Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert.

Millionenplus für den FCB

Die Transferstrategie des FC Basel erweist sich abermals als Erfolgsmodell

26.08.2025; Kopenhagen; Fussball UEFA Champions League Qualifikation Playoff; F.C. Kopenhagen - FC Basel; Praesident David Degen (Basel) beim Training (Daniela Frutiger/freshfocus)
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.

BotTalk

In Kürze:

  • Der FC Basel verzeichnet im Sommer-Transferfenster einen Millionengewinn.
  • Leon Avdullahu brachte dem FCB mit 8 Millionen die höchste Einzelablöse.
  • Die Basler profitierten zusätzlich von Weitertransfers ehemaliger Spieler.
  • Der FCB setzt weiterhin auf die Verpflichtung junger Spieler.

Das Sommer-Transferfenster in der Schweiz ist seit Montag zu, und der FC Basel schliesst dieses zum dritten Mal in Folge mit einem Millionengewinn ab. Das unter David Degen intensivierte Geschäftsmodell, das durch Spielerverkäufe Einnahmen generieren soll, läuft beim FCB weiterhin wie geschmiert.

In diesem Sommer dürfte Rotblau aufgrund der Ablösesummen aus Direkttransfers einen Gewinn von rund 7 bis 8 Millionen Euro verbucht haben. Das ist zwar deutlich weniger als in den Jahren 2024 (27 Millionen) und 2023 (19 Millionen), dennoch haben die FCB-Verantwortlichen rund um Sportdirektor Daniel Stucki und Präsident David Degen in dieser Hinsicht erneut gute Arbeit geleistet. Insgesamt hat der FC Basel damit seit der Amtsübernahme von Degen im Frühling 2021 nun bereits einen Transfergewinn von über 70 Millionen Euro geschrieben.

Die Basler haben in diesem Sommer für Neuzugänge zwischen 15 und 16 Millionen Euro ausgegeben und liegen damit über dem Wert aus dem Vorjahr (rund 10 Millionen). Die genauen Zahlen sind nicht verfügbar, weil bei gewissen Transfers die Modalitäten nicht bekannt sind. Etwa bei Metinho, der Mitte Juli fix zum FCB wechselte. Medienberichte liessen jedoch verlauten, dass die City Group, der sein Ex-Club Troyes angehört, für den 22-Jährigen rund 5 Millionen Euro gefordert haben soll, der FCB diesen Betrag aber als zu hoch ansah. Deswegen lässt sich nur schätzen, welche Summe letztlich für den Mittelfeldspieler bezahlt wurde.

Weitere 11,5 Millionen gab der FCB für die Verpflichtungen von Philip Otele (3 Mio., von Al-Wahda), Andrej Bacanin (2,3 Mio., Cukaricki), Ibrahim Salah (2 Mio., Stade Rennes), Keigo Tsunemoto (1,9 Mio., Servette), Moritz Broschinski (1,8 Mio., VfL Bochum) und Flavius Daniliuc (0,5 Mio., Salernitana) aus. Somit bewegen sich die Gesamtausgaben für neue Spieler mit einer Steigerung von 5 bis 6 Millionen gegenüber dem Vorjahr auf einem etwas höheren Niveau als im Sommer 2024.

Einnahmen überschreiten die 20-Millionen-Marke

Auf der Einnahmenseite stehen etwas mehr als 23 Millionen Euro. Der lukrativste Transfer ist hierbei der Abgang von Leon Avdullahu: Aus der eigenen Nachwuchsabteilung stammend, ist er in der Meistersaison zu einem Schlüsselspieler aufgestiegen und hat sich nun dem deutschen Bundesligisten Hoffenheim angeschlossen. Der FC Basel ist dabei mit einer Ablösesumme von rund 8 Millionen Euro entschädigt worden, wobei der Betrag durch Boni noch bis auf 10 Millionen anwachsen könnte. Hinzu kommt, dass die Basler bei einem allfälligen Weitertransfer zu 15 Prozent am von Hoffenheim erzielten Gewinn partizipieren. 

Mit den Verkäufen von Kevin Carlos (6 Mio., zu OGC Nizza), Roméo Beney (2,5 Mio., Famalicao), Anton Kade (2,25 Mio., Augsburg), Axel Kayombo (2 Mio., Sturm Graz), Jonathan Dubasin (1,5 Mio., Gijón) und Maurice Malone (1,2 Mio., Austria Wien) generierte der FCB weitere 15 Millionen Euro. Auch hier darf davon ausgegangen werden, dass sich der FCB jeweils eine Beteiligung an einem zukünftigen Weiterverkauf gesichert hat.

