.David Degen zur Sonderrolle von Xherdan Shaqiri: «Da wird auch vieles medial heisser gekocht, als es bei uns gegessen wird.»Foto: Pascal Muller (Freshfocus)In der Super League scheint er besser bewacht als in der Vorsaison. Kann er wiederholen, was er im ersten Jahr der Rückkehr gezeigt hat?Ich glaube schon, dass er das kann. Auch wenn ihm nun vielleicht öfter einer auf die Füsse steht. Dass das geschieht, ist nach dem, was gewesen ist, ja nur logisch. Und was bleibt: Allein kann auch er es nicht richten. Es braucht die Unterstützung der Mitspieler.Ist Magnins Idee eines höheren Pressings auch das, was zu Shaqiri und seinen Mitspielern passt?Ich glaube, diese Idee ist der richtige Weg. Das ist jedenfalls genau der Fussball, den ich im Joggeli sehen will. Wer nicht spurt, den würde ich rausnehmen.Aber egal, wie gut die Idee ist: Wenn man vier- oder fünfmal hintereinander nicht damit gewinnen sollte, dann stimmt etwas nicht.Wenn das beim FC Basel der Fall sein sollte, dann stimmt ganz sicher etwas nicht. Dann müsste ich die grosse Antenne auf der Chrischona einstellen. Aber die Saison ist bis hierhin okay für mich – und wie gesagt: Geht Magnin seinen Weg, kommen die Resultate.Hat ihn das Verpassen der Champions League viele Prozentpunkte gekostet?Sowohl der Trainer als auch der Sportchef verlieren null Prozentpunkte durch das Verpassen der Champions League. Ich verstehe all die Themen, die danach medial diskutiert wurden. Aber ich bleibe dabei: Es hat nicht sollen sein.Was hätten die zusätzlichen Millionen verändert?Gar nichts. Wir haben keinerlei Europacup-Einnahmen budgetiert. Die zusätzlichen Einnahmen gehen aufs Sparbüchlein.Von welcher Gesellschaft?Auf das Sparbüchlein der FC Basel 1893 AG.Aber die Horizon 2026 AG der Besitzerschaft und die Intein AG existieren noch, die Millionenzahlungen leisteten?Ja, die existieren noch.Im Frühjahr 2024 bekannten Sie sich nach entsprechenden Nachfragen aus den Medien und der Öffentlichkeit zu diesen Gesellschaften und anderen Themen. Sind Sie heute froh darüber?Ja. Wir wissen inzwischen auch, dass wir da selbst proaktiver hätten kommunizieren sollen.Lenken als Mitbesitzer im Verwaltungsrat von Holding und AG den FC Basel: Dan Holzmann, Andreas Rey, Ursula Rey-Krayer und Präsident David Degen (von links nach rechts).Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Gab es seither noch externe Zahlungen an die FC Basel 1893 AG – oder Rückzahlungen von Darlehen?Nein. Die Situation ist seither unverändert. So, wie es auch bei diesen zwei Gesellschaften im Umfeld des FCB geblieben ist.Aber eine Rückzahlung ist schon das Ziel?Ja, natürlich. Wir wären dazu theoretisch auch in der Lage. Aber da wir gleichzeitig die Liquidität des Clubs und dessen Substanz erhöhen wollen, ist das bislang kein Thema.Wie steht denn der FC Basel inzwischen finanziell da?Er steht solid da. Bis im Sommer 2026 sind noch Altlasten vorhanden, danach sieht es noch besser aus.Altlasten wie der Vertrag des zurückgetretenen Taulant Xhaka?Altlasten.Und danach ist das Ziel mit dem strukturellen Defizit von nur noch 5 Millionen Franken pro Jahr erreicht?Plus/minus gehe ich davon aus, dass wir da stehen werden. Aber mein Ziel ist eigentlich, dass wir bei einer Null stehen, also ohne strukturelles Defizit in eine Saison gehen.Solange Sie keine Miete für den St.-Jakob-Park bezahlen, beschleunigen Sie das Erreichen dieses Ziels …Das Geld für die Stadionmiete liegt auf dem Konto bereit und ist eingebucht.Warum zahlen Sie seit März 2024 nicht, obwohl Sie sich mit der Genossenschaft St.-Jakob-Park erst per 2023 auf einen neuen Mietvertrag geeinigt haben?Weil wir gegenüber der Stadiongenossenschaft Gegenforderungen offen haben.Können Sie das ausführen?Grob. Beispielsweise sind wir auf diverse Ungereimtheiten bei Abrechnungen diverser Leistungen gestossen, die uns von der Genossenschaft in Rechnung gestellt wurden. Dies möchten wir zuerst aufgearbeitet haben. Und auch die Frage, wieso in den letzten Jahrzehnten anscheinend kaum etwas in das Stadion investiert wurde, interessiert uns.Kennen Sie die Antwort?Ich will nicht in der Vergangenheit graben. Wir wollen eine tragfähige Lösung für die nächsten 50 oder 100 Jahre – und kein undurchsichtiges Konstrukt.Die Genossenschaft hat doch mit dem Projekt Stadion+ einen Plan zur Totalsanierung vorgestellt …Das war vor drei Jahren. Was ist seither passiert? Erfolgsmeldungen habe ich jedenfalls keine vernommen. Und überhaupt: Dieses Projekt löst keine grundsätzlichen Probleme. Damit sind wir nach 20 Jahren wieder am gleichen Punkt. Viel dringender ist ein tragfähiges Konstrukt mit sauberen Verträgen und Regeln. Denn läuft es so weiter wie bisher, dann ist das schlecht für den FCB und für die Stadt Basel. Also muss man zusammensitzen, aufräumen, reinen Tisch machen. Dazu sind wir sofort bereit. Und wenn das die Genossenschaft auch will, dann lässt sich alles innerhalb von einigen Stunden lösen.Und solange nicht alle aufräumen wollen, halten Sie den eingeschlagenen Kurs?Ja, dann bleiben wir auf Konfrontationskurs. Dann kann es auch Jahre dauern, bis sich die Situation löst – denn wir sind bereit, den Weg bis zum bitteren Ende zu gehen.Indem der FCB als Hauptmieter keine Miete bezahlt, setzt er die Genossenschaft massiv unter Druck. Bringt das Sympathiepunkte?Darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, wie ich empfinde. Ich handle einzig im Sinne des FC Basel (zeigt auf das aufgemalte Club-Emblem an der Wand). Und die Miete nicht zu bezahlen, ist das einzige Druckmittel, das der FCB hat.Apropos Druck: Empfinden Sie davon eigentlich weniger, seit der sportliche Erfolg mit dem Doublegewinn zum FCB zurückgekehrt ist?Das ist sehr schwierig zu beantworten.Warum?Weil der Druck, den ich mir selber mache, so gross ist. Er überlagert allfälligen Druck, den ich von aussen verspüren könnte.Ist denn der innere Druck eher kleiner geworden?Nein. Ich glaube, der Druck, den ich mir selber mache, hat seit dem Double zugenommen. Es geht immer weiter. Jetzt will ich den FCB an der Spitze etablieren. Ich will in der Europa League unter die Top 24. Ich will eine tragfähige Lösung für das Stadion. Ich will eine Null statt eines strukturellen Defizits als Ausgangspunkt des Geschäftsjahres. Und, und, und …Was hingegen weniger geworden ist, sind Ihre Auftritte in der Öffentlichkeit …Das stimmt – und es stimmt mich froh. Das hatte ich stets angestrebt. Und seit etwas mehr als einem Jahr, da wir diese Klarheit mit Daniel Stucki als Sportdirektor, aber auch mit der Sportkommission als zentralem Gremium haben, ist das auch Tatsache geworden.Stört es Sie da doppelt, wenn die Medien Ihre Beziehung zur deutschen Schauspielerin Vivien Wulf publik machen?Stören ist das falsche Wort. Ich bin es ja seit längerem gewohnt, dass medial über mich berichtet wird. Aber es ist nichts, was ich mir wünsche. Und ich möchte auch nicht weiter mein Privatleben ausbreiten.Haben Sie überhaupt Zeit, eine romantische Beziehung zu pflegen?Die Beziehungspflege dürfen Sie schon mir überlassen. (lacht) Dass Zeit ein Thema ist, das ist klar.Reden wir über eine andere Frau: Was können Sie zur Suspendierung von Kim Kulig als Trainerin der FCB-Frauen sagen?Das ist die Entscheidung von Fabian Sanginés, der seit einigen Monaten für die Frauenabteilung die Hauptverantwortung trägt – und den ich voll unterstütze. Natürlich ist es ungewöhnlich, eine Trainerin oder einen Trainer kurz nach Saisonstart freizustellen. Aber es ist auch der Tatsache geschuldet, dass Sanginés sich zuerst ein Gesamtbild machen musste. Was für mich klar ist: Wir hätten in den vergangenen zwei Saisons mit Kulig zumindest einen Titel holen können, was auch unser Ziel war – aber wir haben keinen geholt. Also mussten Anpassungen gemacht werden. Dass dabei nicht das geschah, was man sich erhoffte, führte nun zu diesem Entscheid.«Wir hätten in den vergangenen zwei Saisons zumindest einen Titel holen können – aber wir haben keinen geholt.» David Degen zur Freistellung von Kim Kulig (Bild) als Trainerin der FCB-Frauen-Equipe.Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)Ist das auch als Zeichen zu werten, dass der FCB es ernst meint mit dem Frauen-Fussball und den damit verbundenen Ambitionen?Ich kann Ihnen versichern: Das nehmen wir sehr ernst. Die Resultate der Frauen haben zwar noch keinen spürbaren Einfluss auf unsere Wirtschaftlichkeit. Aber egal, mit welcher Equipe: Der FC Basel ist ambitioniert. Er will erfolgreich sein.David Degen, Xherdan Shaqiri und der FC BaselDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • Neuer Stürmer für den FC Basel: Bénie Traoré ist der Stürmer, der für die FCB-Skorerpunkte sorgen soll

    – Bénie Traoré ist der Stürmer, der für die FCB-Skorerpunkte sorgen soll Die Basler verpflichten mit Bénie Traoré einen weiteren Stürmer und greifen dafür tief in die Tasche: 4,5 Millionen Euro soll der 21-Jährige gekostet haben. Publiziert heute um 19:57 Uhr Sheffield-Stürmer Bénie Traoré (rechts) bei einem seiner acht Einsätze in der Premier League –…

  • Premiere für Fischer, Ende der Ära Degen: Als der FC Basel das letzte Mal bei den Young Boys gewann, da …

    – Als der FC Basel das letzte Mal bei den Young Boys gewann, da …Am 22. Mai 2016 gewinnt der FC Basel letztmals bei den Young Boys. Am Sonntag folgt in Bern der 17. Basler Anlauf, um die Bedeutung dieses Datums zu schmälern.Publiziert heute um 17:59 UhrDrei Tage nach dem letzten Sieg bei YB endet im St.-Jakob-Park die Saison des FC Basel – und auch die erste Ära Degen: Während David Degen (links) seine Spielerkarriere bereits zwei Jahre zuvor beendet hat, sagt nun auch Zwillingsbruder Philipp (3. von rechts) gemeinsam mit Behrang Safari (2. von rechts) und Walter Samuel Adieu. Alles im Beisein der ebenfalls bereits zurückgetretenen Basler Sturmlegenden Alex Frei (2. von links) und Marco Streller.Foto: Georgios Kefalas (Keystone).Zeit ist relativ. Und siebeneinhalb Jahre sind rasch vorbei. Doch wenn man auf den 22. Mai 2016 zurückschaut, da der FC Basel bereits als Schweizer Meister feststand, um schliesslich auf dem Berner Plastikrasen den BSC Young Boys mit 3:2 zu besiegen, dann stellt man anhand der Protagonisten von damals und heute fest: Es ist unglaublich viel passiert, und es ist (fast) nichts mehr so, wie es damals war. Denn als der FC Basel zum letzten Mal bei YB gewann, da …

  • FCB-Sportchef Stucki exklusiv: «Wir wollen mit Fabio Celestini in die nächste Saison gehen»

    AboFCB-Sportchef Stucki exklusiv – Daniel Stucki: «Wir wollen mit Fabio Celestini in die nächste Saison gehen»Der Sportchef des FC Basel will nun unbedingt den Meistertitel und träumt vor dem Cup-Halbfinal (Sonntag, 15.30 Uhr) vom Double.Publiziert heute um 23:47 Uhr«Ich fand die medialen Diskussionen vor allem für Fabio Celestini sehr schade», sagt Stucki über die unruhige Phase Anfang April. Patrick Straub/FreshfocusJetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkSeit einem knappen Jahr Sportdirektor des FC Basel, könnte Daniel Stucki (43) bereits in seiner ersten Saison in dieser Schlüsselfunktion den Gewinn des Meistertitels, ja gar des Doubles erleben. Ein Gespräch, das zeigt, dass dies ganz den Ambitionen des früheren Verteidigers in drei Meisterteams des FC Zürich entspricht.Daniel Stucki, der FC Basel wird die letzten fünf Partien in der sogenannten Championship Group mit sechs Punkten Vorsprung angehen. Darf man Ihnen schon zum Meistertitel gratulieren?Nein. Noch sind wir weit vom Titel entfernt. Unbestritten ist, dass wir einen guten Abschluss der Qualifikationsphase zeigten. Wir wussten auch stets um unser Potenzial, das wir nun absolut abgerufen haben. Und natürlich ist die Ausgangslage sehr gut.Aber?Wir haben nun erst den Cup-Halbfinal gegen Lausanne und dann – am Anfang der Meisterrunde – ein grosses Spiel gegen Servette. Mit einem Sieg stellen wir da die Weichen. Aber im Fussball braucht es manchmal wenig, damit es in die andere Richtung geht. Was ist, wenn wir gegen Servette früh eine Rote Karte erhalten? Was ist, wenn sich ein Schlüsselspieler verletzt? Was ist, wenn wir danach nur noch drei Punkte Vorsprung, aber eine englische Woche mit drei Auswärtsspielen in Lugano, Lausanne und Bern inklusive der Reisen vor uns haben?Sie meinen: Ein einzelnes unglückliches Ereignis kann zu einem negativen Resultat führen und die Dynamik unterbrechen?Das ist im Fussball schon vorgekommen. Ich habe zwar durchaus das Gefühl, dass das bei uns nicht diesen Einfluss hätte, so wie ich die Spieler und den Staff wahrnehme. Aber wir haben auch keine unglaublich gefestigte, über Jahre gewachsene Mannschaft, die fünfmal Meister geworden ist: Nimmt man den durchaus einschneidenden Shaqiri-Zuzug Ende August als Ausgangspunkt, dann arbeitet das Team in dieser Form erst seit acht Monaten zusammen. In den ersten zehn Minuten gegen den FCZ hat man beispielsweise gesehen, dass wir nicht unverwundbar sind.«Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Offensive weiterhin nur sehr schwer zu verteidigen sind.» Daniel Stucki über Bénie Traoré, Philipp Otele – und natürlich Xherdan Shaqiri (von links nach rechts).Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Wie nehmen Sie denn die Mannschaft und den Staff wahr?Ich durfte selbst dreimal Meister mit dem FCZ werden und spüre im Moment in der ganzen Einstellung und in der Atmosphäre viel Gutes, das mich daran erinnert. Ich sehe auch, dass wir im Flow und viele Spieler in Topform sind. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Offensive weiterhin nur sehr schwer zu verteidigen sind. Und ich sehe ebenfalls, dass die Abwehr seit der Länderspiel-Pause nur ein Gegentor zugelassen hat.Darf man Ihnen aber zumindest schon zu einer guten Saison gratulieren?Absolut. Sogar zu einer sehr guten Saison. Wir werden am Ende auf einem der ersten drei Plätze stehen und nächste Saison die Chance dazu haben, im Europacup dabei sein. Das war unser Ziel. Mit der Rückholung von Xherdan Shaqiri konnten wir zudem eine einzigartige Dynamik und Euphorie auslösen. Und ich finde, dass man zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Saison auch feststellen darf, dass wir darüber hinaus gute Transfers gemacht haben und einige Spieler im Kader haben, die nun auf eine gute Entwicklung zurückblicken können.Also wären Sie gar nicht enttäuscht, wenn es nun doch nicht klappt mit dem Meistertitel?Im Gegenteil: Verpassen wir den Titel nun noch, wäre die Enttäuschung für alle riesengross. Im ganzen Club sind gerade sehr viele Emotionen. Als Sportchef muss ich aber am Ende in der Lage sein, eine Saison ohne Emotionen zu bewerten. Wenn du aber fünf Runden vor Schluss mit sechs Punkten Vorsprung an der Spitze liegst, dann kann es nur noch ein Ziel geben: Meister werden.Einen grossen Anteil daran hätte Xherdan