
Kleine taktische Überraschung und leise Basler Enttäuschung
Dieser Artikel wurde von BZ publiziert.
Kleine taktische Überraschung und leise Basler Enttäuschung
Xherdan Shaqiri findet, für den FCB wäre beim 2:2 im Gipfeltreffen in Lugano mehr drin gelegen und der Trainer stützt den fehlerhaften Dominik Schmid.
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Xherdan Shaqiri nach dem späten Ausgleichstor per Penalty im Cornaredo, rechts Gabriel Sigua.
Eine Portion Hader war im Gepäck des FC Basel, als am Sonntag die Heimreise aus dem Tessin angetreten wurde. Aus der guten ersten Halbzeit nicht mehr Kapital geschlagen zu haben, bekümmerte Trainer und Captain. «Es wäre mehr drin gelegen», meinte Xherdan Shaqiri. Und Fabio Celestini fasste seine Gemütslage ähnlich zusammen: «Wir können das Spiel auch verlieren. Am Ende ist es ein Punkt, aber wenn ich die erste Halbzeit sehe, bin ich ehrlich gesagt enttäuscht.»
Die 90 Minuten im nasskalten Lugano und auf einem Platz im Cornaredo, der zuvor noch gefroren war und zeitweise sogar eine Austragung des Spitzenkampfs in Frage gestellt hatte, lieferte zwei Bestätigungen: Die Bianconeri und die Rotblauen stehen nicht umsonst zuoberst in der Super League und die Basler sind in der Lage, spielerisch und von ihrem ganzen Auftritt her Paroli zu bieten.
Der FCB-Trainer darf sich aber auch in seiner Einschätzung bestätigt fühlen, dass es dem Basler Gefüge nach wie vor an einem gebricht: an Stabilität. So überzeugend die ersten 35 Minuten aussahen, so erstaunlich war der Bruch, der mit dem Penaltytor in der Nachspielzeit einherging. «Das 1:1 hat Lugano viel Energie verliehen», so Celestini, «schade!»
Zuverlässsiger Lieferant: Xherdan Shaqiri macht als offizieller Captain des FC Basel da weiter, wo er vor der Winterpause aufgehört hat.
Sehr gut aus dem kurzen Break der Saison zurück ist Shaqiri, der mit zwei blitzsauberen Bällen das 0:1 sowie den Elfmeter zum 2:2 provozierte, vom Punkt einmal mehr Nervenstärke zeigte und so ein weiteres Mal zum Man of the Match avancierte. Erstmals als Captain in einem Wettbewerbsspiel aufzulaufen, sei für ihn «als Einheimischer» eine grosse Ehre, «aber die Rolle hat sich nicht gross verändert. Ich war schon zuvor ein Leader, aber ich versuche voranzugehen und die Mannschaft mitzureissen.»
Ein Leader, der nun auf 18 Scorerpunkte kommt (15 in der Liga) und der findet: «Den FC Lugano eine Halbzeit so zu dominieren – das muss etwas heissen. Nämlich, dass wir auf einem guten Weg sind. Ich hoffe, dass wir die super Intensität beibehalten können.»
«Schmid hat einen Fehler gemacht. Fertig, Schluss»
Etwas gebremster, kontrollierter hätte man sich Dominik Schmid gewünscht, der einen ziemlich rabenschwarzen Tag einzog, gerade einmal ein Fünftel seiner Zweikämpfe gewann und mit seinem Elfmetergeschenk die Lebensgeister bei den Luganesi weckte.
«Ich habe ihm in der Halbzeitpause gesagt: Normal müsstest du schon in der Garderobe sein», sagt Celestini zu seinem Linksverteidiger, «ich war nicht mit allen Schiedsrichterentscheidungen einverstanden, aber ehrlicherweise war das Elfmeterfoul Gelb-Rot. Deshalb war es nicht so schwer zu verstehen, dass wir Schmid auswechseln mussten.»
Dass Schmids Leistung etwas mit der an Shaqiri abgegeben Captainbinde zu tun haben könnte und mental etwas angestellt hat mit dem 26-Jährigen, davon will Celestini nichts wissen: «Wenn es so wäre, wäre es schwierig. Er hat einen Fehler gemacht. Fertig, Schluss. Und wenn Dominik das nächste Spiel macht, werde ich hundertprozentig Vertrauen in ihn haben.»
Die kleine taktische Überraschung
Kleine Taktikbesprechung: Fabio Celestini in Lugano mit seinem Abwehrchef Adrian Barisic.
Interessant war die taktische Herangehensweise an dieses Gipfeltreffen. Freigeist Shaqiri begann nominell auf dem rechten Flügel, trieb sich aber wie gewohnt überall herum. Bénie Traoré spielte dafür zentraler. «Wir wollten eine kleine Überraschung bieten», so Shaqiri, «und das ist sehr gut gelungen.»
Celestini leistet Aufklärung: «Das System war das gleiche, aber die Animation im Zentrum komplett unterschiedlich. Ich habe viele Möglichkeiten, und die Spieler wissen inzwischen, was ich von ihnen will. Traoré kann uns in einer zentraleren Rolle sehr viel geben. In den Umschaltmomenten haben wir so zwei Stürmer und mit Traoré Geschwindigkeit beim Konter. Ich glaube, das war eine gute Idee und hat nicht schlecht funktioniert.» Mal sehen, was sich Celestini nächsten Sonntag gegen Sion einfallen lässt.
Hajdaris Bedauern über den Torjubel
Man nennt es Chill-Guy-Jubel: Albian Hajdari feiert vor den Basler Fans das 2:1; Renato Steffen scheint ihn bremsen zu wollen.
Bleibt noch nachzutragen, dass Albian Hajdari, der Basler Innenverteidiger in Diensten Luganos, hinterher bedauerte, dass die mitgereisten FCB-Fans den sogenannten Chill-Guy-Jubel Hajdaris vor ihrer Kurve als Provokation begriffen hatten. Kein Mitgefühl, höchstens «gemischte Gefühle» wollte der Binninger jedoch dafür aufbringen, dass er innert Jahresfrist schon wieder gegen seinen Ausbildungsklub getroffen hat: «Ich habe gemerkt, dass ich nicht richtig gedeckt werde und musste nur noch den Fuss hinhalten.» Manchmal ist es ganz einfach.
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