Hinzu kommen die Abgänge von Arnau Comas zu Deportivo La Coruña und Bradley Fink zu den Wycombe Wanderers. Bei diesen beiden Transfers ist über die Ablösemodalitäten allerdings nichts bekannt.

Einsame Spitze bezüglich der Transfereinnahmen ist der FCB im Ligavergleich nicht. Die Young Boys liegen mit 22,5 Millionen nur ganz knapp hinter den Baslern. Auch beim Transfergewinn bewegen sich die Berner in einem ähnlichen Rahmen wie der Meister. Das Gefälle zu den anderen Vereinen ist hingegen gross: Hinter dem FCB und YB liegt an dritter Stelle der FC St. Gallen, der hauptsächlich dem Transfer von Willem Geubbels nach Frankreich in diesem Sommer rund 9 Millionen eingenommen hat. 

In einer eigenen nationalen Liga spielt der FCB jedoch, wenn es darum geht, welche Weiterentwicklung die von ihm zu einem zahlkräftigeren Club transferierten Spieler machen – und wie er davon profitiert. Wie schon ein Jahr zuvor, so dürfte der FCB auch in diesem Sommer dank Beteiligungen an Weitertransfers seiner Ex-Spieler eine zusätzliche Summe im zweistelligen Millionenbereich eingenommen haben. 

Der FC Basel ist an über 150 Millionen Euro beteiligt

Der lukrativste Deal ist hierbei der Transfer von Dan Ndoye vom FC Bologna für 45 Millionen Euro in die Premier League zu Nottingham Forest. Der 24-jährige Flügelspieler war vor zwei Jahren für 9 Millionen vom FCB nach Italien gewechselt, die Basler sicherten sich 20 Prozent am zukünftigen Gewinn Bolognas mit dem Spieler. So flossen alleine dank diesem Transfer im Sommer zusätzlich über 7 Millionen in die FCB-Kasse. 

Weiter wechselten Thierno Barry für 30 Millionen von Villarreal zu Everton, Renato Veiga für 24,5 Millionen von Chelsea zu Villarreal, Andy Diouf für 20 Millionen von Lens zu Inter Mailand und Edon Zhegrova für 15,5 Millionen von Lille zu Juventus Turin. Es sind beachtliche Summen, für welche ehemalige FCB-Spieler transferiert werden. Allerdings ist bei diesen Transfers nicht bekannt, auf welchen Prozentsatz sich die Beteiligung des FC Basel beläuft und ob man – wie meistens – am Gewinn oder in einzelnen Fällen gar an der gesamten Ablöse des Weiterverkaufs beteiligt ist.

Dan Ndoye von Nottingham Forest führt den Ball während des Premier-League-Spiels gegen West Ham United im City Ground.

Anders sieht es bei einem Wechsel aus, der bereits im vergangenen Winter über die Bühne ging: Nasser Djiga wechselte im Januar von Roter Stern Belgrad für 12 Millionen Euro zu den Wolverhampton Wanderers, dank Beteiligung erhielt der FCB rund 1,35 Millionen Euro.

Klar ist aber: Insgesamt war der FC Basel in diesem Jahr an Transferbewegungen von Ex-Spielern im Umfang von über 150 Millionen Euro beteiligt. Es ist dies die Folge der Profile, die man einst für vielversprechend erachtet und verpflichtet hat – und bei denen man schliesslich richtig gelegen ist. So wie bei Riccardo Calafioris Weitertransfer von Bologna zu Arsenal im Sommer 2024, wobei der Streitfall mit der AS Roma inzwischen so entschieden ist, dass der FCB nebst den verbuchten 12 Millionen Euro nochmals die eine oder andere zusätzliche Million behalten kann.

Neuzugänge im Schnitt knapp 23 Jahre alt

Nach den ersten drei Transfersommer unter David Degen, in denen das Durchschnittsalter der Neuzugänge stets zwischen 21 und 22 Jahren lag, setzt der FC Basel immer noch vermehrt auf die Verpflichtung junger Spieler. Was auch logisch erscheint, ist schliesslich mit einem 21-Jährigen, der am Anfang seiner Entwicklung ist, noch eine grosse Steigerung des Transferwerts möglich. Mit der Verpflichtung eines 30-Jährigen wird man hingegen in Zukunft kaum einen Profit generieren.

