Mit der Übernahme von Ciriaco Sforza als Basler Cheftrainer beginnt ein neues Kapitel bei Rotblau.

Ruhe. Integrität. Professionalität. Das sind Tugenden, die der abgetretene FCB-Trainer Marcel Koller verkörpert hat. Tugenden, die bei der aktuellen FCB-Führung nicht auszumachen sind. Tugenden, die Ciriaco Sforza als neuer FCB-Trainer zuerst zeigen und finden muss.

Kann Ciriaco Sforza den Nebengeräuschen standhalten?

Marcel Koller hat den FCB – trotz dauerndem Getöse rund um den St. Jakob-Park – mit erhobenem Haupt verlassen. Unter ihm ist die Mannschaft zusammengerückt in schwierigen Zeiten. Der Zürcher hat sich trotz seiner kurzweiligen Entlassung im vergangenen Sommer nicht beirren lassen.

Auch als praktisch täglich die Frage um seine Zukunft gestellt wurde, blieb Koller fokussiert und professionell. Er ist sich selber stets treu geblieben und hat sich niemals vom Weg abbringen lassen. Auch wenn er allen Grund dazu gehabt hätte. Dafür gebührt ihm grösster Respekt.

Ob sein Nachfolger Ciriaco Sforza genauso beherrscht im rauen rotblauen Wind bestehen wird, ist eine berechtigte Frage. Der Aargauer geht mit hohem Optimismus an seine neue Aufgabe. Doch gilt Ciriaco Sforza selber als sensible Natur. Die Nebengeräusche werden kaum weniger werden. Die Skepsis an seiner Person nicht so schnell verblassen. Die Fan-Proteste gegen die FCB-Bosse nicht abklingen.

Doch kann er von der Arbeit seines Vorgängers profitieren. Auch wenn sich zahlreiche Akteure ihre Gedanken machen werden, ob sie beim FCB – einem Klub der total aus den Fugen geraten ist – bleiben wollen.

Das Fremdwort namens Ruhe

Ciriaco Sforza wird in erster Linie die Rolle des Vermittlers einnehmen müssen. Die Spieler anhören. Menschlich an die Spieler heranrücken müssen, näher als sein Vorgänger. Den gesamten Optimismus, den er lauthals bei seiner Vorstellung, vermittelt hat, auf die Spieler übertragen müssen. Er muss authentisch bleiben.

Und er wird ab dem ersten Spiel gewinnen müssen. Nur dann kann zumindest auf sportlicher Ebene vielleicht für kurze Zeit Ruhe einkehren.

Ruhe. Dieses Wort. Es wirkt wie ein Fremdwort in dieser neuen rotblauen Welt. Es würde allen Gesetzen des Fussballs und des Sports widersprechen, würde Ciriaco Sforza unter den aktuellen Vorzeichen, Erfolg haben.

Die Chance muss ihm trotzdem gewährt werden, die hohen, sogar unverhältnismässigen Ansprüche der Führung umzusetzen. Er allein wird die Probleme des FC Basel allerdings nicht lösen können. Diese greifen tiefer als man jemals hätte erahnen können.

Dennoch: Die Zeit bleibt nicht stehen: Das nächste Kapitel von Rotblau beginnt. Ob es nur ein weiteres Kapitel im aktuellen Trauerspiel zu St. Jakob wird, das wird sich zeigen. An eine euphorische Heldengeschichte zu denken, dazu scheint selbst den grössten Optimisten mit rotblauem Herzen aktuell der Glaube zu fehlen. Aber, wie es so plump heisst: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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