Sechs Tore im Wankdorf, ein früher 0:2-Rückstand, zweimal zurückgekommen und am Ende ein Punkt, der sich trotz allem ein wenig wie ein Sieg anfühlt. Das 3:3 bei YB war für unseren FCB kein perfekter Abend, aber einer mit Charakter. Basel musste in Bern früh leiden, fand nach einem schlechten Start aber immer wieder zurück ins Spiel und belohnte sich mit einem verdienten Ausgleich.

Vor dem Spiel wäre ein Punkt beim Tabellenführer und im Wankdorf kein schlechtes Resultat gewesen. Nach diesem Verlauf darf man sogar sagen: Der FCB hat gezeigt, dass er mit YB mithalten kann. Nicht über 90 Minuten, nicht ohne defensive Fehler – aber mit genügend Mentalität und Qualität, um sich aus einem schwierigen Spiel zurückzukämpfen.

Wieder viel zu früh im Rückstand

Der Beginn war aus Basler Sicht allerdings ein Warnsignal. YB war sofort wach, presste hoch und setzte unseren Aufbau früh unter Druck. Bereits in der 7. Minute fiel das 1:0 durch Joël Monteiro. Nach einer ungenügenden Klärung im Basler Strafraum blieb der Ball liegen, und Monteiro nutzte diese Einladung eiskalt.

Noch bitterer wurde es wenig später. Beim 2:0 durfte Blum auf der rechten Seite zu ungestört flanken, und Essende kam im Zentrum viel zu frei zum Kopfball. In dieser Szene fehlte es gleich mehrfach an Konsequenz: auf dem Flügel beim Verhindern der Hereingabe und im Zentrum bei der Zuordnung zum Stürmer.

Nach nicht einmal einer Viertelstunde lag Basel mit zwei Toren zurück. Und als Fan denkt man in diesem Moment natürlich sofort an die Spiele, in denen die Mannschaft nach einem Rückschlag zu lange braucht, um wieder in ihre Struktur zu finden. YB war aggressiv, das Wankdorf laut, und unser FCB wirkte zunächst zu fehleranfällig und zu wenig stabil.

Die Reaktion war richtig stark

Was danach passierte, spricht aber klar für die Mannschaft. Basel liess sich nicht auseinanderziehen, wurde ruhiger am Ball und suchte zunehmend die direkten Wege nach vorne. Der Anschlusstreffer in der 32. Minute kam genau zur richtigen Zeit.

Akpe Victory spielte Olaigbe frei, der die Umschaltsituation konsequent ausnutzte und zum 2:1 traf. Es war ein wichtiges Tor, weil es nicht aus Zufall entstand: Basel erkannte den offenen Raum, spielte schnell nach vorne und setzte die Situation mit Tempo zu Ende. Genau solche Aktionen braucht diese Mannschaft, wenn sie gegen ein offensiv starkes YB bestehen will.

Nur wenige Minuten später folgte der Ausgleich. Metinho leitete einen sehenswerten Angriff ein, Sow kam zum Abschluss und traf zum 2:2. Innerhalb kurzer Zeit hatte unser FCB aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht – und plötzlich war das Spiel wieder völlig offen.

Das war die stärkste Phase von Basel. Nicht, weil alles perfekt lief, sondern weil die Mannschaft nach dem Rückstand sichtbar mutiger wurde. Die Abläufe nach vorne waren klarer, die Spieler bewegten sich besser zwischen den Linien, und YB bekam erstmals das Gefühl, dass dieses Spiel nicht einfach nach Plan laufen würde.

Der unnötige Rückschlag vor der Pause

Umso ärgerlicher war das 3:2 für YB kurz vor dem Pausenpfiff. Alvyn Sanches kombinierte sich mit Monteiro durch die Basler Defensive und traf in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Wieder war es eine Szene, in der Basel im Zentrum zu leicht zu überspielen war und den Gegner nicht früh genug stoppen konnte.

Solche Gegentore sind besonders bitter, weil sie den Aufwand davor fast wieder entwerten. Nach dem starken Comeback wäre ein 2:2 zur Pause ein guter Zwischenstand gewesen. Stattdessen ging Basel erneut mit einem Rückstand in die Kabine und musste in der zweiten Halbzeit noch einmal reagieren.

Das zeigt auch die zwei Seiten dieses Spiels: Offensiv hatte Basel immer wieder Antworten, defensiv machte man es YB aber zu einfach. Drei Gegentore im Wankdorf können passieren. Die Art, wie zwei davon entstanden sind, muss aber genauer angeschaut werden.

Akpe Victory mit dem grossen Moment

Die zweite Halbzeit war dann weniger wild als die erste, aber weiterhin intensiv. YB hatte mehr Abschlüsse und Phasen, in denen Basel tief verteidigen musste. Unser FCB blieb jedoch im Spiel, verteidigte mit zunehmender Dauer entschlossener und wartete auf die nächste Möglichkeit.

Diese kam in der 71. Minute. Flavius Daniliuc legte auf Akpe Victory zurück, und der Innenverteidiger fasste sich aus rund 25 Metern ein Herz. Sein Flachschuss ging unten links ins Tor – 3:3.

Ein Tor, das man als Fan gerne ein paar Mal anschaut. Nicht nur, weil es spektakulär war, sondern weil es für Akpe Victory ein besonderer Moment sein dürfte. Er war zuvor bereits mit dem Assist für Olaigbes Anschlusstreffer beteiligt und setzte mit seinem ersten Tor für den FCB den entscheidenden Punkt hinter eine auffällige Leistung.

Dass ausgerechnet ein Innenverteidiger im Wankdorf den Ausgleich erzielt, passt irgendwie zu diesem Spiel: Basel musste an diesem Abend als Team zurückkommen. Nicht einer allein trug die Mannschaft, sondern verschiedene Spieler übernahmen in unterschiedlichen Momenten Verantwortung.

Was mitgenommen werden kann

Der Punkt in Bern ist wertvoll, weil er zeigt, dass Basel nach Rückschlägen nicht zerfällt. Zweimal lag die Mannschaft zurück, zweimal kam sie zurück. Gerade gegen YB, das zuvor offensiv sehr stark unterwegs war, ist das keine Selbstverständlichkeit.

Positiv bleibt:

  • Olaigbe traf erneut und zeigte mit seinem Tempo, wie wertvoll er in Umschaltsituationen sein kann.
  • Sow bestätigte seine starke Form und war wieder in einem entscheidenden Moment zur Stelle.
  • Metinho setzte beim 2:2 einen wichtigen Impuls und brachte Struktur in eine starke Basler Kombination.
  • Akpe Victory war mit Assist und Ausgleichstor einer der prägenden Basler Spieler.
  • Die Mannschaft bewies, dass sie auch nach einem schlechten Start an sich glauben und in ein Spiel zurückfinden kann.

Wo die Kritik bleibt

Trotz dem Punktgewinn darf man die ersten Minuten und die Gegentore nicht einfach vergessen. Basel geriet zu früh unter Druck, war bei den ersten beiden Treffern nicht konsequent genug und schenkte YB damit eine Ausgangslage, die es in einem Spitzenspiel kaum braucht.

Auch die Statistik zeigt, dass YB insgesamt mehr vom Spiel hatte: 21 Abschlüsse und neun Schüsse aufs Tor gegenüber zwölf Abschlüssen und vier aufs Tor beim FCB. Das bedeutet nicht, dass Basel den Punkt gestohlen hat. Aber es zeigt, dass die Mannschaft defensiv lange gefordert war und sich nicht darauf verlassen kann, jedes Mal so effizient zurückzukommen.

Die nächste Aufgabe lautet deshalb: Die offensive Energie und die Fähigkeit zur Reaktion behalten, aber von Beginn an stabiler auftreten. Gegen starke Gegner darf man nicht immer erst nach einem Rückstand richtig in ein Spiel finden.

Was dieser Abend bedeutet

Das 3:3 im Wankdorf ist ein Zeichen, dass unser FCB in dieser Saison mehr Substanz haben könnte, als nach dem Lausanne-Spiel befürchtet wurde. Die Mannschaft kann Tore schiessen, sie hat Tempo, sie hat Spieler mit Mut – und sie hat gezeigt, dass sie in einem grossen Auswärtsspiel nicht untergeht.

Gleichzeitig bleibt die Erkenntnis, dass der FCB noch nicht die Ruhe und defensive Reife hat, um solche Spiele früh zu kontrollieren. Aber wenn ein Team nach einem 0:2 in Bern zurückkommt, zweimal trifft und am Ende einen Punkt holt, dann darf man auch einmal zufrieden sein. Nicht, weil alles gut war. Sondern weil unser FCB in einem schwierigen Spiel etwas gezeigt hat, das mindestens genauso wichtig ist wie ein sauberer taktischer Auftritt: Er hat sich gewehrt.

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