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AboFCB-Stürmer im Porträt

Bis er 20 war, kickte Philip Otele nur in seiner Freizeit – jetzt ist er Profi beim FC Basel

Philip Otele vom FC Basel kämpft im Super League Spiel in Basel am 06.02.2025 gegen Pius Dorn vom FC Luzern um den Ball.
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In Kürze:

  • Philip Otele ist ein Fussballer mit einem ungewöhnlichen Karriereweg.
  • Er begann seine Laufbahn in Nigeria, studierte dann Sport-Management in England.
  • Seine Profikarriere startete er in Litauen, bevor er nach Rumänien wechselte.
  • Seit Januar spielt er leihweise in Basel und hofft auf eine feste Verpflichtung.

Philip Porwei Otele ist kein Philosoph. Oder zumindest will er nicht so wirken. Er redet sparsam an diesem Nachmittag im Medienzentrum des St.-Jakob-Parks. Überlegt, aber nicht ausschweifend. Tiefe Einblicke gibt es nicht. Nur genug, damit man merkt, dass da ein gebildeter Mensch gegenübersitzt.

Vielleicht liegt es daran, dass Philip Otele zurückhaltend ist. Vielleicht aber auch daran, dass in seinem derzeitigen Beruf der Bildung bestenfalls eine sekundäre Bedeutung zukommt. Und dass es – neben psychischer Robustheit – primär physische Qualitäten sind, die mitbringen muss, wer damit Geld verdienen will.

Philip Otele ist Fussballprofi. Allerdings ein besonderer. Nicht weil er besser ist als alle anderen, die dem Ball nachjagen. Sondern weil der Weg aussergewöhnlich ist, der ihn im Januar zum FC Basel geführt hat.

Otele brach Auswahlverfahren von Arsenal ab

Er beginnt in Nigeria, in der Millionenstadt Port Harcourt. Aber – anders als in so vielen Biografien afrikanischer Fussballer – nicht in bescheidenen oder gar ärmlichen Verhältnissen. Die Eltern können es sich leisten, ihre sieben Kinder die Welt sehen zu lassen und in deren Ausbildung zu investieren.

«All meine drei Schwestern und drei Brüder haben studiert oder sind noch daran», erzählt Philip Otele. Die einen in der Heimat. Andere in England, Kanada oder Malaysia.

Dass er auch das Zeug zum professionellen Kicker hätte, ahnt Philip Otele wohl als 14-Jähriger. Er besucht in England ein Sommer-Fussballcamp und fällt dort derart auf, dass er von Arsenal zur Sichtungsphase eingeladen wird. Mittendrin jedoch bricht er dieses Auswahlverfahren ab, weil in Nigeria die Schule wieder beginnt.

Für die Eltern hat dies genauso Priorität wie die weiterführende Ausbildung danach: Mit 17 studiert Otele in England, erwirbt an der Teesside University in Middlesbrough den Bachelor-Abschluss in Sport-Management und Marketing.

Streller und Huggel starteten auch spät beim FCB

Der Fussball ist in jenen Jahren ganz nah – die Profikarriere jedoch sehr fern. Philip Otele kickt, wann immer es geht. Für die Universitätsmannschaft und auf Amateur-Niveau, für den Wolviston FC in der Wearside Football League.

35 Tore gelingen ihm in 29 Partien. Das ist viel. Und es ist genug, um – quasi als Quereinsteiger – einen Anlauf als Profi nehmen zu können.

Es gibt prominente Basler Beispiele, bei denen das ähnlich war: Marco Streller war 19, als er aus der 2. Liga zum FC Basel wechselte. Benjamin Huggel war bereits 21 geworden, als der FCB ihn für die Profis entdeckte.

Doch das ist beides mehr als 20 Jahre her. Im heutigen Fussball kommt es so gut wie gar nicht mehr vor, dass ein Spieler, der zuvor nicht eine Ausbildung in einer professionellen Nachwuchsabteilung genossen hat, von diesem Sport gut lebt.

