Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert.

AboLudovic Magnin auf der BaZ-Redaktion

«Meine Frau sagt, ich würde wie Ottmar Hitzfeld reden – das gefällt ihr nicht»

Ludovic Magnin im Gespräch in der Redaktion der Basler Zeitung, lächelnd mit einem Besprechungsraum im Hintergrund.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.

BotTalk

In Kürze:

  • Als Trainer vermittelt Ludovic Magnin seine Spielidee mit offensivem, mutigem Fussball beim FC Basel.
  • Der gebürtige Romand verbindet seine welsche Lebensfreude mit Deutschschweizer Arbeitsmoral.
  • Mit Marco Streller feierte er beim VfB Stuttgart seinen zweiten deutschen Meistertitel als Spieler.
  • Zu Beginn seiner Karriere wurde Lucien Favre für ihn zur prägenden Trainerfigur.

Als neuer Trainer des FC Basel nahm sich Ludovic Magnin einen Nachmittag lang Zeit, um in den Redaktionsräumen der «Basler Zeitung» über sich, sein Leben und seinen Fussball zu sprechen. Dabei stellte sich der 46-Jährige nicht nur den Fragen der BaZ-Leser, sondern auch jenen der Sportredaktion.

Ludovic Magnin, Sie hatten eine intensive Anfangsphase hier in Basel. Doch allen Veränderungen zum Trotz: Sind Sie der alte «Ludo» geblieben?

Natürlich musste ich mich anpassen. Aber ich selbst zu bleiben, war mir immer extrem wichtig. Das kommt auch von meinem Vater.

Inwiefern?

Er hat eher Witze erzählt als Ratschläge fürs Leben gegeben. Etwas sagte er aber, das mir geblieben ist: Vergiss nie, woher du kommst!

Woher kommen Sie denn?

Aus Echallens.

Aber was nimmt man aus dem Leben der Familie Magnin in dieser Westschweizer Gemeinde mit?

Dass das Leben kein Sugus ist. Mein Vater war Unternehmer. Er hatte eine grosse Schreinerei in Echallens mit rund 100 Angestellten. Ich hatte eine wunderbare Kindheit. Dann kam die Baukrise in den 1990er-Jahren – und mein Vater musste Leute entlassen, die seit 40 Jahren mit ihm gearbeitet hatten. Ich habe ihn mit feuchten Augen am Mittagstisch gesehen. Da realisierte ich, dass das Leben anders, komplizierter ist, als ich das bis dahin wahrgenommen hatte.

«Als Trainer vertraue ich brutal auf mein Auge und mein Bauchgefühl.»

Hat Ihnen das eine gewisse Ernsthaftigkeit gegeben?

Absolut. Ich glaube, dieses Ereignis hat in mir einen Schalter umgelegt, um zu verstehen: Man muss Gas geben. Und das tat ich. Als ich bei Yverdon in die Nationalliga B kam, absolvierte ich gleichzeitig das Lehrerseminar. Ich stand jeden Morgen um 6 Uhr auf, ging zur Schule oder dann später ins Praktikum, um dann am späten Nachmittag oder Abend auch noch auf diesem Niveau zu trainieren. Erst als ich die Ausbildung zum Primarlehrer abgeschlossen hatte, setzte ich auf die Karte Profifussball. Jungen Spielern in Lausanne vermittelte ich deshalb diese Message: Wenn du am Morgen immer bis 10 Uhr im Bett bleibst, wirst du nie Karriere im Fussball machen.

Waren Sie als Fussballer auch ein Arbeiter?

Zu hundert Prozent. Schon nur in meinem Dorf gab es mindestens drei Spieler, die mehr Talent in den Füssen hatten als ich. Meine grössten Talente als Fussballer steckten in meinem Kopf. Damit meine ich die Spielintelligenz, meinen Willen und meine Entschlossenheit.

Bei der Auswahl von jungen Spielern geht es jedoch selten um die Mentalität und meist um das Können in den Füssen …

Ja, weil unsere Welt Daten verlangt. Es ist einfach, einen Konditionstest zu machen, um festzustellen, dass jemand schnell und ausdauernd ist. Das sind wertvolle Angaben. Aber als Trainer vertraue ich brutal auf mein Auge und mein Bauchgefühl. Ich musste Spielern auch schon sagen: Ich kann dir keine fachliche Erklärung geben, warum du nicht spielst, das ist einfach mein Gefühl.

Ludovic Magnin, Trainer des FC Basel, diskutiert mit mehreren Personen in einem Büro. Der Raum ist modern gestaltet mit roten Akzenten und einem grossen Tisch.

Auf den ersten Blick wirken Sie auf uns Deutschschweizer wie der Romand aus dem Bilderbuch …

(lacht laut)

… aber tatsächlich sind Sie wohl eher ein Deutschschweizer Romand, oder?

Dort, wo ich aufgewachsen bin, sagen alle: Du bist der deutscheste Romand, den es gibt. Ich bin jemand, der das Leben liebt, ich lache gerne – das ist meine welsche Seite. Aber sobald ich etwas tue, arbeite ich für den maximalen Erfolg, und zwar ohne Kompromiss. Das ist meine Deutschschweizer Seite. Kürzlich fragten wir im Team, wer welches Emoji ist. Bei mir wurden zwei genannt: jenes, das vor Lachen Tränen in den Augen hat – und jenes mit dem roten, fordernden Kopf.

«Ich träume Deutsch – mit allen Grammatikfehlern.»

Das ist passend, oder?

Ja. Und ich mag die Mischung. Ich glaube, auch deshalb war ich als Spieler in der Nationalmannschaft immer ein Brückenbauer. Dass ich so früh nach Deutschland gewechselt bin und schliesslich dank der Beziehung zu meiner Frau aus dem St. Galler Rheintal genauso viel Zeit im deutschsprachigen Raum wie in meiner Heimat verbracht habe, macht mich zu dem, der ich bin. Ich träume auch Deutsch.

