
Eine «unverzichtbare Säule»: Der FC Basel und Marwin Hitz verlängern bis 2026
Dieser Artikel wurde von BZ publiziert.
Eine «unverzichtbare Säule»: Der FC Basel und Marwin Hitz verlängern bis 2026
Marwin Hitz verlängert erwartungsgemäss seinen Vertrag mit dem FC Basel um ein Jahr bis 2026. Mit seiner Zuverlässigkeit ist er zu einer Konstanten geworden und in den Rang des ältesten Goalies in der Geschichte des FCB aufgestiegen.
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Marwin Hitz bleibt dem FC Basel bis 2026 erhalten.
Den Rang als Methusalem im Tor des FC Basel wird Marwin Hitz so schnell niemand ablaufen. Am 18. September vergangenen Jahres hat er seinen 37. Geburtstag gefeiert, und nun sieht alles danach aus, dass er seinen 38. auch als Nummer 1 des FCB feiern wird. Am Sonntag vor dem Spiel des FCB gegen Sion hat der Klub die Vertragsverlängerung mit Hitz um eine weitere Saison bekanntgegeben.
Überraschend ist das nicht mehr, zu oft haben zuletzt beide Parteien – Klub wie auch Spieler – von ihrer Absicht gesprochen, die Zusammenarbeit fortsetzen zu wollen. Vom ursprünglichen Plan, dass 2025 Schluss ist mit der Karriere als Spieler, ist Hitz abgerückt. Intensiv habe er sich mit der Familie mit dieser Frage auseinandergesetzt, verdeutlichte Hitz noch vor Weihnachten in einem Interview mit Keystone/SDA, «und wir haben uns entschieden, dass ich, wenn möglich, noch ein Jahr weiterspiele». Weiter vorauszuschauen, auch das stellte er klar, «macht in meinem Alter keinen Sinn.»
Dieser Wunsch geht nun in Erfüllung, und aus Sicht des Klubs hat die Fortsetzung mit Hitz auch etwas Einleuchtendes. Zu überzeugend ist der Leistungsnachweis von Hitz, als dass die Notwendigkeit bestünde, auf dieser Position eine Veränderung herbeizuführen. Oder wie es Sportchef Dani Stucki im Communiqué sagt: «Marwin ist für unsere Mannschaft seit dem ersten Tag eine unverzichtbare Säule. Mit seiner Erfahrung, seiner Ausstrahlung und seinem praktisch fehlerfreien Spiel gibt er dem Team Sicherheit und Stabilität.»
Vom Sportdirektor In höchsten Tönen gelobt
Mann mit Ausstrahlung: Marwin Hitz, Goalie Nummer 1 des FC Basel.
Bereits Mitte September, kurz nach dem Ende der letzten Transferperiode, hatte Stucki zu erkennen gegeben, dass man mit Hitz verlängern wolle: «Wenn etwas funktioniert, sollte man nicht viel ändern. Darum kann ich mir vorstellen, dass Marwin seinen auslaufenden Vertrag in Basel verlängert, wenn wir sportlich wieder erfolgreicher sind».
Letzteres ist eingetreten, und bei Marwin Hitz weiss der FCB, was er hat.
Nämlich einen ebenso zuverlässigen und konstanten Torhüter wie eine gefestigte Persönlichkeit. 343 Profispiele hat Hitz auf dem Buckel, 181 davon in der Bundesliga für den FC Augsburg, Borussia Dortmund und den VfL Wolfsburg, 37 Europacupeinsätze und zwei Länderspiele für die Schweiz, die ihm 2015 zugestanden wurden, als ihm eine andere FCB-Goaliegrösse vor der Sonne stand: Yann Sommer.
Degens Störgeräusche und Hitz’ Leistungsausweis
Die Irritationen, die vor Jahresfrist eine unbedachte Aussage von David Degen über die Rolle von Hitz beim FCB ausgelöst hatte, sind längst vom Tisch. Erst neulich hat sich Sportdirektor Daniel Stucki in einem Interview mit der «Basler Zeitung» in höchsten Tönen über Marwin Hitz geäussert, ihm eine «sehr starke Saison» attestiert und einen «tollen Auftritt», was Stucki an Hitz’ Ausstrahlung und Körperspannung festmacht.
Kein Mann der unnötigen Flugeinlagen: Marwin Hitz.
Dafür gibt es etliche Gründe, der Leistungsausweis ist neben den Softfaktoren der wichtigste. Weil Hitz 2008 nach 15 Spielen in der Challenge League für den FC Winterthur auszog in die grosse Welt und als 20-Jähriger zum VfL Wolfsburg wechselte, machte er sein Debüt in der höchsten Schweizer Liga erst 14 Jahre später. Notabene bei einem 1:1 in Winterthur.
Hitz löste damals im FCB-Tor Heinz Lindner ab, der sich nichts zu Schulden hatte kommen lassen ausser, dass er Österreicher ist und kein Schweizer. Mit Hitz – in Freidorf/Roggwil am Bodensee aufgewachsen – zwischen den Pfosten war ein Platz auf der Kontingentliste der sogenannten Home-trained-Spieler frei. Die FCB-Fans, die Lindner grossmehrheitlich liebten, verstanden die Welt nicht mehr.
Zu offenen Anfeindungen gegen den Neuankömmling Hitz kam es zwar nicht, aber Hitz erzählte später, dass er unterschwellig wenn schon keine Abneigung, so doch den Frust auf den Rängen gespürt hatte. Und vielleicht auch eine gewisse Argwohn ihm gegenüber.
Schöne Zeiten, schlechte Zeiten
Höhepunkt: Marwin Hitz am 20. April 2023 in Nizza beim Einzug in den Halbfinal der Conference League mit Andy Diouf, Liam Millar, Taulant Xhaka und Darian Males.
Auch das ist vorbei und vergessen. Hitz hat seit Juli 2022 wirre Zeiten mitgemacht beim FCB. Erst in der Ära Heiko Vogel mit Trainern, die wechselten wie Jahreszeiten. Schöne Zeiten mit dem Vorstoss bis ins Halbfinale der Conference League und strube Zeiten, während derer ihm selbst seine Erfahrung aus dem Bundesliga-Abstiegskampf nur bedingt eine Stütze war.
«Ich habe in den vergangenen zweieinhalb Jahren schwierige, aber vor allem auch sehr viele schöne Momente erleben dürfen und der FCB ist meiner Familie und mir sehr ans Herzen gewachsen», sagt Hitz zu seiner bisherigen Zeit in Basel.
Statt den erhofften Titeln, die er mit dem FC Basel gewinnen wollte, ist zunächst mal nur eine ausgestandene Abstiegsangst mit Happy End geworden. Mit Hitz im Tor sind in zweieinhalb Basler Jahren 82 Ligaspiele, sechs Cuppartien und 18 internationale Begegnungen festgehalten. In diesen 106 Spielen hat er 132 Mal hinter sich greifen müssen und 27 Mal eine weisse Weste behalten.
Jetzt sieht Hitz eine positive Entwicklung und nennt diese als Mitgrund, wieso er beim FCB bleiben will: «Die Arbeit auf und neben dem Platz macht grossen Spass und man sieht eine vielversprechende Entwicklung des Teams, insbesondere in dieser Saison. Von der Vereinsleitung bis zu uns in der Mannschaft ziehen alle an einem Strang. Der Klub ist ambitioniert und wir haben eine tolle Truppe zusammen, mit der wir auch etwas erreichen können.»
Der Penaltykiller Hitz und der Fussballer
Jüngste Heldentat: Im Elfmeterschiessen im Schweizer Cup gegen den FC Sion pariert Marwin Hitz gegen Cristian Souza Espana.
Zu den bisherigen Highlights gehören Hitz’ parierte Penalties, dank derer der FCB in den K.o.-Wettbewerben vorankam. So gegen Bröndby in der Qualifikation zur Conference League 2022/23. Gleich zweimal hielt er im Penaltyschiessen von Bratislava, wo der FCB ins Viertelfinale einzog. Und im aktuellen Schweizer Cup parierte er in Nyon und zweimal gegen Sion im Elfmeterschiessen.
Es waren auch Böcke dabei wie jener im Oktober 2022 gegen Vilnius in der Conference League oder im Mai 2023 beim 3:3 in Genf. Vor allem aber viele schnörkellose Paraden, mit denen er seiner Mannschaft zu Diensten war. In der laufenden Saison hält Hitz als letzter Mann die dichteste Abwehr der Liga zusammen. Und die Algorithmen des Bewertungsportals «Sofascore» weisen ihn als zweitbesten Goalie der Super League aus, hauchdünn hinter Paul Bernardoni von Yverdon Sport.
Marwin Hitz (Mitte) beim Trainingsauftakt am 4. Januar.
Nebst seinen erstklassigen Primärtugenden als Handarbeiter zwischen den Pfosten und einer soliden Strafraumbeherrschung, bei der ihm die 1,94 Meter Körpergrösse zugutekommen, ist es die Qualität seines Fussspiels, die ihn wertvoll macht. Seine Passgenauigkeit ist mit 87 Prozent überdurchschnittlich gut, in der eigene Hälfte finden 93 Prozent der Zuspiele den Adressaten – Werte, die ihn unter anderem auch vor Amir Saipi vom Tabellenführer FC Lugano ausweisen, und über die Daniel Stucki unlängst in der «BaZ »sagte: «Mit Hitz haben wir gefühlt einen Spieler mehr auf dem Platz, weil er es so überragend macht mit dem Ball am Fuss.»
Hitz reiht sich bei den grossen Namen ein
Mit seinem vierten Vertragsjahr reiht sich Marwin Hitz nun beim FC Basel in die Liste der grossen Goalienamen ein, die eine Ära prägten. Pascal Zuberbühler, der bis 2006 sieben Jahre lang das FCB-Trikot trug, führt das Ranking der Neuzeit an vor Stefan Huber (6 Jahre bis 1999), Franco Costanzo (5 Jahre bis 2011) sowie Yann Sommer (4 Jahre bis 2014) und Tomas Vaclik (4 Jahre bis 2018).
Älter als Hitz war kein Torhüter in der Geschichte des FCB. Walter Müller war 1955/56 bei seinem letzten Einsatz 35 Jahre alt, und altersmässig am nahesten kommt Germano Vailati, der aktuell immer noch als Trainer im Nachwuchs tätig ist. Der Tessiner war am 21. Mai 2017, dem Tag seines letzten Spiels (in Bern) 36 Jahre, 8 Monate und 21 Tage alt.
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