Dennoch gab es diesbezüglich eine kleine Veränderung in den letzten Jahren. 2024 stieg das Durchschnittsalter der Neuverpflichtungen nämlich auf 23,3 Jahre. Ein Jahr später bewegt man sich mit 22,9 Jahren in einem ähnlichen Bereich. 

Ein bewährtes Mittel sind zudem Leihen mit Kaufoption. Damit kann sich der FCB die Möglichkeit offenhalten, Leihspieler bei guter Leistung ein Jahr später definitiv zu verpflichten. So war es bei Philip Otele der Fall, den man im Winter von Al-Wahda aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auslieh und im Sommer fix übernahm. Metinho stellt hierbei eine Ausnahme dar: Für den 22-Jährigen Mittelfeldspieler konnte der FC Basel keine Kaufoption aushandeln, nach intensiven Verhandlungen mit der City Group war eine definitive Übernahme am Ende aber trotzdem möglich.

Philip Otele von FC Basel in Aktion im Spiel gegen FC Kopenhagen, UEFA Champions League Play-off, im St. Jakob-Park Stadion, Basel, 20. August 2025.

Die beiden anderen Leihspieler der letzten Saison, Joe Mendes und Romario Baro, wurden hingegen nicht fix verpflichtet. Auch bei ihnen hätte der FCB eine Kaufoption besessen, machte von dieser aber keinen Gebrauch. Der schwedische Rechtsverteidiger und der portugiesische Mittelfeldspieler konnten vergangene Saison den Verantwortlichen beim FCB nicht genügend Argumente liefern, um sie von einer definitiven Übernahme zu überzeugen. Mendes spielt mittlerweile bei Samsunspor in der türkischen Liga, Baro wechselte nach Polen zu Radomiak Radom.

Mit Koba Koindredi und Jeremy Agbonifo hat der FC Basel auch in der aktuellen Spielzeit zwei Leihspieler im Kader. Bei beiden besitzen die Basler die Option auf eine definitive Übernahme Ende Saison. Ob sich die Transferstrategie des FCB nicht nur finanziell, sondern auch sportlich auszahlt und erneut in nationalem und vielleicht auch internationalem Erfolg mündet, wird dann ersichtlich sein.

Newsletter

Rotblau aktuell

Erhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.

Weitere Newsletter

Similar Posts

  • Nachfolger von Novartis: Bitpanda wird neuer Hauptsponsor des FC Basel

    Nachfolger von Novartis – Bitpanda wird neuer Hauptsponsor des FC BaselEuropas führender Krypto-Broker ziert neu die Brust der FCB-Spieler.Publiziert heute um 11:11 UhrHaben den Deal besiegelt: Martin Beranek, Country Lead Switzerland von Bitpanda, und David Degen.Foto: FC Basel 1893/Luca CavegnJetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkBitpanda, Europas führender Krypto-Broker, wird ab der kommenden Saison neuer Hauptsponsor des FC Basel. Das österreichische Unternehmen wird sowohl die Trikotbrust der ersten Mannschaft zieren als auch im und rund um den St. Jakob-Park sichtbar sein. Der FCB und Bitpanda unterzeichnen einen Dreijahresvertrag.++ Update folgt ++Mehr zum FC Basel:Diesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenDominic Willimann ist seit 2007 Sport-Redaktor der Basler Zeitung und kennt den regionalen Sport aus dem Effeff. Ebenso ist er seit seiner Jugend mit den Geschehnissen rund um den FC Basel vertraut, über den er heute regelmässig berichtet. Und: Er hat seit 2007 kein Eidgenössisches Schwingfest verpasst.Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • Transfergerücht: Real- und Bayern-Vergangenheit: Dieser Verteidiger soll den FCB Verstärken

    Transfergerücht – Real- und Bayern-Vergangenheit: Dieser Verteidiger soll den FCB VerstärkenDer FC Basel soll den österreichischen Innenverteidiger Flavius Daniliuc von Salernitana bis 2028 verpflichten.Publiziert heute um 18:14 UhrSoll beim FCB einen Vertrag bis 2028 erhalten: Flavius Daniliuc (links).Foto: Imago, sportphoto24Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkDer FC Basel soll bei seiner Suche nach einem neuen Innenverteidiger fündig geworden sein: Wie der Transferjournalist Orazio Accomando berichtet, verpflichtet der FCB den Österreicher Flavius Daniliuc vom italienischen Drittligisten Salernitana und stattet ihn mit einem Vertrag bis 2028 aus.An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.Cookies zulassenMehr InfosDer 24-Jährige bestritt die vergangene Saison in der Serie A als Leihspieler bei Hellas Verona und kam dort zu 18 Einsätzen. Zuvor trug Daniliuc bereits das Trikot von OGC Nizza und Red Bull Salzburg und kann auf zusammengerechnet 119 Spiele Erfahrung in der Serie A, der Ligue 1 und der österreichischen Bundesliga zurückgreifen. Daniliuc durchlief zudem einen Teil seiner Juniorenzeit die Nachwuchsstufen von Real Madrid und Bayern München.Ob die Gerüchte um Ahmetcan Kaplan und Becir Omeragic mit der Verpflichtung von Daniliuc vom Tisch wären, ist nicht bekannt. Zumal immer noch unklar ist, ob der FCB noch einen seiner derzeitigen Innenverteidiger abgeben wird.Mehr FCB-TransfernewsDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenSimon Tribelhorn ist freier Mitarbeiter im Ressort Sport bei der Basler Zeitung. Er berichtet regelmässig über den FC Basel, den EHC Basel und den RTV.Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • Legendäre Momente: Als die Bundesliga-Stars den FCB fast ins Verderben führen

    – Als die Bundesliga-Stars den FCB fast ins Verderben führenDer Strichkampf ist zurück im Schweizer Fussball. Die besten Episoden – mit enttäuschenden Basler Stars, einem GC-Absturz, YB-Tränen und FCZ-Chaos. Publiziert heute um 12:19 Uhr1992: Der sensationelle Absturz von GCDie «SonntagsZeitung» schreibt in ihrer Vorschau auf die Saison 1992/93: «GC ist unbestrittener Favorit auf den Titel. Wer über so viel Potenzial verfügt, muss im Prinzip nicht nur Meister werden, sondern dies auch in einem Stil, der dem Ansehen des Schweizer Fussballs etwas bringt.» Und dann starten die Grasshoppers mit acht sieglosen Spielen in die Qualifikation, bis der bemitleidenswerte Trainer Oldrich Svab ersetzt wird. Sportchef Erich Vogel zaubert Leo Beenhakker herbei, eine Trainergrösse. Trotzdem wird es kaum besser, selbst gegen Chiasso bringt die Mannschaft mit Zuberbühler, Gren, Vega, Yakin, Bickel, Sutter, Sforza, Hermann, Közle und Elber in der vorletzten Runde nur ein 1:1 zustande.Damit muss in der letzten Runde in Bern gegen YB die Entscheidung fallen, ob die Zürcher sich doch noch in die Finalrunde retten. Der 6. Dezember ist ein denkwürdiger Termin, weil das Land über den Beitritt zum EWR abstimmt. Vega gleicht nach einer halben Stunde zum 1:1 aus. In der zweiten Halbzeit taucht Vogel auf einmal an der Seitenlinie auf, um mit Beenhakker zu reden. GC kassiert in der 82. Minute das 1:2 und stürzt in die Auf-/Abstiegsrunde.Ein rares Bilddokument vom schicksalhaften 6. Dezember 1992 im Wankdorf: YB-Haudegen Martin Weber stoppt GC-Stürmer Adrian de Vicente.Foto: KeystoneAm Montag berichtet der «Tages-Anzeiger»: Vogel sei bei Beenhakker gewesen, um ihm zu erklären, dass ein Punkt für die Finalrunde genüge. Tags darauf, am gleichen Ort, streitet Vogel das in alter Vogel-Manier ab. Erst viele Jahre später gibt er zu, dass Beenhakker an jenem schicksalhaften Tag unwissend gewesen sei und er ihn mit seiner Lüge habe schützen müssen. Beenhakker ist in Bern übrigens nicht der Einzige, der den Modus nicht kennt. Als Thomas Bickel nach dem Spiel, hinter der alten Haupttribüne des Wankdorfs, vernimmt, ein Remis wäre gut genug gewesen, sagt er: «Das habe ich nicht gewusst.»Zum Start in die Auf-/Abstiegsrunde gewinnt GC gegen Locarno 9:0. Nach wenigstens souveränem Ligaerhalt korrigiert Vogel seinen Irrtum mit Beenhakker, holt Christian Gross aus Wil und leitet so eine glorreiche Ära ein.1996: YB erhält 2000 Läckerli für 2 PunkteDie Pakete aus Basel erreichen die YB-Geschäftsstelle im Dezember 1996. Zwanzig sind es, gefüllt mit je hundert Läckerli.Den Bernern fehlt es nicht an Süssigkeiten, aber sonst fast an allem: an Geld, die Spieler warten manchmal monatelang auf den Lohn, an Zuschauern und an Punkten. Die Young Boys setzen den Schweden Erol Bekirovski ein, obwohl dieser ohne Spielbewilligung ist. Das 2:2 gegen Basel wird so in ein 0:3 umgewandelt. Der FCB bekommt zwei zusätzliche Punkte, das sollte noch wesentlich sein.Die Young Boys verlieren in der Qualifikationsrunde 1996 zwölfmal in Folge, gar 18 Wochen lang holen sie keinen Sieg. Trainer Jean-Marie Conz bleibt gleichwohl im Amt. Auch die Ansprüche sind bei YB damals andere: Kürzlich war Raphael Wicky nach drei Niederlagen in Folge seinen Job los.Der Strichkampf bewegt die Schweiz. Der FCZ, Basel, Servette und Luzern – sie alle müssen bangen. Der «Blick» holt täglich eine Promi-Prognose ein, DJ Bobo schafft es, jede Partie falsch zu tippen – so auch jene in Bern: YB gewinnt an diesem 2. Dezember im Wankdorf gegen Luzern 2:1. Der junge Andres Gerber, heutiger Präsident des FC Thun, erzielt ein wunderbares Tor. Die Berner schliessen die Qualifikation als Letzte ab. Trotzdem spielen sie eine entscheidende Rolle.Die Freude über die Basler Läckerli ist von kurzer Dauer – am Ende der Saison weint YB über den Abstieg.Foto: Patrick Aviolat (Keystone)Luzern begleitet die Berner in die Auf-/Abstiegsrunde. Der FC Basel profitiert – aber auch nur dank des Forfaitsieges, den ihm die Peinlichkeit der Young Boys beschert hat. «Wir YB-Spieler essen alle gerne Läckerli», lässt sich Alain Baumann im «Blick» zitieren. Bald darauf treffen tatsächlich 2000 Läckerli in Bern ein, Absender: der FC Basel. «Das gibt wahrscheinlich die süsseste Abstiegsrunde, die wir je erlebt haben!», sagt Baumann. Er irrt: Sie nimmt ein saures Ende. YB steigt erstmals seit fünfzig Jahren ab. 1997: Mit dem Velo im Basler Stadtwald statt mit der Concorde in New YorkKommt er? Kommt er nicht? Der Basler Frühling 1997 ist voller Verheissungen. Die grösste heisst Maurizio Gaudino. Ehemaliger deutscher Nationalspieler. Einer, zu dem das Wort «Star» passt. Einen Monat lang