Zdravko Kuzmanovic verfolgt die Geschehnisse rund um Rotblau mit Interesse. Und er lässt kein gutes Haar an der FCB-Führung und der sportlichen Leistung.

Im Sommer 2020 hing Zdravko Kuzmanovic seine Fussballschuhe an den Nagel. Damals noch unter Trainer Marcel Koller. Der ehemalige Mittelfeldspieler beobachtet seither die Entwicklung des FC Basel mit Argusaugen.

Der Serbe ist schockiert, was auf und neben dem Platz bei Rotblau aktuell abgeht. «Der FCB ist sicherlich nicht auf der Höhe, auf der er sein sollte. Das Team tut sich unglaublich schwer momentan», so Kuzmanovic. Das Übel nahm seinen Lauf mit der Einstellung von Ciriaco Sforza als Trainer. Der ewig umstrittene Kuzmanovic wäre mit ihm an der Seitenlinie nicht glücklich geworden: «Ich hätte sicher ein grosses Problem damit gehabt, dass wenn einer die ganze Zeit in deinem Rücken reingeschrien hätte. Das ist für einen Spieler sehr schwer. Der Spieler ist auf das Spiel fokussiert. Er hat manchmal seine eigenen Ideen und wenn jedes Mal jemand von aussen Anweisungen reinruft, damit hätte ich ein riesiges Problem gehabt.»

Mischung namens Rahmen

Diese Art der Führung führe zu keinem guten Weg. Auch was die jungen Spieler angeht: «Ein Junger muss auch mal einen Fehler machen dürfen. Wenn dann immer wieder vom Trainer ein Kommentar kommt, ist das nicht förderlich. Man muss den Spieler aufbauen und ihm auch das Vertrauen geben. Das hat Sforza komplett falsch gemacht», meint Kuzmanovic.

Vom aktuellen Trainer Patrick Rahmen ist der ehemalige FCB-Spieler indes mehr überzeugt. «Er hat eine sehr gute Mischung. Er kann auch sehr unangenehm werden. Er hat sein Ziel. Er weiss, was er will. So ruhig, wie er rüberkommt, ist er nicht unbedingt. Ich finde das aber gut», so Kuzmanovic.

Die sportliche Situation beim FCB ist dem Fussball-Pensionär aber dennoch ein Dorn im Auge. Kuzmanovic vermisst die Dominanz von Rotblau aus früheren Tagen. Die Situation im Endspurt der Meisterschaft und der Kampf um Platz 2 kann und wird sich nochmals zuspitzen. «Was das Problem ist: Du darfst dir keinen Ausrutscher mehr erlauben. Sie müssen jedes Spiel gewinnen. Das ist nicht einfach für die Spieler. Mental musst du auf der Höhe sein. Am Schluss entscheidet das darüber, ob du nächste Saison international dabei bist oder nicht», so Kuzmanovic. Sollte es soweit kommen, dass man das Minimalziel verpassen sollte, dann wäre die Saison endgültig am Allerwertesten.

Déjà-Vu bei Stocker-Affäre

Und auch was sich neben dem Platz abspielt, schockiert den Serben. Er hat sogar ein Déjà-Vu, als er das Theater um Valentin Stocker mitbekommen hat. Wir erinnern uns: Kuzmanovic legte sich in seiner Aktivzeit beim FCB mit Trainer Urs Fischer auf ähnliche Weise an. «Er wurde öffentlich gedemütigt von Karli Odermatt. Das darf einer Legende und Führungsmitglied niemals passieren, dass du deinen eigenen Spieler öffentlich derart kaputt machst. Das habe ich nicht verstanden», meint Kuzmanovic. Er selber bewundert Stocker für seine Ruhe in dieser Situation. Die Vorwürfe von Karli Odermatt hält Kuzmanovic für haltlos: «Das macht ein Kapitän nicht. Ich kenne Valentin. Der würde sowas nie im Leben machen. Ich war schockiert, als ich das mitbekommen habe.»

Auch den Machtkampf zwischen Bernhard Burgener und David Degen beäugt Kuzmanovic mit Argwohn. «Wenn du hunderte von Fans hast, die zum Stadion kommen und ihr Ticket zurückgeben, dann wird viel falsch gemacht», so der ehemalige FCB-Spieler. Einer von vielen Fehlern. Er vermisst die Rückendeckung der Führung für die Spieler: «Wenn du sie schützt und ihnen das Vertrauen gibst, dann bekommst du Leistung zurück. Wenn du gegen deine eigenen Spieler schiesst, dann denken sich die Spieler irgendwann: Macht doch was ihr wollt».

Die Frage, die womöglich in den kommenden Tagen beantwortet wird, ist, wer denn am Ende den FC Basel kriegen wird. David Degen oder Bernhard Burgener. Kuzmanovic hat eine klare Meinung zum Thema: «Mit David Degen wird es sicher nicht besser. Er hat keine Erfahrung. Er hat noch nie einen Verein geführt. Ich denke nicht, dass er dem FCB weiterhelfen kann. In dem Moment, wo er den FCB übernehmen wird, wäre trotzdem immer noch Chaos. Oder vielleicht sogar mehr.»

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