
Taulant Xhaka über den Rücktritt: «Da war kein Druck vom FCB, dass man mich nicht mehr haben will»
Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert.
Taulant Xhaka über den Rücktritt
«Da war kein Druck vom FCB, dass man mich nicht mehr haben will»
Taulant Xhaka und FCB-Sportdirektor Daniel Stucki erzählen, wie es zum Rücktritt der Basler Identifikationsfigur kam und was das heisst.

«Ich fühle mich, als ob ich 20 Kilogramm an Gewicht verloren habe.» Taulant Xhaka (33) über seinen Entscheid, im Sommer aufzuhören.
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)
Taulant Xhaka, am Mittwoch kommunizierten Sie, dass Sie im Juni Ihre Karriere beenden werden. Beschreiben Sie den Tag der Bekanntgabe des Rücktritts.
Taulant Xhaka: Es war ein sehr emotionaler Tag, an dem bei mir immer wieder Tränen flossen. Nur ganz wenige in meinem Umfeld waren in den Entscheid miteinbezogen; meine Frau, meine Eltern, mein Bruder Granit. Deshalb erhielt ich unzählige Nachrichten von meinen Freunden. Sogar Alex Frei rief mich an. Doch ich konnte keine Anrufe entgegennehmen, das waren zu viele Emotionen für mich. Ich spürte aber auch sofort, wie befreit ich nach diesem Entscheid bin. Es fühlt sich an, als hätte ich 20 Kilogramm an Gewicht verloren.
Wie hat die Mannschaft die Botschaft aufgenommen?
Xhaka: Daniel Stucki hat am Mittwoch die Mannschaft in der Kabine in einer sehr emotionalen Rede informiert. Da brauchte es von meiner Seite nicht mehr viel. Ich hielt mich kurz und sagte: Lasst uns nochmals einen Pokal in die Höhe stemmen!
Was war der Auslöser, trotz Vertrags bis 2027 bereits in diesem Sommer einen Schlussstrich zu ziehen?
Xhaka: Ich habe mich schon länger mit dem Gedanken befasst, im Sommer kürzerzutreten. Ich führte mit meiner Frau einige Gespräche und bin schliesslich vor zwei, drei Wochen auf den FCB zugegangen. Dani (Stucki, die Red.) war schliesslich schon immer sehr offen und ehrlich mit mir. Für mich stimmt der Zeitpunkt, weil es aktuell super läuft und ich die Chance habe, mit einem Titel abzutreten. Und wichtig scheint mir, dass ich den Zeitpunkt des Rücktritts selbst bestimme. Da war kein Druck von der FCB-Führung, dass man mich nicht mehr haben will.
Ihr Vertrag wäre bis 2027 gültig gewesen. Die Tatsache, dass es mehrere Gespräche gab, kann man wohl nur darauf zurückführen, dass man sich in finanziellen Belangen finden musste …
Xhaka: Natürlich. Und wir haben uns gefunden. Näher gehe ich darauf nicht ein. Nochmals: Dani hat einen sehr guten Job gemacht.
Sie standen in dieser Saison selten auf dem Platz, hatten in diesem Kalenderjahr noch keinen Einsatz. Welche Rolle spielte die Tatsache, dass Sie nur noch zu wenigen Minuten kommen?
Xhaka: Das hatte überhaupt keinen Einfluss auf meine Entscheidung. Natürlich würde ich gerne mehr spielen. Aber ich bin positiv: Selbst im heutigen Training nahm ich wahr, dass jeder nach Bekanntgabe meines Rücktritts nochmals 20 Prozent mehr investiert. Mit einer Feier auf dem Barfi abzutreten, das wäre ein Traum.

Stellten sich den Fragen der Medienschaffenden: Pressechef Simon Walter, Taulant Xhaka und Sportdirektor Daniel Stucki (von links).
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)
Daniel Stucki, Xhaka spricht immer wieder von Ihrer Ehrlichkeit. Was meint er damit?
Daniel Stucki: Den guten Austausch, den wir hatten und haben. Er weiss, dass nicht ich entscheide, ob er spielt oder nicht. Diese Einsatzzeit-Diskussion hatten wir nie. Das ist ein Thema zwischen ihm und dem Trainer. Und er weiss, dass er in der Kabine und auf dem Platz grossen Anteil am momentanen Erfolg hat. Wie er die Jungen pusht, ist vorbildlich. Klar ist auch, dass Taulant uns mit seinem frühen Entscheid und dem Schritt auf uns zu einiges vereinfacht hat. Und klar ist auch_ Die Tür beim FC Basel ist für ihn nach der Karriere offen – auch wenn er selbst vorerst gar keine Anschlusslösung wünschte.
Taulant Xhaka, nun ist auch klar, dass Sie nicht mehr mit Ihrem Bruder Granit zusammenspielen werden.
Xhaka: Das ist so und das macht mich traurig, weil das ein erklärtes Ziel von mir war. Vielleicht aber trainieren wir mal eine Mannschaft gemeinsam; er als Chef und ich als Assistent. Ich möchte jetzt ja den Trainerschein machen.
Haben Sie weitere Pläne?
Xhaka: Erst mal möchte ich vom Fussball etwas Abstand nehmen und das Familienleben ohne den Leistungssport geniessen. Langweilig wird mir bestimmt nicht, im Sommer wird mein Haus in Muttenz fertig gebaut sein. Dort gibt es übrigens eine kleine Lounge mit all meinen FCB-Trikos sowie dem Leibchen von Cristiano Ronaldo, das ich nach dem Champions-League-Spiel in Madrid erhielt.
Einige Ex-Profis gehen den Weg in den Amateurfussball. Ist das auch für Sie denkbar?
Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe zwar einige Kollegen beim VfR Kleinhüningen; just for fun dort mitzuspielen, das wäre vielleicht was.

Trägt nur noch bis im Juni Rotblau: Taulant Xhaka.
Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)
Sie haben bislang 406 Partien für den FCB bestritten. Welches war die besonderste?
Xhaka: Da muss ich ganz klar ein Spiel hervorheben: Es war schlicht geil, als wir 2014 in Liverpool ein 1:1 erreichten und in den Champions-League-Achtefinal einzogen.
Bis auf eine kurze Leihe zu GC verbrachten Sie Ihre ganze Karriere im FC Basel. Weshalb?
Xhaka: Ich bin hier geboren worden, ging hier zur Schule und macht hier die Lehre. Ich gehöre einfach in die Region Basel. Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu wohnen. Selbst wenn ich in den Ferien bin, kommt nach spätestens zehn Tagen der Drang, wieder heimzugehen. Und als ich bei GC spielte, hatte ich zwar eine Wohnung in Dielsdorf, ging aber dennoch meistens heim nach Basel schlafen. Ich bin dieser Typ Mensch, der das Beständige mag. Granit ist da ganz anders, er ist viel offener.
Daniel Stucki, mit Xhaka verliert der FCB eine Identifikationsfigur. Kann man ihn ersetzen?
Stucki: Das ist gar nicht möglich. Einer, der 15 Jahre lang beim FCB Profi ist, kann man nicht ersetzen. Und wir wollen das auch nicht. Wir möchten Rückkehrer im Team haben – wie das nun mit Shaqiri, Ajeti oder Schmid der Fall ist. Sie verleihen uns die Basler DNA.
Mit Xhaka geht ein nächster «Grosser». Was darf man bei seinem Abschied erwarten?
Stucki: Es ist zu früh, darüber zu sprechen. Da die Vertragsauflösung bereits jetzt kommuniziert ist, können wir ihn aber auf eine spezielle Art und Weise verabschieden; so, wie er sich das wünscht. Und ob wir die Nummer 34 nochmals vergeben werden im Club, ist ebenso offen.
Xhaka: Wenn einer je die 34 beim FCB bekommt, dann Granit (lacht).
Taulant Xhaka, was wünschen Sie sich für Ihre letzten Monate als Profifussballer?
Xhaka: Dass ich im letzten Spiel 34 Minuten spiele (lacht). Das würde passen. Fakt ist: Ich bin noch nicht im Ruhestand und trainiere voll mit. Ich will Meister und Cupsieger werden.
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