Der Machtkampf beim FCB geht in die nächste Runde: David Degen macht den VR der FCB-Holding dank einer superprovisorischen Verfügung handlungsunfähig.

Es war der erwartete Hammer am Montagnachmittag, aber nicht die Entscheidung im Machtkampf um den FC Basel. Die Sitzung des Verwaltungsrats der FC Basel Holding wird nach wenigen Minuten bereits wieder beendet. Der Grund: David Degen hat mit einer superprovisorischen Verfügung den VR handlungsunfähig gemacht und damit den Verkauf der Aktien durch Bernhard Burgener an eine Drittpartei verhindert.

«Die einzige Option»

«Für David war es die einzige Option, die er hatte. Karli Odermatt oder Peter von Bürgen hätten sich niemals gegen Bernhard Burgener gestellt. Es wäre vermessen gewesen, anzunehmen, dass diese beiden für David Degen gestimmt hätten. Er musste diesen Schritt machen», meint FCB-Legende Erni Maissen in der Sendung FCB Total zu den Vorkommnissen.

Das Resultat bedeutet Stillstand beim FC Basel. Vermutlich für Wochen und Monate. Eine kritische Situation für den Verein. «Ich denke nicht, dass das für den FCB in der momentanen Situation gut ist. Das wird sicherlich auf die Mannschaft abfärben. Und auch die Fans wissen weiterhin nicht, was geht», so Erni Maissen.

Emotionen vs. Sachlichkeit

David Degen seinerseits proklamiert in einer Medienmitteilung am Montagnachmittag, 29. März 2021, seinen Sieg im rotblauen Machtkampf. Inszeniert sich als Ritter, welcher den Verkauf «seiner» Aktien an die Basel Dream & Vision AG und damit an ausländische Investoren verhindern konnte. Der FC Basel seinerseits dementiert, dass eine Aktienübertragung stattgefunden habe.

Während Bernhard Burgener seinen Geschäftsbericht im Vorfeld nutzte, um sachlich Eigenwerbung zu betreiben, wählte David Degen den Weg der Emotionen. Beflügelt anscheinend vom Rückenwind des rotblauen Widerstands. Für Erni Maissen nicht die feine Art: «Ich finde es schade, wenn man solche Sachen im Vorfeld in öffentlichen Foren kundgibt. Das finde ich nicht seriös. Vielleicht dachte David, dass er so die Fans noch mehr auf seine Seite holen könnte. Ich finde das geschäftlich nicht ideal. Aber das ist seine Sache».

Die richtige Lösung?

Denn auch David Degen wird sich einige unangenehmen Fragen als vermeintlich neuer FCB-Boss stellen müssen. Wo kommen die Millionen her, mit denen er beabsichtigt, den FC Basel zu übernehmen? Was ist sein Plan? Und: Kann er den Job überhaupt? «Er hat keinen Leistungsnachweis. Das ist nicht der FC Reinach oder der FC Aesch. Das ist der FC Basel. Da sieht die Sache nochmal anders aus. Man weiss nicht, wer die kompetenten Leute um ihn herum sind. Ansonsten könnte man es auch beurteilen. Ich bin aktuell nicht überzeugt, ob er am Ende der Richtige wäre. Ob er die beste Lösung ist, ist nicht gesagt», sagt Erni Maissen.

Fakt ist: Sollte David Degen die Aktien-Mehrheit erhalten und den FCB übernehmen, bliebe kein Stein auf dem anderen. Das wird auch durch seine Aussage untermauert, dass er in den kommenden Tagen bereits eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen will, um einen neuen Verwaltungsrat wählen zu lassen. Aber auch die Spieler samt Trainer werden vom Umbruch betroffen sein: «Der Trainer wird bei ihm Thema werden. Auch die Spieler zittern. Alle sind verunsichert. Das wird der Mannschaft keine Ruhe bringen. Ruhe kann man vergessen bis Ende Saison. Es kommen sportlich noch viel härtere Tage auf den FCB zu. Das ist eine Tatsache», ist Erni Maissen überzeugt.

Die Rechnung für die Fehler

Noch vor wenigen Tagen präsentierte Bernhard Burgener schwarze Zahlen. Er hat den FCB in der Corona-Krise über Wasser gehalten. Auf seine Fähigkeiten in finanzieller Hinsicht war die Kritik an seiner Person aber nie gerichtet: «Bernhard Burgener ist als Geschäftsmann top. Das wundert mich auch nicht, dass er das so gut hingebracht hat mit den Zahlen. Das kann er. Aber er hat andere Fehler gemacht», so Maissen.

Kritik-Immunität. Alibi-Übungen. Die Diskussion über sportliche Kompetenz im Verein. Nun scheint der aktuelle FCB-Besitzer die Rechnung dafür erhalten zu haben: «Darum ist er nun in diese Situation geraten. Dass die Fans zu Tausenden protestiert haben. Das ist nun die Strafe dafür», so Erni Maissen.

Wer gibt nach?

Dass sich Bernhad Burgener nun geschlagen geben wird, kann sich die FCB-Legende aber kaum vorstellen. Maissen: «Ich glaube nicht, dass er das tun wird. Dass er dafür auch zu stolz ist. Da sind jetzt zwei Parteien, die nicht nachgeben wollen. Beide fühlen sich im Recht. Jetzt wird gestritten solange es nötig ist. Vielleicht siegt dann irgendwann die Vernunft. Vernunft pro FCB und Mannschaft, und die nicht die persönliche Niederlage in den Vordergrund stellt. Man kann nur hoffen, dass sie diesen Weg bald finden. Ansonsten kommt es nicht gut».

Die Antwort auf Frage, wer den Machtkampf zu St. Jakob endgültig gewonnen hat, ist aufgeschoben. Wer das Rennen am Ende machen wird, steht für Erni Maissen noch in den Sternen: «Schwierig. Für mich steht es 50:50. Irgendwann wird derjenige nachgeben müssen, der für den FCB das Beste will».

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