
Albian Hajdari, der Basler beim FC Lugano: «Ich drohte, die Geduld zu verlieren»
Dieser Artikel wurde von BZ publiziert.
Albian Hajdari, der Basler beim FC Lugano: «Ich drohte, die Geduld zu verlieren»
Beim FC Basel lernte Albian Hajdari das Fussballspielen, bei Juventus sammelte er Erfahrungen und in Lugano gelang der Durchbruch. Vor dem Direktduell seiner beiden Klubs zum Rückrundenauftakt spricht der 21-jährige Innenverteidiger über seinen Weg, einen krassen Sommer und eine schwierige Entscheidung.
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Stamm-Innenverteidiger Albian Hajdari hat mit nur 21 Lenzen bereits 89 Spiele für den FC Lugano bestritten.
Albian Hajdari ist guter Dinge. Der 21-jährige Innenverteidiger hat mit dem FC Lugano als Leader überwintert, steht im Achtelfinal der Conference League und war vom 4. bis zum 11. Januar im Trainingslager in Marbella in der Sonne. Der Rückrundenauftakt ist für den in Binningen geborenen Ex-FCB-Junior ein besonderes Spiel. Es geht gegen seinen Heimatverein und es geht um die Tabellenspitze. Vier Tage vor dem Duell erreichen wir den Verteidiger mit dem höchsten Marktwert der Super League (sieben Millionen) am Telefon.
Wer wird Schweizer Meister?
Albian Hajdari: Wir gehören zusammen mit dem FC Basel sicher zu den Kandidaten. Aber es ist so eng und die Saison geht noch lange. Ich bin kein Typ, der sich da mit Prognosen aus dem Fenster lehnt.
Ihr seid Leader und direkt im Achtelfinal der Conference League: Was zeichnet den FC Lugano in dieser Saison aus?
Seit ich hier vor zweieinhalb Jahren hergekommen bin, hat der Verein eine Philosophie und einen klaren Plan. Wir wollen mit viel Ballbesitz spielen und dabei auch ein gewisses Risiko eingehen. Auch personell ist das Team ohne allzu viele Wechsel kontinuierlich gewachsen und besser geworden.
Was macht Mattia Croci-Torti besser als andere Trainer?
Er hat grossen Anteil an der guten Entwicklung. Ihn zeichnet aus, dass man jederzeit mit ihm reden kann und dass er uns im Training und im Spiel mit seinen Ansprachen ans Limit pusht.
Lugano hat in der Liga 61 Prozent Ballbesitz. Lernt da auch ein Innenverteidiger wie Sie mehr in Sachen Spielauslösung als in seinem Hauptmetier, dem Verteidigen?
Nein, wir trainieren schon auch, wie wir verteidigen wollen. Von dem her würde ich sagen, dass ich mich unter ihm defensiv wie offensiv weiterentwickelt habe. Nach zweieinhalb Jahren in Lugano habe ich schon 89 Spiele für den FC Lugano absolviert. Das zeigt, dass mir der Klub von Anfang an vertraut hat. Das darf man nicht vergessen.
Wie steht es um Ihr Italienisch?
Ganz gut. Ich verstehe fast alles, aber einen Vertrag würde ich dann doch lieber auf Deutsch verhandeln. Im Team herrscht eh ein ständiger Mix, da wir auch sehr viele deutschsprachige Spieler haben. Da passt sich auch Croci-Torti an und spricht hin und wieder Deutsch mit uns.
Die beiden Ex-Basler Albian Hajdari und Renato Steffen sprechen Deutsch: wie auch Amir Saipi, Uran Bislimi oder Anto Grgic.
Wie leben Sie in Lugano?
Alleine in einer Wohnung. Zum ersten Mal in meinem Leben. Aber meine Frau und meine Eltern sind oft zu Besuch.
Mit Verwaltungsrat Georg Heitz, CEO Martin Blaser und Carlos da Silva ziehen bei Lugano im Hintergrund drei Basler die Fäden. Wie oft wird im Cornaredo Baseldytsch gesprochen?
Ab und zu. (Lacht.) Vor allem, wenn ein Duell mit dem FCB ansteht, fallen einige Sprüche. Aber eher aus dem Team.
Im Sommer wollten Sie ins Ausland wechseln, doch interessierten Vereine Torino und Augsburg konnten sich nicht mit Lugano auf eine Ablöse einigen. Ende Oktober verlängerten Sie dann Ihren Vertrag in Lugano vorzeitig bis 2028. Warum?
Ich hatte gute Gespräche mit da Silva und den Verantwortlichen aus Chicago. Sie haben mir eine gute Lösung aufgezeigt, die für alle Seiten passt.
Lassen Sie mich raten: Sie verdienen mehr, dürften bei einem passenden Angebot aber trotz laufendem Vertrag gehen und Lugano kann aufgrund der längeren Vertragsbindung eine höhere Ablöse verdienen?
Das sagen Sie. Aber es klingt logisch. (Lacht.)
Dass Sie mit einem unterdessen auf sieben Millionen Franken angestiegenen Marktwert bis 2028 in Lugano bleiben, scheint utopisch.
Das wird sich zeigen. Aktuell bin ich sehr zufrieden hier und schaue ganz entspannt in die Zukunft. Jetzt zählt nur, die Saison mit Lugano erfolgreich zu Ende spielen, und dann sehen wir weiter.
Vergangenen Sommer verschossen Sie im Cupfinal einen Elfmeter, Sie waren auf EM-Pikett, wurden aber nicht nominiert und schliesslich kam es auch nicht zum Wechsel ins Ausland. Wie haben Sie diese Nackenschläge verkraftet?
Es war eine schwierige Zeit. Vor allem der verlorene Cupfinal und die Unklarheit über den Wechsel haben mir zugesetzt. Die EM wäre die Kirsche auf der Torte, also die tolle Saison, gewesen. Doch die Torte war auch ohne Kirsche fein.
Waren Sie böse auf Lugano, dass der Klub Ihnen den Auslandswechsel nicht ermöglichte?
Böse nicht. Aber es war nervig, dass so lange Unklarheit herrschte, wie es weitergeht. Auch wenn mein Umfeld die Verhandlungen führte, bekam ich doch einiges mit und hoffte, dass der Prozess irgendwann abgeschlossen wird. Ich drohte, die Geduld zu verlieren. Aber im Nachhinein bleibt das Positive: Dieser Sommer hat mich mental stärker gemacht.
Man konnte auch vom Interesse des FCB lesen. Was war da dran?
Das war nur ein Gerücht.
Wie ist Ihre Beziehung zum FC Basel heute?
Ich verfolge den FCB gerne und wünsche dem Klub grundsätzlich nur das Beste. Aber wenn du Meister werden willst, hoffst du natürlich auch, dass die direkten Gegner dir das Leben nicht schwerer als nötig machen. (Lacht.)
In seinem ersten Spiel in der Super League verursachte der eingewechselte Albian Hajdari 2020 in Genf einen umstrittenen Handelfmeter.
Bisher spielten Sie neunmal für und sechsmal gegen den FC Basel. An welche Spiele erinnern Sie sich da?
An das erste mit Lugano im Jahr 2022. Dort wurde ich im Cornaredo als 19-Jähriger früh eingewechselt und wir gewannen 1:0 gegen den FCB. Aber auch das 2:0 im April vor einem Jahr, als mit mir und Renato Steffen zwei Ex-Basler die Tore schossen, oder der Cupviertelfinal, den wir in Basel nach Elfmeterschiessen gewinnen konnten, sind natürlich erinnerungswürdig.
Was schreiben Sie Ihrem Freund Leon Avdullahu vor dem Spiel am Sonntag?
Mit ihm bin ich ständig in Kontakt. Wir haben damals ja sogar zusammen die KV-Lehre bei Novartis abgeschlossen.
Luganos Albian Hajdari und Basels Leon Avdullahu sind privat sehr gute Freunde.
Nachdem der FCB Sie 2020 an Juventus Turin verkaufte, lieh er Sie zweimal wieder aus. Wie war das für Sie als Teenager-Pendler zwischen Turin und Basel?
Es war sicherlich keine einfache Situation. Weder beim FCB noch bei Juve schaffte ich den Durchbruch und dennoch blicke ich positiv auf die Zeit in Italien zurück. Die Erfahrungen sind viel wert. Die Vorbereitung absolvierte ich stets mit der ersten Mannschaft. Da war Cristiano Ronaldo mein Gegenspieler und Leonardo Bonucci, Giorgio Chiellini und Matthijs de Ligt meine Konkurrenz in der Innenverteidigung. Diese Trainingsduelle will ich nicht missen, zumal ich leistungstechnisch nicht hoffnungslos weit weg war.
Was haben Ihnen die italienischen Verteidigungsmeister mit auf den Weg gegeben?
Ich war überrascht, wie bodenständig sie sind und dass sie überhaupt mit mir gesprochen haben. Sie prägten mir ein: Dein Job ist es zu verteidigen und um jeden Preis alles abzuräumen. Alles, was offensiv noch dazukommt, ist Bonus. Alte italienische Schule. Sie sagten mir: Du musst wie bei einem Tor jubeln, wenn du ein Tor verhindert hast.
Trotz EM-Pikett und Aufgebot im November 2024 haben Sie sich noch nicht für die Nati festgespielt. Wie fest weibelt der Kosovo im Hintergrund?
Sie weibeln. Aber ich sehe das gelassen. Im November litt ich noch unter Rückenproblemen, deswegen kam ich leider noch nicht für die Schweiz zum Einsatz. Aber auch der Kosovo ist eine Option. Ich rechne mir, wenn ich weiter Gas gebe, in beiden Mannschaften realistische Chancen auf regelmässige Einsätze.
Im November durfte Albian Hajdari gegen Spanien und Serbien Nati-Luft schnuppern. Zum Einsatz kam er aber noch nicht.
In diesem Jahr werden Sie sich entscheiden müssen.
Ich mache mir da keinen Stress und werde zur gegebenen Zeit kommunizieren.