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Ogi Zaric im Fokus

Trotz Klatsche und letztem Platz: Der Trainer ist in Winterthur kein Thema

Nachdenklich: Ogi Zaric und der FC Winterthur sind auf der Suche.
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In Kürze:

  • Ogi Zaric verabschiedet sich nach der Klatsche gegen Basel von «seinem Fussball».
  • Gegen St. Gallen änderte der FCW die Taktik und holte ein 2:2.
  • Bei der Heimkehr ins «Joggeli» will Zaric zeigen, dass der FCW besser ist, als das 1:6 vermuten liesse.

Das Spiel zwischen dem FC Winterthur und dem FC Basel ist schon seit einer guten Stunde beendet. Die Zuschauerinnen und Zuschauer zottelten von dannen, der Car des FC Basel rollt von der Schützenwiese. Dann nimmt Ogi Zaric im Medienraum des FC Winterthur platz. Der Raum ist wie die Schützenwiese. Funktional, aber auch etwas improvisiert. Die Wände sind mit Graffiti verziert, vorne steht ein Flachbildschirm, an gleicher Stelle finden auch die Videoanalysen statt.

Der FC Winterthur ist soeben 1:6 gegen den FC Basel untergegangen, und Zaric sagt Sachen wie: «Man muss das Spiel realistisch einordnen.» Und immer wieder: «Das kann man nicht schönreden.» Es ist etwas widersprüchlich, das weiss Zaric auch. Er unterscheidet als Trainer zwischen Leistung und Resultat. Und irgendwann fragt er: «Nimmst du noch auf?» Zaric nimmt sich dann – ohne das Damoklesschwert Mikrofon – Zeit, um seine Überlegungen zur Taktik (Balance zwischen hoch gehen und tief stehen), zu den Formständen der Spieler (könnte besser sein) und zur Stimmung im Team offenzulegen (alle ziehen mit, aber es wird Entscheide geben).

Schwieriges Erbe

Es sind vertrauliche Aussagen, die Zaric tätigt. Im Gegenzug zu diesen vertieften Einblicken will er Rückmeldungen, Aussenansichten und wohl auch Verständnis. Dieses hat er zuletzt zumindest in den sozialen Medien verloren. Dort hat Zaric keinen einfachen Stand. «Zaric out!», ist immer wieder zu lesen. Das ist aber kein Thema.

Dazu muss man wissen: Die Aufgabe in Winterthur ist seit dem Aufstieg keine einfache. Man hat nach wie vor das kleinste Budget der ganzen Liga. Dennoch ist es für Zaric noch etwas schwieriger als für seine Vorgänger. Das hat viel mit Erwartungen zu tun. Unter Bruno Berner war jeder Punkt ein Gewinn und der Klassenerhalt wie ein Meistertitel. Die Euphorie des Aufstiegs trug den FCW durch die Saison.

Patrick Rahmen liess den kleinen FC Winterthur vom Cupfinal und von Europa träumen. Mit dem ehemaligen Basler funktionierte fast alles. Der FCW kam in die Meisterrunde und in den Cuphalbfinal. Rahmen wurde von den Fans auf den Thron gehievt, dass der FCW zum Schluss siebenmal verlor – geschenkt. Jetzt soll unter Rahmens ehemaligem Assistenten die Party weitergehen. Zaric übernahm die Mannschaft und bekannte sich sogleich zum Verein und zur Stadt. Er zog mit seiner Familie aus dem Baselbiet nach Winterthur. Doch auf der Schützenwiese macht sich langsam der Kater breit.

Erste Profistation

Schon vor der Klatsche gegen Basel wurde in den sozialen Medien die Trainerfrage gestellt. Zaric wurden die nötigen Fähigkeiten abgesprochen, den Turnaround zu schaffen. Immer wird dabei auf sein junges Alter und die fehlende Erfahrung verwiesen. Zaric ist mit seinen 35 Jahren der jüngste Trainer der Liga, und der FCW ist seine erste Station als Chef einer Profimannschaft.

Die beiden Freunde Ogi Zaric und Patrick Rahmen beim ersten und einzigen Aufeinandertreffen in dieser Saison.

Richtig begonnen hat die Trainerlaufbahn von Zaric beim FC Basel. 2020 wechselte der Österreicher von seinem Heimatclub Kufstein in den Nachwuchs des FCB. Zuerst übernahm er die U-18, später mit Patrick Rahmen die U-21 und dann die erste Mannschaft, ebenfalls als Assistent von Rahmen. In gleicher Funktion folgte er Rahmen im Sommer 2023 zum FC Winterthur. Nun hat Zaric seinen Mentor beerbt. Trotzdem ist die Karriere Zarics untrennbar mit Patrick Rahmen verbunden. Mittlerweile sind die beiden auch privat befreundet. Von ihm hat er viel gelernt – insbesondere was Menschenführung und Kommunikation angeht. Zur Kritik sagt Zaric: «Das gehört dazu, wenn man Letzter ist.»

Das war noch vor dem Basel-Spiel. Dann folgte eine der höchsten Niederlagen in seiner ganzen Trainerlaufbahn. Ähnlich hoch hat Zaric nur mit der U-21 des FC Basel verloren. Damals unterlag sein Team dem Nachwuchs des FC St. Gallen 2:7. Gut zwei Wochen und zwei Unentschieden später war Zaric seinen Job los. Man habe unterschiedliche Auffassung, was die Zukunft angehe, hiess es damals im Communiqué des FC Basel.

Dies wird in Winterthur nicht passieren, selbst wenn die Winterthurer in Basel erneut verlieren sollten. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist man überzeugt von Zaric, er war im Sommer die Wunschlösung. Sein Fussballwissen ist unbestritten. Zaric gilt als «Fussball-Nerd». Zum anderen ist man in Winterthur traditionell geduldig mit den Trainern – «wir wissen, woher wir kommen und wo wir hingehören», sagen die Verantwortlichen. Es ist ein Verweis auf die finanziellen Möglichkeiten des FCW. «Wir starten vom Budget her auf Platz 12», so Zaric selbst. Ihm gibt das natürlich Vertrauen. Ein Riesenvorteil sei das, sagte er nach dem Spiel in St. Gallen.

Und dann ist da noch Fabian Frei. Der ehemalige Basler Captain ist der Wunschspieler von Zaric. Die beiden kennen sich aus Zeiten beim FC Basel, zwischen 2021 und Februar 2022 ist Zaric als Assistenztrainer von Rahmen der Chef von Frei. Dabei sind Frei und Zaric fast gleich alt. Die Verpflichtung von Frei gibt Zaric eine gewisse Sicherheit. Denn Frei ist in Winterthur seit seiner Ankunft ein Wortführer. Er überstrahlt mit seinem Erfahrungsschatz und seinem Palmarès alle in der Mannschaft. Kurz: Die Mannschaft folgt Frei, und Frei folgt dem Trainer.

Umstellung gegen St. Gallen

Das war auch nach dem Basel-Spiel so, und dennoch war dieses Spiel eine Zäsur im Schaffen von Zaric. Er verabschiedete sich vorerst von der Vorstellung, wie er eigentlich gerne Fussball spielen lassen will. Gegen St. Gallen nahm Zaric Korrekturen vor. Da ist kein offensives Mitspielen mehr. Kein dominantes Auftreten mit dem Ball. Keine Kreativspieler wie Luca Zuffi und Fabian Frei zusammen auf der Doppelsechs – das soll, so ist es zu hören, sowieso nur eine aus der Situation entstandene Lösung gewesen sein.

Die Idee, defensiver zu stehen, sei schon länger im Hinterkopf gewesen, meint Zaric. «Es ist vielleicht nicht mein Fussball, aber es ist das, was der Mannschaft guttut, und die Mannschaft ist das Wichtigste», sagt der Trainer. In St. Gallen stellt Zaric vier Innenverteidiger auf. Im zentralen Mittelfeld spielten neben dem unverzichtbaren Frei die beiden Fussballarbeiter Remo Arnold und Adrian Durrer. Hinten zustellen und dann umschalten. Es ist eine ähnliche Taktik, wie sie Bruno Berner in der ersten Saison nach dem Aufstieg spielen liess. Das Spiel endet 2:2. Das Experiment gelingt – und daran will sich Zaric halten. «Kurzfristig wird das der Weg sein.» Wobei es ihm wichtig ist, zu sagen, dass man trotzdem die Momente habe, in denen man das spielerische Element sieht. Das 2:2 in St. Gallen war so einer. Bei Zaric tönt das so: «Das beginnt bei Torhüter Kapino, Halbraum, Abbrechen, Verlagern, den Ball auf die Seite, Ball in den Rücken der Kette, das ist ein super Goal.» Da ist er wieder, der Fussball-Nerd.

Und noch etwas änderte sich: der Trainer selbst. Zaric, eigentlich sehr bedacht und anständig, bewegt sich meist ausserhalb der Coachingzone, dirigiert, motiviert und applaudiert. Kurz: Er ist deutlich lauter und versucht, mehr Einfluss zu nehmen. Damit ist die Situation noch nicht gerettet.

Aber die Erkenntnis, die Zaric kurz nach dem Basel-Spiel erlangte – tiefer zu stehen –, hilft. Und kurz nach dem Spiel gibt er auch schon das Ziel für das neuerliche Aufeinandertreffen am Samstag (18 Uhr) aus. «Im Joggeli wollen wir zeigen, dass die Niederlage in dieser Höhe unverdient war.»

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