Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert.

AboAbschied mit 34 Minuten

Taulant Xhaka: «Ich wollte nicht vor meinem Vater weinen»

Assistenztrainer Davide Calla trägt Taulant Xhaka vom FC Basel auf seinen Schultern und jubelt vor den Fans nach einem Super League Spiel gegen FC Luzern in Basel am 24. Mai 2025.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.

BotTalk

Am Ende, da ist dann alles, wie es sein muss. Davide Callà ist irgendwo abseits, bei der Spielerbank und überlässt die Bühne anderen. Auch er wird gehen. Auch er ist vor der Partie für seine Verdienste um den FC Basel geehrt und vom Anhang gefeiert worden. Aber er ist eben schon lange kein Fussball-Profi mehr. Sondern längst Assistenztrainer.

Drei Saisons lang ist er das zuletzt in Basel gewesen. Und nun zieht er zur Schweizer Nationalmannschaft weiter. Am 1. Juni nimmt er offiziell seine Arbeit beim Fussball-Verband auf – dann, wenn der FCB noch den Cupfinal in Bern bestreitet. Natürlich noch ein letztes Mal mit Callà im Staff. «Ich werde an den FCB ausgeliehen», sagt er im Scherz. Dann verschwindet er via Tribüne irgendwo im Stadion.

Die Bühne gehört anderen. Und dabei vor allem einem. Taulant Xhaka hat sie in Anbetracht der längst zugunsten des FC Basel entschiedenen Meisterschaft erhalten, die 34 Spielminuten, die er sich gewünscht hat. In der Startelf ist er sogar gestanden, bei diesem 4:0-Sieg gegen den FC Luzern. Dies, nachdem er es zuvor in diesem Kalenderjahr nie mehr ins Kader geschafft hat. Und pünktlich nach 34 Minuten ist er dann auch durch Metinho ersetzt worden, um noch einmal stehende Ovationen von 36’000 Zuschauern entgegenzunehmen.

Wer gedacht hat, Taulant Xhaka werde von einem Teil der Anhängerschaft verhalten gefeiert oder ernte gar den einen oder anderen Pfiff, weil er sich an der spontanen Meisterfeier mit Schmähgesängen gegen den FC Zürich daneben benommen hatte, sieht sich getäuscht: Taulant Xhakas Status als ewiger FCB-Spieler, Vorkämpfer und langjähriger Leistungsträger bei vielen nationalen und internationalen Erfolgen ist viel zu gross dafür.

Er ist es nicht zuletzt deshalb, weil Xhaka rund um die 407 Pflichtspiel-Partien, die er für den FC Basel absolviert hat, nicht immer alles richtig gemacht und auch die eine oder andere Dummheit begangen hat. Taulant Xhaka ist damit keiner, der vom Profigeschäft glattgebürstet und abgeschliffen wurde – und so jemanden mag man zumindest dann, wenn man ihn in den eigenen Reihen weiss.

Bei der Abschiedszeremonie vor der Begegnung wird Xhaka deshalb frenetisch gefeiert. Mit auf dem Rasen sind mit Breel Embolo, Marco Streller Benjamin Huggel, Valentin Stocker und Matias Delgado ehemalige FCB-Weggefährten, die zu einer Karriere gratulieren, die genau genommen erst mit dem Cupfinal endet, wo Xhaka wohl wieder einen Tribünenplatz haben wird. Aber auch Familienmitglieder laufen ein.

Vater Ragip Xhaka zum Beispiel, dessen Vorname auch Taulant als erstgeborener Sohn als Zweitname erhalten hat. Und natürlich sein Bruder: Granit Xhaka. Der Bundesliga-Star, der gar als Erster zum Mikrofon greift und seinem älteren Bruder kurzzeitig mit einem einzigen Satz die Show stiehlt, während ihn das Stadion dafür lautstark feiert: «Ich kann euch eines sagen: Ein Xhaka geht – aber bald ist der andere auch wieder hier.»

Was dieses «bald» bedeutet, darüber kann man sinnieren. Granit Xhaka wird jedenfalls nicht in diesem Sommer zum FC Basel zurückkehren. Nicht im Zenit seines Schaffens, nicht mit einem Millionenvertrag bei Bayer Leverkusen, der bis 2028 läuft.

So jedenfalls sehen das später am Abend auch die Entscheidungsträger des FC Basel. FCB-Präsident David Degen sagt: «Das ehrt uns, das Granit das sagt. Aber über eine derartige Idee haben wir noch gar nie gesprochen.» Und sein Sportdirektor Daniel Stucki findet den Gedanken zwar «schön», bezeichnet eine Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt aber «als komplett unrealistisch.»

Nur Taulant Xhaka redet etwas anders, da er sich den Medien stellt. Nass vom Champagner, den die Mitspieler vor der Muttenzerkurve vergossen haben, während sie den eben erhaltenen Meisterpokal singend und tanzend präsentierten, meint er dazu nur: «Er kommt bald zurück. Mehr verrate ich nicht.»

Dann steht er wieder im Mittelpunkt. Geht es um ihn – und um seine Emotionen. Taulant Xhaka beschreibt diese so:

Taulant Xhaka, wie haben Sie Ihren Abschieds-Abend, aber auch die Stunden davor erlebt?

Es ist eine einzige emotionale Achterbahnfahrt gewesen. Mal traurig, mal fröhlich. Und es hat schon vor vielen Stunden begonnen: Die Nacht davor habe ich fast nichts geschlafen. Ich bin so nervös gewesen. Auch tagsüber, als wir uns im Hotel einfanden, konnte ich kaum erwarten, dass wir losfahren – und irgendwie auch, dass dieser Abend über die Bühne geht.

Wie war es dann vor dem Spiel, als sie von 36’000 Zuschauern in feierlicher Zeremonie verabschiedet wurden?

Extrem schwierig. Ich habe mich sehr zusammengerissen, damit mir keine Tränen kamen. Denn ich wollte vor meinem Vater nicht weinen. Gleichzeitig war es natürlich auch schön, ein Moment, der mir für immer in Erinnerung bleibt. Aber danach zu spielen, das war deutlich einfacher.

Sie haben Ihre letzten 34 Minuten als Profi erhalten, von denen Sie stets sprachen.

Ja, das macht mich glücklich. Und ich fand, es klappte auch noch ganz ordentlich mit dem Fussballspielen (lacht). Nun mit dem Pokal zu gehen, das ist perfekt.

34 Minuten für die Nummer 34. Das ist das Trikot, dass Taulant Xhaka in Basel stets getragen hat. Nun wird es keiner mehr tragen, sondern wurde die Nummer 34 beim FCB aus dem Verkehr gezogen.

Sie hängt nun am Stadiondach. Neben der 20 von FCB-Rekordspieler Fabian Frei. Dort, wo sonst nur noch die Nummer 2 von Massimo Ceccaroni und die Nummer 12 hängt. Diese steht für das Basler Publikum. Den zwölften Mann. Und dieser zwölfte Mann hat Taulant Xhaka mit Choreos und Sprechchören einen durch und durch würdigen Abgang verschafft.

Newsletter

Rotblau aktuell

Erhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.

Weitere Newsletter

Similar Posts

  • Die FCB-Spieler in der Einzelkritik: Carlos dribbelt im gegnerischen, Adjetey im eigenen Strafraum

    Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert. – Carlos dribbelt im gegnerischen, Adjetey im eigenen Strafraum Der FC Basel holt sich gegen St. Gallen in letzter Sekunde den Sieg. Zwei FCB-Akteure sind sehr gut, zwei andere sind ungenügend. Publiziert heute um 19:42 Uhr Sind an beiden Toren des FC Basel beteiligt: Dominik Schmid und Kevin Carlos….

  • Vor dem Klassiker: Diesen FCZ muss der FC Basel einfach schlagen

    AboVor dem Klassiker – Diesen FCZ muss der FC Basel einfach schlagenDie BaZ listet sechs Gründe auf, warum der FCB gegen Zürich am Sonntag (16.30 Uhr, BaZ-Liveticker) gewinnt.Publiziert heute um 13:54 UhrBasel gegen Zürich – das ist oftmals ein Spiel mit ganz vielen Geschichten (hier Léo Leroy im September gegen Cheick Condé, der inzwischen nicht mehr für den FCZ spielt).Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkDer FC Basel wartet seit fast zweieinhalb Jahren auf einen Sieg gegen den FC Zürich. Den letzten Klassiker gewann Rotblau am 28. August 2022. Ein 4:2 im Letzigrund war das damals – und der Trainer des FCB hiess Alex Frei. Höchste Zeit aus Basler Sicht also, dass diese Negativserie ein Ende nimmt. Die BaZ liefert sechs Gründe dafür, wieso das am Sonntag der Fall sein wird.Der Basler Start ins neue JahrJubelte am Sonntag gegen Sion erstmals in Rotblau: Joe Mendes.Foto Urs Lindt (Freshfocus)Makellos war der FCB-Auftakt im Jahr 2025 zwar nicht. Gegen Lugano gab es nur einen Punkt, und gegen Sion konnte man erst nach Rückstand gewinnen. Doch mit vier Zählern aus zwei Spielen liegt die Mannschaft von Fabio Celestini absolut im Soll.Mehr noch: Mit der ersten halben Stunde in Lugano hat der FCB gezeigt, dass er sogar den vermeintlichen Titelfavoriten phasenweise dominieren kann. Und gegen Sion sprachen die Statistiken nach anfänglichem Rückstand schliesslich eine deutliche Sprache zugunsten des FCB. Kommt hinzu, dass die Basler personell praktisch aus dem Vollen schöpfen können. Und: Ein Sieg im Letzigrund würde dem FCB weiter einen Platz ganz vorne in der Tabelle garantieren – ein nicht zu unterschätzender Vorteil in der bevorstehenden englischen Woche mit weiteren Spielen gegen Luzern und Servette. Das Selbstvertrauen wäre dann noch grösser.Die Offensive des FC Basel46 Mal hat der FC Basel in der Liga in dieser Saison bislang jubeln dürfen – das ist ein Super-League-Spitzenwert.Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Er kam, sah und traf: Philip Oteles Debüt am Sonntag gegen Sion ist geglückt. In seinem Teileinsatz für den FCB gelang dem Nigerianer gleich der erste Treffer in Rotblau. Damit verteilt sich der Basler Ligabestwert von 46 Toren inzwischen auf 16 verschiedene Feldspieler. Diese Durchschlagskraft in der letzten Zone des Spielfelds ist eine der Basler Stärken in dieser Saison. Zum Vergleich: Bereits jetzt hat der FCB mehr Tore erzielt als in der letzten Spielzeit. Diese Statistik dürfte Celestinis Team im Hinblick auf den Klassiker Mut machen – zumal Rotblau mit den Zürchern diesbezüglich noch eine Rechnung offen hat, da Basel im ersten Vergleich in dieser Saison Goalie Yanick Brecher nicht bezwingen konnte.Die Defensive des FC BaselGoalie Marwin Hitz kommt in der Basler Defensive eine wichtige Rolle zu.Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)Es ist das Gleiche wie mit der Offensive, einfach auf der anderen Seite. Kein Team der Super League hat in dieser Saison so wenige Tore erhalten wie der FC Basel. Lediglich 22 waren es in 20 Spielen. Gründe dafür gibt es mehrere: ein sehr guter Marwin Hitz, eine grundsolide Defensive um Adrian Barisic, der in dieser Saison erst ein Ligaspiel aufgrund einer Gelbsperre verpasste, ein solidarisches Abwehrverhalten von den Spielern davor, allen voran Sechser Leon Avdullahu. Das sind nur drei davon.Man darf zudem behaupten, dass diese defensive Bilanz gar noch etwas aussagekräftiger ist als die offensive. Denn während 17 der erzielten Tore aus Exploits gegen Winterthur und Servette mit 5 Toren und mehr entsprangen, blieb die Basler Defensive in den allermeisten Fällen stabil und kassierte erst in fünf Spielen in dieser Saison zwei Tore oder mehr.Celestini und die NegativserienHat seine Fussballer aktuell gut im Griff: FCB-Trainer Fabio Celestini.Foto: Claudio Thoma (Freshfocus)Fabio Celestini ist nach seiner Ankunft in Basel so etwas wie ein Negativserien-Vernichter geworden. Zugegebenermassen ist das auch nicht sonderlich schwierig, übernahm er den Club doch inmitten der grössten Krise seit Jahrzehnten. Doch es hat auch Erfolge darunter, die unabhängig von diesem Kontext beachtlich sind.Am Anfang steht der 1. November 2023, als der FCB gegen Kriens zum ersten Mal seit sechs Spielen einen Sieg holt. Es folgt sogleich am 5. November gegen Yverdon der erste Basler Ligasieg seit Ende Juli und 21 Tage später beim 2:0 gegen St. Gallen das erste Ligaspiel seit Anfang April, in dem die Basler kein Gegentor erhalten. Am 6. Dezember 2023 gewinnt der FCB in Lugano sein erstes Auswärtsspiel der Saison. Beim 1:0-Heimsieg gegen YB am 27. Januar 2024 gewinnt der FCB zum ersten Mal seit dreieinhalb Jahren und 15 Begegnungen eine Partie gegen die Berner. Auch gegen Servette kann man am 14. April zum ersten Mal seit zwei Jahren gewinnen. Und schliesslich wird Fabio Celestini am 31. Oktober 2024 zum ersten Trainer unter David Degen und seit Marcel Koller, der ein Jahr beim FCB im Amt ist. Vor diesem Hintergrund müsste es für die Basler doch ein Leichtes sein, am Sonntag den ersten Sieg gegen den FC Zürich seit sieben Begegnungen und dem 28. August 2022 zu holen. Die Form des FC ZürichJuan José Perea macht mit dem FCZ schwierige Zeiten durch.Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)Ricardo Moniz stand etwas bedröppelt an der Seitenlinie, als der FC Zürich zuletzt dem FC Luzern unterlag. Dieses 1:3 ist mehr als eine Niederlage: Alle Gegentore kassierte Zürich nach Penaltys (oder per Penaltynachschuss), hinzu kamen zwei Spielausschlüsse. Der Trainer – und damit auch der FCZ – war absolut bedient.Auch wenn der Holländer danach betonte, dass Zürich immer wieder aufstehen werde, ist die aktuelle Bilanz keine gute: Aus den letzten acht Ligaspielen resultierte nur ein Sieg. Die FCZ-Formkurve zeigt seit Anfang November nach unten.Mit ein Grund für diese Baisse dürften auch die ständigen Nebengeräusche sein, die die Mannschaft umgeben. Als zuletzt der Zuzug des früheren GC-Juniors und -Spielers Steven Zuber feststand, meldete sich die Südkurve mit der unmissverständlichen Botschaft: «Zuber: Keis Goal wird dich je zum FCZler mache.» Und auch der jüngste Abgang von Identifikationsfigur Antonio Marchesano dürfte kaum mehr Ruhe ins Team bringen.Das Personal des FC ZürichSpielt neu für Yverdon: Antonio Marchesano.Foto: Pascal Muller (Freshfocus)Selbst Sportchef Milos Malenovic zeigte sich überrascht. Am Donnerstag gab der FCZ bekannt, dass Antonio Marchesano (295 Spiele für Zürich) per sofort zu Abstiegskandidat Yverdon wechsle. Laut eigener Aussage konnte der FCZ-Meisterheld das Angebot in seinem Alter schlicht nicht ablehnen.Was bedeutet das nun für den FCB? Nun ja, ein Nachteil ist es sicherlich nicht, wenn eine Identifikationsfigur und Führungsspieler des gegnerischen Teams unverhofft wegfällt. Auch wenn der FCZ den Abgang rein sportlich gesehen wohl auffangen kann.Entscheidender dürfte aber sein, was sich in der Zürcher Hintermannschaft zuträgt. Die Verteidiger Lindrit Kamberi und Daniel Denoon sind gesperrt. Zudem steht Innenverteidiger Nikola Katic gegen den FCB nicht mehr zur Verfügung. Der Bosnier ist in die englische Championship zu Plymouth Argyle ausgeliehen worden.Und Innenverteidiger Mirlind Kryezju? Der Kosovare, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, will auch weg vom FCZ – und hat sich nun einen Muskelfaserriss zugezogen.Der FC Basel im Januar 2025:Den Podcast können Sie auf Spotify oder Apple Podcasts abonnieren. Falls Sie eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie einfach nach «Dritte Halbzeit».NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. Mehr Infos@linusschauffertDominic Willimann ist seit 2007 Sport-Redaktor der BaZ und kennt den regionalen Sport aus dem Effeff. Ebenso ist er mit den Geschehnissen rund um den FC Basel vertraut und hat seit 2007 kein Eidgenössisches Schwingfest verpasst. Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • FC Basel: Spontane Meisterfeier: Davide Callà ist der Zeremonienmeister, Xherdan Shaqiri schwingt die Fahne

    AboFC Basel: Spontane Meisterfeier – Davide Callà ist der Zeremonienmeister, Xherdan Shaqiri schwingt die FahneDer 21. Meistertitel des FCB wurde von so vielen Menschen gefeiert, wie man das in Basel schon lange nicht mehr gesehen hat.Publiziert heute um 23:05 UhrAssistenztrainer Davide Callà sorgte am Mikrofon für Unterhaltung.Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkDer FC Basel an diesem Sonntag, 11. Mai 2025? Das ist ein rotblaues Menschenmeer auf dem Barfüsserplatz, das bis in die Steinenvorstadt, den Kohlenberg hinauf und auch in die Falknerstrasse fliesst. Und da oben auf dem Balkon des Stadtcasinos ganz viele junge und nicht mehr ganz so junge Männer, die ins Mikrofon brüllen, Lieder für die Menge anstimmen, mitsingen, tanzen, hüpfen und lachen.Das ist sie, die spontane Meisterfeier des FC Basel, die alles zudeckt. Oder wie es der Basler Regierungspräsident Conradin Cramer sagt: «Wenn der FCB Meister wird, steht in Basel alles still.» Und es gibt nicht wenige, die Mühe haben, in Anbetracht der Grösse des Moments rund um diesen 21. Meistertitel ihre Fassung zu bewahren.«Unglaublich», findet mit Dan Holzmann einer der FCB-Club-Mitbesitzenden kaum Worte für das, was er sieht und empfindet. Andere, die schon früher immer mal wieder mit dabei gewesen sind im «Papa Joe’s», wo sich die Mannschaft und die geladenen Gäste versammeln, stehen unter dem Eindruck, dass diese Party, diese Emotionen, diese zu tausenden in Rot und Blau im Festzentrum der Stadt erschienenen Anhänger alles toppen, was sie erlebt haben.Einer, der das schon kennt, ist Xherdan Shaqiri. Schon 2010, 2011 und 2012 hat er als Fussballer des FC Basel vom Balkon gestrahlt. Nun tut er es wieder – und ist dabei doch in einer anderen Rolle als damals. Nun ist er nicht mehr der überaus talentierte Teenager, der die Ausland-Karriere vor Augen hat. Sondern der Rückkehrer, Heilsbringer, Anführer und Captain der Mannschaft.Anführer der Mannschaft, Antreiber auf dem Balkon: Xherdan Shaqiri.Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Auch wenn es der scheidende Assistenztrainer Davide Callà ist, der wie früher schon viermal als Spieler zunächst den Zeremonienmeister auf der Terrasse gibt, so hilft auch Shaqiri kräftig mit, den Fans und den eigenen Mitspielern einzuheizen. Die Überfigur schwingt kräftig die FCB-Fahne und wird erwartungsgemäss gefeiert wie kein Zweiter. «Shaqiri olé» gröhlen sie selbst nach über zwei Stunden nochmals, als der Balkon sich zwischenzeitlich geleert hat – und locken ihr Idol abermals nach draussen und vors Mikrofon, bevor die Party schrittchenweise ihr Ende findet.Xherdan Shaqiri fährt gerne BusDazwischen, da hat der Maestro auch noch den anwesenden Medienvertretern gestellt und von der Heimfahrt am Samstag weg von Lugano und hin nach Basel erzählt. «Das waren die besten viereinhalb Stunden Fahrt, die ich je hatte. Der Bus hat gebebt», sagt Shaqiri und blickt schliesslich auch nach vorne. Auf die verbleibenden Spiele, aber auch auf die nächste Saison.«Wir sind wie ein Zug und werden nun keinen Gang runterschalten, sondern auch in den restlichen Ligaspielen Vollgas geben», verspricht der Topskorer, der noch den Super-League-Rekord von Stéphane Chapuisat brechen kann. Und er weiss auch: «Wir wollen nächste Saison in die Champions League – aber der Druck wird nicht kleiner werden.»David Degen würde sogar das Stadion putzenStiller als erwartet gibt sich das eigentliche Gesicht dieses Clubs. David Degen redet überlegt. Und als er danach gefragt wird, wie sehr er sich freue, spricht er davon, noch gar nicht richtig realisiert zu haben, was nun in dieser filmreifen Meister-Saison des FC Basel passiert ist.«Ich kann meine Freude gar nicht richtig zeigen. Aber ich kann versichern: In mir drin, da ist diese riesig», sagt der Präsident und Mitbesitzer des FC Basel und gibt zu, irgendwann zwischen dem samstäglichen 5:2-Sieg in Lugano und der Ankunft auf dem Barfi Freudentränen vergossen zu haben.Degen lobt alle im Club. Aber besonders ausgiebig redet er dabei über Shaqiri. «Es brauchte ganz viele Zahnräder, die ineinander gegriffen haben. Aber es ist klar, dass Xherdan Shaqiri das entscheidende Puzzlestück war.»Dann spricht er davon, wie schwierig die ersten drei Jahre für ihn und seine Mitstreiter im Verwaltungsrat gewesen seien. Darüber, dass andere nicht immer fair über ihre Arbeit geurteilt hätten. Und er sagt: «Wir gehen selbst stets sehr hart mit uns ins Gericht – auch in dieser Saison. Und wenn es um mich selbst geht, dann würde ich alles für diesen Club tun. Ich würde sogar das Stadion putzen, sollte es mich da benötigen.»Fabio Celestini und das Montagstraining«Wir sind Meister!» Wahrscheinlich sagt das an diesem Abend keiner so oft wie Fabio Celestini, der zuvor immer nur vom «Traum» gesprochen, aber bis nach Lugano stets das M-Wort vermieden hatte. Der Trainer des FC Basel wirkt geradezu beseelt. Er schreit und springt auf dem Balkon nicht weniger herum als seine Spieler es tun.Ob er diese auch am Montag wieder in Bewegung sehen wird? Celestini gibt sich nicht wirklich optimistisch: «Ich zweifle noch daran, dass das Training stattfindet.»FCB-Trainer Fabio Celestini schreit und hüpft nicht weniger als seine Spieler.Foto: Urs Lindt (Freshfocus)Der FC Basel ist Schweizer MeisterDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenOliver Gut schreibt seit März 2001 für das Sport-Ressort der Basler Zeitung, das er seit 2019 leitet. Vorher für diverse Sportarten zuständig, konzentriert sich der Fricktaler seit 2011 auf den Fussball – und damit hauptsächlich auf den FC Basel. Zudem ist er regelmässiger Diskussionsgast im Fussball-Podcast «Dritte Halbzeit».Mehr InfosDominic Willimann ist seit 2007 Sport-Redaktor der Basler Zeitung und kennt den regionalen Sport aus dem Effeff. Ebenso ist er seit seiner Jugend mit den Geschehnissen rund um den FC Basel vertraut, über den er heute regelmässig berichtet. Und: Er hat seit 2007 kein Eidgenössisches Schwingfest verpasst.Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare