Der Abschied eines Anachronismus: Die Geschichte des Abgangs von Taulant Xhaka beim FC Basel

Dieser Artikel wurde von BZ publiziert.


Karriereende

Der Abschied eines Anachronismus: Die Geschichte des Abgangs von Taulant Xhaka beim FC Basel

Er steht für Identifikation wie kein anderer beim FC Basel: Taulant Xhaka. Im Sommer beendet der Ur-Basler seine Karriere, weil es für ihn der richtige Zeitpunkt ist. Damit verwehrt er sich die Chance, einen seiner letzten Träume wahr werden zu lassen. Doch auch so kann er als lebende Legende abtreten. Eine Würdigung.

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Kaum einer im Schweizer Fussball steht so für die Verbundenheit zu seinem Klub wie Taulant Xhaka.

Bild: Freshfocus/Toto Marti/ Blick

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Es ist ein kleiner Kreis, der sich schliesst. Ein symbolischer. Wenn Taulant Xhaka am 24. Mai ein letztes Mal den Rasen des Joggeli als Fussballer betreten wird, wird er 34 Jahre alt sein. Er wird sein Trikot tragen, welches mit der Rückennummer 34 beflockt ist. Wie es das mit ganz wenigen Ausnahmen zu Beginn seiner Karriere immer war, wenn Taulant Xhaka für den FC Basel auf dem Rasen gestanden hat. 406 Mal bis dato, ein paar Spiele kommen mit Sicherheit noch dazu. Bis Ende Mai Schluss ist. Endgültig. Denn nach dieser Saison beendet Xhaka seine aktive Karriere. Es ist der Abschied eines Anachronismus.

Taulant Xhaka ist die Personifizierung von Verbundenheit. Für ihn gab es immer nur einen Klub, eine Stadt, eine Region: Basel. «Der FCB ist alles für mich», fängt er denn auch die emotionale Abschiedsbotschaft an, welche der Verein am Mittwoch in die Welt hinaus und mitten in die Herzen seiner Fans schickt. Obschon Xhaka noch einen Vertrag bis 2027 gehabt hätte, zieht er einen Schlussstrich.

Ungewohntes Bild: Bis zur U21 läuft Taulant Xhaka für die Schweizer Nationalmannschaft auf. Hier in einem Testspiel mit der U17 gegen Frankreich im Herbst 2007.

Bild: Alessandro Della Valle / Keystone

«Es fühlt sich richtig an, weil es dem Klub sehr gut läuft. Wir sind auf der Erfolgsspur, es ist eine riesige Euphorie da. Es ist der beste Moment, um aufzuhören. Im Guten und nicht im Schlechten», sagt Xhaka zu seinem nahenden Karriereende, das vielleicht auf eine gewisse Art überraschen mag, sich jedoch auch abgezeichnet hatte. Nicht nur, weil er immer sagte: «Wenn ich spüre, dass es sportlich keinen Sinn mehr macht, höre ich auf.»

Die Anzeichen der letzten Wochen

Bereits in den letzten Wochen und Monaten war Xhakas Einfluss drastisch gesunken. Gerade einmal auf neun fast ausschliesslich Kurz-Einsätze in der Liga kommt er in der laufenden Saison. Im Jahr 2025 hat er noch keine Minute absolviert.

Zwar ertrug Xhaka seinen sinkenden Stellenwert stoisch und mit Stolz, doch war beim 33-Jährigen, der entgegen seiner Spielweise neben dem Feld durchaus sehr sensibel ist, in Gesprächen in den letzten Wochen zu spüren, dass ihn die aktuelle Situation nicht kaltlässt. Dass er sich etwas zurückzieht und ein baldiger Abschied möglich ist.

Taulant Xhaka war in den letzten Wochen anzumerken, dass ihn seine Situation nicht kalt lässt.

Taulant Xhaka war in den letzten Wochen anzumerken, dass ihn seine Situation nicht kalt lässt.