Otele stieg in Litauen in den Profifussball ein

Hinzu kommt: Streller und Huggel wurden daheim zu Profis. Philip Otele hingegen benötigt dafür eine kleine Odyssee, die nicht in England endet. Dort kann er schon aus Visa-Gründen nicht bleiben, um nach dem Studium seinen Traum zu verwirklichen. Die 35 Tore in 29 Amateur-Partien bescheren ihm einen Vertrag an einem ganz anderen Ort: Er steigt bei Kauno Zalgiris, in der höchsten Spielklasse Litauens, ins Profigeschäft ein.

Was ihm dabei hilft, ist ein Vorteil, den er sich so mit einer herkömmlichen Fussballausbildung kaum hätte verschaffen können: Otele ist sich durch das Studium in England nicht nur gewohnt, fern von Heimat und Familie zu leben. Sondern er hat dies auch eigenverantwortlich getan. Ohne dass ihm etwas abgenommen worden wäre.

«Das hat mich sehr schnell erwachsen werden lassen», blickt Otele zurück. Gleichzeitig muss er als Fussballer rasch wachsen, um sich im Geschäft halten zu können. «Der Nachteil war natürlich, dass ich in Sachen Taktik oder Laufwege vieles lernen musste, das mir zuvor nicht beigebracht worden war.»

Nach Rumänien spielt Otele in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Otele scheint rasch zu lernen. Und er hat dafür die Instinkte, die jenen eines Strassenfussballers ähneln. In zweieinhalb Jahren gelingen ihm in 75 Einsätzen 16 Tore. Das ist genug, um sich für einen Wechsel in eine bessere Liga zu empfehlen: Es geht nach Rumänien, erst zu UTA Arad, dann schliesslich im Sommer 2023 zum CFR Cluj, wo er in seiner ersten Saison Werte produziert, die auch den FC Basel auf ihn aufmerksam werden lassen: Als Flügel sammelt er in 45 Partien 26 Skorerpunkte, wobei er mit 18 Treffern Torschützenkönig der höchsten rumänischen Spielklasse wird.

Otele steht nun ziemlich hoch im Kurs. Auch aus England ist Interesse da, wo aber die Ausländerrestriktionen vieles erschweren. So, dass es schliesslich die Petro-Dollars sind, die das Rennen machen: Es geht in die Vereinigten Arabischen Emirate, zu Al-Wahd. Für die stolze kolportierte Ablösesumme von rund vier Millionen Euro.

Rund 1,5 Millionen Euro soll dabei das Jahresgehalt betragen, das der Spieler fortan verdient. Und Philip Otele verneint auch nicht, dass das Geld bei seinem Wechsel in die Wüste eine wichtige Rolle gespielt habe. «Es ist der Beruf. Das spielt immer eine Rolle.»

Die Rolle jedoch, die er bei Al-Wahd spielt, die behagt Otele nicht. Er kommt zu zehn Einsätzen, aber nicht mehr zu Skorerpunkten.

Seit Januar in der Schweiz

«Ich hatte Probleme, mich zu akklimatisieren», sagt Otele nur. Die klimatischen Bedingungen, die Hitze habe ihm zu schaffen gemacht. Aber auch die unbekannte Kultur. Otele verbrachte die Freizeit dort so, wie das viele Fussballer tun – und so, wie es wohl kaum einer tut. «Ich war viel in der Wohnung, spielte Playstation. Und ich schwamm im Pool.»

Schwimmen, das ist sein Hobby. Einfach, weil er und seine Geschwister schon immer viel geschwommen sind. «Es gleicht mich aus, gibt mir Ruhe.»

In den Emiraten kann er das besonders brauchen. Er verliert kein schlechtes Wort über die Zeit dort, zumal er noch immer von Al-Wahd angestellt ist. Aber als er zu Basel wechselt, da setzt er einen Social-Media-Post ab und spricht davon, sich «befreit» zu fühlen.

Leihweise ist er im Januar in die Schweiz gekommen. Und bisher, da läuft es viel besser für Philip Otele als im halben Jahr zuvor. Gegen Sion erzielt er beim 4:1-Sieg gleich im ersten Einsatz sein erstes Tor. «Viel mehr kann man sich im ersten Spiel nicht wünschen.» Das zweite folgt bei der 1:2-Niederlage in Genf. Er scheint in der Startformation festgesetzt am linken Flügel – aber auch als erster Stellvertreter von Kevin Carlos im Sturmzentrum.

Philip Otele hofft, dass es so weiterläuft. Oder noch etwas besser. So eben, dass der FCB gegen Ende Saison die Kaufoption einlöst, die man für ihn ausgehandelt hat. In Anbetracht der Summe, die Al-Wahd erst im vergangenen Sommer für den Angreifer bezahlte, dürfte sie sich in einem Segment befinden, bei dem die Verantwortlichen des FC Basel nur aus Überzeugung davon Gebrauch machen.

Basel soll nämlich mehr werden als nur ein Zwischenstopp auf Philip Oteles ungewöhnlicher Lebensreise.

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Er, der einst in einem Moment der Frust sagte, er würde nie einen Club wie den FCB trainieren können, ist Schweizer Meister mit Rotblau.Daniel Stucki, das fehlende PuzzleteilFCB-Sportchef Daniel Stucki bei der spontanen Meisterfeier des FCB.Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Nein, es war nicht nur ruhig im und um den FC Basel, seit Daniel Stucki als Sportdirektor übernahm. Da waren einige Nebengeräusche. Die Gespräche mit Fabian Frei vor seinem Abgang, die Ausgangsepisode einiger Spieler, die Diskussionen um den Trainer sind jene, die in Erinnerung bleiben werden.Und dennoch kann man feststellen: Daniel Stucki hat diesem FCB sehr gutgetan. Als er Mitte Mai 2024 die Gesamtverantwortung für das Sportliche übernahm, erhielt der FCB ein Teil, das im grossen Puzzle noch gefehlt zu haben schien. Stucki macht den FCB ruhiger. Er hat eine klare Linie, gibt insbesondere den Spielern vor, was geht und was nicht geht, und steht – den Zusammenhang mit seiner ehemaligen Beschäftigung als Polizist kann man hier wohl nur schwer von der Hand weisen – für strikte Professionalität.David Degen, der MeisterpräsidentDavid Degen vor dem letzten Saisonspiel gegen den FC Luzern.Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)Was musste sich David Degen nicht alles anhören, seit er im Mai 2021 den FC Basel als Präsident übernahm. Für die grosse Mehrheit anfänglich der Retter, verspielte er sich diesen Bonus bei einigen bald wieder. Transferstrategie, Kommunikation und verheimlichte Geschäfte sorgten für kritische Stimmen, die an der Mitgliederversammlung 2024 in einem Zustimmungswert für Degen als Präsident von nur 76,1 Prozent gipfelten. All diese Stimmen verstummen im Gebrüll der Menge auf dem Barfüsserplatz. David Degen hat gerade nur eine Rolle: Meisterpräsident. Dass Degen auf dem Balkon nicht derjenige ist, der sich gross inszeniert, und sich eher drinnen aufhält, ist in gewissem Masse sinnbildlich für die gesamte Saison. Denn der Präsident konnte – vor allem dank Daniel Stucki – heuer deutlich bedeckter bleiben als in den Spielzeiten zuvor. Das tut dem Club und damit auch Degen sichtlich gut. Denn an der diesjährigen Mitgliederversammlung stimmen abgesehen von der einen Gegenstimme und der einen Enthaltung alle Anwesenden für David Degen als Präsident des FC Basel.FC Basel Schweizer MeisterDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. 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