Standard-König FC Basel: Die Diskrepanz zum Rest der Liga ist auch dank Xherdan Shaqiri frappant

Dieser Artikel wurde von BZ publiziert.


Super League

Standard-König FC Basel: Die Diskrepanz zum Rest der Liga ist auch dank Xherdan Shaqiri frappant

Der FC Basel hat nicht nur die meisten Tore geschossen und die wenigsten kassiert. Auch bei den Standards ist der Tabellenzweite Ligakrösus. Das liegt vor allem an Rückkehrer Xherdan Shaqiri, der 11 seiner 17 Skorerpunkte nach ruhenden Bällen gesammelt hat.

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Schon vier Shaqiri-Freistösse fanden wie gegen den FCZ einen Abnehmer und führten indirekt zum Torerfolg. Einmal traf er direkt.

Bild: Imago/Sergio Brunetti

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Der Ex-Basler Benjamin Kololli stand am Dienstag mit seinem neuen Klub Sion im Rhone-Derby gegen Servette im Fokus. Er traf in der 85. Minute kurz nach seiner Einwechslung per Elfmeter zum 2:2, lupfte vier Minuten später den zweiten Elfmeter zum vermeintlichen Siegtreffer in die Mitte und verursachte dann mit einem mit dem Oberarm geklärten Ball tief in der Nachspielzeit auch noch den dritten Elfmeter, der am Ende zum 3:3 führte.

Drei Standardbeteiligungen in nur 17 Minuten Einsatzzeit sind rekordverdächtig. Doch Kololli ist auch der Mann, der eine ebenfalls bemerkenswerte Statistik der Super League trübt. Denn er trat am ersten Spieltag der aktuellen Saison den ersten von zwölf Standards, der in dieser Saison zu einem FCB-Tor führte. Und damit den einzigen, den nicht Xherdan Shaqiri ausführte. Thierno Barry staubte damals nach einem Goalie-Fehler ab. Drei Wochen später unterschrieb Xherdan Shaqiri beim FCB.

Der Rückkehrer hat mit seinem linken Zauberfuss in der Folge dafür gesorgt, dass Standards wieder eine rot-blaue Waffe sind. Zwei Elfmeter hat Shaqiri in der Liga verwandelt. vier seiner Ecken führten zu einem Tor, gegen Winterthur verwandelte Shaqiri eine sogar direkt. Ohne eine weitere Berührung fand auch der Freistoss gegen Servette den Weg ins Netz. Dazu assistierte Shaqiri mit Freistossflanken zu einem Basler Treffer. Zuletzt am Sonntag im Letzigrund gegen den FC Zürich, wo Kevin Carlos per Kopf zur Stelle war.

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Kein Team trifft in der Liga öfter nach ruhenden Bällen als der FCB. Nur Zürich (39%), Yverdon (32%) und Luzern (26%) haben einen höheren Standardanteil. Und im Vergleich zur abgelaufenen Saison, in der dem FCB nur acht Standardtore (17,7 Prozent) gelangen, hat sich der Klub auch in dieser oft matchentscheidenden Disziplin stark verbessert. Nur noch vier Tore fehlen zum Wert der Saison 2022/23, in welcher der FCB starke 31,3 Prozent seiner 51 Tore nach ruhenden Bällen feierte. Und dazu kommt, dass der FC Basel bisher nur in Lugano (durch den Elfmeter von Anto Grgic) und in Luzern ein Standardgegentor hinnehmen musste. Auch das ist Liga-Bestwert.

Für Luzern traf Ende September Luca Jaquez nach einer Ecke per Kopf zum spielentscheidenden 1:0. Doch am vergangenen Montag wechselte der 21-Jährige für sechs Millionen Euro zum VfB Stuttgart und ist damit am Donnerstag keine Gefahr mehr für den FCB.

Fabio Celestini ist stolz auf die Standard-Statistik: «Wir probieren viele Varianten aus und erarbeiten uns den Erfolg auch im Training.» Der FCB-Trainer weiss aber auch: «Mit Shaqiri im Team ist es einfach. Denn es wird immer gefährlich, wenn der Ball mit Druck in den richtigen Raum getreten wird.»

Die ersten Standards sind beim FC Basel immer abgesprochen und werden vom Schützen mit Handzeichen angekündigt. Ein- bis zweimal pro Woche werden die entsprechenden Varianten, welche dem Trainerteam für den jeweiligen Gegner passend erscheinen, trainiert. Doch wenn das Spiel weiter fortgeschritten ist, muss immer wieder auch improvisiert werden.

«Das Tor von Philip Otele gegen Sion war nicht so abgesprochen oder einstudiert», sagt Celestini und grinst, ehe er weiter ausführt: «Je nach Situation, wenn der Gegner sich zum Beispiel anders als erwartet positioniert oder plötzlich mehr Spieler vorne lässt, macht es Sinn, vom ursprünglichen Plan abzuweichen.» Und mit Shaqiri hat der FCB einen Spieler im Team, der solche Situationen erkennen und schnell eine Lösung finden kann.

Kevin Carlos ist ein zuverlässiger Abnehmer

Schon vier Shaqiri-Ecken führten zu einem Tor. Auch von dieser Position aus hier traf der Zauberfuss einmal sogar direkt. –> <!–>

Schon vier Shaqiri-Ecken führten zu einem Tor. Auch von dieser Position aus hier traf der Zauberfuss einmal sogar direkt.

Bild: Imago/Maximilian Gärtner

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Die wiedergewonnene Standardstärke auch mit den Vollstreckern zusammen. Denn mit Kevin Carlos hat Shaqiri auch einen Mitspieler gefunden, der bei Standards gute Laufwege macht und über ein starkes Kopfballspiel verfügt. Auch Dominik Schmid wird von Shaqiri immer wieder gesucht und gefunden.

Das kaschiert, dass die gross gewachsenen Innenverteidiger beim FC Basel bei den offensiven Standards bislang kaum Gefahr ausstrahlen. Einzig Adrian Barisic traf gegen YB nach einem Shaqiri-Freistoss per Kopf. Doch er gab im Anschluss sogar zu: «Shaqiri bringt gute Bälle. Doch ich habe bei den offensiven Standards noch viel Entwicklungspotenzial.»

Aufholbedarf beim Beenden von Angriffen und im Pressing

Entwicklungspotenzial hat die beste Offensive der Liga, die mit 16 unterschiedlichen Torschützen auch am unberechenbarsten ist, vor allem beim Durchsetzungsvermögen. Zwar lanciert kein Team in der Liga mehr Angriffe als der FC Basel, doch die Angreifer verlieren 51 Prozent aller Offensiv-Duelle. Kein Team in der Liga hat hier einen schlechteren Wert.

Auch das Durchsetzungsvermögen ist ein Thema, das Celestini meint, als er jüngst am Sonntag nach dem Sieg im Klassiker wieder sagte: «Wir haben noch viel zu lernen.» Die Statistik zeigt: Der FCB führt die wenigsten Defensivzweikämpfe der Liga, was sich nicht nur durch vergleichsweise hohe Ballbesitzzahlen erklären lässt. Auch die Herausforderungsintensität liegt weit unter dem Ligadurchschnitt und zeigt, dass der FCB seinem Gegner ziemlich viel Zeit lässt, ehe es zu einer Verteidigungsaktion kommt.

Das hat zur Folge, dass die gegnerischen Teams trotz wenig Ballbesitz häufig zu Abschlüssen und damit auch zu Torchancen kommen. Stünde mit Marwin Hitz nicht der Goalie im Tor, der mit einer Paradenquote von 78 Prozent der beste der Liga ist, hätte der FCB wohl nicht die Defensive mit den wenigsten Gegentoren. Und so überrascht es auch nicht, dass die erwartbaren Gegentore beim FCB (28) den tatsächlichen Wert (22) deutlich überschreiten.

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