Shaqiri.Er ist eine absolute Identifikationsfigur, und dass er momentan so fit ist, ist für uns entscheidend. Er hat einen unglaublichen Siegeswillen, den er den anderen Spielern vermitteln kann. Er nimmt den Druck von den anderen Spielern und lädt ihn auf sich – und er mag das. Das ist eine Win-win-Situation.Es braucht auch Mut vom Trainer, das Offensivspiel so bedingungslos auf einen Spieler zuzuschneiden.Unser Spiel ist nicht per se auf Shaq zugeschnitten. Natürlich wirkt es ein Stück weit so, weil er derart dominant ist und oft gesucht wird. Aber schauen Sie sich sein Tor gegen Yverdon an: Dass er dort den freien Raum erkennt, hat nichts mit Zuschneiden zu tun, das ist Qualität. Zudem hat er alle Freiheiten, und das ist immer schwierig zu verteidigen. Dass er dadurch defensiv nicht immer Vollgas gibt, ist durch taktische Kniffe, die der Staff sehr gut anwendet, problemlos auszubaden in der Schweizer Liga.Bei der ganzen Offensivpower geht die gute Leistung der Verteidigung beinahe unter.Wir haben einen Toptorhüter und davor eine super Defensive mit vier Innenverteidigern, die für die Schweizer Liga sehr, sehr gut sind. Aber unsere Defensive ist auch jung. Dadurch können wir nicht einfach mal 30 Minuten lang Tempo rausnehmen und den Ball in den eigenen Reihen halten.Haben Sie sich Sorgen gemacht, als Adrian Barisic und Finn van Breemen beide verletzt ausfielen?Dass wir sie durch Jonas Adjetey und Nicolas Vouilloz ersetzen mussten, bereitete mir überhaupt kein Bauchweh. Sie sind unglaublich starke Zweikämpfer und haben eine Topmentalität. Mich hat aber der Gedanke ins Grübeln gebracht, was wäre, wenn sich noch ein Innenverteidiger verletzen würde. Marvin Akahomen ist zwar ein grosses Talent. Aber der Druck im Moment ist für einen 17-jährigen Spieler noch mal ein anderer. Denn jetzt geht es um den Titel. Im Team hätte es natürlich auch Alternativen, die man umfunktionieren könnte.Nicolas Vouilloz – hier am Boden, aktuell aber ganz oben: Daniel Stucki sieht im Innenverteidiger einen Typ Spieler, wie er jungen angehenden Profis als Vorbild dienen sollte.Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)Dann hat Vouilloz, der eigentlich schon als abgeschrieben galt, eine Chance erhalten.Nicolas ist ein absoluter Vollprofi und körperlich unglaublich fit. Sogar als er eine Zeit lang fast nur auf der Tribüne war, gehörte er im Training immer zu den Besten. Es ist eindrücklich, wie er bereit war, als es ihn brauchte. Junge Fussballer wollen immer werden wie Shaqiri. Das ist ja auch in Ordnung. Aber eigentlich sollte sich ein junger Spieler an Vouilloz’ aktuellem Beispiel orientieren: hart arbeiten und Geduld haben – aber die Chance nutzen, wenn sie kommt.Adrian Barisic ist wohl bald wieder einsatzbereit. Nun gilt aber: Never change a winning team. Nicht?Das ist Sache des Trainers.Wie sehen Sie das?«Never change a winning team» klingt so pauschal. Aber ja, es gibt viel, das dafür spricht, wenig an der Teamdynamik zu ändern. Wir sind im Flow, harmonieren gut, und wenn man etwas umstellt, macht man sich eventuell angreifbar. Klappt es nicht, dann unterbricht man womöglich die Dynamik und kann diese nicht mehr zurückerlangen.Im Flow befindet man sich seit der Nationalmannschaftspause. Hat es die Unruhen, die es da rund um interne Diskussionen mit und um den Trainer samt grossem Medienecho gab, am Ende sogar gebraucht?Nein, das würde ich nicht sagen. Natürlich braucht es immer wieder mal eine Challenge und gewisse Hebel, die man betätigen muss, auch wenn es unangenehm ist. Triggerpunkte zu treffen, ist etwas Positives, wenn es die richtigen sind. Man muss sehen: Es gibt ganz verschiedene Persönlichkeiten, Führungsstile und Arten, Trainer zu sein. Und jede davon hat Stärken und Schwächen. Aber ich fand die medialen Diskussionen vor allem auch für Fabio Celestini sehr schade, denn er hat es hauptsächlich in Form des Vorwurfs abbekommen, dass die Spieler nicht hinter ihm stehen würden. Das hat mich extrem gestört. Das fand ich durchaus unwürdig, gerade wenn man sieht, was er in seiner Zeit beim FCB geleistet hat.Er wurde halt danach gefragt, weil das eines der Themen war, die – ob zu Recht oder zu Unrecht – von innen nach aussen drangen … Hatten Sie denn das Gefühl, Sie müssten Fabio Celestini mit den Gesprächen in eine andere Richtung lenken?Überhaupt nicht. Wir haben einfach die Dinge angesprochen, von denen wir das Gefühl hatten, dass sie wichtig dafür sind, etwas zu gewinnen. Denn auch Dave und ich haben Erfahrungen, die produktiv sein können. Aber es geht mir immer um konstruktive Kritik und Offenheit. Und solche Gespräche gibt es laufend. Wir haben sie nicht geführt, weil wir in den sechs Spielen davor nur sechs Punkte geholt haben. Und ich habe nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis mit Fabio.War es im Nachhinein richtig, bereits in der Nationalmannschaftspause andere Trainer zu kontaktieren?Dass Medien diese gestreuten Informationen aufgreifen, ist normal. Und ich musste für meinen Teil lernen, dass es in gewissen Kreisen Lecks gibt, bei denen solche Informationen nach aussen dringen können. Das ist jetzt halt zu einem schlechten Zeitpunkt und auch anders, als es tatsächlich war, in die Medien geraten. Das ist auch ein Learning für mich. Ich bin ein junger Sportdirektor und noch nicht mit allen Wassern gewaschen. Die Kritik, dass hier nicht alles gut gelaufen ist, nehme ich an.Wird man denn mit Fabio Celestini in die nächste Saison gehen?Ja, wir wollen mit Fabio in die nächste Saison gehen.Und will er auch mit dem FCB in die nächste Saison gehen?Darüber habe ich nicht mit ihm gesprochen. Sein Traum ist es, irgendwann mal in Spanien zu trainieren, das ist auch okay. Und wenn er diese Chance bekommt, werden wir wohl nicht mithalten können.Irgendwann muss es aber für beide Seiten klar sein.Richtig. Nach der Saison. Wir starten sicherlich mit dem Trainer in die Vorbereitung, der dann auch die Saison beginnen wird.Wie antizipiert man die Möglichkeit, dass Celestini nicht in Basel bleiben will?Wir haben keine Glaskugel. Aber wir bereiten uns die ganze Saison auf alle Eventualitäten vor – auch, indem wir Kontakte zu Trainern pflegen, die irgendwann einmal, sei das auch in fünf Jahren, Trainer beim FCB werden könnten. Das gehört einfach zu meinem Job.So auch bei der Kaderplanung. Wie steht es da eigentlich um einen Verbleib von Metinho im Sommer?Es wäre sicherlich in unserem Interesse, ihn beim FC Basel zu halten. Da wir ihn auf Leihbasis ohne Kaufoption verpflichtet haben, gibt es Verhandlungen. Im Vergleich mit anderen möglichen Interessenten befinden wir uns hierbei aber in der Poleposition, weil der Spieler Interesse an einem Verbleib hat.Aber der Preis ist noch nicht ausgehandelt.Also wir wissen, was die City Football Group will. Aber das kann er für uns nicht kosten. Für uns ist es nicht ganz einfach, wenn eine so grosse Organisation hinter einem Spieler steht, denn sie sind nicht auf unser Geld angewiesen.Wie ist es bei Philip Otele?Viele Argumente sprechen dafür, ihn zu behalten. Denn er ist ein Spieler, der eine hohe Performance bringen kann und bei dem wir nicht darauf warten müssen, bis sich sein Potenzial entfaltet.Man kann ja einfach die Kaufoption über 3,5 Millionen Dollar einlösen. Oder wird da nachverhandelt?Ich kann nichts Genaueres sagen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten …Im Geschäftsjahr 2024 wies der FCB einen Transfergewinn von 34,1 Millionen Franken aus. Will man das wieder erreichen?Durch die Brille des Sportchefs will ich Meister werden und nicht Millionen einnehmen. Mein Traum wäre es natürlich, wenn wir einen Spieler für 20 Millionen verkaufen könnten und der Rest im Kader bleibt. Aber das ist gleichzeitig unrealistisch, denn wir wollen keinen Spieler dazu zwingen, bei uns zu bleiben. Das ist einerseits nicht gut für seine Moral und hat andererseits die Folge, dass sich herumspricht, dass der FCB es Spielern verwehrt, den nächsten Schritt zu machen. Dann verlieren wir als Club an Strahlkraft bei den Spielern.Leon Avdullahu wird keine 20 Millionen einbringen. Erwarten Sie ihn dennoch in der Bundesliga nächste Saison?Da ich nichts anderes weiss, erwarte ich ihn beim FC Basel. Es gab auch noch kein Angebot für ihn. Noch bewegt sich ja auch der Markt in den grossen Ligen nicht. Aber es ist auch klar, dass wir einen möglichen Abgang auf der Rechnung haben müssen.Mit einem allfälligen Meistertitel würde der Anspruch für die nächste Saison stark steigen. Sie müssten die Abgänge so ersetzen, dass sie nicht ins Gewicht fallen.Ja, das wird unsere grösste Challenge in diesem Sommer sein. Die Spieler, die wir holen, müssen in der Lage sein, mindestens unter den ersten 15 des Kaders spielen zu können. Und zwar von Anfang an. Wir können nicht einfach zehn Talente im Team haben, die wir erst noch ein halbes Jahr lang entwickeln müssen, bevor sie Leistungen bringen. Wie es beispielsweise bei Thierno Barry der Fall war, der sich dann dafür umso rasanter in eine der grossen Ligen skorte.Ist man bei Barry an den Transferrechten beteiligt?Wir verkaufen nie einen Spieler ohne Beteiligung.Wie steht es um die Vertragsverlängerung mit Albian Ajeti?Wir sind dran. Momentan wird er leider nicht belohnt für das, was er macht. Aber er ist in einer super Verfassung. Wie er die Bälle verarbeitet und verteilt, ist stark.Was bedeutet ein Meistertitel mit der Chance auf Champions League in Bezug auf die Transfers?Dadurch werden wir logischerweise noch attraktiver für mögliche Zugänge. Diese werden wir auch brauchen, wenn ich an die Dreifachbelastung denke. Aber auch die Spieler, die schon hier sind, hätten dadurch ein weiteres Argument, um beim FCB zu bleiben.Wie anstrengend war Ihre Arbeit als Sportchef bisher?Sehr. Es war schwierig, dieses Schiff in eine komplett andere Richtung zu drehen, aber noch schwieriger wird es sein, diese Leistung zu bestätigen. Es ist aber sehr positiv, dass die gute Arbeit schon jetzt auch im Sport Erfolg bringt. Normalerweise geht das immer ein bisschen länger.Nun steht der Cup-Halbfinal gegen Lausanne an.Da bin ich sehr positiv eingestellt, auch wenn wir bisher im Cup die aus meiner Sicht schlechtesten Leistungen der Saison gezeigt haben. Wir sind bereit. Für die Spieler ist es ein absolutes Highlight, denn es ist ein Halbfinal, und das Joggeli wird sehr gut gefüllt sein. Dieses Mal auch die Kurve. Ich habe gesagt, dass ich während meines dreijährigen Vertrags auf den Barfi will. Ich habe aber nicht gesagt, wie oft ich dorthin will …Der FC Basel auf dem Weg zum MeistertitelDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenOliver Gut schreibt seit März 2001 für das Sport-Ressort der Basler Zeitung, das er seit 2019 leitet. Vorher für diverse Sportarten zuständig, konzentriert sich der Fricktaler seit 2011 auf den Fussball – und damit hauptsächlich auf den FC Basel. Zudem ist er regelmässiger Diskussionsgast im Fussball-Podcast «Dritte Halbzeit».Mehr InfosLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. Mehr Infos@linusschauffertFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare