
Der FCB im Tessin: Ein Showdown aus dem Stand
Dieser Artikel wurde von BZ publiziert.
Re-Start der Super League
Re-Start der Super League
Der FCB im Tessin: Ein Showdown aus dem Stand
Die Super League wird fortgesetzt und FCB-Trainer Fabio Celestini erklärt den Spitzenkampf am Sonntag beim aufstrebenden FC Lugano zum Schlüsselspiel.
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Respekt und Vorfreude auf ein Gipfeltreffen: Mattia Croci-Torti und sein ehemaliger Vorgesetzter Fabio Celestini.
Besser hätte man sich den Spielplan für die Wiederaufnahme nicht ausdenken können: Mit dem Gipfeltreffen des Tabellenführers gegen den ersten Verfolger läutet die Super League ein Frühjahr ein, wie es die Fussball-Schweiz lange nicht erlebt hat.
Nominell kommen drei Viertel der zwölf Klubs noch für Spitzenplätze in Frage – oder sogar für den grossen Wurf. Und wer den Tabellenneunten, die Young Boys, vergisst, macht wahrscheinlich einen Fehler. Genauso darf der FC Basel als Zweiter nicht ausser Acht lassen, dass es gerade einmal fünf Punkte Abstand zur Abstiegsrunde sind.
Diese Konstellation hält die Basler nicht davon ab, nach sieben mageren Jahren wieder von Grossem zu träumen. An der Diktion der Verantwortlichen hat sich über den Jahreswechsel nichts Grundlegendes verändert, nach wie vor ist ein Platz unter den ersten Sechs nach 33 Runden und dem Schnitt in Champions und Relegation Round das Ziel.
Aber man spürt, dass da der Appetit nach mehr ist. Klubchef David Degen gab sich jüngst im Talk auf «Blue» alle Mühe, sich an die Sprachregelung zu halten, Sportdirektor Daniel Stucki tut das in seiner ganzen Nüchternheit sowieso, und nur Trainer Fabio Celestini erlaubt sich eine etwas offensivere Rhetorik.
An der Award-Night der Swiss Football League am Montag rutschte ihm ein «unter den ersten Drei» heraus, und er erläuterte: «Wenn man beim FC Basel unterschreibt, muss man bereit sein, um etwas Grosses, etwas Schönes zu kämpfen. Und wenn du so nahe dran ist, musst du es probieren.»
Dass darf man als Ansage dafür interpretieren, dass es für den FCB, vor Jahresfrist noch im Abstiegsangstelend, etwas zu gewinnen gibt. Und gleichzeitig auch etwas zu verlieren in einem Tabellenbild, in dem man mit einem Fehltritt bereits Boden preisgibt. Basel hat in den letzten drei Meisterschaftsspielen vor der kurzen Winterpause von neun möglichen lediglich zwei Punkte geholt. Der FC Lugano wiederum hat mit der krachenden 1:4-Heimniederlage gegen Lausanne die Serie fortgesetzt der Teams, die als Tabellenführer plötzlich nicht mehr gewinnen können.
«Platz 4, Platz 3, Platz 2 – also bleibt nur noch Platz 1»
Bei diesem FC Lugano also geht es für den FCB am Sonntag (16.30 Uhr) im Stadio di Cornaredo weiter. Bei einem Gegner, der im Herbst seinen bemerkenswerten Erfolgsweg der vergangenen drei Jahre fortgesetzt hat. Drei Mal in Folge stand er im Cupfinal (Sieg 2022), die Plätze 4, 3 und 2 resultierten aus den letzten drei Super-League-Jahren, was Joe Mansueto, den US-amerikanischen Besitzer bei seinem Besuch Ende Oktober zur Conclusio brachte: «Also bleibt nur noch Platz 1.»
«Es ist kein Traum, es ist eine sehr realistische Ambition» – Lugano-Besitzer Joe Mansueto im Oktober 2027 beim Besuch des Heimspiels gegen YB; links neben ihm Ex-FCB- und Ex-Chicago-Sportdirektor Georg Heitz.
Mansueto, der mit massgeblichem Einfluss von Ex-FCB-Sportdirektor Georg Heitz 2021 die Aktien des FC Lugano übernahm, hat Gefallen gefunden am Tessiner Projekt, verpasst in Chicago keine TV-Übertragung der Spiele und klingt keineswegs grossspurig, wenn er nun angesichts der Tendenz über den möglichen ersten Meistertitel für Lugano seit 1949 sagt: «Es ist kein Traum, es ist eine sehr realistische Ambition.»
Um das zu unterstreichen, hat der FC Lugano am Donnerstag mit Mattia Croci-Torti gleich bis 2028 verlängert. Der 42-Jährige, einst Assistent unter Fabio Celestini und mit dem Einstieg der Amerikaner zum Cheftrainer ernannt, ist als gebürtiger Tessiner eines der grossen Aushängeschilder der Bianconeri. Niemand war in ihrer 117-jährigen Vereinsgeschichte länger im Amt, und mit einem Vorsprung von drei Monaten ist Croci-Torti aktuell auch der dienstälteste Super-League-Trainer vor Mario Frick in Luzern.
Lugano nötig Celestini allen Respekt ab
«Unser Abenteuer geht weiter», sagt Croci-Torti zur Vertragsverlängerung, er spricht von «hohen Zielen» und: «Darüber hinaus hat mich auch die Vorstellung, als Trainer von Lugano ins neue Stadion zu gehen, dazu motiviert zu bleiben.» Für Mai 2026 ist die Eröffnung geplant. Dann wird auch der Name Cornaredo passé sein und in der «AIL Arena» gespielt werden.
Da ist also im Sottoceneri eine neue, alte Kraft im Schweizer Fussball dabei, sich neu zu erfinden. Schon jetzt nötigt Celestini sein einstiger Arbeitgeber (2018 bis 19) allen Respekt ab. «Idee und Überzeugung, mit der Fussball gespielt wird» ist das eine, zum anderen, sagt Celestini, «ist die Kontinuität, die in Lugano herrscht, vielleicht sogar ein Vorbild für die ganze Liga».
Ein weiterer Indikator dafür ist die Verweildauer der Spieler: im Schnitt seit 900 Tagen sind die aktuellen Kaderspieler beim FC Lugano unter Vertrag. Nur Servette kann mit 943 Tagen eine noch höhere Beständigkeit vorweisen, und der FCB ist nach nur zwei zahlenmässig ruhigeren Transferphase mit 675 Tagen schon auf Platz 5.
Mit der Stabilität im Kader einher geht die Entwicklung in Lugano auch in dieser Saison. 33 Spiele hat das Team absolviert (21 der FCB), das Programm hat hier und da Tribut gefordert, die Europacup-Kampagne mit vier Siegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage hat die Luganesi aber bis in die Achtelfinals der Conference League im März getragen.
Soll frischen Wind in den Angriff von Lugano bringen: Der vom Partner-Klub Chicago Fire FC ausgeliehene Grieche Georgios Koutsias.
Für die zweite Saisonhälfte haben sich die Luganesi Verstärkung geholt, allesamt vom Partnerklub Chicago Fire FC. Der Zürcher Allan Arigoni (26) war als Verteidiger Stammkraft in der MLS, und vom 20-jährigen Georgios Koutsias verspricht man sich Tore, was der Grieche in den Testspielen (siehe unten) schon mal eingelöst hat.
Celestini: «Es kann ein Schlüsselspiel für uns sein»
Ausserdem wurde Sebastian Pelzer als Chief Sports Officer installiert. Der Deutsche war in Chicago rechte Hand von Georg Heitz, der nach Beendigung seiner fünfjährigen Zeit bei Fire nun noch bei der FC Lugano SA seine Funktion als Verwaltungsrat wahrnimmt.
Auf dem Platz wird das am Sonntag keine Rolle spielen, wenn sich der FC Lugano und der FC Basel einen ersten Showdown quasi aus dem Stand liefern. Celestini will mit seiner, wie er glaubt, bestens vorbereiteten Mannschaft zeigen, «dass wir bereit sind für etwas Grosses. Es kann ein Schlüsselspiel für uns sein, das uns, wenn wir gewinnen, einen Kick geben kann».
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