Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert.

Strahinja Pavlović: Vom FCB-Flop zum Milan-Star

Strahinja Pavlović glänzt auch in Mailand durch seine Physis und Zweikampfquote.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.

BotTalk

Im Sommer 2022 verliess Strahinja Pavlović den FC Basel zurück in Richtung Monaco. Einen bleibenden Eindruck konnte er bei Rotblau nicht hinterlassen. Sein Marktwert damals: 5 Millionen Euro. Nun, zwei Jahre später, steht der 23-Jährige bei der AC Milan unter Vertrag und hat seinen Marktwert verfünffacht. Es ist die Geschichte des rasanten Aufstiegs eines Abwehrtalents, das viele schon als gescheitert abgestempelt hatten.

Bereits mit 17 Jahren gab Strahinja Pavlović 2019 sein Profidebüt bei seinem Jugendverein Partizan Belgrad. Ein Jahr später folgte der Wechsel zur AS Monaco, welche rund 10 Millionen Euro in die serbische Hauptstadt überwiesen hatte, um sich die Dienste des damaligen Riesentalents zu sichern. Es folgten Leihen zurück zu Partizan und in die belgische Liga zu Cercle Brügge, welche beide eher bescheiden verliefen. In der Ligue 1 konnte sich Pavlović bei den Fürstentümern nie richtig durchsetzen.

So kam Strahinja Pavlović im Februar 2022 ebenfalls leihweise bis zum Ende der Saison aus Monaco nach Basel. Der damals 20-jährige Innenverteidiger lief dabei insgesamt zehnmal für Rotblau auf. Trotz Kaufoption entschieden sich die Basler Verantwortlichen gegen eine definitive Übernahme des serbischen Nationalspielers im darauffolgenden Sommer. Dies, weil der FCB eine Ablösesumme von mehreren Millionen hätte stemmen müssen. Und das nach eher durchschnittlichen Leistungen in der Super League. Diese Zeitung hat Pavlović damals für seine Leistungen mit dem Prädikat «spektakulärer Transfer-Flop» bewertet.

Ein Verein, der dieses Risiko auf sich nehmen konnte und wollte, war der FC Red Bull Salzburg. Der vom Milliardenunternehmen finanzierte Club aus Österreich überwies im Juli 2022 sieben Millionen Euro nach Monaco und sicherte sich die Dienste des 194 Zentimeter grossen Abwehrhünen. Damit konnte der FC Basel nicht mithalten, der durchaus an einer Verpflichtung interessiert gewesen wäre, hätte er die finanziellen Mittel dafür aufbringen können. Klar ist: Beide Clubs haben in Pavlović, dessen Karriere ins Stocken gekommen war, immer noch ein grosses Potenzial gesehen.

In Salzburg begann der Aufschwung

Der Wechsel nach Österreich stellte sich sowohl für Pavlović als auch für Salzburg schon bald als Coup heraus. Beim FCB, damals noch von Interimscoach Guillermo Abascal trainiert, hatte Pavlović keine Stammplatzgarantie und kam in seinem Leihhalbjahr lediglich auf knapp 600 Einsatzminuten. Beim österreichischen Serienmeister avancierte er hingegen direkt zum Abwehrchef und verpasste in der Champions League und der Meisterschaft kaum ein Spiel. Wenn er nicht auf dem Feld stand, dann meist nur, weil er eine Gelb- oder eine Rotsperre absitzen musste. 

Nach seinen ersten sechs Monaten in Österreich und der Weltmeisterschaft in Katar, bei der er für Serbien alle Gruppenspiele bestritt und beim 3:3 gegen Kamerun ein Tor erzielte, schoss Pavlovićs Marktwert auf dem Fussballportal «Transfermarkt» auf 20 Millionen Euro hoch. Zuvor von vielen schon als gescheitertes Talent abgestempelt, galt er plötzlich wieder als eines der begehrtesten Abwehrjuwele Europas. Schon vor der WM gab es Gerüchte um einen Wechsel in die Serie A zu Juventus Turin. Und das nur wenige Monate nachdem er den FC Basel verlassen hatte.

Pavlović brauchte nach seinen unglücklichen letzten Jahren aber erst mal Stabilität und entschied sich vorerst für einen Verbleib in Salzburg. Und weil er auch in seiner zweiten Saison gross aufspielte, war Anfang 2024 klar: Pavlović wird Salzburg spätestens im Sommer verlassen. Im August folgte dann der erhoffte Wechsel zu einem Topclub der Serie A. Nicht aber zu Juventus, sondern für 18 Millionen Euro zur AC Milan. Trotz diverser Interessenten aus England hatte er schnell klargemacht, nach Italien gehen zu wollen. 

Beim FC Basel kam Strahinja Pavlović unter Guillermo Abascal nicht immer zum Einsatz.

Überragende Statistiken

Dass Pavlović nun bei einer europäischen Spitzenmannschaft unter Vertrag steht, überrascht nach seinen beiden Saisons in Salzburg nicht. Viele hätten ihm aber solch einen Karriereweg nach seiner Zeit in Basel nicht mehr zugetraut. Bei den Zweikampfwerten gehörte Pavlović in Österreich regelmässig zu den Topspielern. Auch in der Offensive konnte er seine Spuren hinterlassen: Im Schnitt hatte Pavlović im Red-Bull-Trikot in etwa alle sechs Spiele eine direkte Torbeteiligung (6 Tore und 6 Vorlagen in 71 Pflichtspielen). Fünf seiner sechs Tore hat er per Kopf erzielt. Zudem ist er Linksfuss, bei Innenverteidigern eine Rarität, was sein Spielerprofil umso interessanter macht.

Trotz seiner 23 Jahre hat Pavlović bereits 40 Länderspiele und 13 Champions-League-Einsätze auf dem Buckel. Im jungen Alter ist er schon ein erfahrener Spieler, der wohl noch lange nicht auf seinem Zenit angekommen ist. «Der Serbe ist physisch stark, behauptet sich geschickt in Luftduellen und verfügt auch über Geschwindigkeit. Keine Kulisse scheint ihn aus der Ruhe zu bringen, weder in der Champions League noch im serbischen Trikot. Seine Aktionen sind klar, schnörkellos und ebenso seine Aussagen in Interviews. Er bringt die Dinge verbal auf den Punkt, auch das gehört zur Charakteristik eines Führungsspielers», lobte ihn Sky Austria nach seinem Wechsel im August in den höchsten Tönen.

Bei Milan stand Pavlović bisher während drei von fünf Ligaspielen und der 1:3-Niederlage gegen Liverpool in der Champions League über 90 Minuten auf dem Platz. Für sein Tor und seine Abwehrleistung beim 2:2 gegen Lazio Rom erhielt er die Auszeichnung zum Spieler des Spiels. Auch in Italien sticht der Serbe mit Topwerten heraus: Pavlović ist in seinen bisherigen Einsätzen im Ligavergleich der Verteidiger mit den zweitmeisten abgefangenen Bällen, den zweitmeisten Zweikämpfen in der eigenen und den meisten Zweikämpfen in der gegnerischen Hälfte. Beim 2:1-Erfolg vom vergangenen Sonntag im Derby gegen Inter Mailand wurde der nicht ganz fitte Pavlović geschont und erst in den Schlussminuten eingewechselt. Schon bald dürfte er aber wieder in der Startelf stehen.

Newsletter

Rotblau aktuell

Erhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.

Weitere Newsletter

Similar Posts

  • Alles zum Spiel gegen den FC Lugano: Dank Xherdan Shaqiris Hattrick steht der FC Basel kurz vor dem Meistertitel

    AboAlles zum Spiel gegen den FC Lugano – Dank Xherdan Shaqiris Hattrick steht der FC Basel kurz vor dem MeistertitelIn Unterzahl erzielt der FCB-Captain innert neun Minuten drei Tore. Der FC Basel zeigt beim 5:2-Sieg gegen Lugano in Unterzahl eine unglaubliche zweite Halbzeit.Publiziert heute um 23:48 UhrFührt den FC Basel in Unterzahl zum Sieg und wohl auch zum Meistertitel: Xherdan Shaqiri.Foto: Daniela Frutiger (freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkDie Ausgangslage des FC BaselDer FC Basel reist mit breiter Brust nach Lugano zum Tabellenvierten. Die Mannschaft von Trainer Fabio Celestini hat zuletzt sieben Pflichtspiele in Folge gewonnen, jüngst schlug man Servette im Spitzenspiel der Super League diskussionslos 5:1.Mit einem Sieg im Tessin wäre der FCB so gut wie Meister. Servette könnte dann theoretisch immer noch auf gleich viele Punkte kommen, sollten die Genfer am Sonntag YB schlagen. Die viel bessere Tordifferenz der Basler reduziert aber die Wahrscheinlichkeit, von den Genfern noch überholt zu werden, auf ein Minimum.Und sollte Servette am Sonntag nicht gegen YB gewinnen, ist der FC Basel auch rechnerisch nicht mehr einholbar.Das SpielEs ist ein fulminanter Start im Cornaredo: Erst geht der FC Lugano mit dem ersten Angriff durch den Ex-FCB-Junior Uran Bislimi in Führung (2.), drei Minuten später erzielt Albian Ajeti den Ausgleich. Die nächste Topchance hat dann erneut der FCB durch Traoré. Der Ivorer setzt nach einem langen Ball von Leroy zum Solo an und schiesst aus 18 Metern am Tor vorbei (18.).In der Folge kommt aber auch die Heimmannschaft zu guten Möglichkeiten, weil in der Basler Abwehr die Zuordnung nicht ganz stimmt. Ab der 42. Minute spielt der FCB mit einem Mann weniger: Albian Ajeti sieht seine zweite gelbe Karte in diesem Spiel und muss vom Feld.Wer denkt, dass Lugano die Partie nun dominiert, liegt falsch: Denn die 5318 Fans im ausverkauften Cornaredo werden Zeugen von einer denkwürdigen zweiten Hälfte: In der 48. Minute bringt der bis dahin unauffällige Xherdan Shaqiri den FC Basel mit einem Schuss in die linke untere Ecke in Führung, ehe er drei Minuten später mit einem Traum-Schlenzer Lugano-Goalie Osigwe aus der Distanz bezwingt und zum 3:1 trifft.Und wäre das nicht schon genug, erhöht der FCB-Captain in der 57. Minute gar auf 4:1 und feiert einen Hattrick innert neun Minuten. Wenig später trifft Léo Leroy zum 5:1 (60.). Der FCB erzielt nach der Pause in Unterzahl innerhalb von einer Viertelstunde vier Tore. Unfassbar.In der 69. Minute kann Lugano per Foulpenalty von Anto Grgic noch verkürzen. Danach kann das Heimteam aber nicht mehr viel Torgefahr kreieren, der FCB verteidigt gut und gewinnt 5:2.Stadio di Cornaredo. – 5‘318 Zuschauer. – SR Alessandro Dudic.Tore: 2. Bislimi 0:1 (Zanotti). 5. Ajeti 1:1 (Traoré). 48. Shaqiri 1:2 (Metinho). 51. Shaqiri 1:3 (Leroy). 57. Shaqiri 1:4 (Kade). 60. Leroy 1:5. 69. Grgic 2:5 (Foulpenalty).FCL: Osigwe; Zanotti, Papadopoulos, Mai (54. Brault-Guillard), Hajdari, El Wafi (54. Mahou); Steffen, Grgic (75. Aliseda), Bislimi, Cimignani (54. Macek); Koutsias (79. Vladi).FCB: Hitz; Kade (84. Barisic), Vouilloz, Adjetey, Schmid; Leroy (89. Baró), Metinho; Traoré (71. Mendes), Shaqiri (89. Kevin Carlos), Otele (71. Soticek); Ajeti.Bemerkungen: FCL ohne Bottani (gesperrt), Mahmoud, Marques und Saipi (alle verletzt). FCB ohne Avdullahu (gesperrt) und van Breemen (verletzt). – Ersatzbank FCB: Salvi, Fink, Sigua, und Cissé. – Gelb-Rot: 42. Ajeti (Foul). Verwarnungen: 33. Ajeti (Foul). 58., Steffen (Foul). 65. Brault-Guillard (Foul). 75. Zanotti (Foul).Die TaktikFür den gelbgesperrten Leon Avdullahu darf Léo Leroy von Beginn an im Mittelfeld auflaufen. Ansonsten wagt Fabio Celestini keine Experimente: Der FCB-Trainer belässt es bei der gleichen Aufstellung wie letzte Woche gegen Servette. Anton Kade kriegt dabei auf der Rechtsverteidigerposition im 4-2-3-1 erneut den Vorzug gegenüber Joe Mendes, obwohl der Schwede wieder einsatzbereit ist.Die Basler haben besonders in der ersten Halbzeit Mühe mit den hoch und aggressiv pressenden Luganesi. Nach Ajetis Platzverweis agiert der FCB im 4-2-2-1, die Offensive um Shaqiri wechselt sich auf ihren Positionen immer wieder ab. Gegen den Ball tritt der FCB zu zehnt im 4-4-1 auf.Der AufregerIn der 42. Minute stellt Schiedsrichter Alessandro Dudic Albian Ajeti mit Gelb-Rot vom Platz. Es ist eine fragwürdige Entscheidung: Der Basler Mittelstürmer trifft im Zweikampf Gegenspieler Albian Hajdari, wohl unabsichtlich, mit der Hand im Gesicht. Dieser lässt sich theatralisch fallen. Ajeti und auch seine Mitspieler können es kaum fassen: Der FCB muss fortan in Unterzahl agieren.Das muss besser werdenDer FCB spielt über 45 Minuten lang in Unterzahl. Trotzdem dominiert er die zweite Halbzeit über weite Strecken, gewinnt sein achtes Pflichtspiel in Folge und steht kurz vor dem Meistertitel. Deshalb ist die Antwort ganz einfach: nichts.Das sagt der TrainerWochenlang hat sich Fabio Celestini dagegen gewehrt, das «M-Wort» in den Mund zu nehmen. Doch nach diesem 5:2-Sieg in Lugano hält sich auch der 49-Jährige nicht mehr zurück: «Jetzt sind wird Meister!».So geht es weiterDie FCB-Spieler werden am Sonntag das Spiel von Servette gegen YB gemeinsam vor dem Fernseher verfolgen. Bei einem Titelgewinn auf dem Sofa würde die Mannschaft frühstens ab 20.30 Uhr zur grossen Meisterparty beim Barfüsserplatz eintreffen. In der Super League geht es für den FCB am nächsten mit dem nächsten Auswärtsspiel weiter: Dann trifft der FCB im Stade de la Tuilière auf Lausanne-Sport (20.30 Uhr).Diesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenSimon Tribelhorn ist freier Mitarbeiter im Ressort Sport bei der Basler Zeitung. Er berichtet regelmässig über den FC Basel, den EHC Basel und den RTV.Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • Offensivspieler verpflichtet: Der zweite FCB-Neuzugang kommt aus Kroatien

    Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert. – Der zweite FCB-Neuzugang kommt aus Kroatien Marin Soticek wechselt von NK Lokomotiva zum FC Basel. Der 19-jährige Flügelspieler unterschrieb für vier Jahre. Publiziert heute um 19:38 Uhr Marin Soticek unterschreibt einen Vertrag bis Sommer 2028. Foto: FC Basel 1893/Luca Cavegn Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren. BotTalk…

  • Sieglos: Gegen keine Mannschaft tut sich der FCB so schwer wie gegen Lausanne

    Sieglos – Gegen keine Mannschaft tut sich der FCB so schwer wie gegen LausanneDer FC Basel trifft im Cuphalbfinal auf Lausanne. Die Waadtländer sind das einzige Team, gegen das der FCB noch sieglos ist.Publiziert heute um 16:59 UhrDer FC Basel konnte in der laufenden Saison gegen Lausanne noch nie als Sieger vom Platz gehen.Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkAm Samstagnachmittag spielt der FC Basel gegen Lausanne-Sport zu Hause im Halbfinal des Schweizer Cup-Wettbewerbs. Die Basler tun sich in der laufenden Spielzeit gegen keine Mannschaft so schwer wie gegen die Lausanner. Zwei Unentschieden und eine Niederlage lautet die durchzogene Bilanz des FCB gegen die Waadtländer in der aktuellen Saison. Die Bilanz im Schweizer Cup spricht aber klar für den FC Basel. Die letzten drei Begegnungen im Cup konnten die Basler allesamt für sich entscheiden. Das letzte Mal im Pokal trafen die beiden Mannschaft im Juni 2020 aufeinander. Die Basler konnten sich damals im Viertelfinal in der Verlängerung mit 3:2 durchsetzen. Vier Mal standen sich die beiden in einem Finalspiel gegenüber. Die Basler krönten sich dabei drei Mal zum Cupsieger. Im letzten gemeinsamen Finalspiel gewannen die Basler 2010 gleich mit 6:0. Diesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.Yomo Isler ist Praktikant bei der Basler Zeitung. Er schloss 2024 die Matura am Gymnasium am Münsterplatz ab und ist seit Februar 2025 als Praktikant bei der BaZ tätig.Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare