Eindrückliche Zahlen: Marwin Hitz rettet den FC Basel in dieser Saison immer wieder und nicht nur vom Punkt

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Super League

Eindrückliche Zahlen: Marwin Hitz rettet den FC Basel in dieser Saison immer wieder und nicht nur vom Punkt

Der gehaltene Elfmeter im Letzigrund trägt dem FC Basel nicht nur einen ersehnten Sieg im Klassiker ein, es ist auch Marwin Hitz’ zehnter parierter Penalty im FCB-Dress. Warum dennoch die Nase gerümpft wird und weshalb das Etikett der besten Defensive der Super League trügerisch ist: unsere Analyse.

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Marwin Hitz hält im Spiel gegen den FCZ einen Penalty.

Bild: Imago/Sergio Brunetti

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Nach einem Klassiker mit reichlich Gesprächsstoff bleibt der Fussballlehrer und FCZ-Trainer Ricardo Moniz unwidersprochen: «Die zweite Halbzeit war Werbung für den Fussball.» Die Partie bot tatsächlich alle Ingredienzien, die die akute Diskussion über die Qualität dieser Super League ziemlich überflüssig machen. 21’690 Zuschauende – Saisonrekord für den FC Zürich – hatten ihren Nervenkitzel und ein Fünftel davon, jene, die es mit dem FC Basel halten, zog glücklich von dannen.

Es war schliesslich der erste Basler Sieg nach sieben vergeblichen Anläufen im ewig jungen Duell der Erzrivalen. Damit hat es Fabio Celestini mit seinem Team geschafft, in der laufenden Saison eine weitere Negativserie zu beenden nach jener gegen die Young Boys und jener bei Servette Genf. «Ich bin stolz auf die Mannschaft, weil ich weiss, wie absolut wichtig so ein Sieg für Basel und die Fans ist», sagt der FCB-Trainer.

Dass der FC Zürich mit letztem Aufgebot und einer Verlegenheitsaufstellung dem FC Basel so grosse Probleme bereitete, gehört dabei auch zur Wahrheit. «Wir waren überrascht», räumt Celestini ein, der sich aus dem Matchblatt mit nur einem Verteidiger darauf auch erst einen Reim machen konnte, als im Matchcenter der Swiss Football League die offizielle Formation enthüllt wurde.

Stucki rümpft die Nase und Celestini moniert fehlende Energie

Es kam dann eine erste Basler Halbzeit heraus, die einheitlich das Etikett «nicht gut» (Shaqiri) bis «sehr schlecht» (Hitz) verpasst bekam. Und oben auf der Tribüne rümpfte FCB-.Sportdirektor Daniel Stucki, einst im FCZ-Trikot drei Mal Meister, die Nase. Mit dem aggressiven, wilden Zürcher Spiel kam der FCB nicht zurecht. «Es hat Energie und Überzeugung gefehlt, wir verlieren zu viele Duelle», moniert Celestini, um dann jedoch festzustellen: «Aber am Ende steht es 1:0 für uns.»

Hitz sichert dem FCB mit seiner Leistung drei Punkte.

Hitz sichert dem FCB mit seiner Leistung drei Punkte.

Bild: Imago/Sergio Brunetti

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Möglich war das nur, weil Marwin Hitz zwei Grosstaten beisteuerte. Erst seine reflexartige Parade gegen Juan José Pereas Abschluss aus nur zwei Metern, dann der gehaltene Penalty von Mounir Chouiar. Der Franzose mit marokkanischer und mauretanischer Abstammung schnappte dem eigentlich als Elfmeterschützen vorgesehenen Steven Zuber den Ball weg – sehr zum Ärger von FCZ-Trainer Moniz, der sich angesichts der Schwindsucht im Zürcher Kader die schnippische Frage erlaubte: «Ist das Transferfenster noch offen?» Zu seiner Beruhigung: ja, bis 17. Februar.

Super Marwin: Zehn parierte Elfmeter in zweieinhalb Jahren

Für Hitz war es ein kleines Jubiläum: der zehnte abgewehrte Elfmeter, seit er 2022 zum FC Basel kam. Nach zwölf Jahren und 343 Bundesligapartien standen zwei erfolgreiche Elfmeterparaden. Nun hat er in zweieinhalb Spielzeiten von 31 Versuchen (inklusive Penaltyschiessen in Schweizer Cup und Uefa Conference League) nur 19 passieren lassen. Eine gewaltige Quote. Oder, wie es Xherdan Shaqiri im Letzigrund ausdrückte: «Wir hatten wieder einen super Marwin.»

Gerade hat Hitz seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2026 verlängert und Celestini nennt ihn zum wiederholten Mal den «besten Goalie der Liga». Die Zahlen belegen dies und der Trainer schätzt sich glücklich über den Routinier als Rückhalt einer Mannschaft mit einem Altersschnitt von 24,7 Jahren: «Auch wenn wir nicht so gut spielen, strahlt er Ruhe und Souveränität aus.»

Der Vielgepriesene kann sich in Sachen Elfmetervorbereitung («Ich schaue mir viel an») nebst Goaliecoach Gabriel Wüthrich auf seine Intuition verlassen und: «Man muss auch ein bisschen Glück haben und hoffen, dass der Schütze nicht zu hart und platziert schiesst – das ist aufgegangen.»

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Dafür, dass der FC Basel mit nur 22 Gegentoren die mit Abstand beste Defensive der Liga hat, lässt Rotblau jedoch noch verhältnismässig viel zu. Nur die Goalies der Kellerkinder Winterthur, Yverdon und GC sind in der Super League öfter gefordert als Hitz. Doch der 37-Jährige sorgt mit einer in dieser Saison schweizweit unerreichten Abwehrquote von 78 Prozent dafür, dass der FCB sechs Tore weniger kassiert hat, als aufgrund der Chancenqualität der Gegner zu erwarten wäre.

Novum: Celestini schickt zum dritten Mal die identische Startelf ins Rennen

Dabei konnte Celestini in Zürich zum dritten Mal hintereinander die identische Startelf aufbieten. Ein Novum in seiner Basler Zeit. Dieser Luxus an Konstanz zeigt sich aber noch nicht durchgängig auf dem Feld. Hitz sagt zwar: «In der zweiten Halbzeit waren wir wirklich gut im Spiel, haben gezeigt, was wir können und gewinnen verdient.» Er merkt allerdings auch kritisch an: «Aber wir reden schon länger über unsere zwei Gesichter – das müssen wir verbessern.»

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Einen Vorschlag, wie diese Verbesserung erreicht wird, hat Hitz ebenfalls: «Zwei solche Halbzeiten wie die zweite in Zürich – mehr Konstanz, mehr Glauben, unseren Fussball auch in schwierigen Situationen durchzubringen, Zweikämpfe gewinnen und Chancen ausnützen.»

Deshalb will Hitz vor dem Verfolgerduell am Donnerstag (20.30 Uhr) im Joggeli gegen den FC Luzern, mit dem das zweite Drittel der Regular Season abgeschlossen wird, auch nicht über den Meistertitel reden: «Mit unserem Punkteschnitt sind wir noch kein Meisterschaftskandidat, das sind eigentlich alle Teams, die vorne stehen. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem viele Punkte lassen.» Und somit zu allerhand Unterhaltswert beitragen.

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