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Das Highlight der Liga

«Durchschnitt? Gopferteli!»: Shaqiri ist in der Super League angekommen – und wie

Xherdan Shaqiri im Trikot des FC Basel während eines Spiels gegen den FC Lugano in der Super League in Basel.
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In Kürze:

  • Xherdan Shaqiri überzeugt mit 11 Toren und 14 Assists in der Meisterschaft.
  • Nach seiner langen Auslandskarriere brilliert er nun als Führungsfigur beim FCB.
  • Er beweist seine Spitzbübigkeit weiterhin mit raffinierten Pässen.

Manchmal hat es auch sein Gutes, wenn ein Spiel so langweilig ist wie jenes zwischen dem FC Winterthur und dem FC Basel. Zwei Wochen ist das jetzt her, als auf der Schützenwiese so gut wie nichts passiert und einem alle Zeit bleibt, auf Xherdan Shaqiri zu schauen.

Dafür braucht er nicht das Spiel seines Lebens zu machen. Es reicht schon, dass er einfach da ist und der Zuschauer sich jedes Mal, wenn Shaqiri am Ball ist oder nur schon in dessen Nähe, die Frage stellt: Welchen Trick oder Pass zaubert er jetzt auf den Rasen?

So viel ist es diesmal nicht, was er unternimmt. «Durchschnittlich» nennt FCW-Trainer Uli Forte die Leistung von Shaqiri. «Durchschnitt? Gopferteli!», reagiert Shaqiri verwundert, als er in Fortes TV-Interview platzt, «ist das nur Durchschnitt gewesen?»

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Mehr ist er wirklich nicht an diesem Sonntag Ende März, mehr ist für ihn auch nicht nötig, um das Spiel mit einem Tor und einem Assist zu entscheiden. Beim Tor, dem 1:0, handelt er so schnell, dass alles in einem Guss abläuft, die Ballannahme gleich zur Vorlage wird und der Schuss aus 13, 14 Metern unhaltbar ist. Beim Assist zum 2:0, erzielt durch Bénie Traoré, spielt er den öffnenden Pass durch die Beine von Souleymane Diaby. Für einen solchen Moment hat er ein Wort gefunden: «Spitzbübigkeit».

Keine 18 war er, als er am 12. Juli 2009 in St. Gallen beim FCB die grosse Bühne betrat, keine 19, als er schon Meister, Cupsieger und WM-Teilnehmer in Südafrika war. Er war dieser Spieler, der früh zum Träumen anregte und drei Jahre nach seinem Debüt auszog, um bei Bayern München die grosse Welt zu entdecken.

Was in ihm steckt, hat er früh gewusst. Er war erst auf dem Anflug an die WM in Südafrika, als er sich als «kräftig, dennoch wendig und schnell» beschrieb. «Das macht mich einzigartig», befand er gleich selbst.

Ein Star als Liebling

Bei den Bayern war er dabei, als sie die grossen Titel eroberten. Das war er später auch beim FC Liverpool, der die Champions League und die Premier League gewann. Aber er stand nicht in der vordersten Reihe, als es um die persönlichen Statistiken ging.

Xherdan Shaqiri hält den Champions-League-Pokal auf dem Balkon des Rathauses am Marienplatz in München. Im Hintergrund jubeln Fans. Bayern München feierte 2013 als erstes deutsches Team das Triple.

In den drei Saisons bei Liverpool zum Beispiel gelangen ihm nur acht Treffer. Wer ihn damit konfrontierte oder mit den bescheidenen Einsatzzeiten, den erinnerte er an sein eindrückliches Palmarès, zu dem auch zwei Erfolge bei der Club-WM gehören. «Was ich geleistet habe, ist nicht normal», sagte er nach seiner Liverpooler Zeit in aller Unbescheidenheit.

Shaqiri hat immer ausgemacht, dass er sich auch als Star verstand, nirgends mehr als im Kreis der Nationalmannschaft, wo er bis zu seinem Rücktritt nach der EM im vergangenen Sommer zum einen der Fanliebling schlechthin war und zum anderen ein Spieler, wie es ihn im kleinen Land nie gegeben hat: Er war dieser Spieler, der mit der Genialität, die in seinem linken Fuss steckt, für den Unterschied sorgen konnte.

Sein Name steht für unvergessene Augenblicke. Denken wir nur an sein letztes Goal für die Schweiz: an der EM gegen Schottland, als er den Ball aus grosser Distanz in die hohe Ecke drehte.

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Seit dem vergangenen August ist er nicht mehr die Nummer 15 oder 17 wie in München oder Liverpool; nicht mehr in Mailand oder Lyon, wo er stecken blieb; nicht mehr in Stoke, wo am Ende der Abstieg aus der Premier League stand; nicht mehr in Chicago, wo er weit hinter den Erwartungen zurückblieb, die mit seinem jährlichen Salär von 8,135 Millionen Dollar verbunden waren. Jetzt ist er zurück an dem Ort, wo er verehrt wird, zurück in Basel, und mit ihm ist einer da, der auf seine alten Tage als Fussballer die Rolle gefunden hat, die ihn ausfüllt.

Die Captainbinde als Symbol

Mit seinen 33 Jahren trägt er die Captainbinde nicht zur Zier am muskelbepackten linken Oberarm. Sie ist als Symbol dafür zu verstehen, wie wichtig er für diesen FCB ist. Er steht nicht mehr im Schatten eines Ribéry oder eines Salah, er ist selbst der Ribéry oder der Salah, um den sich so viel dreht.

Als Granit Xhaka an der EM 2021 für den Viertelfinal gegen Spanien gesperrt war, führte Shaqiri die Schweiz auf den Platz. Und wer in St. Petersburg im Stadion sass, konnte spüren, wie sehr ihn das mit Stolz erfüllte.

Xherdan Shaqiri aus der Schweiz schiesst ein Tor gegen Spanien während des UEFA Euro 2020 Viertelfinals in Sankt Petersburg.

In Basel ist das genauso. Die Verantwortung, die allein mit seinem Namen zusammenhängt, hemmt ihn nicht, nein. Vielmehr trägt sie ihn, und weil das so ist, liebt er es, die Mannschaft auf seinen breiten Rücken zu packen und an die Spitze der Super League zu tragen. Der Strassenfussballer steckt weiter in ihm, das wird ihn ausmachen, solange er auf einem Platz steht, aber jetzt ist er ein Chef, wie es Xhaka im Nationalteam seit vielen Jahren ist.

Weil mit seinem Namen und Talent immer so viele Erwartungen und Hoffnungen verknüpft gewesen sind, wurde er im Nationalteam auch immer wieder kritisiert, wenn er sie nicht erfüllte. Das störte ihn zuweilen oder nervte ihn gar. Aber immer genau dann zeigte er, wie stark er mental ist. «Das sind seine Momente, wenn er zuerst kritisiert und dann gebraucht wird», sagte Xhaka einmal über seinen alten Weggefährten.

In Basel erfüllt Shaqiri die Erwartungen und Hoffnungen. Obschon sich alles auf ihn konzentriert, die Blicke der Zuschauer, die Defensivarbeit der Gegner, versteht er es, sich die entscheidenden Freiräume zu verschaffen. Und weil sich so viel um ihn dreht, gibt es auch immer wieder die Lücken, die seinen Teamkollegen den Weg zum erfolgreichen Abschluss öffnen.

Der Wert der vielen Tore

Um seine Wirkung zu erkennen, dient zum Ersten ein Blick auf die Statistik: 11 Tore und 14 Assists in 27 Meisterschaftsspielen. Die Skorerliste führt er mit sieben Punkten Vorsprung auf Miroslav Stevanovic von Servette an. Und was dazukommt: Die anfänglichen Defizite in seiner Fitness, die nach seiner Rückkehr aus Chicago offensichtlich waren, hat er so gut beseitigt, dass er selbst eine englische Woche problemlos durchsteht.

Zum Zweiten lohnt sich ein Blick auf die Bedeutung seiner Tore. Alle waren es zum 3:1 gegen Servette und beide zum 2:1 gegen Luzern. In Lugano war es das späte zum 2:2, bei den 2:0-Siegen jüngst in Winterthur und gegen Lugano jeweils das wegweisende erste.

Und als Basel im Oktober erstmals in Winterthur auflief und 6:1 gewann, entschied Shaqiri die Angelegenheit mit zwei Toren und drei Assists im Alleingang. Nur beim 2:0 gegen Sion war sein Goal etwas weniger wichtig, weil es das zweite war.

Auch viele Zuspiele sind wertvoll: wie beim 1:0 gegen YB, beim 1:1 in St. Gallen, beim 1:0 auswärts gegen den FC Zürich oder beim 2:1 gegen GC. Und wenn noch die beiden Tore und der eine Assist im Cup mitgerechnet werden, kommt er beim FCB auf insgesamt 28 Skorerpunkte in 30 Spielen.

Dieser Zwischenstand liest sich eindrücklicher als die Bilanzen im Ausland. Bayern: 36 Punkte in 81 Spielen; Inter: 5 in 20; Stoke: 30 in 92; Liverpool: 17 in 63; Lyon: 5 in 16; Chicago: 29 in 75.

Natürlich hat das damit zu tun, dass die Super League nicht die Bundesliga ist, die Serie A oder die Premier League, weit entfernt davon. Das ändert aber nichts daran, dass nicht nur der FCB froh sein muss, Shaqiri wiederzuhaben. Das muss die Schweizer Liga insgesamt. Von seinem Glanz fällt für alle etwas ab.

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Geht es Ihnen ähnlich?Vor 17 Monaten kämpften wir um die Barrage, und jetzt sind wir zumindest statistisch gesehen über zwei Spiele ebenbürtig mit Kopenhagen, das in den letzten Jahren regelmässig an europäischen Wettbewerben teilnahm und fast doppelt so viel Budget zur Verfügung hat wie wir. So gesehen haben wir sicherlich eine sehr gute Leistung gezeigt.Dennoch hat man ein Saisonziel verpasst. Was bedeutet das im Hinblick auf Ihre Arbeit als Sportdirektor?Wahrscheinlich wird mir nun gekündigt … (schmunzelt) Nein, im Ernst: Wenn wir die Chance haben, in die Champions League zu kommen, nehmen wir uns das natürlich zum Ziel. Es wäre vermessen gewesen, zu sagen, dass wir mit der Europa League planen. Bénie Traorés Verletzung war nicht vorhersehbar. Anton Kade hat den Wunsch geäussert, bereits vor dem zweiten Spiel nach Augsburg zu wechseln – wir wollten ihn unbedingt dabei haben. Daher hatten wir ein dünnes Kader. Dennoch bin ich zufrieden.Setzt man sich nun für die Europa League neue Ziele?Auch die Europa League ist für den FC Basel ein sehr guter Wettbewerb – zumal wir länger nicht mehr daran teilnahmen und zuletzt in der Conference League spielten. Die Teams, die sich zum jetzigen Zeitpunkt (Stand Donnerstagmorgen, Anm. d. Red.) bereits für die Europa League qualifiziert haben, sind auch nicht schwächer als Kopenhagen. Dennoch wird es möglich sein, dass wir Spiele gewinnen. Das Ziel ist es sicher, nicht mit null Punkten aus den acht Spielen zu kommen, sondern einen Schritt weiter zu gehen.Hat Xherdan Shaqiri Ihrer Ansicht nach die Leistungen gebracht, die er bringen muss?Er hat Verantwortung übernommen beim Penalty, er war meistens mit dem Fuss dabei, wenn es gefährlich wurde. Gestern war er sehr mannschaftsdienlich und hat alles gegeben. Daher bin ich mit ihm zufrieden, wie mit allen anderen, die am Mittwoch gespielt haben. Man hat aber auch gesehen, dass das Spiel auf einem sehr hohen Niveau war. Es ist unrealistisch, zu glauben, dass ein Spieler in der Champions League die Partien allein gewinnen kann.Shaqiri äusserte wiederholt den Wunsch nach mehr Erfahrung im Kader. Nach dem Hinspiel sagte er zudem, dass er an Ludovic Magnins Stelle vielleicht anders gewechselt hätte. Sind das nicht Äusserungen, die seinen Zuständigkeits­bereich überschreiten?In den Emotionen passieren Dinge, die vielleicht nicht zu hundert Prozent so gemeint sind, wie sie rüberkommen. Neutral betrachtet waren wir im Hinspiel älter als der Gegner. Klar haben wir nicht noch einen routinierten Spieler im Herzen des Teams, der alles organisieren kann. Aber wir haben sehr spannende und sehr, sehr gute Spieler, bei denen man am Mittwoch gesehen hat, dass sie auf diesem Niveau bestehen können. Fehler gibt es immer. Es haben auch erfahrene Spieler Fehler gemacht, beim Gegner und bei uns. Daher sehe ich das nicht als allzu grosse Problematik.Aber sind das nicht Äusserungen, bei denen Sie sich im ersten Moment denken, dass es sie eigentlich nicht braucht.Wir gehen alle zusammen in eine Richtung, sprechen viel zusammen, und Shaqiri wird – wie andere erfahrene Spieler auch – in gewisse Prozesse miteinbezogen. Shaq darf sich dabei auch etwas mehr erlauben als die anderen. Man muss jedoch differenzieren, was geschrieben wurde und was er wirklich gesagt hat. Grundsätzlich gilt, dass Fussballer da sind, um Fussball zu spielen. Natürlich hat man auch als Spieler gewisse Bedürfnisse, doch kennt man die Hintergründe ja nicht. Ich würde auch gerne nur Spieler haben, die fünf Millionen im Jahr verdienen. Dann werden wir sicher Meister und kommen vielleicht auch in die Champions League. Aber das ist weder die Realität noch unsere Strategie.Xherdan Shaqiri ist es nicht gelungen, den FC Basel in die Champions League zu führen.Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)Hätte man proaktiver Spieler verpflichten müssen, damit man für den nun vorhandenen personellen Engpass besser gewappnet gewesen wäre – auch wenn sie früher in der Transferphase mehr Geld gekostet hätten?Ist man dann wirklich gewappnet?Das weiss man nicht mit Sicherheit.Die Strategie des FC Basel ist fix. Wir haben viele junge Spieler, weil wir das wollen. Kopenhagen auf der anderen Seite hat für das Rückspiel ihre Jungen auf dem Flügel und im Zentrum durch erfahrene Spieler ersetzt. Damit haben sie schlicht die europäische Erfahrung, die wir nicht haben. Das gehört für uns einfach dazu – auch in der Super League. Dennoch haben wir in der letzten Saison gezeigt, dass unsere Strategie am Schluss zu einer guten Platzierung führen kann – auch wenn wir am Anfang überschaubar gespielt haben und zwischendurch eine Baisse drin war. Wir müssen unsere Strategie nicht für zwei Spiele ändern, denn der Horizont reicht ja über mehrere Jahre. Damit es für den FC Basel wieder in die Champions League reicht, muss einfach alles zusammenpassen.Die Offensive läuft noch nicht heiss, es stehen weitere Transfers bevor: Steht für den FCB nun eine weitere Findungsphase an?Das ist immer so. Gegen Ende des Transferfensters wird es für uns interessant. Bei jenen Spielern, die ihren Wunschtransfer nicht tätigen konnten, sind wir an zweiter Position bereit. Es werden sicher noch zwei, drei Wechsel passieren – das war vor einem Jahr ja ähnlich. Aber die Struktur bleibt bestehen, es wird nicht die ganze Mannschaft durchgeschüttelt. Das ist der Vorteil in dieser Saison.Weder Marin Soticek noch Junior Zé konnten bisher überzeugen. Besteht Ihrer Meinung nach auf den Flügel­positionen Handlungs­bedarf?Es ist ein Irrglaube, wenn man denkt, dass wir vier Flügel haben können, die in der Champions League Paroli bieten können. Das ist unrealistisch für den FC Basel. Wir können vielleicht zwei oder drei Top-Spieler auf Schweizer Niveau haben, die auch international mithalten können. Hinten dran wollen wir Junge. Es ist klar, dass das für Marin Soticek und Junior Zé die erste grosse Erfahrung war. Aber wegen zweier Spiele Leute zu bewerten … wir denken da anders. Wir sehen das Potenzial und wollen dieses entwickeln. Das haben wir in den letzten Jahren bei vielen Spielern so gemacht. Teilweise wurden sie von aussen schlecht bewertet und kosten mittlerweile 40 Millionen. Da gehört es auch mal dazu, dass man manchmal einen besseren Match hat und dann wieder einen schlechteren.Wo besteht denn nun konkret Handlungs­bedarf?In der Innenverteidigung gibt es aufgrund der Verletzung von Finn Van Breemen und des jungen Alters von Marvin Akahomen sicher noch Potenzial. Da sind wir nicht abgeneigt, noch etwas zu machen. Auch offensiv wird sich sicherlich noch etwas tun.Hat man mit Jeremy Agbonifo einen allfälligen Abgang von Philip Otele bereits aufgefangen?Otele spielt bei uns auf der linken Seite – Agbonifo ist aber ein rechter Flügel.Wie wahrscheinlich ist es, dass Otele den FCB verlässt?Es kann in alle Richtungen gehen. Er hat keinen Druck, wegzugehen. Wenn aber ein super Angebot aus der Premier League kommt, dann werden wir ihn sicher nicht blockieren.Sind Sie zufrieden mit dem Mittelsturm?Zufrieden wäre ich, wenn alle Stürmer schon fünfmal getroffen hätten. Aber es war letzte Saison auch so: Albian Ajeti hat gut angefangen, dann eine Baisse gehabt, und am Schluss hat er viele Tore geschossen, die wir zum Meistertitel brauchten. Wir haben mit Kaio Eduardo einen ganz jungen Spieler, und wir haben Moritz Broschinski, der frisch dazukam. Da muss man immer etwas abwarten. Ich resümiere jeweils nicht so schnell wie andere Leute und würde sagen: Vor allem für die Schweizer Liga haben wir einen sehr guten Sturm.Wenn Sie also von offensiven Verstärkungen reden, meinen Sie vor allem auf den Flügeln.Oder auch im Sturm …Der FCB verliert gegen Kopenhagen:Diesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. 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