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Vor dem Cupfinal

«Biel braucht für Europa nur eines: Den Cupsieg gegen den FC Basel»

Malko Sartoretti von FC Biel-Bienne jubelt nach einem Tor gegen BSC Young Boys im Schweizer Cup, 26. April 2025.
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Kevin Schläpfer, was verbindet die Basler mit den Bielern?

Kevin Schlaepfer, Sportchef des EHC Basel, steht in einer Halle während des Eishockeyspiels gegen HC La Chaux-de-Fonds in Basel.

«Ich glaube, da gibt es einige Gemeinsamkeiten. Für mich ist ja Basel die meistunterschätzte Stadt der Schweiz – und Biel steht in dieser Liste auch ganz weit oben.

Was hinzukommt: Sowohl die Basler als auch die Bieler sind von ihrer geografisch-kulturellen Lage geprägt: Führt in Basel die Lage im Dreiländer-Eck dazu, dass die Menschen sehr offene Charaktere sind, so ist es in Biel jene am Röstigraben: Biel ist bilingue und vereint so die Deutschschweizer Tugenden wie Pünktlichkeit und harte Arbeit mit einer angenehmen Lockerheit, wie ich sie eher den Romands zuspreche.

Schliesslich ist es so, dass ich in meiner Zeit in Biel feststellen durfte, dass die Fasnacht dort einen ziemlich hohen Stellenwert besitzt und entsprechend zelebriert wird. Das ist natürlich nicht ganz so wie in Basel – aber doch auch etwas, das diese beiden Regionen für mich eher verbindet als trennt.»

Davide Callà, Hand aufs Herz: Wie viele Stunden haben Sie den FC Biel studiert?

Davide Calla, Assistenz-Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, beim Interview am 18. März 2025 in Almanci.

«Natürlich bin ich überzeugt, dass der Schweizer Meister FCB den Promotion-League-Vertreter Biel im Cupfinal bezwingen wird. Wegen des Niveau-Unterschieds, aber eben gerade auch, weil wir uns seriös auf den FC Biel vorbereitet haben.

Ich kann Ihnen versichern: Das waren sehr viele Stunden – im Stadion und am Bildschirm. Ich habe mehrere Partien der Bieler vor Ort gesehen. Vor allem aber habe ich die Partien im Cup gegen Lugano mit einem Auge und jene gegen YB mit beiden Augen und hoher Konzentration live am TV verfolgt.

Hinzu kommt das Video-Studium. Ich würde behaupten, dass ich da mehr Stunden investiert habe, als wenn es gegen einen Gegner aus der Super League geht. Da weiss man eben meistens, was einen erwartet. Bei Biel ist das anders. Und das Gute ist: Man weiss auch, auf welche Spiele man sich konzentrieren muss: Die Bieler Triumphe gegen Lugano und YB. Ihre damalige Spielanlage ist nicht mit jener zu vergleichen, die sie in Promotion-League-Partien zeigen – und es ist dieselbe, von der sie hoffen, dass sie auch gegen uns zum Erfolg führen wird.

Wir werden wissen, was sie unter diesen Voraussetzungen können und worauf wir aufpassen müssen.»

Oliver Zesiger, was braucht der FC Biel, um in der nächsten Saison im Europacup zu spielen?

Oliver Zesiger, Sportkoordinator des FC Biel, hält am 13.11.2024 im Stadion in Biel einen Laptop in der Hand. Foto: Raphael Moser / Tamedia AG

«Biel braucht für Europa nur eines: den Cupsieg gegen den FC Basel. Klingt simpel, oder? Nun: Wir werden alles geben, damit etwas zustande kommt, das äusserst schwierig zu erreichen ist.

Sollte es tatsächlich klappen, werden wir aber auch ein anderes Stadion brauchen. Dies deshalb, weil wir bei uns im Sommer ohnehin von Natur- auf Kunstrasen wechseln und bis im September einen neuen Spielort brauchen. Wären wir im Europacup, würden wir die Heimspiele folglich in der Neuenburger Maladière bestreiten, die alle Uefa-Anforderungen erfüllt und von Biel aus in einer Viertelstunde zu erreichen ist.

Was wir darüber hinaus benötigten, ist das Verständnis der Arbeitgeber für unsere Spieler: Dass diese bei Europacup-Auswärtsspielen an ihrem Arbeitsplatz fehlen müssten, versteht sich. Die Frage ist, wie das gelöst wird: Mit Ferien? Mit dem Entgegenkommen des Arbeitgebers? Oder im einen oder anderen Fall vielleicht auch gar nicht?

Nun: Es wäre ein schönes Problem für den FC Biel, sollte er sich damit beschäftigen müssen. Und es bliebe nach einem Cupsieg auch noch genug Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen.»

Mario Cantaluppi, wie besiegt man den FC Biel?

Mario Cantaluppi, der neue U21-Trainer des FC Basel, sitzt in einem modernen Café. Er trägt Trainingskleidung des FCB mit den Initialen MC.

«Wir haben eben erst in der Promotion League mit der U-21 des FCB gegen Biel 3:0 gewonnen. Wir führten früh 1:0, danach haben sich die Bieler nicht mehr aufrappeln können. Wegen des ESC spielten wir nicht im Leichtathletik-Stadion St. Jakob, sondern mussten auf den Buschweilerhof-Kunstrasen ausweichen und wissen also, wie es ist, gegen die Seeländer auf künstlicher Unterlage anzutreten.

Biel ist eine Mannschaft, die vom Verteidigen, vom Konterspiel und der Mentalität lebt. Aber nun hat das Team einen Dämpfer erlitten: In der Liga war es die ganze Saison über die gejagte Mannschaft, hat jetzt aber den Aufstieg verpasst. Ich bin gespannt, wie sich das Nicht-Erreichen der Promotion auf ihr Auftreten im Cupfinal auswirken wird. 

Das Schöne aus Bieler Sicht ist, dass es ein Final ist. Ein Spiel, nicht mehr, nicht weniger. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass Basel in der aktuellen Form rasch die Entscheidung suchen und Biel kein bisschen Schnauf lassen wird. Von der Intensität her ist ein Super Ligist in einer solchen Partie bevorteilt – das hat man zuletzt am Dienstag im Barrage-Hinspiel gesehen, als die Grasshoppers dem FC Aarau klar überlegen waren. Ich denke, am Sonntag wird man in Bern diesen Klassenunterschied ebenso sehen.»

Giuseppe Morello, wie bezwingt man als FC Biel den FC Basel?

Giuseppe Morello, Trainer des Grasshopper Club Zürich, gibt Anweisungen während eines Trainings in Niederhasli.

«Dieses Spiel war eines meiner Karriere-Highlights: Im März 2011 bezwangen wir mit dem FC Biel im Viertelfinal des Schweizer Cups den FCB mit 3:1. Challenge League gegen Super League, Halbprofis gegen eine Champions-League-Mannschaft – das war für den Verein wie auch für die Stadt ein ganz grosser Event. Und da ich als Basler im Bieler Trikot in der 80. Minute das 2:1 erzielte, ist es eben eine dieser Partien, die man nicht so rasch vergisst. Wobei ich auch immer betone, wenn ich von diesem Spiel spreche, dass uns das Rotieren von Thorsten Fink entgegengekommen ist: Alex und Strelli sassen ja zu Beginn des Spiels auf der Bank…

Ich erinnere mich, dass ein solcher Sieg einer Mannschaft unglaublichen Schub geben kann. Du realisierst: Wenn du performst, ist alles möglich. Vor dem FC Biel in dieser Cup-Kampagne ziehe ich den Hut: Wer sich als Promotion Ligist gegen zwei Super-League-Teams durchsetzt – Chapeau! Jetzt wird sich zeigen, ob Biel mit diesem Weg bereits zufrieden ist und den Final als Dessert dieser Saison mitnimmt. Oder ob die Genugtuung der Spieler über das Erreichte erst nach dem Endspiel eintritt.

Das Ziel der Bieler wird sein, so lange wie möglich die Null zu halten. Aber das Schwierige in solchen David-gegen-Goliath-Duellen ist: Was machst du, wenn du den Ball hast. Da muss eine Underdog-Mannschaft effizient sein. Nur zu verteidigen und sich auf das Spiel ohne Ball zu fokussieren, reicht nicht.»

