Der Streit zum Machtkampf beim FCB geht in die nächste Runde. Verwaltungsrat Karli Odermatt meldet sich zu Wort – und kritisiert David Degen scharf.

Der Streit an der FCB-Spitze zwischen Bernhard Burgener und David Degen eskaliert immer weiter. Nachdem sich David Degen als erste der Partien in der «Basler Zeitung» öffentlich zum Zwist geäussert hatte, meldet sich nun in der Sonntagsausgabe des «Blicks» Verwaltungsrat Karli Odermatt zu Wort.

Drohungen an Odermatt

Die FCB-Legende kritisiert Degen scharf: «Ich habe die Nase voll von David Degen», wird der Rickenbacher zitiert. Der 78-Jährige erhält Drohbriefe, von FCB-Fans, wie er erzählt: Vergangene Woche rund 40 an einem Tag: «Du wirst das nächste Jahr nicht mehr erleben, wenn Du nicht Degen deine Stimme gibst!» oder «Tauch nie mehr in der Stadt auf, wenn Du Degen nicht wählst, die Reaktion der Basis wird folgen!», heisst es darin etwa.

Gegenüber der Zeitung sagt Odermatt: «Ich nehme mein Amt, die Sorgfaltspflicht und die Verantwortung als Mitglied des Verwaltungsrates sehr ernst. Und dazu gehört auch die Unabhängigkeit meiner Stimme», so Odermatt. «Ich unterstütze und tue alles dafür, dass es dem FC Basel gut geht und erfolgreich diese schwierigen Zeiten und Herausforderungen übersteht. Es ist auch wichtig, dass der FC Basel auch sportlich wieder auf die Erfolgsspur zurückfindet.»

Streit um Centricus-Gespräche

Zum Centricus-Deal, den Burgener im Juni 2020 aufgleiste, sagt Odermatt, Burgener hätte Degen damals vorgeschlagen, 40 Prozent der Aktien an Centricus zu verkaufen und die verbleibenden 60 Prozent zu gleichen Teilen unter Burgener und Degen aufzuteilen. «So wäre die Kontrolle weiterhin in Basler Händen geblieben – bei den beiden.»

Degen habe dies abgelehnt und ein Gegenangebot gemacht. Dieses sei «derart anmassend», gewesen, «dass Bernhard es ablehnte», so Odermatt. «Gleichzeitig wurden die an Degen ausgehändigten Dokumente und Informationen über Centricus der Presse zugespielt und die Fans gegen Centricus aufgebracht, sodass Chaoten die Fassade der Geschäftsstelle des FC Basel mit respektlosen Aussagen verunstalteten.»

«Was David Degen verschwieg, war, dass er selbst gemäss einem E-Mail vom 13. Juli 2020 den Vermittler von Centricus davon zu überzeugen versuchte, dass Centricus mit ihm, David Degen, den Deal machen sollte und nicht mit Burgener», klagt Odermatt weiter an. Die angebliche Mail von Ex-Fifa-Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio hat in der ablaufenden Woche für Schlagzeilen gesorgt.

Degen selbst hatte in seinem Interview mit der «BaZ» auf die Vorwürfe bereits regiert. «Das gehört zur Stimmungsmache und stimmt einfach nicht. Bernhard Burgener wollte, dass ich mir im Frühling 2020 Centricus anhöre. Da habe ich gesagt, dass das für den FCB und damit auch für mich so nicht stimmt. Jedenfalls nicht mit Stimmrecht und nicht ohne diverse Abklärungen.» Geschehen sei aber nichts. «Ausser, dass mich De Gregorio später im Sommer mehrmals von der Lösung zu überzeugen versuchte, wonach Bernhard 32 Prozent der Holding-Aktien halten würde, während je 30 Prozent mir und Centricus zukämen. Ich lehnte ab.» De Gregorio habe ihn am vergangenen Samstag nochmals angerufen. «Ich habe ihm gesagt, dass ich kein Interesse habe, aber mich gerne mit Bernhard an einen Tisch setze und wir eine Lösung suchen müssen.» De Gregorio hingegen sagt, dass Degen den ersten Kontakt zu ihm hergestellt habe und nicht umgekehrt.

«David Degen versuchte, den Klub hintenherum zu kaufen»

Gegenüber «Blick» legt Odermatt zudem einen Brief vor, den Burgener am 29. September 2020 erhalten habe. Dieser ist von Thomas Trinkler, Patrick Held und Ex-Fifa-Mann Guido Tognoni unterschrieben. Es gebe Basler Grössen, die den Klub gerne kaufen und Burgener «eine würdige, konfliktfreie Ablösung» garantieren würden, heisst es darin.

Die Absender hätten gewusst, das Burgener nicht verkaufen wolle: «Aus neutraler Sicht glauben wir einwenden zu dürfen, dass eine derart kategorische Haltung nicht nur die Lösung der bestehenden Probleme sehr erschweren würde, sondern dass dadurch auch Ihre persönliche Reputation zu leiden hätte», heisse es darin. «Zudem würde eine unfreundliche Übernahme des FC Basel mit all den unvermeidlichen Nebengeräuschen aus unserer Optik weder dem Klub noch Ihnen als international tätiger Unternehmer dienen».

Diese Sätze habe Burgener als Drohung verstanden, so Odermatt. «Mit diesen Menschen versuchte David Degen, den Klub hintenherum zu kaufen, was er zu Beginn abstritt. Und er sagte, er habe damit nichts zu tun. Er habe mit den Herren nur einmal gesprochen. Wir konnten es aber beweisen, und Degen wurde dafür in seiner Rolle als Verwaltungsrat abgemahnt.»

Daten an Sarasin gegeben?

Auch die Bankiersfamilie Sarasin war im Gespräch als potenzieller Käufer, als Bernhard Heusler den Klub 2017 an Burgener verkaufte. «Auch mit Eric Sarasin führte David Degen Gespräche über den Kauf der FCB-Anteile. Und in diesem Zusammenhang verletzte er die Vertraulichkeits- und Sorgfaltspflichten massiv», so Odermatt. «Degen hat in seiner Rolle als Verwaltungsrat darum gebeten, die vertraulichen Halbjahreszahlen zu bekommen, um sie analysieren zu können. Was wir nicht wussten, ist, dass er sie an Sarasin weitergeleitet hat», behauptet Odermatt.

In einer E-Mail von Sarasin heisse es:  «Ich weiss nicht, wie es weitergeht, aber ich sende Euch unten meine Einschätzung der Halbjahreszahlen, welche ich David Degen geschickt habe. Hatte ihm sogar ein Mail an Burgener vorgeschrieben, aber ich habe nie wieder etwas von ihm gehört.»

In weiteren Mail zwischen Sarasin und Degen stünden derweil Sätze wie «Habe mir die Mühe genommen, diese lächerliche Bilanz / Gewinn- und Verlustrechnung des FCB’s auseinander zu nehmen» und «Ich habe ein Schreiben vorbereitet, dass Du zuhanden des VR’s und der Revisionsstelle einreichen solltest. Als VR hast Du, David, das Recht dazu!» Odermatt kritisiert: «Diese Mails machen zwei Dinge offensichtlich. Erstens hat David Degen vertrauliche Zahlen an Eric Sarasin weitergegeben. Zweitens hat er den Textvorschlag von Eric Sarasin dann 1:1 weitergeleitet, was wir beweisen können.»

Am 30. Oktober habe sich dann Sarasin gegenüber Burgener offiziell als potentieller Käufer zurückgezogen.

Degen sagte derweil über eine allfällige Beteiligung von Sarasin: «Ich kann jetzt nicht über ein späteres Team sprechen, wirklich. Dies ist auch noch nicht fix. Ich muss meine Leute schützen. Ich bin der Winkelried, ich kriege alles ab, was auf mich einprasselt. Es wird gerade mit so viel Dreck geworfen. Aber das ist okay, ich halte das aus. Ich habe es ja auch so erwartet.»

Degens Berater Dani Büchi bestätigt indes, dass sich Degen mit Sarasin über den FCB ausgetauscht habe. Auf den Vorwurf, Degen habe Sarasin nicht öffentliche Finanzdaten weitergegeben, sagt Büchi zur Zeitung:  «Die Finanzzahlen des FC Basel für das Geschäftsjahr 2020 hat David Degen erst vor acht Tagen im Livestream in der Medienkonferenz von Bernhard Burgener gesehen. David Degen ist zwar Verwaltungsrat, kannte die aktuellen Finanzzahlen vorher aber gar nicht.»

«Das Geld kann von überall herkommen.»

Die finanziellen Mittel Degens stellt Odermatt ebenfalls in Frage. Der 38-Jährige hatte gesagt, die 16,4 Millionen Franken würden aus einem eigenen Kapital bestehen. Odermatt fragt:  «Warum führte er so viele Investorengespräche, wenn er angeblich persönlich über die Mittel verfügt? Die Finanzierungszusage bestätigt, dass 16,4 Mio. Franken sich auf seinem Bankkonto befinden.» Die Herkunft des Geldes gebe Degen — trotz erneuter Anfrage des Verwaltungsrats – nicht preis. «Durch sein Verhalten schafft er nicht die notwendige Transparenz und das Vertrauen. Und damit ist alles möglich. Das Geld kann von überall herkommen.»

Die Gerüchte, dass Degen bei GC einsteigen wollte, liessen Odermatt ebenfalls Kritik üben. Degen hatte die Vorwürfe erst bei Instagram abgestritten, bevor die Ex-GC-Führung eine Mail publik gemacht hatte. Für Odermatt ist der Fall klar: «Er hat in diesem Thema nicht die Wahrheit gesagt und in ganz vielen anderen Dingen ebenfalls nicht. Und solche Vorkommnisse nehme ich nicht auf die leichte Schulter. Die stimmen mich nachdenklich.»

Auch die Yystoo-Bewegung und die Proteste der Fans stimmen Odermatt nachdenklich. «Entsetzlich finde ich die von ‹Yystoo› massiv unterstützte Demo mit dem Verbrennen der Puppe von Bernhard Burgener und die aktuellen Drohungen gegen meine Person. Mir fehlen einfach nur die Worte» , so die FCB- Legende. «Ich kann nur hoffen, dass alle anerkennen, was diese Bewegung angerichtet hat. Sie hetzen die Bevölkerung auf, lassen eine öffentlich symbolische Hinrichtung zu und schauen weg.»

Und weiter: «Was mich aber masslos enttäuscht hat, war die inszenierte Falschmeldung unmittelbar nach der Verwaltungsratssitzung vom letzten Montag durch David Degen und seinen Berater Dani Büchi», so Odermatt «Dies zeigte einmal mehr die Täuschungsmanöver gegenüber der Öffentlichkeit durch das Degen-Lager. Und vor allem möchte ich festhalten, dass es David Degen war, der mit der superprovisorischen Verfügung den Rechtsstreit losgetreten hat.»

Der Beitrag Odermatt: «Ich habe die Nase voll von David Degen» erschien zuerst auf Telebasel.

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