«Das ist auch mit Angst verbunden»: Michael Lang über sein abruptes Karriereende und wie er jetzt zum FC Basel steht

Dieser Artikel wurde von BZ publiziert.


Grosses Interview

«Das ist auch mit Angst verbunden»: Michael Lang über sein abruptes Karriereende und wie er jetzt zum FC Basel steht

Im Juli wurde sein Vertrag beim FC Basel aufgelöst, danach war Michael Lang vereinslos. Welches Angebot er noch angenommen hätte, was ihm aus der Aktiv-Zeit fehlt, wieso er mit Daniel Stucki telefonierte und wofür er in seiner zweiten Karriere als Sportchef beim FC Wil stehen möchte.

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Bereitet sich auf seine Aufgabe als Sportchef in spe bei Wil vor: Michael Lang, 221-facher Spieler des FC Basel.

Bild: Toto Marti / Freshfocus / Blick

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Es ist nicht einfach, mit Michael Lang einen Termin zu finden. Seit im Juli sein Vertrag beim FC Basel aufgelöst wurde, hat sich beim bald 34-jährigen Ex-Profi viel getan. Im Gespräch blickt er zurück auf seine Karriere, sein für ihn noch immer unschönes Ende beim FC Basel, spricht von einem letzten grossen Angebot, das er nicht hätte ablehnen können – und wieso die Aufgabe als Sportchef ab Sommer beim Challenge-League-Klub Wil perfekt für ihn ist.

Michael Lang, Sie scheinen schon voll im Leben nach der Aktiv-Karriere angekommen zu sein?

Michael Lang: Es kommt gut, ja! Ich bin beim FC Wil bereits aktiv eingebunden und kann viele Eindrücke und Ideen sammeln. Wenn es um Dinge für die Saison 2025/2026 geht, in welcher ich dann verantwortlich sein werde, rede ich auch jetzt schon mit Spielern und Beratern.

Sie sind also eigentlich schon aktiv in Ihrer Rolle, auch wenn Sie erst im Sommer fix übernehmen als Sportchef von Wil?

Nein, es ist aktuell noch unregelmässig. Klar, im Moment ist Transferphase, da ist mehr zu tun als gedacht. Aber sonst bin ich noch nicht voll im Tagesgeschäft drin, nehme mich bewusst raus, bin mal vier Tage nicht erreichbar. Ich will nicht jetzt schon jeden Tag im Büro sein. So ist es ein guter Übergang für mich. Wann es dann fix für mich losgeht, definieren wir noch. Ich habe mit Jan Breitenmoser, der aktuell noch Sportchef ist, ein gutes Verhältnis, daher läuft das alles sehr einfach.

Ihre neue Aufgabe wurde im November öffentlich. Damals waren Sie ohne Anstellung, hätten also auch per sofort übernehmen können in Wil. Wollten Sie das nicht?

Nein, weil es super für mich ist, in diese Position reinwachsen zu können. Von heute auf morgen vom Spieler zum Sportchef zu werden, das geht nicht. Unmöglich. Da verliert man sich. Das sind ganz andere Abläufe, das muss man sich aneignen. Vorgängig ein Studium wie jenes an der HSG zu absolvieren, ist auch super. Aber ich bin lieber bei dem Verein, bei dem ich später arbeiten werde, lerne gleich, wie es hier läuft, und weiss dann genau, was auf mich zukommt.

Was hat der Sportchef in spe Michael Lang bereits gelernt?

Mit Beratern telefonieren oder Spieler von etwas überzeugen, das wissen wir Fussballer – oder besser Ex-Fussballer –, wie es geht. Aber alles andere? Da gibt es vieles, was wir nicht wissen können. Wil ist sicher auch noch einmal anders, als wenn man diese Stelle beim FC Basel oder bei YB antreten würde. Hier bin ich derjenige, der den Vertrag für einen neuen Spieler schreibt, nicht irgendjemand aus meinem Team. Es gibt nur den Sportchef, und der macht das. Da lernst du das Handwerk, alles von der Pike auf. Das ist wertvoll für die Zukunft. Was man gelernt hat, hat man drin.

Wieso ist Wil abgesehen davon der perfekte Ort für Sie, um den Einstieg in die zweite Karriere zu schaffen?

Es ist ein guter Austausch, ein Verein mit klaren Strukturen. Wenige reden mit, und von denen wissen alle, was ihre Funktion ist und wo man seine Meinung kundtun kann oder welche Kompetenzen man hat. Es ist ein Miteinander, kein Gegeneinander. Ich habe den Verein so angetroffen, wie ich es erhofft habe: Es herrscht viel Klarheit, die Philosophie ist definiert – und das ist das A und O.

Ist Wil ein erster Schritt für Sie auf dem Weg zu einem grösseren Klub?

Ich habe als Spieler nie von ersten Schritten oder Sprungbrettern gesprochen und das mache ich auch jetzt nicht. Ich bin schlicht sehr, sehr dankbar für diese Chance und freue mich riesig darauf. Und ich bin noch ein so junger Sportchef, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, hier über Jahre mitzuwirken und die Zukunft des Vereins mitzugestalten.

War es für Sie immer klar, dass Sie Sportchef werden möchten? Oder hätte Sie auch das Trainerbusiness gereizt?

Sportchef zu werden, war immer ein Ziel von mir. Für mich war klar, dass ich mittel- oder langfristig auf dieser Position Fuss fassen möchte. Ich bin aber nicht davon ausgegangen, dass es so schnell gehen würde. Aber was das Trainerbusiness angeht …

… Ja?

Da habe ich immer auf das Gefühl gewartet, das unbedingt machen zu wollen. Das ist aber nie gekommen – und wird es auch nie mehr (lacht).

Sportchef zu werden, war immer sein Ziel. Nun hat Michael Lang unverhofft früh beim FC Wil die Chance dazu bekommen.

Sportchef zu werden, war immer sein Ziel. Nun hat Michael Lang unverhofft früh beim FC Wil die Chance dazu bekommen.

Bild: Toto Marti / Freshfocus / Blick

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Sie absolvieren aktuell auch den Talentmanager-Kurs des SFV. Was können Sie dort mitnehmen, gerade für Ihre Aufgabe in Wil?

Diese Ausbildung mache ich ergänzend. Jüngst wurde ja eine Studie publik, welche aufzeigt, wie schlecht der Schweizer Nachwuchs unterwegs ist. Da wir bei uns im Verein viel mit jungen Schweizer Fussballern zusammenarbeiten, was eine Philosophie von uns ist, ist dieser Kurs der perfekte Zusatz. Ausserdem werde ich im Sommer den Sportmanagement-Lehrgang an der HSG besuchen.

An einen Büro-Job müssen Sie sich nun aber auch erst noch gewöhnen nach 18 Jahren als Fussballer, oder?

Mir war bewusst, dass es anders sein wird wie als Spieler, ein komplett anderer Arbeitsalltag auf mich warten wird. Egal, in welcher Position es für mich weitergegangen wäre. Ich bin froh, wie es gekommen ist. So kann ich mich auf den nächsten Schritt richtig vorbereiten.

Sie wirken emotional bereits distanziert zur Aktiv-Zeit. Fehlt Ihnen der Fussball als Spieler gar nicht?

Das hat mich meine Frau kürzlich auch gefragt, als wir zusammen ein Spiel geschaut haben. Schauen Sie: Gewisse Dinge vermisse ich schon. Aber die Opfer, die man bringen muss, waren es mir nicht mehr wert. Ich hatte ein Angebot, das jedoch hat meine Kriterien nicht mehr erfüllt. Dann musst du konsequent sein. Sagen: Das war’s. Und nicht einfach die Karriere verlängern, um so lange wie möglich gespielt zu haben. Diese Konsequenz fehlt vielen, ist aber auch verbunden mit der Angst, was danach kommt. Oder was kommt eben genau nicht? Was wird mir alles fehlen?

Und, was fehlt?

Natürlich hat mir die Kabine am Anfang gefehlt. Wir hatten beim FC Basel eine tolle Gruppe, da nicht mehr dazuzugehören, das hat wehgetan. Es hat, glaube ich, auch viele meiner damaligen Mitspieler getroffen, dass ich plötzlich nicht mehr dabei war. Auf der anderen Seite kann ich sie ja einfach anrufen, wenn ich möchte. Der Kontakt ist weiterhin da.

Mit wem zum Beispiel?

Mit einigen. Mit Taulant Xhaka, Marwin Hitz, Albian Ajeti, Mirko Salvi, Dominik Schmid oder Kevin Rüegg. Tauli ist für mich das perfekte Beispiel, was der Fussball einem zwischenmenschlich geben kann: Wir sind einerseits verschieden, andererseits gibt es keinen Spieler, für den ich mich mehr verrissen hätte wie für ihn. Das gemeinsam Erlebte verbindet. Weil Menschen, die so verschieden sind, sonst kaum zusammenfinden. Im Arbeitsalltag ist es abgesehen vom Fussball schwierig. Darum tut es gut, solche Verbindungen aufrechtzuerhalten.

«Es gibt keinen Spieler, für den ich mich mehr verrissen hätte wie für ihn», sagt Michael Lang (Mitte) über seinen langjährigen Weggefährten Taulant Xhaka (rechts). –> <!–>

«Es gibt keinen Spieler, für den ich mich mehr verrissen hätte wie für ihn», sagt Michael Lang (Mitte) über seinen langjährigen Weggefährten Taulant Xhaka (rechts).

Bild: Andy Mueller / Freshfocus

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Brauchten Sie nach der Vertragsauflösung eine gewisse Zeit, um Ihre neue Situation annehmen zu können?

Das letzte Jahr beim FCB hat mir geholfen, dass ich die Aktiv-Karriere relativ schnell abhaken konnte. Denn die grosse Schwierigkeit hat man dann, wenn man als Spieler bis zum letzten Tag voll im Mittelpunkt ist, immer vor 30’000 Zuschauern aufläuft – und plötzlich am nächsten Tag nicht mehr Fussballer ist. Ich war jedoch über Monate hinweg nicht im Aufgebot. Daher habe ich früher begonnen, mich mit Fragen auseinanderzusetzen. Was kommt nach der Karriere infrage? Wohin führt mein Weg? Das hat mir sicher geholfen. Und irgendwann ist der Tag gekommen, an dem ich wusste, dass es so weit ist. Dass es vorbei ist.

Wann war das? Sie hatten ja durchaus noch auf ein spannendes Angebot gehofft.

Ich habe einfach ein Ziel vor Augen gebraucht. Auch deshalb habe ich mich privat fit gehalten. Vom ersten Anruf an, den ich vom FC Wil bekommen habe – also irgendwann Anfang September –, habe ich mich mit dieser neuen Aufgabe zu 100 Prozent identifiziert. Da habe ich gemerkt: Das war’s mit dem Fussballspielen. So etwas habe ich auch gebraucht. Sonst hätte ich mich länger mit der Frage herumgetrieben, was ich will, und länger durchgezogen, vielleicht doch noch irgendetwas angenommen. Aber auf diese Aufgabe hatte ich Lust, da wusste ich: Das ist die perfekte Lösung ohne riesigen Druck und ohne ununterbrochen im Schaufenster zu stehen.

Das heisst im Umkehrschluss aber auch, dass kein Angebot reinkam, das für Sie passte?

Es kam nicht viel. Aus Zypern oder Dubai, was mich beides gereizt hätte, kam beispielsweise nichts. Aber eine Anfrage kam, die sehr spannend war: Von Leeds United. Sie hatten konkretes Interesse, haben sich mit dem Gedanken herumgetrieben, einen erfahrenen Defensiv-Back-up-Spieler zu holen. Am Ende haben sie sich aber für Jugend statt für Erfahrung entschieden, haben Isaac Schmidt von St.Gallen geholt. Aber das hätte mich gereizt, allen Opfern zum Trotz. Diese Fussballwelt hätte ich gerne kennengelernt. So ein Verein wäre hoch spannend gewesen.

Hat es Sie erstaunt, wie wenige Angebote reinkamen?

Ich bin der Meinung, dass ich in der Super League noch hätte spielen, dem einen oder anderen Team hätte helfen können. Das habe ich in meinem letzten Einsatz für den FC Basel im Mai gegen Yverdon auch gezeigt. Körperlich war ich noch voll auf der Höhe. Aber die Fragen kommen zu Recht auf. Ein 33-Jähriger, der neun Monate nicht gespielt hat, hat der noch genügend Antrieb? Da verstehe ich alle. Wenn ich es aus meiner neuen Perspektive sehe: Hätte ich den 33-jährigen Michael Lang geholt? Wohl eher nicht (lacht). Es hat mir geholfen, dass ich mich gedanklich schon als Spieler in die Situation eines Trainers oder Klubverantwortlichen hineinversetzen konnte.

In seinem letzten Einsatz für den FC Basel am 21. Mai 2024 schrammt Michael Lang haarscharf daran vorbei, einen Treffer zu erzielen.

In seinem letzten Einsatz für den FC Basel am 21. Mai 2024 schrammt Michael Lang haarscharf daran vorbei, einen Treffer zu erzielen.

Bild: Marc Schumacher / Freshfocus

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Bei Ihrem Ende beim FCB haben Sie aber nicht alles verstanden. Sie sagten kürzlich, dass Sie der Moment der Vertragsauflösung irritiert habe.

Ja, weil es nach dem ersten Saisonspiel war. Für jeden Super-League-Klub, der mich dann geholt hätte, wäre ich nur ein Notnagel gewesen. Aber ich möchte über das Ende beim FCB gar nicht zu gross reden. Ich bin keiner, der gross nachtragend ist. Das macht keinen Sinn.

Auch, weil Sie in Ihrer neuen Funktion mit dem FCB zu tun haben werden?

Ich habe mit FCB-Sportchef Daniel Stucki bezüglich der Leihe von Marvin Akahomen telefoniert. Da handle ich im Sinn der Sache. Auch, weil bei mir nichts hängen geblieben ist. Im Gegenteil. Ich kann drüberstehen, habe mir nichts zuschulden kommen lassen und kann in den Spiegel schauen.

Nachdem er über Monate hinweg nicht im Aufgebot gewesen war, absolvierte Michael Lang die Sommer-Vorbereitung mit dem FCB. Danach wurde nach dem ersten Saisonspiel im Juli sein Vertrag aufgelöst. –> <!–>

Nachdem er über Monate hinweg nicht im Aufgebot gewesen war, absolvierte Michael Lang die Sommer-Vorbereitung mit dem FCB. Danach wurde nach dem ersten Saisonspiel im Juli sein Vertrag aufgelöst.

Bild: Marc Schumacher / Freshfocus

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Im Nachhinein wäre es vielleicht einfacher gewesen für Sie, Sie wären vor einem Jahr zu GC gewechselt, was der FCB auch gewollt hatte.

Vielleicht. Als Fussballer wäre ein anderes Ende, ein anderer Weg besser gewesen. Sportlich hätte es mehr Sinn gemacht. Dafür hätte ich jetzt nicht diese Rolle, die ich habe. Ich bin keiner, der bereut. Für mich hat alles einen Sinn. Alles kommt, wie es kommen muss. Mit dieser Einstellung gehe ich durchs Leben, beruflich und privat.