Wirklich?

Ja! Es setzte während meiner Bundesliga-Zeit ein. Und ich träume dabei genau so, wie ich spreche. Mit allen Grammatikfehlern. (grinst)

Träumen Sie auch Schweizerdeutsch?

Nein, Schweizerdeutsch hat mir meine Frau verboten.

Aber Sie könnten folglich Schweizerdeutsch … Dürfen wir es mal hören?

Nein. Aber ich kann Ihnen einen Anhaltspunkt geben: Der Grund für das Verbot ist, dass meine Frau sagt, ich würde Schweizerdeutsch wie Ottmar Hitzfeld reden – und das gefällt ihr nicht.

Sprechen Sie mit Ihrer Frau, den Kindern Deutsch oder Französisch?

Hauptsächlich Deutsch. Französisch fast nur, wenn wir bei meinen Eltern sind. Das Französisch ist bei meinen Kindern leider zu kurz gekommen, das ist ein wunder Punkt.

Sie haben vier Kinder, das sind ja nicht gerade wenige. War das schon immer Ihr Wunsch?

In Deutschland habe ich damals kaum Deutsch verstanden, und im Fernsehen kam auch nichts Schlaues, deshalb (schmunzelt) … Ganz so war es natürlich nicht. Im Leben kann man nicht alles erklären, das hat sich einfach so ergeben.

Das jüngste Kind ist elf Jahre alt, da ist man als Eltern noch gefordert. Ist Ihre Familie Ihr grösstes Hobby?

Hmmm … Ich habe das Glück, dass meine Frau extrem selbstständig ist, zu Hause alles regelt und mir vieles abnimmt. Meine Wohnung in Basel wurde eingerichtet, als ich im Trainingslager war. Wir sind ein gutes Team. Aber mich beschäftigt ernsthaft, dass ich meine Kinder nicht so aufwachsen sehe wie andere. Womöglich werde ich das bereuen. Gleichzeitig darf ich nicht jammern, denn ich habe einen super Job – wäre es anders, wäre ich nicht Trainer. Und es ist auch in anderen Berufen so: Erreicht man ein gewisses Level und will dort weitermachen, dann geht das leider oftmals auf Kosten der Familie.

Was ist denn das Tolle am Trainerjob?

Zum einen finde ich es spannend, 40 bis 50 verschiedene Menschen auf eine gemeinsame Idee zu bringen. Diese Menschen bringen unterschiedliche Kulturen und Religionen mit, das braucht Offenheit. Zum anderen bin ich zwar 46 Jahre alt, fühle mich aber überhaupt nicht so! Jeden Tag arbeite ich mit jungen Erwachsenen, einige sind noch Teenager. Die haben einen anderen Wortschatz, eine andere Art, das hält mich jung. Hinzu kommt der Reiz, sich als Trainer beweisen zu können. Du willst, dass diejenigen, die dich mögen, weiterhin stolz auf dich sind. Und den Leuten, die nicht an dich glauben, kannst du zeigen, dass du gar nicht so schlecht bist.

Ludovic Magnin, Trainer von FC Basel, gestikuliert während eines Gesprächs in der Redaktion.

Was muss man als Trainer im Jahr 2025 unbedingt können?

Alles steht und fällt damit, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht. Generell – und speziell in einer Führungsposition.

Aber was unterscheidet einen Trainer im Jahr 1997, als Sie in die Challenge League kamen, von einem Trainer 2025?

Damals gab es in einem Verein den Trainer und einen Präsidenten, die an der Spitze der Pyramide standen und alles bestimmten. Der Trainer hatte einen Assistenten und bestenfalls noch einen Goalietrainer zur Seite. Heute gibt es für vieles Spezialisten, die den Trainer unterstützen. Gleichzeitig sind die Clubs Aktiengesellschaften mit einem Verwaltungsrat. Es gibt Sportdirektoren oder gleich Sportkommissionen. Es hat folglich nicht nur mehr Menschen, die assistieren, sondern auch mehr Menschen über dem Trainer. Möglichst alle von sich und seiner Idee zu überzeugen, ist da sehr anspruchsvoll.

Sie gingen jung in die Bundesliga, waren Doublesieger mit Werder Bremen und nochmals Meister mit dem VfB Stuttgart …

… mit dem wir dann das Pokalfinale verloren. Ich wäre also fast zum weltweit einzigen Spieler geworden, der mit zwei deutschen Clubs das Double holte, ohne bei Bayern München gespielt zu haben. Da hätte ich in Frieden ruhen können – nun muss ich halt noch etwas leisten. Im Ernst: Ich hatte das Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Nur Christian Gentner und ich sind mit zwei Clubs Meister geworden, ohne bei den Bayern gespielt zu haben. Er war mit mir in Stuttgart und dann noch in Wolfsburg.

Wie schafft man das?

Wenn die Bayern nicht schwächeln, hat man in Deutschland keine Chance. Wanken sie, muss man bereit sein. Bei beiden Titeln zählten wir vor der Saison auf dem Papier nicht zu den Top 3. Aber ich war in Mannschaften, in denen eine grossartige Stimmung herrschte. Durch diese Geschichten sind auch Miroslav Klose und Johan Micoud in Bremen oder Mario Gomez in Stuttgart gross herausgekommen.

Stellen Sie einen Bundesliga-Titel über den anderen?

Ja, eindeutig Stuttgart im Jahr 2007. Da war ich ein Führungsspieler, habe alle Partien gemacht – ausser am Anfang, als ich noch den Club wechseln wollte.

