Der FCB behält in einem spektakulären Spiel die Oberhand und schlägt St. Gallen mit 3:2. Matchwinner Bradley Fink schiesst nach seiner Einwechslung das Siegtor.

Man kann sie ruhig kitschig nennen, die Geschichte, die das Spiel im Joggeli am Samstagabend schrieb: Bradley Fink kommt beim Stand von 2:2 zwischen dem FC Basel und St. Gallen ins Spiel. Und mit seinem ersten Ballkontakt drückt der 1,91-Meter-Hüne das Leder über die Torlinie. Vor der Muttenzerkurve. Es soll der entscheidende Treffer in einem spektakulären Schlagabtausch zwischen Rotblau und Grün-Weiss sein. «Irgendjemand muss mich zwicken, damit ich aufwache», sagt Fink nach Abpfiff mit strahlendem Gesicht. Für seine Gefühlslage findet er keine Worte.

Wenn der FCB gegen St. Gallen spielt, ist Spektakel eigentlich garantiert. Das beweist auch der jüngste Schlagabtausch an diesem verregneten ersten Oktobertag. Das Spiel lässt die gut 22’000 Fussballherzen im Joggeli glühen. Fünf Tore, ein Pfostenschuss, dazu eine rote und zehn (!) gelbe Karten verdeutlichen, was auf dem Platz abgegangen ist.

Goldene Minuten nach kalter Dusche

Beide Mannschaften sind von der ersten Sekunde an bereit. Und der FCB wird nach sechs Minuten kalt geduscht: Ein Ballverlust von FCB-Angreifer Darian Males leitet einen St. Galler Angriff ein, den Jérémy Guillemenot im Strafraum alleine gelassen abschliessen kann – 0:1. Rotblau braucht aber nicht lange, um sich zu erholen. Neun Minuten später gleicht Zeki Amdouni per Abstauber aus. Es ist der Start einer goldenen Phase des FCB. Denn gerade einmal 122 Sekunden später netzt Amdouni erneut ein. Per Doppelschlag dreht Basel das Spiel, das nun zunehmend ruppiger wird. Beide Mannschaften spielen mit offenem Visier, zeigen, warum sie die beiden pressingfreudigsten Teams der Liga sind. St. Gallens Chadrac Akolo setzt den Ball in der 26. Minute an den Pfosten.

Zehn St. Galler rennen für elf

Die intensive, offensive Partie scheint erst einen Bruch zu erleiden, als FCSG-Verteidiger als letzter Mann die Notbremse zieht und Darian Males umholzt. Die St. Galler sind von nun an zu zehnt, es läuft alles für Rotblau. Die stark aufspielenden Basler müssten das Spiel mit einem weiteren Tor jetzt zu machen. Tun sie aber nicht. St. Gallen bleibt aggressiv und dran, das Tempo ist weiterhin hoch. «Die laufen bis zur 96. Minute, obwohl sie ein Mann weniger sind», sagt Taulant Xhaka nach dem Spiel und atmet durch. Er führt den FCB an diesem Abend als Captain aufs Feld, da er einmal mehr den Vorzug vor Fabian Frei erhält. «Wir müssen viel cleverer spielen und dann können wir 3:1 oder 4:1 führen.»

Statt einem weiteren Basler Tor kommt St. Gallen aber zum Ausgleich. Kasim Adams grätscht im FCB-Strafraum Alessandro Kräuchi um, dem der Ball aber eigentlich schon versprungen war. Schiedsrichter Sandro Schärer pfeift einen strengen Penalty, den FCSG-Captain Lukas Görtler im Nachschuss verwandelt. Das Spiel ist nach gut 70 Minuten wieder offen.

Frei: «Sind der glücklichere Sieger»

FCB-Trainer Alex Frei setzt nun auf volle Offensive und bringt mit Liam Millar, Andy Diouf und Bradley Fink frische Kräfte. Finks Einwechslung läutet das grosse Highlight dieser unterhaltsamen Partie ein und beschert einem fleissigen FCB den Sieg. Damit belohnen sich die Basler für eine starke Leistung. «Aufgrund der Konstellation elf gegen zehn Spieler sind wir der verdiente Sieger. Aufgrund des Spiels der glücklichere Sieger», bilanziert Frei nach dem Spiel. St. Gallen mit seinen «brutalen Mentalitätsmonstern» habe dem FCB alles abverlangt. Auch gegen zehn St. Galler sei es nicht einfach gewesen. «Wir hätten das 3:1 früher erzielen müssen», kritisiert der Trainer. Phasenweise habe man es «nicht gut gemacht». Am Ende sorgt aber ein 19-jähriges Sturmtalent dafür, dass die drei Punkte in Basel bleiben.

Telegramm

Basel – St. Gallen 3:2 (2:1)

22’630 Zuschauer. – SR Schärer. – Tore: 6. Guillemenot (Schmidt) 0:1. 15. Amdouni 1:1. 17. Zigi (Eigentor) 2:1. 71. Görtler 2:2. 83. Fink (Lang) 3:2.

Basel: Hitz; Lang, Comas, Adams, Pelmard; Xhaka, Burger (83. Fink); Males (75. Millar), Amdouni (75. Diouf), Ndoye; Zeqiri (68. Agustin).

St. Gallen: Ati Zigi; Sutter (68. Schneider), Stillhart, Maglica, Guindo; Quintillà; Görtler, Schmidt (68. Kräuchi); Karlen (37. Stergiou); Akolo (63. Ricardo Alves), Guillemenot (63. Latte Lath).

Bemerkungen: Basel ohne Lopez, Marchand und Tushi (alle verletzt). St. Gallen ohne Besio, Schubert und Von Moos (alle verletzt). 26. Pfostenschuss Akolo. 36. Rote Karte gegen Stillhart (Notbremse). 71. Hitz pariert Foulpenalty von Görtler, Görtler versenkt Nachschuss. Verwarnungen: 22. Burger (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 24. Maglica (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 30. Akolo (Foul). 33. Schmidt (Schwalbe). 36. Zigi (Reklamieren). 38. Görtler (Foul). 79. Comas (Foul). 87. Xhaka (Foul). 93. Augustin (Foul). 94. Lang (Foul).

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