Also bereuen Sie nichts aus Ihrer Karriere? Auch nicht den Wechsel in der Bundesliga von Gladbach nach Bremen, wo Sie am Ende keine Rolle spielten?

Dieser Wechsel war mein Bundesliga-Killer. Aber ich hatte damals im ersten Jahr bei Gladbach regelmässig gespielt. Im Sommer wurde dann klar, dass ich hinter Stefan Lainer nur noch Back-up sein würde. Das wollte ich nicht. Zu diesem Zeitpunkt wollten mich fünf Bundesliga-Teams holen, und ich habe mich, was das Gesamtpaket angeht, mit Werder Bremen für den besten Verein entschieden. Sie waren in der Vorsaison Siebter geworden, hatten eine super Truppe zusammen. Anfangs habe ich auch Spiele gemacht, als aber alle fit waren, habe ich plötzlich nicht mehr gespielt.

Zwischen seinen beiden Engagements beim FCB war Michael Lang bei Borussia Mönchengladbach (21 Einsätze) und Werder Bremen (10 Einsätze) engagiert.

Zwischen seinen beiden Engagements beim FCB war Michael Lang bei Borussia Mönchengladbach (21 Einsätze) und Werder Bremen (10 Einsätze) engagiert.

Bild: Thomas Thienel / Freshfocus / Expa / Eibner

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Es war der erste Knick in Ihrer sonst lange so linear und perfekt verlaufenen Karriere.

Ja. Dann kam auch noch Corona dazu, wir gerieten in den Abstiegskampf. Da dachte der Trainer, dass ich als Leihspieler nicht genügend committet wäre. Das war’s dann für mich. Hätte ich mich damals für einen kleineren, etwas weniger attraktiven Klub entschieden, hätte ich meine Bundesliga-Karriere wohl um zwei bis drei Jahre verlängern können.

War das entsprechend die schwierigste Zeit Ihrer Karriere?

Wenn ich ein Lowlight herauspicken muss, dann wäre es sicher das, ja. Beziehungsweise einfach die Coronazeit in Bremen. Da war ich gefühlt ohne Fussball, ohne Spiele, weit weg von meiner Familie und meinen Freunden. Sportlich war das sicher die schwierigste Zeit.

Dem gegenüber steht die Zeit beim FC Basel, den Sie, trotz des Endes, das Sie sich anders gewünscht haben, weiterhin als Herzensklub bezeichnen.

Die Zeit beim FC Basel war diskussionslos die schönste Zeit. Auch jene nach meiner Rückkehr 2021, auch wenn es für den Klub, aber auch für mich persönlich nicht mehr so erfolgreich war wie in der ersten Phase. Bei mir war das dem Alter geschuldet, der fortgeschrittenen Karriere. Wenn ich aber beispielsweise an das halbe Jahr unter Heiko Vogel als Trainer zurückdenke, da gibt es so viele Momente, die ich nicht missen möchte. Es ist unschön zu Ende gegangen, ja. Aber allein aufgrund der Zeitdauer ist der FCB, wo ich sechs Jahre verbracht habe, der prägendste Verein meiner Karriere. Natürlich auch von den Erfolgen (Lang wurde zweimal Meister und einmal Cupsieger mit dem FCB, Anm. d. Red.) und vom Zuspruch der Fans her. Als ich nicht mehr spielte, kamen brutal viele Leute auf mich zu, wenn ich in der Stadt war. Das hat mich bewegt und mir die Bestätigung gegeben, dass ich nicht so viel falsch gemacht habe. Das bis zum letzten Tag mitzuerleben, ist sehr, sehr schön.

Wenn Sie Vogel ansprechen: War er der wichtigste Trainer Ihrer Karriere?

Ich bin vor allem froh, dass ich ihn kennenlernen durfte. Mit seiner kommunikativen, offenen, humorvollen Art. Und auch der Fussball, den wir mit ihm gespielt haben, war top. Aber ich hatte auch andere, wichtige und gute Trainer in meiner Karriere: Urs Fischer, mit dem wir in Basel das Double holten. Rein menschlich Marco Rose bei Gladbach. Und auch Raphael Wicky. Die Champions-League-Kampagne mit ihm beim FCB war nicht ganz so schlecht (lacht).

Ein Bild für die Ewigkeit: Michael Lang erzielt in der Gruppenphase 2017/2018 den Siegtreffer gegen Manchester United – und reisst das ganze Stadion inklusive Sportchef Marco Streller mit. –> <!–>

Ein Bild für die Ewigkeit: Michael Lang erzielt in der Gruppenphase 2017/2018 den Siegtreffer gegen Manchester United – und reisst das ganze Stadion inklusive Sportchef Marco Streller mit.

Bild: Urs Lindt / Freshfocus

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Aus dieser Zeit datiert auch Ihr Highlight-Spiel, in dem Sie gegen Manchester United den Siegtreffer zum 1:0 erzielten. War das Ihr Karriere-Höhepunkt?

Was einzelne Spiele angeht, absolut. Wenn ich aber ein Karriere-Highlight wählen müsste, dann wäre es die WM 2014 in Brasilien. Das war meine erste WM, und dann ausgerechnet in Brasilien. Das Gesamtpaket dort war unvergesslich.

Brasilien war auch der Gegner in Ihrem allerersten Nati-Spiel. Ein Freundschaftsspiel, welches die Schweiz gewinnen konnte.

Da habe ich auch den besten Gegenspieler erlebt, den ich je hatte: Neymar. Wobei, Bayern Münchens Kingsley Coman zu verteidigen, war auch nicht so angenehm.

Neymar gegen Michael Lang, hier bei der WM 2018 in Russland. Auch bei Langs Nationalmannschafts-Premiere 2013 duellierten sich die beiden.

Neymar gegen Michael Lang, hier bei der WM 2018 in Russland. Auch bei Langs Nationalmannschafts-Premiere 2013 duellierten sich die beiden.

Bild: Darko Vojinovic / AP

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31 Länderspiele, 2 WMs, 1 EM, 478 Profi-Spiele, davon 221 für den FC Basel. Ausserdem 57 Tore auf Klub-Ebene – und das als Rechtsverteidiger. Ihre Bilanz ist beachtlich. Worauf sind Sie sonst noch stolz aus Ihrer Karriere?

Sicher auch darauf, dass ich in den letzten Jahren beim FCB viele Spieler begleiten durfte, die grosse Karrieren machen konnten oder dabei sind, diese zu machen: Dan Ndoye, Zeki Amdouni, Andy Diouf oder Riccardo Calafiori beispielsweise. Wir konnten sie als Führungsspieler unterstützen und weiterbringen mit unserer Erfahrung. Das ist toll. Auch wenn man nur kurze Zeit mit ihnen gespielt hat.

Wer von Ihren Mitspielern hat Sie eigentlich am meisten beeindruckt?

Marcus Thuram war sicher sehr, sehr gut. In Basel war Matías Delgado sicher sehr prägend von der Qualität her. Auch ein Rafael bei Gladbach, der vom Spielertyp her ähnlich war, hatte unfassbare Fähigkeiten am Ball.

All diese Erfahrungen fliessen nun ein in die zweite Karriere. Wie soll der Sportchef Michael Lang sein? Wofür wollen Sie in Ihrem zweiten Berufsleben stehen?

Ich will ehrlich sein, kommunikativ, mit einer klaren Vision unterwegs, bodenständig, gut im Umgang mit jedem. Ich will, dass die Leute sagen: Bei ihm weiss ich, was ich bekomme. Und dass ich zuverlässig arbeite.

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