Xherdan Shaqiri â und sonst?
Das sind die besten 10 Spieler der Super-League-Geschichte
Auf dem Weg zum Basler Meistertitel ist dem genialen Spielmacher eine Saison fĂŒr die Ewigkeit gelungen. Wo reiht er sich unter den Besten ein? Unser Ranking.

Die Faust des Basler Meistertitels, sein Gesicht und sein Lachen: Xherdan Shaqiri ĂŒberstrahlt alle.
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)
Wer sind die besten zehn Fussballer seit der EinfĂŒhrung der Schweizer Super League 2003/04? Die Frage ist simpel. Die Antwort darauf ist ungleich schwieriger.
Wir haben es dennoch gewagt. Wir beachteten, was die Spieler in der Liga leisteten. Und nicht, zu welchen Höhen sie sich spÀter aufschwangen. Sonst hÀtte es Mohamed Salah locker in dieses Ranking geschafft.
SelbstverstÀndlich spielen auch Statistiken eine Rolle. Aber eben nicht nur. Manch einer findet Eingang in diese Liste, weil er etwas hat, das Statistiken nicht messen können. Aber lesen Sie selbst:
Rang 10: Richard Nuñez
Fast 5 Millionen Franken bezahlen die Grasshoppers im FrĂŒhjahr 2001 fĂŒr ihn, den 25-jĂ€hrigen Wirbelwind aus Montevideo. Es ist ein gewaltiges Wagnis â und es geht auf.
Richard Nuñez wird zur Attraktion der Nationalliga A, geholt vor der Meisterrunde in der Saison 2000/01, schiesst er im ersten Spiel ein Tor, macht im sechsten einen Hattrick und im neunten noch einen. GC wird Meister.
Am Ende kommt Nuñez in der Schweiz auf 86 Tore und 71 Assists in gerade einmal 127 Partien. Ein Moment, der sich bei ihm eingebrannt hat, ist der Cup-Halbfinal 2004 gegen den FC ZĂŒrich. Bis zur 83. Minute liegt GC 2:5 hinten, dann treffen Eduardo und Mladen Petric.
In der VerlĂ€ngerung ist er wieder da, der kleine Zauberer, und trifft mit einem Lob zum 6:5 â ein Moment fĂŒr die GeschichtsbĂŒcher des Schweizer Fussballs.
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Nuñez verteidigt nicht gern, darum begleitet ihn auch immer der Ruf der Diva. Zu Recht, schreiben die Zeitungen damals. Zu Unrecht, sagt er. Seine Zeit in ZĂŒrich endet 2004, er geht zu AtlĂ©tico Madrid, spĂ€ter nach Mexiko. Nie ist er so gut wie in ZĂŒrich.
Rang 9: Matias Delgado
Am 30. Juli 2017 sitzt Matias Delgado im Presseraum des FC Basel und sagt, dass er nicht mehr kann, dass er nicht mehr will. Er beendet seine Karriere mit sofortiger Wirkung. Einige Fans stĂŒrmen den Raum, sie wollen nicht glauben, was da gerade passiert.
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Es gibt nicht viele Spieler in der Geschichte des FCB, die die Herzen der Fans so bewegt haben wie er. 2003 kommt er als schĂŒchterner Junge von den Chacarita Juniors. Er muss sich erst an seine neue Welt gewöhnen, aber dann schiesst er Tore, bereitet sie vor und sieht RĂ€ume, die sonst keiner sieht. Vorn stĂŒrmen Christian Gimenez und Julio Hernan Rossi, erst Mitspieler, bald Freunde.
Die Trauer ist gross, als Delgado Basel 2006 verlĂ€sst â dafĂŒr ist die Freude umso grösser, als er 2013 zurĂŒckkehrt. Nach drei Jahren in Abu Dhabi braucht er Zeit, um wieder zu glĂ€nzen, aber er schafft auch das. Er wird Captain der Basler, bis er plötzlich spĂŒrt: «Es macht mir keinen Spass mehr.»
Als Delgado unter TrĂ€nen sein Karriereende verkĂŒndet, verliert nicht nur der FCB einen der spektakulĂ€rsten Spieler, sondern die gesamte Liga.
Rang 8: Marco Streller
Vielleicht wĂ€re er in seiner ersten grossen Saison mit dem FC Basel TorschĂŒtzenkönig geworden. 2003/04 ist das, als die Super League gerade geboren worden ist und mit 22 Jahren Strellers Stern aufgeht. 13 Ligatreffer hat er bis zur Winterpause erzielt. Einen weniger als StĂ©phane Chapuisat â aber genug, um im Januar zum VfB Stuttgart zu wechseln.
Der FCB wird trotzdem Meister. Und als Streller zum FCB zurĂŒckkehrt, da wird er es wieder (2008) und wieder (2010) und wieder (2011) und wieder (2012) und wieder (2013) und wieder (2014) und wieder (2015).
Bei seinem RĂŒcktritt ist er an acht Basler Super-League-Titeln massgeblich beteiligt gewesen und hat Rotblau als Captain zu sechs Meisterschaften in Folge gefĂŒhrt. Das ist Rekord â so, wie es die 111 Tore sind. Jedenfalls, solange Jean-Pierre Nsames Ladehemmung anhĂ€lt.

Solche Tore unterscheiden Marco Streller von Jean-Pierre Nsame: Der FCB-StĂŒrmer trifft in der Champions League gegen Chelsea zum 2:1.
Foto: Andy Mueller (Freshfocus)
Was ihn von der YB-Legende unterscheidet, ist die Performance auf europĂ€ischem Parkett: Anders als Nsame hat Streller grossen Anteil an magischen Schweizer EuropacupnĂ€chten â Tore zu Basler Champions-League-Siegen gegen Manchester United (2:1), Liverpool (1:0) und bei Chelsea (2:1) inklusive.
Nur ein Titel ist dem schlaksigen StĂŒrmer bis zum Schluss verwehrt geblieben: jener des TorschĂŒtzenkönigs. Sonst wĂ€re er wohl höher rangiert.
Rang 7: Yassine Chikhaoui
Vater Chikhaoui sagt seinem Sohn: «Yassine, du unterschreibst beim FCZ.» Yassine kommt mit knapp 21 Jahren aus Tunesien nach ZĂŒrich, und er braucht nicht lange, um allen sein immenses Talent vorzufĂŒhren: Am Tag, als der neue Letzigrund mit dem Derby gegen GC eröffnet wird, setzt er gleich nach dem Anpfiff an der Mittellinie zum Slalomlauf an, 36 Sekunden ist das Spiel alt, als er das 1:0 macht.
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Wer das Tor sieht, vergisst es nicht mehr. Und wer Chikhaoui fortan an guten Tagen sieht, muss von seiner Eleganz und Klasse beeindruckt sein. Nicht umsonst ist er bis heute einer von drei Lieblingsspielern von PrÀsident Ancillo Canepa, gleich nach Pelé und Maradona.
Er ist ein stolzer Mann, aber einer mit sehr fragiler Gesundheit. In acht Jahren beim FCZ bestreitet er nur 154 Spiele, Ă€hnlich viele verpasst er wegen teilweise schwerer Verletzungen. Ohne diese RĂŒckschlĂ€ge könnte er in diesem Ranking deutlich weiter oben stehen.
Rang 6: Blerim Dzemaili
Als er im Januar 2021 zurĂŒckkommt, zurĂŒck in die Schweiz, nach ZĂŒrich, hat er ein grosses Bild vor Augen: «So, jetzt gehe ich nochmals zum FCZ und will Meister werden.» Seine RĂŒckkehr ist ein Coup fĂŒr den Club, auch wenn Dzemaili zu diesem Zeitpunkt schon auf die 35 zugeht.

Am Ziel seiner RĂŒckkehr: 2022 gewinnt Blerim Dzemaili mit dem FCZ die Meisterschaft.
Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)
Eineinhalb Jahre spĂ€ter ist er am Ziel, neunzehn Jahre nach seinem DebĂŒt fĂŒr den FCZ, der trotz all seiner Wanderjahre in England, Italien, der TĂŒrkei, Kanada und China immer sein FCZ geblieben ist. Zum dritten Mal ist er Meister. 2006 und 2007 ist er noch der Junge, der in Lucien Favre seinen grossen Förderer findet, 2022 ist er der Routinier, der zwar nicht mehr jedes Spiel machen kann, aber unbestritten der Kopf und Antreiber der Mannschaft ist.
Sein Spiel lebt nicht von der Eleganz, es lebt von seiner MentalitĂ€t, alles fĂŒr den Erfolg zu machen, wenn er sich dafĂŒr notfalls auch mit Schiedsrichtern anlegen muss. Als er 2023 aufhört, trĂ€gt er beim FCZ einen Ehrentitel: Ikone.
Rang 5: Hakan Yakin
Hakan Yakin ist bald 31-jĂ€hrig und hat enttĂ€uschende Jahre in Stuttgart und Istanbul hinter sich, als ihm im Dezember 2007 fĂŒr YB in St. Gallen ein Spiel gelingt, das selbst in seiner Karriere heraussticht. Vier Tore erzielt er auf dem Weg zum 7:2, bei zwei weiteren wirkt er entscheidend mit. «Hakan Yakin Superstar», titelt die «Berner Zeitung».
Nur dank Yakin schaffen es die Young Boys damals in die Finalissima beim FC Basel. Er kommt auf 24 Treffer und 15 Assists in 32 Partien, wird TorschĂŒtzenkönig und bester Vorlagengeber. Aber YB unterliegt, Yakin wird fĂŒr die leidgeprĂŒften Berner nicht zum Erlöser. Sonst wĂ€re er im RĂŒckblick gar noch grösser.
Yakin feiert mit GC und Basel Erfolge, er dominiert in Luzern selbst dann noch, als links und rechts seiner Mittelscheitel graue Haare hervorlugen. Und doch ist da immer dieses GefĂŒhl, dass mit diesem linken Fuss, auf dessen PrĂ€zision selbst KI-Roboter neidisch wĂ€ren, mehr hĂ€tte drinliegen mĂŒssen. Die Nummer 10 ist ein Genie â mit Hang zum Phlegma.
Dennoch schafft es Yakin locker auf diese Liste. Nicht wenige seiner WeggefĂ€hrten halten ihn gar fĂŒr den talentiertesten Fussballer, mit dem sie je gespielt haben.
Rang 4: Stéphane Chapuisat
Die Aufregung ist richtig gross im Hardturm an diesem 22. Juli 1999, als StĂ©phane Chapuisat als neuer Spieler der Grasshoppers vorgestellt wird. Wobei, was heisst Spieler? Der 30-JĂ€hrige ist der neue Star, vorgesehen als AushĂ€ngeschild eines neuen GC mit den Besitzern Gut und Gerber. 1,2 Millionen Franken verdient er, sogar noch mehr als spĂ€ter Trainer Roy Hodgson. Das SalĂ€r steht fĂŒr seine Tore und Titel in den acht Jahren mit Borussia Dortmund.
Chapuisat, fĂŒr alle nur «Chapi», ist auch in Deutschland kein Lautsprecher geworden. «Auf dem Platz fĂŒhle ich mich am wohlsten», sagt er. Und das bleibt in der Schweiz so. Was vor allem auch bleibt: Sein bester Trick ist noch immer der Haken. Jeder Gegner weiss, dass der Haken kommt, aber er weiss eben nicht, wann. Chapuisat fĂŒhrt GC 2001 mit seinen 21 Treffern zum Meistertitel.

Auch im Alter von 34 nicht zu bremsen: 2003/04 gelingt Stéphane Chapuisat bei YB eine Rekordsaison.
Foto: Manu Friederich (Freshfocus)
Ein Jahr danach zieht er weiter, nach Bern, und schiesst fĂŒr die Young Boys drei Saisons lang regelmĂ€ssig seine Tore. 2003/04 gelingen ihm 34-jĂ€hrig 24 Treffer und 19 Vorlagen, die 43 Skorerpunkte sind bis heute Rekord.
Rang 3: Guillaume Hoarau
Schlechter könnte die Liebesgeschichte nicht beginnen. Bei Guillaume Hoaraus erstem Auftritt von Anfang an unterliegt YB 2014 im Cup gegen den SC Buochs aus der 2. Liga interregional. Und dem StĂŒrmer, immerhin fĂŒnffacher französischer Nationalspieler, will gegen die Amateure aus der Zentralschweiz nichts gelingen.
Doch das ist bloss noch ein hĂŒbscher Einstieg, was folgt, ist Kitsch pur. 94 Treffer gelingen Hoarau in 141 Ligapartien fĂŒr YB. Einmal wird er TorschĂŒtzenkönig, nur einmal: die Verletzungen. Doch mit seinem Bob-Marley-Tattoo auf der Wade und seiner fast schon unverschĂ€mten Coolness steht kein anderer fĂŒr die Phase, in denen die Berner das Veryoungboysen hinter sich lassen. Drei Meistertitel gewinnt er mit YB. Und nebenbei fĂŒllt er das BierhĂŒbeli als SĂ€nger. Eine einmalige Mischung.

StĂŒrmer und Showman: Guillaume Hoaraus Zeit bei YB ist einzigartig im Schweizer Fussball.
Foto: Claudio de Capitani (Freshfocus)
Es hat in der Super League StĂŒrmer mit besseren Statistiken und mehr Trainingseifer gegeben als Hoarau, davon sogar sehr viele. Aber keiner kombiniert AbschlussstĂ€rke mit Abgezocktheit â und sieht dabei trotz schlaksigen 192 Zentimetern noch so lĂ€ssig aus â wie der WeltenbĂŒrger von La RĂ©union.
Rang 2: Alex Frei
Das eine sind die Zahlen. 74 Tore in 113 Super-League-Spielen, dazu 36 Vorlagen. Vier Meistertitel und zwei Cupsiege in den vier Jahren zwischen 2009 und 2013. Dazu kommen noch so «Kleinigkeiten» wie zwei Titel als TorschĂŒtzenkönig sowie Treffer im Europacup gegen Teams wie Manchester United oder Bayern MĂŒnchen.
Das andere ist die Einstellung. Denn als die Basler Frei 2009 zurĂŒckholen, bekommen sie nicht nur einen Bundesliga-StĂŒrmer, sondern auch einen â wie heisst das so schön? â MentalitĂ€tsspieler. Zusammen mit Marco Streller und Benjamin Huggel ist er einer der drei grossen AnfĂŒhrer. Getrieben von den eigenen AnsprĂŒchen und seinem Ehrgeiz.
Frei ist einer der prĂ€gendsten StĂŒrmer der Super League â und derjenige mit dem wohl spektakulĂ€rsten Abgang: Am 14. April 2013 versenkt er vor 32â328 Zuschauern im Joggeli einen direkten Freistoss gegen den FCZ, wird kurz danach ausgewechselt â und beginnt am nĂ€chsten Tag seine Sportchef-Karriere in Luzern.
Rang 1: Xherdan Shaqiri
Er ist schon einer der Besten, als er von 2010 bis 2012 als Teenager mit dem FC Basel seine ersten drei Meistertitel sowie zweimal den Schweizer Cup gewinnt. Doch sein vierter goldener Pokal, den er am 24. Mai als FCB-Captain in die Höhe stemmt, wird alles ĂŒberstrahlen â und das nĂ€chste Double wohl am 1. Juni folgen.
Mit den grössten TrophĂ€en, aber auch mit Zweifeln im GepĂ€ck, ist er Ende August von seiner zwölfjĂ€hrigen Auslandreise zurĂŒckgekehrt. Am 11. Mai 2025 steht er schliesslich auf dem Balkon des Basler BarfĂŒsserplatzes und wird von der Menschenmenge als derjenige gefeiert, der den Erfolg zurĂŒckgebracht hat.
Mit einem Gin Tonic in der Hand meint er danach nur: «Ich bin nun 33, auch nicht mehr der JĂŒngste â aber diesen Tag werde ich nie vergessen.» In den Monaten dazwischen, da hat Xherdan Shaqiri die Super League nicht nur verzĂŒckt, sondern sie auch gleich so dominiert wie wohl kein anderer vor ihm. Sein Vertrag lĂ€uft weiter. Doch alles, was noch kommt, ist Zugabe.
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