Wo wollten Sie denn hin?

Zur AS Roma. Bis im letzten Moment habe ich eigentlich darauf gewartet, den Privatjet Richtung Italien nehmen zu können. Ich stand jeden Tag bei VfB-Trainer Armin Veh in der Kabine und sagte zu ihm: Ich will gehen. Irgendwann hat er nur noch gelacht. Wohl auch, weil er wusste, dass ich weiter Vollgas geben werde, wenn es mit dem Wechsel nicht klappt. Spieler, die quasi streiken, einen Transfer erzwingen – das war damals rar.

Marco Streller und Ludovic Magnin vom VfB Stuttgart feiern den Gewinn der deutschen Fussballmeisterschaft 2007 mit der Meisterschale, umgeben von jubelnden Fans.

War das Meisterjahr in Stuttgart die beste Zeit als Fussballer?

2006 und 2007 waren sicher die tollsten Jahre. Mit Stuttgart haben wir im Frühjahr 2007 die letzten acht Spiele gewonnen. Und meistens haben wir uns dabei nicht überlegt, ob wir gewinnen – sondern wie hoch. Ein solches Gefühl hat man nur selten in der Karriere, man ist häufiger am Kämpfen, fühlt sich unter Druck. Und zuvor, an der WM 2006 in Deutschland, da war ich in einer unglaublichen Form. Dieses erste Tor gegen Togo… Wenn ich die Bilder manchmal anschaue, können meine Kinder fast nicht glauben, dass ich da schneller war als alle anderen. Mein Selbstvertrauen war auf dem Höhepunkt. Ausser in einem ganz bestimmten Moment …

Sie sprechen wohl den WM-Achtelfinal 2006 gegen die Ukraine an, den Sie mit der Schweiz im Elfmeterschiessen verloren …

Ja, genau. Ich bereue, dass ich damals nicht schiessen wollte. Wir alle hatten so grossen Respekt. Selbst die drei Spieler, die verschossen haben, wollten nicht antreten. Hut ab, dass sie diese Verantwortung übernommen haben. Dieses Ausscheiden ist noch sehr präsent, es hat extrem wehgetan. Denn auch das menschliche Lebensabenteuer war dann vorbei.

Die Basler, die dabei waren, schwärmen noch heute davon. Sie auch?

Es war sensationell. Wenn man von einem Team aus Freunden spricht, war das für mich diese Nationalmannschaft. Insbesondere was den Umgang neben dem Platz anging.

Wie eng sind Sie noch mit Marco Streller, Alex Frei und auch Benjamin Huggel?

Ziemlich eng. Seit ich in Basel bin, habe ich sie leider noch nicht gesehen. Vor diesem Moment habe ich aber auch ein bisschen Angst, weil ich als FCB-Trainer nicht machen kann, was sie jetzt dürfen. Solange ich sie nicht sehe, ist auch keine Versuchung da.

Was meinen Sie?

Spass beiseite, wir sind ja keine 25 mehr. Aber früher war es schon so: Bereits wenn ich mit Marco und Beni zusammen war, konnte es – in Anführungs- und Schlusszeichen – gefährlich werden. Kam dann noch Alex dazu … (grinst)

Konnten die Spieler früher eigentlich besser feiern als heute?

War früher alles besser? Ich sage das nicht. Gerade in meinem Alter sollte man sich bewusst sein, dass wir es sind, welche die neue Generation erzogen haben – und auch die Welt mit erschaffen haben, in der wir heute leben. Die Jungen können nichts dafür, dass es das Internet und Smartphones gibt. Wäre ich heute Fussball-Profi, mein Kontostand wäre höher. Da hätte ich nichts dagegen. Aber dafür musste ich in meiner Zeit auch weniger leisten, auf weniger verzichten. Ich hatte ein Leben neben dem Fussball.

Nochmals: Wie war es damals mit dem Feiern?

Ich sage immer im Scherz, aber auch mit einer Prise Wahrheit: Es gibt ehemalige Teamkollegen, die niemals pleitegehen dürfen. Denn wenn sie dann ein Buch schreiben, wäre das ein Bestseller – und ich sowie einige andere aus dieser lustigen Zeit hätten ein Problem. (lacht) Hätte es damals schon soziale Medien mit all den Fotos gegeben, wäre das für den einen oder andern heikel gewesen.

Wie erinnern Sie sich an die Generalversammlung beim VfB Stuttgart? Mario Gomez erzählte mal, dass Marco Streller da nach einem Kabinenfest ziemlich betrunken erschienen sei …

(lacht laut) Steht, was ich jetzt erzähle, dann in der Zeitung?

Klar.

Nun gut, wenn Gomez das gesagt hat … Tatsächlich hatten wir am Morgen trainiert, und die Generalversammlung war für spätnachmittags angesetzt. Die Zeit dazwischen überbrückten wir mit einem unserer Kabinenfeste. Da gab es stets Weisswürste und Weissbier. An der GV merkte man dann, dass Strelli nach dem Training etwas mehr Durst gehabt hatte als andere … Doch wissen Sie was? Das war eine der harmlosesten Geschichten, die wir in dieser Zeit erlebt hatten – und mehr gebe ich nicht preis!

Ludovic Magnin diskutiert in einem Konferenzraum mit mehreren Personen. Im Hintergrund sind Bildschirme an der Wand.

Aber sind solche Aktivitäten auch heute noch Teil des Teambuildings?

In der Kabine Weissbier trinken, das geht einfach nicht mehr. In dieser Hinsicht befinden wir uns in einer anderen Welt.

Werden dennoch Dinge zusammen unternommen?