Bild: Claudio De Capitani/Freshfocus

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Spätestens die Degradierung im Captain-Team – auf die Rückrunde wurde Xherdan Shaqiri anstelle von Xhaka zur Nummer 1 ernannt – und die Verpflichtung von Metinho dürfte ihm den letzten Erkenntnisgewinn seiner künftigen Rolle geliefert haben.

Keine einfache Angelegenheit für einen, der in Basel jenen Titel trägt, den neben ihm nur ganz wenige verdienen: Er ist eine lebende Legende. Nicht nur aufgrund seiner sechs Meister- und drei Cuptitel, welche er mit seinem Herzensklub geholt hat. Sondern vielmehr auch wegen dem, wofür Xhaka Zeit seiner Karriere stand: Identifikation. Im Basler St. Johann an der Wasserstrasse aufgewachsen, gab es für klein Tauli immer nur den FCB. Spätestens ab jenem Moment, als er mit zwölf Jahren von Remo Gaugler zum Klub geholt wurde, war für Taulant klar: «Irgendwann will ich für die 1. Mannschaft im Joggeli spielen!»

Der Umweg über das ungeliebte Zürich

Am 19. September 2010 wurde sein Traum teilweise wahr, debütierte er im Cup auswärts gegen Mendrisio für den FCB. Unter Thorsten Fink feierte er auch seine Premieren in der Liga und in der Champions League, ehe ihm der Trainer eine Leihe ans Herz legte. Eineinhalb Lehrjahre verbrachte Xhaka bei GC – es war die einzige Zeit, in welcher er seinem FCB fremdging. Wie schwer ihm das fiel, erzählte er einst in einem Interview mit dieser Zeitung: «Ich hatte zwar eine Wohnung in Zürich, aber ich habe dort nie übernachtet. Nach zwei Stunden in Zürich wollte ich immer wieder nach Hause.» Einmal Basel, immer Basel eben.

Xhakas Verbundenheit mit dem FCB geht so tief, dass er nach eigener Aussage gar in den Ferien die Heimat vermisst. Und: Dass er das lukrative Angebot, Paulo Sousa nach Florenz zu folgen, ablehnte. 2015 war das, und Xhakas Bekenntnis inklusive anschliessender Vertragsverlängerung machte deutlich: Taulant Xhaka würde wohl einer dieser wenigen One-Club-Player werden. Ein Anachronismus eben.

Anfang Oktober wurde Taulant Xhaka für die magische Marke von 400 Einsätzen für den FCB geehrt. –> <!–>

Anfang Oktober wurde Taulant Xhaka für die magische Marke von 400 Einsätzen für den FCB geehrt.

Bild: Imago/Daniela Porcelli

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In den fünfzehn Jahren zwischen Debüt und dem nahenden Abgang im Sommer erlebte Xhaka nicht nur europäische Nächte gegen Liverpool, Manchester United oder gegen Real Madrid. Er erlebte auch emotionale Duelle gegen seinen jüngeren Bruder Granit.

Aber für Taulant Xhaka waren es nicht nur die glamourösen Auftritte auf der grossen Bühne, in welchen er seinen Wert bewies. Sondern auch in den unzähligen Klassikern gegen den FC Zürich oder den hitzigen Duellen gegen YB.

Emotional auf und sensibel neben dem Feld

Nicht nur einmal verlor er in solchen Affichen die Nerven. Da ist beispielsweise das Foul gegen YB, das Alexander Gerndt schwer verletzte. Die Reibereien mit Renato Steffen. Der Kopfstoss gegen Nikola Katic im Klassiker. Taulant Xhaka symbolisiert nicht nur Klubtreue und Identifikation pur, sondern auch Emotionen satt. Aggressivleader, Mittelfeldpuncher, Terrier – seine Spitznamen sind zahlreich. Wer ihn jedoch kennt, nennt ihn Tauli. Diesen Typen, der ungern Interviews gibt, vor allem, wenn eine Kamera dabei ist. Weil er nervös wird, sich unwohl fühlt. Es ist der Kontrast zum Puncher auf dem Feld.

Der Moment nach der Verletzung, welche die Karriere von Taulant Xhaka nachhaltig beeinflussen sollte.

Der Moment nach der Verletzung, welche die Karriere von Taulant Xhaka nachhaltig beeinflussen sollte.

Bild: Anke Waelischmiller

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Als dieser jedoch war er beim FC Basel – egal, wie der Trainer hiess – stets gesetzt. Seine persönlich besten Zeiten erlebte er wohl in den Saisons 2018/19 und 2019/20. Bis zum kapitalen Spiel im August 2020 gegen Shakhtar Donezk im Viertelfinal der Europa League. Xhaka zog sich eine Innenbandverletzung am Knie zu. Sie sollte folgenschwer sein. Eine ganze Saison verpasste er und gab selbst zu: «An das Level von vor der Verletzung bin ich nie mehr ganz herangekommen.»

Die ersten Risse in der Beziehung

Dennoch folgte für ihn auch danach noch ein weiteres Highlight: der Halbfinal-Einzug in der Conference League im Frühling 2023. Es war jedoch auch jene Phase, in welcher kurz zuvor erste Risse zwischen ihm und dem FCB entstanden. Xhaka fühlte sich falsch verstanden, aus dem Klub gedrängt. Ihm fehlte Transparenz und Ehrlichkeit in einem Prozess, in dem es darum ging, seinen damals bis 2024 laufenden Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern. Der Streitpunkt kurz zusammengefasst: Der FCB wollte sparen, Xhaka seinerseits sein Karriereende stets in seinen eigenen Händen wissen. Das Resultat war eine Vertragsausdehnung bis 2027, welche jetzt frühzeitig beendet wurde.

Die beiden Parteien rauften sich damals zusammen, machten öffentlich Schritte aufeinander zu. Doch seither haftete der Beziehung FCB und Taulant Xhaka stets ein gewisser Hauch von Zweckgemeinschaft an. Hier der Klub, der seinen alternden Spieler gerne in der Pension sehen würde. Da der Spieler, der das Gefühl nicht loswerden konnte, dass ihn «Person X» loswerden wollte, dem jedoch nichts wichtiger ist, als sein FCB, die Fans und deren Liebe.

Dass er diese bis zum letzten aktiven Tag und darüber hinaus geniessen wird, ist unbestritten. Öffentlichen Disputen und nächtlichen Ausgängen zum Trotz. Einmal Xhaka, immer Xhaka.

Die Verbindung zwischen dem 12. Mann und Taulant Xhaka – es war stets eine besondere. –> <!–>

Die Verbindung zwischen dem 12. Mann und Taulant Xhaka – es war stets eine besondere.

Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Für den kleinen Jungen aus dem St. Johann ist mit seiner einmaligen Karriere beim FCB ein Traum in Erfüllung gegangen. Einen, den er sich in seiner Fülle so nie ausgemalt hätte. Dass diese Karriere einen kleinen Schönheitsfleck haben wird. Nämlich den, dass Taulant nie mehr wie erhofft mit Bruder Granit gemeinsam für den FCB auf dem Feld stehen wird, nimmt dieser Geschichte den Kitsch. Aber der hätte ohnehin nicht zu Taulant Xhaka gepasst.

Die letzte grosse Sehnsucht

Eine letzte Sehnsucht hegt Xhaka noch. Bis im Sommer will er noch durchziehen. Bis dann alles geben. Die Jungen unterstützen, mit ein paar zusätzlichen Einsätzen weiter an seinem Denkmal schrauben. Um dann, hoffentlich, am 24. Mai nicht nur ein letztes Mal im Joggeli zu stehen. Sondern anschliessend auch erstmals seit sechs Jahren und ein allerletztes Mal wieder auf dem Barfi. Mit jenem Pokal in der Hand, den er erstmals in seiner ersten Saison 2010/11 holte: den Meisterkübel.

Seine Karriere würde enden, wie sie begann: mit einem Titel. Und das im für ihn so magischen Alter von 34 Jahren. Dem perfekten Alter für ihn, um die Karriere zu beenden, wie er schon vor ein paar Jahren andeutete. Oder wie es Taulant Xhaka nun in seiner Abschiedsverkündung sagt: «Was gibt es Besseres, als so aufzuhören?»

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