geht es hin und her, bis Gaudino endlich unterschreibt.Er ist nicht der Einzige mit grossem Namen. «Bundesliga-Konzept» nennt sich, was FCB-Präsident René C. Jäggi da zusammenkauft. In einer beispiellosen Transferoffensive holt er neben Gaudino (Frankfurt) auch Oliver Kreuzer (Bayern) und Jürgen Hartmann (Hamburger SV). Keine Frage, dass auch Trainer Jörg Berger aus Deutschland kommt (Schalke).Als dann in der Vorbereitung noch Dortmund geschlagen wird, wähnt sich Fussballbasel im Himmel. Es folgt ein Höllenritt, der fast in den Abstieg mündet.Von den ersten sechs Partien gewinnt Basel nicht eine. Vom Heimspiel gegen Étoile Carouge ist Bergers Teamansprache überliefert: «Wir haben Gaudino, wir haben Zuffi, wir haben Huber! Wen haben die? Niemanden!» Danach spielt der FCB vor 12’000 Fans 0:0.Bergers Amtszeit dauert bis Oktober. Nach einem 1:2 in Carouge stellt Präsident Jäggi fest: «Ich wollte mit der Concorde nach New York. Jetzt stehe ich mit dem Velo in den Langen Erlen.» Das ist ein Naherholungsgebiet vor den Toren Basels.Berger muss gehen. Aber nicht, ohne an einer Medienkonferenz den Schweizer Fussballern «ein Problem mit der Einstellung zum Beruf» vorzuhalten. Jäggi grollt an selber Stelle gegen die Spieler: «Jetzt haben sie auch Berger abgeschossen. Es war ihr einziger Sieg in dieser Saison.»Der Traum vom Aufschwung mit den Stars platzt: Maurizio Gaudinos Zeit beim FC Basel ist eine Enttäuschung.Foto: Michael Kupferschmidt (Keystone)Trotz Trainerwechsel taucht der FCB in die Auf-/Abstiegsrunde. Und als sich dort in der 89. Minute der zweitletzten Runde der Krienser Reto Burri den Ball zum Elfmeter hinlegt, könnte er den Basler Abstieg besiegeln. Doch der Sohn des Präsidenten des SC Kriens scheitert an Stefan Huber.In der letzten Runde kauft schliesslich die Migros alle Tickets im alten Joggeli und verschenkt sie. Vor 36’500 Menschen gewinnt Basel das entscheidende Spiel gegen Solothurn 3:0. Gaudino verwertet einen Penalty – und zieht wieder in die Bundesliga.1999: Der FCZ droht im Chaos zu versinkenSven Hotz sitzt auf der Tribüne und weint. Das werde mit der Zeit alles zu viel für ihn, sagt er, 70-jährig zu der Zeit. Der alte Masseur des FCZ, Hermann Burgermeister, meldet: «Der FCZ lebt noch!» Dank eines 1:1 an diesem schwer verregneten Sonntag, dem 12. Dezember 1999, haben sich die Zürcher im Sumpf der Neuenburger Maladière im letzten Moment in die Finalrunde gezittert. Xamax dagegen landet unter dem Strich in der Auf-/Abstiegsrunde.Unvergessen: Wie Raimondo Ponte nach seinem letzten Einsatz als FCZ-Trainer aus seinem Büro steigt.Foto: PrivatKaum aber ist das Spiel zu Ende, macht die Meldung des Protests von Xamax gegen die Wertung des Remis die Runde. Grund: Der FCZ hat acht statt der zulässigen sieben Ausländer auf dem Matchblatt gehabt. Was im ersten Moment eine Bagatelle zu sein scheint, weil Trainer Raimondo Ponte das schon seit langer Zeit praktiziert hat, weitet sich zum Drama aus.Einen Tag vor Weihnachten streicht die Disziplinarkommission der Nationalliga das 1:1 und wertet das Spiel Xamax – FCZ 3:0 forfait. Die Konsequenzen sind gravierend: Xamax kommt in die Finalrunde, der FCZ fällt unter den Strich. Am folgenden 11. Februar bestätigt das Schiedsgericht das Urteil. Ponte ist an jenem Tag mit seiner Mannschaft im Trainingslager in Florenz. Ob er noch der richtige Trainer sei, fragt ihn die «SonntagsZeitung». Ponte brüllt seine Antwort so laut, dass sie selbst ohne Telefon ein paar Hundert Kilometer nördlich zu verstehen gewesen wäre: «Wenn ich da bin, bin ich da, und wenn ich weg bin, bin ich weg!»Der FCZ droht im Chaos zu versinken. Goalie Pascolo geht einem Fan an die Gurgel. Stürmer Chassot schlägt auf eine TV-Kamera und attackiert einen «Blick»-Journalisten, alles zu sehen in der «Tagesschau». Stunden später trennt sich Hotz schweren Herzens von Ponte. Der Witz an der Sache ist, dass Ponte danach trotzdem noch ein letztes Training leitet. Dann steigt er, mit Badelatschen an den Füssen, aus dem Fenster seines Büros, um zu seinem Auto zu kommen. Ein Radio-24-Reporter fängt ihn an diesem 18. April 2000 ab, ein «Blick»-Fotograf hält die Szene fest, und Ponte schnauzt ihn an: «Willst du eins an die Ohren?»Gilbert Gress wird neuer Trainer, führt den FCZ erst zum Cupsieg und dann zum Ligaerhalt. Ponte dagegen erholt sich als Trainer nie mehr von seinem traumatischen Absturz.Mehr zum Schweizer FussballDritte Halbzeit – der Tamedia-FussballpodcastAn dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.Cookies zulassenMehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • Alles zum FCB-Spiel in Thun: Der FCB leidet, aber einer brilliert

    Alles zum FCB-Spiel in Thun – Der FCB leidet, aber einer brilliert3:1 gewinnt der FC Basel beim FC Thun. Die Gastgeber boten dem Meister vor allem in der zweiten Hälfte der Partie Paroli.Publiziert heute um 21:47 UhrPhilip Otele (hier gegen Thuns Marco Bürki) und Co. mussten sich gegen den Aufsteiger behaupten.Foto: Claudio De Capitani (Freshfocus)Der Mann des TagesDreimal trifft der FC Basel gegen den FC Thun. Dreimal ist Xherdan Shaqiri im Mittelpunkt: Den ersten und den dritten Treffer erzielt er selbst, den zweiten durch Albian Ajeti bereitet er vor. Es ist eine Partie des Routiniers in Thun, wie man sie von ihm in der letzten Saison des Öftern gesehen hat. Über weite Strecken der Partie bleibt er unauffällig, doch in den entscheidenden Momenten ist er zur Stelle: Beim Basler 1:0, als er sich vor das Thuner Tor schleicht und aus wenigen Metern einschiebt. Und in der Nachspielzeit, als er in der letzten Aktion des Spiels per Penalty auf 3:1 erhöht. Thun-Captain Marco Bürki bringt Shaqiris Leistung auf den Punkt: «Neunmal kann man ihn stoppen, aber bei der zehnten Aktion macht er in einem solchen Spiel eben den Unterschied.»Der AufregerDer FC Basel hat das Geschehen bis zur Pause im Griff. Drei Minuten sind in der zweiten Hälfte gespielt, da rammt Nicolas Vouilloz Elmin Rastoder im Strafraum. Den fälligen Penalty verwertet Leonardo Bertone. Thun verkürzt auf 1:2 und ist plötzlich im Spiel. Die folgenden rund 50 Minuten muss der FCB gegen die aufstrebenden Gastgeber leiden. Ohne dieses Foul des Basler Innenverteidigers hätte sein Team sich in der zweiten Halbzeit vielleicht von einer anderen Seite präsentiert.Die 90 MinutenDer FC Basel startet flott. Von den Spielern, die in den letzten Tagen mit ihren jeweiligen Nationalmannschaften unterwegs waren, steht nur Adrian Barisic von Anfang auf dem Thuner Plastikrasen. Alle anderen FCB-Starter haben in den letzten zwei Wochen fleissig in der Brüglinger Ebene trainiert.Entsprechend engagiert geht der FCB gegen den Aufsteiger zur Sache. Und belohnt sich im ersten Umgang mit zwei sehenswerten Toren. Das Besondere daran: Bei beiden Treffern hat Xherdan Shaqiri wesentlichen Anteil daran. Das 1:0 erzielt er gleich selbst, nachdem er in der Entstehung der Aktion mitbeteiligt war. Schliesslich steht er richtig, als Ibrahim Salahs abgefälschter Weitschuss von beiden Pfosten zu ihm gelangt. Und kurz vor der Pause ist seine Hereingabe so gut, dass Albian Ajeti sehenswert auf 2:0 erhöht.Shaqiri setzt auch den Schlusspunkt – mit dem 3:1 per Elfmeter. Zuvor allerdings tut sich der Gast gegen den Aufsteiger schwer, der nach dem Seitenwechsel viel besser im Spiel ist. Chancen auf das 2:2 hätten die Thuner gehabt, aber auf den letzten Metern fehlt es ihnen an Präzision. Dennoch zeigt sich in den zweiten 45 Minuten, weshalb die Berner Oberländer nach sechs Spieltagen mit 13 Zählern dastehen.Stockhorn Arena. – 10’014 Zuschauer. – SR Tschudi. – Tore: 24. Shaqiri 0:1. 41. Ajeti 0:2. 51. Bertone 1:2 (Penalty), 90.+8 Shaqiri 1:3 (Penalty).Thun: Steffen; Heule, Bürki, Montolio, Fehr; Käit (84. Gutbub), Bertone, Meichtry (46. Imeri), Reichmuth; Rastoder (78. Bamert), IbayiFCB: Hitz; Tsunemoto, Barisic (65. Adjetey), Vouilloz, Schmid; Salah (64. Junior Zé), Metinho, Koindredi, Otele (86. Soticek), Ajeti (75. Broschinski), Shaqiri.Bemerkungen: FCB ohne Leroy (gesperrt), Traoré, van Breemen (beide verletzt), Rüegg, Akahomen, Kacuri, Pfeiffer (alle U-21), Gauto und Kaio Eduardo (beide kein Aufgebot). – Ersatzbank FCB: Salvi; Agbonifo, Bacanin, Daniliuc, Cissé. – Verwarnungen: 36. Meichtry (Foul), 40. Reichmuth (Foul), 73. Heule (Foul), 84. Metinho (Foul), 90.+2 Matoshi (Foul), 90.+3 Broschinski (Unsportlichkeit). – Rote Karte: 77. Montolio (Tätlichkeit).Die UnparteiischenEs ist eine Partie mit vielen sogenannt «kleinen» Fouls und einem FC Thun, der vor allem im zweiten Umfang viel aggressiver ans Werk geht als zuvor. Meistens an der Grenze des Erlaubten, ausser nach 78 Minuten, als Genís Montolio Basel-Angreifer Moritz Broschinski so sehr ins Gesicht greift, dass Schiedsrichter Lionel Tschudi nach VAR-Konsultation nichts anderes übrig bleibt, als dem Spanier Rot zu zeigen. Apropos VAR: Auch bei den Szenen, die zu den beiden Elfmetern dieser Partie führen, wird Tschudi – zu Recht – an den Bildschirm gebeten.Die Stimme zum SpielAuf dem Papier mag es sich nicht überraschend lesen: Der Meister gewinnt beim Aufsteiger 3:1. Im Wissen, dass die Thuner seit dem 6. Dezember letzten Jahres in der Stockhorn Arena nie mehr verloren haben, sagt FCB-Trainer Ludovic Magnin: «In der zweiten Halbzeit haben wir gesehen, weshalb der FC Thun so gut in diese Super-League-Saison gestartet ist. Deshalb bin ich sehr glücklich mit den drei Punkten, die wir hier gewonnen haben.»Das FazitDer Basler 3:1-Sieg in Thun bedeutet die Zähler 10, 11 und 12 in dieser Saison. Der FCB setzt sich damit in der Spitzengruppe der Super League fest und nimmt viel Schwung und Selbstvertrauen für die nächsten zwei Pflichtspiele in Cup und Europacup mit.So geht es weiterDie Partie in Thun bildete den Auftakt in strenge Wochen. Am Freitag folgt das Schweiz-Cup-Spiel beim Challenge Ligisten Etoile Carouge. Danach steht die erste europäische Auswärtsreise an: Am 24. September gastiert der FCB beim Bundesligisten SC Freiburg.Der FC Basel nach der Nationalmannschaftspause:Diesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenDominic Willimann ist 1979 geboren. Er ist seit 2007 Sport-Redaktor der Basler Zeitung und kennt den regionalen Sport aus dem Effeff. Ebenso ist der in der Stadt Basel aufgewachsene Journalist seit seiner Jugend mit den Geschehnissen rund um den FC Basel vertraut, über den er heute regelmässig berichtet. Und: Er hat seit 2007 kein Eidgenössisches Schwingfest verpasst.Mehr InfosOliver Gut schreibt seit März 2001 für das Sport-Ressort der Basler Zeitung, das er seit 2019 leitet. Vorher für diverse Sportarten zuständig, konzentriert sich der Fricktaler seit 2011 auf den Fussball – und damit hauptsächlich auf den FC Basel. Zudem ist er regelmässiger Diskussionsgast im Fussball-Podcast «Dritte Halbzeit».Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • 3:1-Sieg gegen Genf: «Und dann ist Shaq da»

    Abo3:1-Sieg gegen Genf – «Und dann ist Shaq da»Xherdan Shaqiri trifft dreimal, der FCB gewinnt 3:1 gegen Servette und ist neu auf Platz eins der Super League.Publiziert heute um 11:23 UhrEmotionen pur bei Xherdan Shaqiri, nachdem er im Penalty-Nachschuss auf 2:1 für den FCB erhöht hat.Foto: Ennio Leanza (Keystone)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkIn Kürze