Ja, unbedingt – aber andere. Das ist mir als Trainer sehr wichtig. In Lausanne war das ein Padel-Turnier, Grillen am See, Bootsfahrten, Go-Kart. Auch da können in einer Mannschaft Geschichten entstehen, die in der Mannschaft bleiben. Und gemeinsame Geheimnisse schweissen ein Team zusammen.

Haben Sie Spieler in dieser Hinsicht auch schon getestet?

Was heisst getestet? Ich sage es so: Manchmal erzählt man dem Team etwas und hofft, dass es ein Geheimnis bleibt. Mal tut es das, mal nicht – ich habe beides erlebt, das ist ein gutes Barometer. Bleibt etwas im Team, ist dieses intakt. Wenn nicht, ist die Atmosphäre gestört.

Apropos Atmosphäre: Wie ist Ihr Verhältnis zu FCZ-Präsident Ancillo Canepa?

Sehr gut! Cillo und Heliane sind zwei sensationelle Menschen, die mir die Chance gegeben haben, nach meiner ersten Karriere eine neue zu starten. Ich habe ihnen viel zu verdanken. Ich fühlte mich bereit, hatte aber eigentlich nicht die nötige Erfahrung. Trotzdem haben sie mich als Trainer der Profis ins kalte Wasser geworfen. Das rechne ich ihnen hoch an.

Die Canepas haben Sie aber auch entlassen …

Ja, und? Ich war ein junger Trainer, hinzu kam noch die Coronapandemie. Ich glaube, es war für beide Seiten der richtige Moment. So stelle ich mir den Fussball vor: Wir hatten eine gute Zeit, die irgendwann endete. Böses Blut gab es in meiner Trainerkarriere bisher nie.

Was bedeutet für Sie als Trainer Erfahrung?

Dass ich das Gefühl habe, nach jeder Station besser zu werden. Ich kenne verschiedene Vereine und Strukturen und kann besser mit Problemen umgehen, wenn ich diesen zuvor schon mal begegnet bin. Zudem habe ich erlebt, dass mit der wachsenden Erfahrung auch die eigene Spielidee an Klarheit gewinnt.

«Es ist schön, wenn man wegen seiner Arbeit zu einem Club geholt wird.»

Zur Spielidee sagten Sie nach dem FCB-Test gegen Wil, dass Sie Ihre Mannschaft bewusst offensiv und attraktiv agieren liessen – selbst wenn das mitunter auf Kosten des Erfolgs gehe. Stimmt das wirklich?

Ich glaube, man kann attraktiven Fussball und Erfolg kombinieren. Aber das geht natürlich nicht in jeder Situation. Mein erstes Jahr als Trainer in Lausanne war erfolgreich, wir sind aufgestiegen. Aber die Mannschaft, die ich übernahm, spielte keinen schönen Fussball: Dreierkette, defensiv, auf Sicherheit und Effizienz bedacht. Weil der Druck gross war, übernahm ich das zunächst. Aber das ist nicht meine Idee, dafür stehe ich nicht sieben Tage in der Woche auf dem Platz.

Sondern?

Sondern für das, was man zuletzt in Lausanne gesehen hat. Wir haben offensiv, mutig gespielt – mit und gegen den Ball. Genau das hat mir dann die Tür nach Basel geöffnet. Wir haben dem FCB damit viel Mühe bereitet, wenn man sich die letzten Aufeinandertreffen anschaut. Das hat unglaublich Spass gemacht. Und es ist schön für einen Trainer, wenn man wegen seiner Idee, seiner Arbeit zu einem Club geholt wird. Nicht wegen Agenten oder Vitamin B. Hier weiss ich nun, dass man das von mir sehen will, was ich zuletzt anzubieten hatte. Also ist nur logisch, dass ich diesen Weg weiterverfolge.

Haben Sie ein Trainervorbild?

Es gab keinen, der alles konnte. Aber jeder hatte eine klare Stärke, die ich mir gemerkt habe. Giovanni Trapattoni war der Beste, wenn es um Menschenführung ging. Armin Veh verstand es meisterhaft, seinen Staff so zusammenzustellen, dass seine eigenen Schwächen kompensiert wurden. Und, und, und …

Gibt es trotzdem einen Trainer, der Sie stärker beeinflusst hat als andere?

Lucien Favre hat mich geprägt – taktisch, technisch und menschlich. Er hat mich 1996 von Echallens nach Yverdon mitgenommen. Da ich noch keine Autoprüfung hatte, fuhr er mich sogar zum Training und wieder zurück … Wir haben auch heute noch eine spezielle Beziehung. Vor meinem Wechsel zum FC Basel habe ich ihn angerufen und nach seiner Meinung gefragt.

Ludovic Magnin von Yverdon Sport beim Fussballspiel gegen Neuchâtel Xamax, mit Ball am 9. April 2000 in Yverdon.

Wo liegen denn Ihre eigenen Schwächen als Trainer, die Sie mit dem Staff kompensieren müssen?

Daten, Statistiken, die Arbeit am Computer – das war noch nie meine Leidenschaft. Ich kann zwar eine Powerpoint-Präsentation erstellen und habe als Nachwuchstrainer selber Videos geschnitten. Aber ich bin kein Laptoptrainer, mein Niveau ist da überschaubar.

Und was ist Ihre Stärke?

Ich weiss, wie ich das Maximum aus den Spielern rausholen kann. Nicht weil ich im Taktischen perfekt bin, sondern weil ich verstehe, wie man Menschen motiviert. Und: Ich gebe nie auf. Diese Haltung kann ich auch weitervermitteln. Ich arbeite viel über Gefühl, über Sprache, über den direkten Zugang zu den Spielern.

Erreicht man die Spieler heutzutage wirklich noch nachhaltig?

Ja, viel mehr, als man denkt. Ich arbeite gerne mit Symbolen, man muss sie einfach dosiert und gezielt einsetzen. In Lausanne habe ich meinen Spielern in der finalen Phase auf dem Weg zum Aufstieg Handspiegel geschenkt und Edding-Stifte verteilt. Sie sollten sich im Spiegel anschauen, mit sich selbst einen Vertrag abschliessen und darauf schreiben, was sie erreichen wollen. Das hat gewirkt.

Haben Sie das beim FCB schon eingesetzt?

Nein. Bis jetzt steckt der Karren beim FC Basel ja auch noch nicht im Dreck. Und hätte ich es doch schon getan, dann würde ich es nicht verraten. Gemeinsame Geheimnisse schweissen zusammen.

Newsletter

Rotblau aktuell

Erhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.

Weitere Newsletter

Similar Posts

  • Taulant Xhaka über den Rücktritt: «Da war kein Druck vom FCB, dass man mich nicht mehr haben will»

    Taulant Xhaka über den Rücktritt – «Da war kein Druck vom FCB, dass man mich nicht mehr haben will»Taulant Xhaka und FCB-Sportdirektor Daniel Stucki erzählen, wie es zum Rücktritt der Basler Identifikationsfigur kam und was das heisst.Publiziert heute um 16:43 Uhr«Ich fühle mich, als ob ich 20 Kilogramm an Gewicht verloren habe.» Taulant Xhaka (33) über seinen Entscheid, im Sommer aufzuhören.Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkTaulant Xhaka, am Mittwoch kommunizierten Sie, dass Sie im Juni Ihre Karriere beenden werden. Beschreiben Sie den Tag der Bekanntgabe des Rücktritts.Taulant Xhaka: Es war ein sehr emotionaler Tag, an dem bei mir immer wieder Tränen flossen. Nur ganz wenige in meinem Umfeld waren in den Entscheid miteinbezogen; meine Frau, meine Eltern, mein Bruder Granit. Deshalb erhielt ich unzählige Nachrichten von meinen Freunden. Sogar Alex Frei rief mich an. Doch ich konnte keine Anrufe entgegennehmen, das waren zu viele Emotionen für mich. Ich spürte aber auch sofort, wie befreit ich nach diesem Entscheid bin. Es fühlt sich an, als hätte ich 20 Kilogramm an Gewicht verloren.Wie hat die Mannschaft die Botschaft aufgenommen?Xhaka: Daniel Stucki hat am Mittwoch die Mannschaft in der Kabine in einer sehr emotionalen Rede informiert. Da brauchte es von meiner Seite nicht mehr viel. Ich hielt mich kurz und sagte: Lasst uns nochmals einen Pokal in die Höhe stemmen!Was war der Auslöser, trotz Vertrags bis 2027 bereits in diesem Sommer einen Schlussstrich zu ziehen?Xhaka: Ich habe mich schon länger mit dem Gedanken befasst, im Sommer kürzerzutreten. Ich führte mit meiner Frau einige Gespräche und bin schliesslich vor zwei, drei Wochen auf den FCB zugegangen. Dani (Stucki, die Red.) war schliesslich schon immer sehr offen und ehrlich mit mir. Für mich stimmt der Zeitpunkt, weil es aktuell super läuft und ich die Chance habe, mit einem Titel abzutreten. Und wichtig scheint mir, dass ich den Zeitpunkt des Rücktritts selbst bestimme. Da war kein Druck von der FCB-Führung, dass man mich nicht mehr haben will.Ihr Vertrag wäre bis 2027 gültig gewesen. Die Tatsache, dass es mehrere Gespräche gab, kann man wohl nur darauf zurückführen, dass man sich in finanziellen Belangen finden musste …Xhaka: Natürlich. Und wir haben uns gefunden. Näher gehe ich darauf nicht ein. Nochmals: Dani hat einen sehr guten Job gemacht.Sie standen in dieser Saison selten auf dem Platz, hatten in diesem Kalenderjahr noch keinen Einsatz. Welche Rolle spielte die Tatsache, dass Sie nur noch zu wenigen Minuten kommen?Xhaka: Das hatte überhaupt keinen Einfluss auf meine Entscheidung. Natürlich würde ich gerne mehr spielen. Aber ich bin positiv: Selbst im heutigen Training nahm ich wahr, dass jeder nach Bekanntgabe meines Rücktritts nochmals 20 Prozent mehr investiert. Mit einer Feier auf dem Barfi abzutreten, das wäre ein Traum.Stellten sich den Fragen der Medienschaffenden: Pressechef Simon Walter, Taulant Xhaka und Sportdirektor Daniel Stucki (von links).Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)Daniel Stucki, Xhaka spricht immer wieder von Ihrer Ehrlichkeit. Was meint er damit?Daniel Stucki: Den guten Austausch, den wir hatten und haben. Er weiss, dass nicht ich entscheide, ob er spielt oder nicht. Diese Einsatzzeit-Diskussion hatten wir nie. Das ist ein Thema zwischen ihm und dem Trainer. Und er weiss, dass er in der Kabine und auf dem Platz grossen Anteil am momentanen Erfolg hat. Wie er die Jungen pusht, ist vorbildlich. Klar ist auch, dass Taulant uns mit seinem frühen Entscheid und dem Schritt auf uns zu einiges vereinfacht hat. Und klar ist auch_ Die Tür beim FC Basel ist für ihn nach der Karriere offen – auch wenn er selbst vorerst gar keine Anschlusslösung wünschte.Taulant Xhaka, nun ist auch klar, dass Sie nicht mehr mit Ihrem Bruder Granit zusammenspielen werden.Xhaka: Das ist so und das macht mich traurig, weil das ein erklärtes Ziel von mir war. Vielleicht aber trainieren wir mal eine Mannschaft gemeinsam; er als Chef und ich als Assistent. Ich möchte jetzt ja den Trainerschein machen.Haben Sie weitere Pläne?Xhaka: Erst mal möchte ich vom Fussball etwas Abstand nehmen und das Familienleben ohne den Leistungssport geniessen. Langweilig wird mir bestimmt nicht, im Sommer wird mein Haus in Muttenz fertig gebaut sein. Dort gibt es übrigens eine kleine Lounge mit all meinen FCB-Trikos sowie dem Leibchen von Cristiano Ronaldo, das ich nach dem Champions-League-Spiel in Madrid erhielt.Einige Ex-Profis gehen den Weg in den Amateurfussball. Ist das auch für Sie denkbar?Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe zwar einige Kollegen beim VfR Kleinhüningen; just for fun dort mitzuspielen, das wäre vielleicht was.Trägt nur noch bis im Juni Rotblau: Taulant Xhaka.Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Sie haben bislang 406 Partien für den FCB bestritten. Welches war die besonderste?Xhaka: Da muss ich ganz klar ein Spiel hervorheben: Es war schlicht geil, als wir 2014 in Liverpool ein 1:1 erreichten und in den Champions-League-Achtefinal einzogen.Bis auf eine kurze Leihe zu GC verbrachten Sie Ihre ganze Karriere im FC Basel. Weshalb?Xhaka: Ich bin hier geboren worden, ging hier zur Schule und macht hier die Lehre. Ich gehöre einfach in die Region Basel. Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Selbst wenn ich in den Ferien bin, kommt nach spätestens zehn Tagen der Drang, wieder heimzugehen. Und als ich bei GC spielte, hatte ich zwar eine Wohnung in Dielsdorf, ging aber dennoch meistens heim nach Basel schlafen. Ich bin dieser Typ Mensch, der das Beständige mag. Granit ist da ganz anders, er ist viel offener.Daniel Stucki, mit Xhaka verliert der FCB eine Identifikationsfigur. Kann man ihn ersetzen?Stucki: Das ist gar nicht möglich. Einer, der 15 Jahre lang beim FCB Profi ist, kann man nicht ersetzen. Und wir wollen das auch nicht. Wir möchten Rückkehrer im Team haben – wie das nun mit Shaqiri, Ajeti oder Schmid der Fall ist. Sie verleihen uns die Basler DNA.Mit Xhaka geht ein nächster «Grosser». Was darf man bei seinem Abschied erwarten?Stucki: Es ist zu früh, darüber zu sprechen. Da die Vertragsauflösung bereits jetzt kommuniziert ist, können wir ihn aber auf eine spezielle Art und Weise verabschieden; so, wie er sich das wünscht. Und ob wir die Nummer 34 nochmals vergeben werden im Club, ist ebenso offen.Xhaka: Wenn einer je die 34 beim FCB bekommt, dann Granit (lacht).Taulant Xhaka, was wünschen Sie sich für Ihre letzten Monate als Profifussballer?Xhaka: Dass ich im letzten Spiel 34 Minuten spiele (lacht). Das würde passen. Fakt ist: Ich bin noch nicht im Ruhestand und trainiere voll mit. Ich will Meister und Cupsieger werden. Taulant Xhakas RücktrittDen Podcast können Sie auf Spotify oder Apple Podcasts abonnieren. Falls Sie eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie einfach nach «Dritte Halbzeit».NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenDominic Willimann ist seit 2007 Sport-Redaktor der BaZ und kennt den regionalen Sport aus dem Effeff. Ebenso ist er mit den Geschehnissen rund um den FC Basel vertraut und hat seit 2007 kein Eidgenössisches Schwingfest verpasst. Mehr InfosOliver Gut schreibt seit März 2001 für das Sport-Ressort der Basler Zeitung, das er seit 2019 leitet. Vorher für diverse Sportarten zuständig, konzentriert sich der Fricktaler seit 2011 auf den Fussball – und damit hauptsächlich auf den FC Basel. Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • FC Basel im Cup weiter: Marwin Hitz hält – und sammelt weitere Argumente für eine Basler Zukunft

    AboFC Basel im Cup weiter – Marwin Hitz hält – und sammelt weitere Argumente für eine Basler ZukunftDer FCB-Goalie sorgt im Elfmeterschiessen gegen den FC Sion für den Unterschied. Das könnte ihm im Vertragspoker zugutekommen.Publiziert heute um 11:59 UhrKaum zu bezwingen: FC-Basel-Torhüter Marwin Hitz hat in dieser Saison im Cup bereits drei Elfmeter gehalten.Foto: Til Buergy (Keystone)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkIn Kürze

  • Dion Kacuri nach Basel: FCB verpflichtet GC-Talent

    – FCB verpflichtet GC-TalentDie Basler stehen kurz vor der Verpflichtung des Schweizer U-21-Nationalspielers Dion Kacuri. Am Mittwoch steht der Medizincheck an. Publiziert heute um 18:32 UhrSoll das Basler Mittelfeld mittelfristig bereichern: Dion Kacuri. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Name in Verbindung mit dem FC Basel auftaucht: Dion Kacuri. Bereits Mitte Januar hiess es, dass der FCB ein Angebot für den bald 20-jährigen Mittelfeldspieler des Grasshopper-Clubs Zürich abgegeben habe. Damals stockten die Verhandlungen allerdings aufgrund des Besitzerwechsels bei den Grasshoppers, der kurz bevorstand.Dieser ist nun vollzogen. GC gehört nicht mehr der chinesischen Besitzerin Jenny Wang und dem Fosun-Konzern. Denn übernommen hat den Club bekanntlich der Los Angeles FC. Die neue Präsidentin heisst Stacy Johns. Medizincheck am MittwochDer Besitzerwechsel hat auch neuen Schwung in die Transferverhandlungen um Dion Kacuri gebracht. Denn gemäss BaZ-Informationen absolviert der Schweizer U-21-Internationale bereits am Mittwoch den Medizincheck. Sollte dabei alles gut gehen, steht einem mehrjährigen Vertrag beim FCB nichts mehr im Weg. Nur: Ähnlich wie Albian Ajeti wird auch Kacuri nicht sofort einsatzbereit sein. Von einer guten Fitness kann man bei ihm zwar ausgehen. Allerdings fehlt es auch ihm an Spielpraxis. Nachdem er in der Saison 2022/23 kurz vor dem Durchbruch gestanden haben soll, brach er sich den Fuss, woraus eine Pause über mehrere Monate resultierte. Weitere Verstärkungen für den FCB?In der laufenden Saison absolvierte der offensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler dann gerade mal sieben Ligaspiele. Dabei wurde er jedes Mal eingewechselt und kommt so insgesamt auf 124 Einsatzminuten. Mit diesen Voraussetzungen ist anzunehmen, dass Kacuri beim FCB etwas Anlaufzeit brauchen wird. Der Plan ist es wohl, dass er bis zum Sommer auf seine ersten Teileinsätze kommen wird. Heisst das demnach, dass der FCB sich noch weiter verstärken wird? Eher nicht. Es ist davon auszugehen, dass sich am Basler Kader nicht mehr viel ändern wird und das Team von Fabio Celestini den Rest der Saison mit dem aktuellen Personal bestreitet. Aktuelles zum FC Basel«Dritte Halbzeit» – der Fussball-PodcastDen Podcast können Sie auf Spotify oder Apple Podcasts abonnieren. Falls Sie eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie einfach nach «Dritte Halbzeit».Fehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • Shaqiris Weg vom FCB zum FCB: Von der Krone in der Königsklasse bis zum Abstieg

    Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert. – Von der Krone in der Königsklasse bis zum Abstieg Zwölf Jahre nach seinem Abgang beim FC Basel kehrt Xherdan Shaqiri heim. Ein Rückblick auf seine Karriere von 2012 bis heute. Publiziert heute um 08:00 Uhr Adieu Basel: Am 23. Mai 2012 wurde Xherdan Shaqiri vom FC Basel im…

  • Alles zum FCB-Spiel gegen Yverdon: Xherdan Shaqiri brilliert in einem spiegelverkehrten St.-Jakob-Park

    AboAlles zum FCB-Spiel gegen Yverdon – Xherdan Shaqiri brilliert in einem spiegelverkehrten St.-Jakob-ParkBeim 5:0-Sieg gegen Yverdon ist der Captain des FC Basel an vier Treffern beteiligt, während die Muttenzerkurve im Sektor B ein ungewohntes Bild bietet.Publiziert heute um 20:05 UhrEin Tor, drei Assists: Xherdan Shaqiri (r.) bejubelt Bénie Traorés Treffer zum 3:0, den er selbst vorbereitete.Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkDie AusgangslageDer FC Basel konnte zuletzt vier Super-League-Spiele in Folge gewinnen und seinen Vorsprung an der Tabellenspitze auf sechs Punkte ausbauen. Mit einem weiteren Sieg im Heimspiel gegen Yverdon würde sich die Mannschaft von Fabio Celestini unabhängig vom Abschneiden der Konkurrenz eine gute Ausgangslage für die Meisterrunde schaffen.Ein anderes Thema, was im Vorfeld der Partie für grosse Diskussionen sorgte, war die Sperre des Sektor D Parkett und damit der geplante Ausschluss der Muttenzerkurve. Dies wurde als Reaktion auf die Schlägerei in Zürich nach dem Klassiker von letzter Woche von den Behörden beschlossen. Die Muttenzerkurve kündigte aber bereits am Freitagmorgen an, dass es vor dem Spiel eine Tauschbörse geben wird, an dem Saisonkartenbesitzer vom D-Parkett ein Ticket für einen anderen Sektor erwerben können.Das SpielEs läuft die 15. Minute, als Metinho allein vor Yverdon-Goalie Paul Bernardoni zum Abschluss kommt, doch am Innenpfosten scheitert. Rund eine Minute später ist es erneut der Brasilianer, der für Philip Otele auflegen kann. Oteles platzierter Schlenzer findet über den Pfosten den Weg ins Netz. Danach dauert es nicht lange, bis der FC Basel seine Führung ausbauen kann. In der 28. Minute bekommt Shaqiri den Ball von Bénie Traoré in den Lauf zugespielt und verwandelt alleine vor Bernardoni souverän. Nur zwei Minuten später sind es die gleichen beiden FCB-Spieler, die im Zusammenspiel den Spielstand auf 3:0 erhöhen. Mit einem langen Ball aus der eigenen Hälfte überspielt Shaqiri die ganze Yverdon-Defensive, Traoré bleibt eiskalt und trifft zum ersten Mal seit Ende März wieder. Allerspätestens in der 38. Minute sorgt der Ivorer mit einem Schuss ins nahe Eck für die Vorentscheidung. Wieder ist Shaqiri Assistgeber. Das 4:0 ist die höchste FCB-Führung zur Halbzeitpause seit dem 6:1 Erfolg gegen den FC Sion am 1. August 2021. Damals betrug das Pausenresultat gar 5:0.Auch nach Wiederanpfiff der Partie starten die Basler druckvoll und mit viel Spielfreude. Dies lässt sich beispielsweise beim 5:0 in der 56. Minute erkennen, als Shaqiri den Ball bei einem Doppelpass auf Otele per Hacke weiterleitet und so seinen dritten Assist des Spiels verbuchen kann. Yverdon wird erst ab der 70. Minute noch gefährlich. Zweimal verhindert die Querlatte einen Gästetreffer.St.-Jakob-Park. – 24‘254 Zuschauende. – SR Dudic.Tore: 16. Otele (Metinho) 1:0. 27. Shaqiri (Traoré) 2:0. 30. Traoré (Shaqiri) 3:0. 37. Traoré (Shaqiri) 4:0. 56. Otele (Shaqiri) 5:0.FCB: Hitz; Mendes, Adjetey, Vouilloz, Schmid; Avdullahu (58. Leroy), Metinho; Traoré (68. Soticek), Shaqiri (76. Sigua), Otele (58. Kade); Ajeti (58. Carlos).Yverdon: Bernardoni; Marques, Picccini (60. Tijani), Legowski, Kongsro; Esteves (46. Tasar), Cespedes (60. Núñez), Baradji, Aké; Marchesano (75. Komano), Grodem (46. Teixeira).Bemerkungen: FCB ohne van Breemen (verletzt), Barisic (im Aufbau), Cissé und Rüegg (beide angeschlagen). Ersatzbank FCB: Salvi, Baró, Fink, Akahomen. Verwarnungen: 6. Céspedes, 25. Piccini, 44. Legowski, 66. Tijani, 68. Núñez, 82. Sigua, 86. Kongsro (alle wegen Foulspiel) – 15. Pfostenschuss Metinho. 73. Lattenschuss Legowski. 85. Vouilloz lenkt Schuss von Komano an die Latte.Die TaktikDer Basler Cheftrainer wechselt in der Startformation nur selten, solange es sportlich gut läuft und keine Verletzungen oder Sperren vorliegen. Deshalb ist es wenig überraschend, dass Fabio Celestini mit denselben elf Spielern wie schon in den vergangenen drei Partien beginnt. Auch der Formation des 4-2-3-1 bleibt Celestini im Spiel gegen Yverdon treu. Ein Mal mehr weiss diese Startelf zu überzeugen, auch weil sich Shaqiri und Traoré auf der Position des Zehners und des rechten Flügels immer wieder abwechseln, was dem FCB-Spiel Variation verleiht. Paolo Tramezzani lässt seine Equipe in einem 3-5-2 auflaufen. Die Offensive kann erst in der zweiten Hälfte im Ansatz gefährlich werden und die Westschweizer Verteidigung findet mit ihrer Manndeckung mehrfach kein Mittel gegen die Läufe in die Tiefe der schnellen FCB-Angreifer. Auch der Doppelwechsel nach der ersten Halbzeit lässt die Gäste nicht wesentlich besser ins Spiel finden.Der AufregerWer an diesem Montagnachmittag den St.-Jakob-Park betritt, reibt sich beim Blick ins Stadion verwundert die Augen: Das D-Parkett bleibt zwar aufgrund der von den Behörden verhängten Kurvensperre leer, am Zaun hängt ein Banner mit der Aufschrift «Was uns sött spalte, vereint uns nur no mee!». Doch die Muttenzerkurve hatte sich einfach in den Sektor B umplatziert, um ihre Mannschaft von dort aus zu unterstützen.Was folgte, war ein zwar nicht ganz im Einklang tönender, aber lauter Wechselgesang über das gesamte Spielfeld zwischen dem D-Balkon und dem B-Parkett während der Partie. Zu dieser speziellen Atmosphäre sagt Dominik Schmid nach dem Spiel: «Es war ungewohnt, aber die Kurve hat das ein Mal mehr überragend gemacht. Ich hoffe aber natürlich, dass sie im nächsten Match wieder auf der richtigen Seite sind».Ungewohntes Bild: die Muttenzerkurve im Sektor B.Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Das muss besser werdenWenn man die erste Halbzeit betrachtet: nichts. Im zweiten Durchgang schalten die Basler dann einen Gang zurück und bieten nicht mehr dasselbe Spektakel wie zuvor, Yverdon bekommt ab der 70. Minute einige gute Tormöglichkeiten. Aber der FCB spielt insgesamt so souverän und nutzt seine Chancen so effizient, dass man zum Schluss kommen muss: Das war ein nahezu meisterlicher Auftritt.Das sagt der Trainer«Ich bin im Moment ein sehr glücklicher Trainer», sagt Fabio Celestini nach der Partie. Besonders gefällt dem FCB-Trainer, dass seine Mannschaft jedes Spiel wie ein Final angehe, egal ob gegen Lugano, den Klassiker gegen den FC Zürich oder heute gegen Yverdon: «Die Spieler haben verstanden, was es heisst zu kämpfen», so Celestini.Mit Aussagen über einen möglichen Meistertitel hält er sich aber weiterhin zurück: «Unser Fokus gilt voll und ganz dem Cupspiel gegen Lausanne».So geht es weiterWeil Servette gegen Luzern 2:1 gewinnt, bleibt der Vorsprung des FCB auf die zweitplatzierten Genfer bei sechs Punkten. Während der Ligabetrieb am nächsten Wochenende pausiert, steht für den FCB am Sonntag der Cup-Halbfinal gegen Lausanne-Sport auf dem Programm. Am Wochenende des 3. und 4. Mai steht das erste Spiel der Meisterrunde an. Auf wenn der FCB dann trifft, ist noch offen, wird aber zeitnah von der Liga mitgeteilt.Der FC Basel gegen YverdonDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenSimon Tribelhorn ist freier Mitarbeiter im Ressort Sport bei der Basler Zeitung. Er berichtet regelmässig über den FC Basel, den EHC Basel und den RTV.Mehr InfosYomo Isler ist Praktikant bei der Basler Zeitung. Er schloss 2024 die Matura am Gymnasium am Münsterplatz ab und ist seit Februar 2025 als Praktikant bei der BaZ tätig.Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare