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Millionenplus für den FCB

Die Transferstrategie des FC Basel erweist sich abermals als Erfolgsmodell

26.08.2025; Kopenhagen; Fussball UEFA Champions League Qualifikation Playoff; F.C. Kopenhagen - FC Basel; Praesident David Degen (Basel) beim Training (Daniela Frutiger/freshfocus)
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In Kürze:

  • Der FC Basel verzeichnet im Sommer-Transferfenster einen Millionengewinn.
  • Leon Avdullahu brachte dem FCB mit 8 Millionen die höchste Einzelablöse.
  • Die Basler profitierten zusätzlich von Weitertransfers ehemaliger Spieler.
  • Der FCB setzt weiterhin auf die Verpflichtung junger Spieler.

Das Sommer-Transferfenster in der Schweiz ist seit Montag zu, und der FC Basel schliesst dieses zum dritten Mal in Folge mit einem Millionengewinn ab. Das unter David Degen intensivierte Geschäftsmodell, das durch Spielerverkäufe Einnahmen generieren soll, läuft beim FCB weiterhin wie geschmiert.

In diesem Sommer dürfte Rotblau aufgrund der Ablösesummen aus Direkttransfers einen Gewinn von rund 7 bis 8 Millionen Euro verbucht haben. Das ist zwar deutlich weniger als in den Jahren 2024 (27 Millionen) und 2023 (19 Millionen), dennoch haben die FCB-Verantwortlichen rund um Sportdirektor Daniel Stucki und Präsident David Degen in dieser Hinsicht erneut gute Arbeit geleistet. Insgesamt hat der FC Basel damit seit der Amtsübernahme von Degen im Frühling 2021 nun bereits einen Transfergewinn von über 70 Millionen Euro geschrieben.

Die Basler haben in diesem Sommer für Neuzugänge zwischen 15 und 16 Millionen Euro ausgegeben und liegen damit über dem Wert aus dem Vorjahr (rund 10 Millionen). Die genauen Zahlen sind nicht verfügbar, weil bei gewissen Transfers die Modalitäten nicht bekannt sind. Etwa bei Metinho, der Mitte Juli fix zum FCB wechselte. Medienberichte liessen jedoch verlauten, dass die City Group, der sein Ex-Club Troyes angehört, für den 22-Jährigen rund 5 Millionen Euro gefordert haben soll, der FCB diesen Betrag aber als zu hoch ansah. Deswegen lässt sich nur schätzen, welche Summe letztlich für den Mittelfeldspieler bezahlt wurde.

Weitere 11,5 Millionen gab der FCB für die Verpflichtungen von Philip Otele (3 Mio., von Al-Wahda), Andrej Bacanin (2,3 Mio., Cukaricki), Ibrahim Salah (2 Mio., Stade Rennes), Keigo Tsunemoto (1,9 Mio., Servette), Moritz Broschinski (1,8 Mio., VfL Bochum) und Flavius Daniliuc (0,5 Mio., Salernitana) aus. Somit bewegen sich die Gesamtausgaben für neue Spieler mit einer Steigerung von 5 bis 6 Millionen gegenüber dem Vorjahr auf einem etwas höheren Niveau als im Sommer 2024.

Einnahmen überschreiten die 20-Millionen-Marke

Auf der Einnahmenseite stehen etwas mehr als 23 Millionen Euro. Der lukrativste Transfer ist hierbei der Abgang von Leon Avdullahu: Aus der eigenen Nachwuchsabteilung stammend, ist er in der Meistersaison zu einem Schlüsselspieler aufgestiegen und hat sich nun dem deutschen Bundesligisten Hoffenheim angeschlossen. Der FC Basel ist dabei mit einer Ablösesumme von rund 8 Millionen Euro entschädigt worden, wobei der Betrag durch Boni noch bis auf 10 Millionen anwachsen könnte. Hinzu kommt, dass die Basler bei einem allfälligen Weitertransfer zu 15 Prozent am von Hoffenheim erzielten Gewinn partizipieren. 

Mit den Verkäufen von Kevin Carlos (6 Mio., zu OGC Nizza), Roméo Beney (2,5 Mio., Famalicao), Anton Kade (2,25 Mio., Augsburg), Axel Kayombo (2 Mio., Sturm Graz), Jonathan Dubasin (1,5 Mio., Gijón) und Maurice Malone (1,2 Mio., Austria Wien) generierte der FCB weitere 15 Millionen Euro. Auch hier darf davon ausgegangen werden, dass sich der FCB jeweils eine Beteiligung an einem zukünftigen Weiterverkauf gesichert hat.

Hinzu kommen die Abgänge von Arnau Comas zu Deportivo La Coruña und Bradley Fink zu den Wycombe Wanderers. Bei diesen beiden Transfers ist über die Ablösemodalitäten allerdings nichts bekannt.

Einsame Spitze bezüglich der Transfereinnahmen ist der FCB im Ligavergleich nicht. Die Young Boys liegen mit 22,5 Millionen nur ganz knapp hinter den Baslern. Auch beim Transfergewinn bewegen sich die Berner in einem ähnlichen Rahmen wie der Meister. Das Gefälle zu den anderen Vereinen ist hingegen gross: Hinter dem FCB und YB liegt an dritter Stelle der FC St. Gallen, der hauptsächlich dem Transfer von Willem Geubbels nach Frankreich in diesem Sommer rund 9 Millionen eingenommen hat. 

In einer eigenen nationalen Liga spielt der FCB jedoch, wenn es darum geht, welche Weiterentwicklung die von ihm zu einem zahlkräftigeren Club transferierten Spieler machen – und wie er davon profitiert. Wie schon ein Jahr zuvor, so dürfte der FCB auch in diesem Sommer dank Beteiligungen an Weitertransfers seiner Ex-Spieler eine zusätzliche Summe im zweistelligen Millionenbereich eingenommen haben. 

Der FC Basel ist an über 150 Millionen Euro beteiligt

Der lukrativste Deal ist hierbei der Transfer von Dan Ndoye vom FC Bologna für 45 Millionen Euro in die Premier League zu Nottingham Forest. Der 24-jährige Flügelspieler war vor zwei Jahren für 9 Millionen vom FCB nach Italien gewechselt, die Basler sicherten sich 20 Prozent am zukünftigen Gewinn Bolognas mit dem Spieler. So flossen alleine dank diesem Transfer im Sommer zusätzlich über 7 Millionen in die FCB-Kasse. 

Weiter wechselten Thierno Barry für 30 Millionen von Villarreal zu Everton, Renato Veiga für 24,5 Millionen von Chelsea zu Villarreal, Andy Diouf für 20 Millionen von Lens zu Inter Mailand und Edon Zhegrova für 15,5 Millionen von Lille zu Juventus Turin. Es sind beachtliche Summen, für welche ehemalige FCB-Spieler transferiert werden. Allerdings ist bei diesen Transfers nicht bekannt, auf welchen Prozentsatz sich die Beteiligung des FC Basel beläuft und ob man – wie meistens – am Gewinn oder in einzelnen Fällen gar an der gesamten Ablöse des Weiterverkaufs beteiligt ist.

Dan Ndoye von Nottingham Forest führt den Ball während des Premier-League-Spiels gegen West Ham United im City Ground.

Anders sieht es bei einem Wechsel aus, der bereits im vergangenen Winter über die Bühne ging: Nasser Djiga wechselte im Januar von Roter Stern Belgrad für 12 Millionen Euro zu den Wolverhampton Wanderers, dank Beteiligung erhielt der FCB rund 1,35 Millionen Euro.

Klar ist aber: Insgesamt war der FC Basel in diesem Jahr an Transferbewegungen von Ex-Spielern im Umfang von über 150 Millionen Euro beteiligt. Es ist dies die Folge der Profile, die man einst für vielversprechend erachtet und verpflichtet hat – und bei denen man schliesslich richtig gelegen ist. So wie bei Riccardo Calafioris Weitertransfer von Bologna zu Arsenal im Sommer 2024, wobei der Streitfall mit der AS Roma inzwischen so entschieden ist, dass der FCB nebst den verbuchten 12 Millionen Euro nochmals die eine oder andere zusätzliche Million behalten kann.

Neuzugänge im Schnitt knapp 23 Jahre alt

Nach den ersten drei Transfersommer unter David Degen, in denen das Durchschnittsalter der Neuzugänge stets zwischen 21 und 22 Jahren lag, setzt der FC Basel immer noch vermehrt auf die Verpflichtung junger Spieler. Was auch logisch erscheint, ist schliesslich mit einem 21-Jährigen, der am Anfang seiner Entwicklung ist, noch eine grosse Steigerung des Transferwerts möglich. Mit der Verpflichtung eines 30-Jährigen wird man hingegen in Zukunft kaum einen Profit generieren.

Dennoch gab es diesbezüglich eine kleine Veränderung in den letzten Jahren. 2024 stieg das Durchschnittsalter der Neuverpflichtungen nämlich auf 23,3 Jahre. Ein Jahr später bewegt man sich mit 22,9 Jahren in einem ähnlichen Bereich. 

Ein bewährtes Mittel sind zudem Leihen mit Kaufoption. Damit kann sich der FCB die Möglichkeit offenhalten, Leihspieler bei guter Leistung ein Jahr später definitiv zu verpflichten. So war es bei Philip Otele der Fall, den man im Winter von Al-Wahda aus den Vereinigten Arabischen Emiraten auslieh und im Sommer fix übernahm. Metinho stellt hierbei eine Ausnahme dar: Für den 22-Jährigen Mittelfeldspieler konnte der FC Basel keine Kaufoption aushandeln, nach intensiven Verhandlungen mit der City Group war eine definitive Übernahme am Ende aber trotzdem möglich.

Philip Otele von FC Basel in Aktion im Spiel gegen FC Kopenhagen, UEFA Champions League Play-off, im St. Jakob-Park Stadion, Basel, 20. August 2025.

Die beiden anderen Leihspieler der letzten Saison, Joe Mendes und Romario Baro, wurden hingegen nicht fix verpflichtet. Auch bei ihnen hätte der FCB eine Kaufoption besessen, machte von dieser aber keinen Gebrauch. Der schwedische Rechtsverteidiger und der portugiesische Mittelfeldspieler konnten vergangene Saison den Verantwortlichen beim FCB nicht genügend Argumente liefern, um sie von einer definitiven Übernahme zu überzeugen. Mendes spielt mittlerweile bei Samsunspor in der türkischen Liga, Baro wechselte nach Polen zu Radomiak Radom.

Mit Koba Koindredi und Jeremy Agbonifo hat der FC Basel auch in der aktuellen Spielzeit zwei Leihspieler im Kader. Bei beiden besitzen die Basler die Option auf eine definitive Übernahme Ende Saison. Ob sich die Transferstrategie des FCB nicht nur finanziell, sondern auch sportlich auszahlt und erneut in nationalem und vielleicht auch internationalem Erfolg mündet, wird dann ersichtlich sein.

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An mir ist es, immer weiterzuarbeiten, im Training Vollgas zu geben und bereit zu sein, wenn es mich braucht. Jetzt kann ich nur sagen: Ich bin bereit – und hoffe, abermals zu spielen.Hoffen Sie es noch ein bisschen mehr als ohnehin schon? Genf ist Ihre Stadt, Servette Ihr Club, von dem aus Sie im Januar nach Basel und damit weg aus der Heimat zogen …Auf der einen Seite ist es einfach ein weiteres Ligaspiel, in dem es um drei Punkte geht, und ich bereite mich so vor wie immer. Auf der anderen Seite muss ich ehrlich sein: Natürlich ist ein Spiel gegen Servette für mich etwas Spezielles. Da stehen meine früheren Mitspieler auf dem Platz, da geht es gegen einen Club, der in meinem Leben einen besonderen Platz hat. Ich weiss, dass sich das anders anfühlt als sonst.Dieses Gefühl haben Sie zuletzt am 11. August erlebt, allerdings nur von der Ersatzbank aus – und gesehen, wie der FCB in Genf 6:0 gewinnt …Ja, der Drang, da zu spielen, war damals noch grösser als sonst. Aber: Wenn die Mannschaft 6:0 gewinnt, hat der Trainer alles richtig gemacht. Das war eine ziemliche Demonstration, die unsere Mannschaft gezeigt hat. In den vergangenen Jahren war es für alle Gegner in der Super League schwierig, in Genf zu gewinnen. Und dann das! Seit ich im Februar 2019 aus dem Servette-Nachwuchs zu den Profis aufstieg, kann ich mich nur an die Young Boys erinnern, die im Stade de Genève so hoch gewannen.Wie war das damals für Sie – hatten Sie auch Mitleid mit Ihrem Heimatclub?Nein, das gewiss nicht. Ich meine: Es war sicher eine deftige Niederlage. Und doch war es nur ein Spiel, ging es nicht um mehr oder weniger als die drei Punkte … Aber als ich mich danach mit einigen meiner früheren Teamkollegen unterhielt, war das schon nicht so unterhaltsam wie auch schon, sondern waren die Servette-Spieler verständlicherweise ziemlich wortkarg.Die Partie in Genf bildete für Sie den Auftakt zu einer Serie von vier Ligapartien ohne Einsatz. Das war zuvor noch nie der Fall, seit Sie zum FCB gewechselt waren. Und dazwischen kam ein Einsatz im Cup bei Stade Nyonnais, bei dem Sie einige Mühe bekundeten. Was lief in dieser Phase falsch?Da gab es verschiedene Aspekte. Die Konkurrenz in der Abwehr war in dieser Phase grösser. Zudem bekundete ich etwas Mühe mit meinem Knöchel, musste mich durchbeissen. Und ja, das Spiel bei Stade Nyonnais … Wir steckten da alle als Mannschaft nach den Transfers im August in einer Findungsphase. Ich selbst hatte gewiss keinen guten Tag. Aber das passiert, das muss man wegstecken.Wie?Dranbleiben, arbeiten. Mental stark sein, positiv bleiben und an sich und seine Chance glauben. Ich habe einfach weitergearbeitet. Und ich finde, ich bin ein positiver Mensch und mental stark. Ich war überzeugt, dass meine Chance wieder kommt.Die Chance kam …… und zwar schon bei der 0:1-Niederlage in Luzern. Das war auch ein schwieriges Spiel für mich, weil ich zuvor kaum zum Einsatz gekommen war. Der Druck, der mit der persönlichen Situation einhergeht, macht es in den wenigsten Fällen einfacher … Aber da musste ich durch, alles reinwerfen, Sicherheit zurückerlangen. Nachdem ich beim 1:0 gegen YB wieder draussen geblieben war, kamen das Spiel gegen St. Gallen und die Einwechslung für Adjetey. Und da merkte ich die Bestätigung dessen, was ich schon früher im Training gespürt hatte: Die Formkurve geht wieder nach oben.Das schien Sie zuletzt konstant zu tun. Sahen wir den besten Nicolas Vouilloz?Ich bin jung und erwarte schon noch von mir, dass ich mich in allen Belangen verbessern kann. Und wenn Sie das mit Blick zurück meinen: Ich denke, in der vorletzten Saison, als ich bei Servette regelmässig spielte, waren wohl noch bessere Leistungen dabei.Also grenzen wir die Frage ein: War es der bisher beste Vouilloz im Trikot des FC Basel?Ja, da stimme ich zu.Warum?Viele Spiele zu spielen, hilft enorm, weil es dir Rhythmus gibt. Ich habe zwar auch schon im Frühjahr regelmässig gespielt, doch da war ich rechter Aussenverteidiger. Das ist völlig in Ordnung, wenn ich dort gebraucht werde. Aber meine Lieblingsposition ist jene des Innenverteidigers. Und in den letzten Spielen konnte ich zeigen, warum.Warum spielen Sie lieber Innen- denn Aussenverteidiger?Weil ich das ganz einfach besser kann. Diese Position entspricht viel mehr meinen Fähigkeiten. Oder anders gesagt: Auf der Aussenverteidiger-Position sind andere Fähigkeiten nötig, die nicht unbedingt zu meinen Stärken zählen.Die da wären?Ich bin weniger schnell, ich bin weniger explosiv, und ich kann auch nicht ständig diese intensiven, langen Läufe machen, die auf dieser Position verlangt werden. Meine Stärken sind andere, die im Abwehrzentrum besser zur Geltung kommen.Sie sind nun seit Januar hier. Lief es für Sie bisher wie erwartet?Nein. Denn ich ging davon aus, dass ich mehr Anlaufzeit benötigen würde. 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Aber ich verstand nicht, warum ich relativ plötzlich nicht mehr spielte. Das war für mich nicht nachvollziehbar. Das verstärkte den Gedanken, dass eine Luftveränderung meiner Entwicklung als Fussballer und Mensch nach so langer Zeit in Genf und bei Servette womöglich förderlich sein könnte. Und bislang bin ich sehr glücklich über diesen Schritt: Beim FCB gab es zwar auch Phasen, in denen ich nicht spielte – aber ich konnte sie stets nachvollziehen.Trotzdem verlängerten Sie bei Servette noch im November Ihren Vertrag – und waren schon im Januar in Basel. Das wirkt seltsam …Von aussen betrachtet wirkt das wohl tatsächlich seltsam.Was steckte denn dahinter?Die Situation war die, dass mein Vertrag ausgelaufen wäre. Eine Verlängerung stand schon seit einiger Zeit im Raum, verzögerte sich aber dann, weil innerhalb des Clubs andere Fragen zuerst zu klären waren. Als ich dann nicht mehr dieselbe Rolle spielte, galt es, für beide Seiten eine sinnvolle Lösung zu finden. Auch ich wollte nicht, dass mein Club gar nichts von einem allfälligen Wechsel hat. Also verlängerten wir meinen Vertrag, bauten aber eine faire Ausstiegsklausel ein. So konnte ich gehen, und Servette hat trotzdem eine Entschädigung erhalten.Der Wechsel zum FCB war da also schon absehbar. Es heisst, es habe schon im Sommer Kontakt gegeben …Nein, davon weiss ich nichts. Da war bis dahin kein Angebot, kein Gespräch. Ob ich da schon auf einer Liste stand? Vielleicht …Aber Sie werden von SBE beraten, der Agentur von David Degens Zwillingsbruder Philipp. Da dürfte der FCB über die Vorgänge im Bild gewesen sein …Das weiss ich nicht. Der FCB kam erst nach meiner Verlängerung auf mich zu. Ich glaube, in erster Linie ganz einfach deshalb, weil man mein Profil interessant und für passend befand.Sie verliessen Genf zum ersten Mal. Wie schwierig war das?Das ist ein grosser Schritt. Umso mehr, als ich zuvor noch bei meinen Eltern gewohnt hatte. Jetzt wohne ich allein, habe niemanden aus meinem vertrauten Umfeld bei mir.Hinzu kommt der Wechsel in die Deutschschweiz. Sie sagten, sprachlich sei es einfacher als gedacht. Und von der Mentalität her, kommen Sie sich da manchmal vor wie ein Ausserirdischer?Also wie ein Ausserirdischer bin ich mir noch nie vorgekommen. (lacht) Aber ja, der Unterschied erschien mir zu Beginn gross. Mentalität und Gewohnheiten sind hier anders. Es ist eine andere Kultur. Und ganz so, wie es das Klischee besagt, wird mehr Wert auf Disziplin gelegt. Aber ich habe auch gemerkt: Diese Haltung passt ganz gut zu meiner eigenen Einstellung. Es gefällt mir.Wir führen dieses Gespräch in Französisch. Ist Deutsch kein Thema für Sie?Doch, doch. Ich hatte ja Deutsch in der Schule. Aber ich finde es eine sehr schwierige Sprache. Und als ich in der Schule die Wahl zwischen Deutsch und Italienisch hatte, wählte ich Italienisch. In Basel schliesslich wollte ich mich zunächst komplett auf den Fussball konzentrieren. 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