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Mehr als zehn Mal haben sich auf europäischer Bühne jedoch erst vier Spieler beweisen dürfen.Zum Vergleich: Das letzte Mal, als der FCB einen Champions-League-Playoff-Vergleich erfolgreich bestritt – im Jahr 2013 gegen Ludogorez Rasgrad war das –, standen in der Startelf gleich acht Spieler mit europäischen Einsätzen im zweistelligen Bereich. Wobei noch hinzu kommt, dass im aktuellen Kader mit Jonas Adjetey, Metinho und Leo Leroy gleich mehrere Basler Stammspieler keinen einzigen internationalen Club-Einsatz aufzuweisen haben.Xherdan Shaqiri hat in seiner Karriere schon 60-mal im Europacup gespielt, wie hier 2014 mit den Bayern.Foto: Imago, EibnerWirklich ordentlich viel Erfahrung mit Uefa-Club-Wettbewerben weisen beim FC Basel nur drei Spieler auf. Sie heissen Marwin Hitz (37 internationale Einsätze), Albian Ajeti (34) und – wenig überraschend – Xherdan Shaqiri (60). Gemeinsam vereinen sie mehr als dreimal so viele internationale Einsätze auf sich, wie der Rest des Teams zusammen.Begrenzt ist auch die Europacup-Erfahrung von Ludovic Magnin. In der Rolle des Trainers absolvierte der 46-Jährige acht Einsätze im Europacup, allesamt stammen sie aus der Europa-League-Kampagne des FC Zürich aus der Saison 2018/19. Diese war aber immerhin so, dass man sie für einen Schweizer Vertreter als erfolgreich werten muss: Die Zürcher überstanden unter Magnin die Gruppenphase und scheiterten in der Folge an Napoli.Diese FCB-Spieler waren in einem Playoff erfolgreichBeim Playoff-Sieg 2022 gegen ZSKA Sofia hütete Marwin Hitz das Basler Tor.Foto: Imago, Beautiful SportsWenig verwunderlich ist es, dass es die erfahrenen Basler Kräfte sind, die eine Qualifikationsrunde zum Europacup bereits einmal erfolgreich überstanden haben und dabei auch in Hin- und Rückspiel im Einsatz standen. Keeper Marwin Hitz war etwa dabei, als sich der FC Basel in der Saison 2022/23 gegen drei Gegner durchsetzte, um in die Conference League zu gelangen. Zudem stand er auch zwischen den Pfosten, als Rotblau nach überstandener Gruppenphase vier weitere K.-o.-Affichen bestritt, nacheinander Trabzonspor, Bratislava und Nizza eliminierte, bevor man in den Halbfinals knapp an Fiorentina scheiterte.Xherdan Shaqiri hat das nicht miterlebt. Dafür ist er der einzige Spieler im Kader, der schon einmal in einer Champions-League-Qualifikation zum Einsatz kam, dabei erfolgreich war – und sich noch dazu nicht mit irgendeinem Club, sondern mit dem FC Basel in die Königsklasse spielte.Allerdings ist das schon eine Weile her: In der Saison 2010/11 – Shaqiri war damals 18-jährig – steuerte er in den vier Partien gegen Debreceni VSC aus Ungarn und den FC Sheriff Tiraspol aus Moldau insgesamt zwei Assists und ein Tor bei. Der FCB liess in jener Qualifikation nichts anbrennen, gewann jedes Spiel und erzielte neun Tore.Die Playoff-Bilanz des FC BaselDamals noch mit Mohamed Salah: 2013 qualifizierte sich der FCB letztmals über die Playoffs für die Königsklasse.Foto: Imago, SportfotodienstZehn Mal hat der FC Basel bisher die Qualifikation für die Champions League bestritten, davon schaffte er es acht Mal in die letzte Runde. Vier Mal gelang dabei der Einzug in die Königsklasse, die Gegner hiessen Celtic Glasgow (2002), Guimarães (2008), Sheriff Tiraspol (2010) und zuletzt Ludogorez Rasgrad (2013).2004 (Inter Mailand) und 2005 (Werder Bremen) scheiterte der FCB in der letzten Qualifikationsrunde und trat daraufhin im Uefa-Cup an, dem Vorgänger der Europa League. Den Gang in den zweithöchsten europäischen Wettbewerb mussten die Basler auch 2012 und 2015 antreten, nachdem man in den Playoffs an Cluj und Maccabi Tel Aviv scheiterte.In der Qualifikation für den Uefa-Cup, die Europa League und die Conference League stand der FCB bisher acht Mal in den Playoffs. Das einzige Aus gab es dort 2020 in der Qualifikation der Europa League gegen ZSKA Sofia. Aufgrund der Coronapandemie gab es damals nur eine Begegnung statt Hin- und Rückspiel, welche der FCB 1:3 verlor.Der letzte Gegner, den der FCB in einem europäischen Playoff bezwang, war ebenfalls ZSKA Sofia. Dies in der Qualifikation für die Conference League vor drei Jahren. Unter dem damaligen Trainer Alex Frei setzte man sich mit einem Gesamtskore von 2:1 gegen die Bulgaren durch.Diese Erfahrung steht dem FC Basel gegenüberThomas Delaney hat beim FC Kopenhagen die meiste Europacup-Erfahrung.Foto: Imago, Gonzales PhotoDie Kaderspieler des FC Kopenhagen kumulieren fast viermal so viele Europacup-Spiele wie die Mannschaft des FC Basel. Den insgesamt 195 Einsätzen des FCB stehen nämlich beeindruckende 755 der Dänen gegenüber. Beachtlich ist zudem, dass bei den Dänen gleich 13 Spieler bereits über 20 Spiele im Europacup bestritten haben. Zur Erinnerung: Beim FCB sind es nur drei.Die meiste Erfahrung auf der internationalen Bühne haben beim FC Kopenhagen Thomas Delaney (89 Einsätze), Viktor Claesson (84) und Ex-FCB-Akteur Mohamed Elyounoussi (73), der für sich in Anspruch nehmen darf, dass er neben Shaqiri der einzige Akteur dieses Vergleichs ist, der dabei auch im Trikot des FC Basel Champions League gespielt hat. Die drei erfahrenen Grundstützen der Kopenhagener kommen zusammen auf 246 Spiele im Europacup und somit auf mehr als die gesamte FCB-Mannschaft. Sie gehören auch zu jenen sieben Spielern, die seit mindestens zwei Jahren im Verein sind und mit Kopenhagen in jüngster Vergangenheit bereits in der Champions League gespielt haben. Auch Kopenhagen-Trainer Jacob Neestrup kann trotz seines Alters von 37 Jahren bereits auf viel internationale Erfahrung zurückgreifen: Seit September 2022 im Amt, stand Neestrup bereits bei 38 internationalen Spielen des dänischen Clubs an der Seitenlinie und feierte dabei bemerkenswerte Erfolge. Seine persönliche Bilanz aus diesen knapp drei Jahren: 16 Siege, 11 Unentschieden und 11 Niederlagen.Das DurchschnittsalterBetrachtet man einen anderen Aspekt der Erfahrung einer Mannschaft, nämlich das Durchschnittsalter, begegnen sich die beiden Teams auf Augenhöhe. Die Startaufstellung des FC Basel war bisher in dieser Saison im Schnitt 26,9 Jahre alt, dieser Wert liegt beim FC Kopenhagen mit 27,1 Jahren nur leicht darüber.Grösser ist bei den Kopenhagenern jedoch das Gefälle zwischen alten und jungen Kräften. Während der FCB mit Xherdan Shaqiri (33), Marwin Hitz (37) und Mirko Salvi (31) über drei Spieler in seinem Kader verfügt, die 30 Jahre oder älter sind, sind es bei den Dänen deren sieben.Die grössten europäischen Erfolge im Vergleich2023 setzten sich Kopenhagen und Mohamed Elyounoussi in der Gruppenphase der Champions League vor Manchester United durch.Foto: Imago/Gonzales PhotoDer FC Basel kann auf viele magische Nächte im Europacup zurückblicken. In der Champions League qualifizierte sich der FCB in der Vergangenheit dreimal für den Achtelfinal. Zu den grössten Erfolgen zählen aber auch die beiden Halbfinal-Teilnahmen in der Europa League in der Saison 2012/13 und in der Conference League 2022/23. Weiter als in einen europäischen Viertelfinal schaffte es der FC Kopenhagen hingegen nie. In der Saison 2019/20 standen die Dänen zum ersten und bisher einzigen Mal unter den letzten acht in einem Europacup-Wettbewerb. Dafür zeigte Kopenhagen in der Saison 2023/24 eine beachtliche Champions-League-Kampagne, in der man sich in einer Gruppe mit Bayern München, Manchester United und Galatasaray Istanbul zum zweiten Mal nach 2010/11 für den Achtelfinal qualifizierte und dort an Manchester City scheiterte.Der FC Basel, der FC Kopenhagen – und die MillionenDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenSimon Tribelhorn ist freier Mitarbeiter im Ressort Sport bei der Basler Zeitung. Er berichtet regelmässig über den FC Basel, den EHC Basel und den RTV.Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare