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AboAlles zum FCB-Spiel in Lugano

Zwei Mal Pfosten, zwei Mal Latte, zwei Penaltys – Spektakel beim Spitzenspiel

Fussballspiel zwischen FC Lugano und FC Basel, bei dem Luganos Uran Bislimi und Mohamed Belhadj sowie Basels Moussa Cisse, Jonas Adjetey und Torhüter Marwin Hitz in Aktion sind, 19. Januar 2025 in Lugano.
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Die Ausgangslage

Spitzenspiel zum Rückrundenstart. Am Sonntagabend trifft der zweitplatzierte FC Basel im Cornaredo auf Leader Lugano. Die Partie bietet dem FC Basel nicht nur die Chance, sich zum Jahresstart an die Spitze der Liga zu schiessen, sie ist laut Trainer Fabio Celestini auch ein Schlüsselspiel, dessen Ausgang sich auf die gesamte restliche Saison auswirken könnte – positiv wie negativ.

Für den FCB gilt es dabei, die drei sieglosen letzten Ligapartien vergessen zu machen und den Schwung aus den positiv gestalteten Testspielen mit in die Meisterschaft zu nehmen. Keine einfache Aufgabe im Tessin, haben die Basler doch alle vier Spiele, die sie im Jahr 2024 gegen Lugano bestritten, verloren.

Das Spiel

Der FCB startet fulminant in die Partie. Schon in der ersten Minute trifft Kevin Carlos per Kopf aus sehr aussichtsreicher Position den Pfosten. Es folgt eine intensive Startphase, in der das Spiel von der einen Seite auf die andere pendelt, ehe der FC Basel durch einfache Fehler Luganos zu einer ersten Druckphase kommt. Entsprechend ist es verdient, als Kevin Carlos auf Vorlage Xherdan Shaqiris den FC Basel in der 24. Minute per schönem Lupfer in Führung bringt. Gegen Ende der ersten Halbzeit wird Lugano dann etwas besser, weswegen es auch hier nicht gänzlich entgegen dem Spielverlauf ist, dass es zur Pause durch einen von Dominik Schmid verschuldeten Penalty 1:1 steht.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit behält Lugano die Oberhand, kommt zu mehreren Chancen und stellt in der 53. Minute durch Albian Hajdari auf 2:1, wobei die Basler Abwehr in dieser Aktion sehr desorientiert wirkt. Die Partie bleibt intensiv, Chancen gibt es weiterhin auf beiden Seiten. Gegen Ende der Partie wird der FCB nochmals stärker und erspielt sich die eine oder andere Möglichkeit, bevor Xherdan Shaqiri in der 87. Minute per Penalty, den Bénie Traoré herausgeholt hat, zum 2:2-Endstand trifft.

Die Taktik

Fabio Celestini kündigte am Freitag vor dem Lugano-Spiel an, dass er an der einen oder anderen taktischen Stellschraube gedreht hat. Das lässt sich in Lugano erkennen. Während es aus personeller Sicht keine Überraschungen in der Startelf gibt, macht Celestini leichte Anpassungen an seinem Spielsystem. Er lässt in einem 4-4-2 verteidigen, wobei Anton Kade im linken, Xherdan Shaqiri im rechten Mittelfeld und Bénie Traoré und Kevin Carlos im Sturm agieren. Auffällig ist, wie aggressiv der FCB die Zweikämpfe führt. Daraus resultieren zum einen einige Ballgewinne – gerade in Halbzeit eins funktioniert das FCB-Pressing zeitweise ausgesprochen gut. Zum anderen sind viele begangene Fouls die Folge davon. Am Ende sind es deren siebzehn, während Lugano bei neun steht.

Offensiv agieren die Basler gewohnt flexibel. Shaqiri ist sowohl auf dem Flügel als auch im Zentrum anzutreffen. Die Aussenverteidiger stehen hoch und schalten sich in die Angriffe ein. Besonders nach Ballgewinnen gelingt es dem FCB über seine schnellen Spieler, schnell umzuschalten und damit gefährlich zu werden.

Der Aufreger

Es ist ein äusserst unterhaltsames Spiel im Cornaredo. Und es ist ein Spiel der spektakulären Latten- und Pfostentreffer. Bereits in der ersten Minute trifft Kevin Carlos vor dem leeren Tor per Kopf nur den Pfosten. In der 51. Minute treffen dann gleich zwei Spieler die Torumrandung. Nach einem groben Fehler von Jonas Adjetey kommt Hadj Mahmoud zum Abschluss, den Marwin Hitz mit einer guten Parade an den Pfosten lenken kann. Beim Versuch, die Aktion zu klären, schiesst dann Jonas Adjetey Mitspieler Moussa Cissé an, worauf der Ball in Flipper-Manier an den Basler Querbalken springt. Und als wäre das nicht genug der Beinahe-Tore, trifft Bénie Traoré in der 65. Minute mit einem stark flatternden Ball die Lugano-Latte.

Das muss besser werden

Der FCB kann mit dem Favoriten in der Meisterschaft mithalten, dominiert ihn während einer Phase gar. Was für einen Sieg im Tessin aber fehlt, ist zum einen eine konsequente Chancenauswertung. Denn Abschlüsse hat der FC Basel mit 22, von denen fünf aufs Tor gehen, genug. Zum anderen unterlaufen dem FCB zu viele unerzwungene Fehler, die den Gegner aufbauen. Die beiden Gegentore sind dabei nur jene Beispiele, bei denen ein Basler Fehler auch bestraft wurde.

Das sagt der Trainer

Fabio Celestini sieht nach dem Unentschieden gegen den Leader der Super League sowohl Positives als auch Ausbaufähiges. Er sagt: «Wir haben gezeigt, dass wir mit unserer Idee und Philosophie auch für eine Mannschaft wie Lugano zum Problem werden können. Das ist sehr positiv.» Doch dass man mit einem 1:1 in die Halbzeit gehe, das dürfe dem FCB nicht passieren. Denn die Basler seien bis dahin das bessere Team gewesen. Celestini fügt an: «Vor dem Penalty hat sich Lugano vielleicht gedacht, dass sie heute keine Chance haben.»

So geht es weiter

Nach diesem 2:2 in Lugano steht der FC Basel unverändert auf Platz zwei der Super League. Noch immer beträgt der Rückstand einen Punkt, und noch immer ist man punktgleich mit dem drittplatzierten Lausanne. Mit dem Ligabetrieb geht es für den FCB am kommenden Sonntag um 16.30 Uhr weiter. Dann ist beim ersten Heimspiel des Jahres der FC Sion zu Gast. Die Sittener haben ihr letztes Spiel gegen GC mit 0:1 verloren und stehen in der Liga auf Platz 8.

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Zunächst, da nimmt man nur Sion-Verteidiger Federico Barba wahr. Er liegt am Boden, die Hand am Fussgelenk. Dann sieht man, wie Schiedsrichter Sandro Schärer sich aufmacht, um auf Geheiss des VAR die Bilder zu sichten.Und dann sieht man diese Bilder: Ein erster Schritt in Richtung Barba. Dann ein Ausfallschritt, sodass Ajeti den Gegner irgendwo in der Hacke, bei Knöchel und Achillessehne, trifft. Es wirkt nicht sonderlich heftig. Schon gar nicht brutal. Aber es wirkt sehr beabsichtigt. Ohne jede Notwendigkeit. Und damit ist es eine Tätlichkeit.Das sieht auch Schärer nicht anders. Nach kurzem Studium kehrt er zurück und zeigt Ajeti folgerichtig direkt die Rote Karte. Platzverweis. Sperre von mindestens zwei Spielen. Und vor allem: zurück auf Feld eins für Albian Ajeti – oder gar noch etwas weiter nach hinten, in der Gunst des Trainers und in der Hierarchie der Mannschaft.«Schade» findet dieser Trainer die Aktion seines Stürmers. Und Fabio Celestini sagt auch, dass das nun schwierig sei für seinen Spieler. Aber auch, dass die Mannschaft Albian Ajeti brauche.Wie er das meint, das lässt sich nur interpretieren. Vorerst, da hat sich Albian Ajeti der Chance beraubt, mit Einsätzen Werbung in eigener Sache zu machen. Ganz sicher, solange er gesperrt ist. Vielleicht aber auch darüber hinaus. Denn eine unnötige, ja dumme Rote Karte, wie er sie sich geholt hat, bringt in aller Regel nebst der Sanktion durch die Liga auch Minuspunkte beim Trainer.Bei diesem hatte Ajeti schon zuvor einen schweren Stand. Das haben die Partien im Spätherbst gezeigt, wo er hinter Kevin Carlos nur noch Einwechselspieler für die Rolle als Stossstürmer war und dabei nicht mehr auf Touren kam. Und noch mehr ist dies bei Wiederbeginn der Meisterschaft ersichtlich gewesen: Vor einer Woche, beim Spitzenspiel in Lugano, blieb ein gesunder Ajeti ohne Aufgebot komplett aussen vor.So gesehen wäre die Sion-Partie eigentlich als Fortschritt gedacht gewesen. Ersatzbank, dann Einwechslung in der 69. Minute. Doch mit dem Ausfallschritt zum Schluss ist sie das Gegenteil und vorläufiger Tiefpunkt. Denn nun droht Albian Ajeti zumindest temporär das Abstellgleis. Und damit auch der baldige Abschied von seinem Heimatclub, dem FC Basel.Denn Albian Ajeti muss spielen, damit er einen Vertrag hat, der auch nach dem 30. Juni 2025 noch gültig ist. Lange haben die Basler Verantwortlichen im Januar vor einem Jahr gefeilscht, bevor ein Papier aufgesetzt werden konnte, welches die Rückkehr zur Zufriedenheit beider Parteien besiegelte. Zu wenig überzeugend war der Fitnesszustand des Angreifers zum damaligen Zeitpunkt.Wesentlicher Bestandteil des Kontrakts: reguläre Laufzeit für eineinhalb Jahre, Option auf automatische Verlängerung bei Erfüllung gewisser Leistungsparameter.Meist sind diese Parameter primär an Einsätze geknüpft. Und zwar so, dass eine klare Mehrheit der Spiele bestritten werden muss, damit die Bedingung zur Verlängerung erfüllt ist. Bei einem Torjäger wie Ajeti kann es sich auch um einen Mix handeln, könnten Skorerpunkte eine Rolle spielen – oder gar allein den Ausschlag geben.Aktuell hat der FC Basel 23 Pflichtspiele in Liga und Cup absolviert. Ajeti steht – auch aufgrund einer zwischenzeitlichen Verletzung, die ihm nach gutem Beginn im Sommer den Schwung nahm – bei 20 Einsätzen und 12 Skorerpunkten (7 Tore).Das ist gesamthaft gesehen sehr ordentlich. Aber es ist nicht herausragend für einen, der schon einmal Torschützenkönig der Super League war. Das war bei seiner zweiten von inzwischen drei rotblauen Phasen. Und vor seinem nächsten erfolglosen Versuch im Ausland. Und es ist – nach allem, was man weiss – auch noch nicht genug, damit sich der Vertrag automatisch verlängert. So, wie es unwahrscheinlich ist, dass man ein neues Papier aushandelt, um die Zusammenarbeit auch dann fortzusetzen, wenn diese eigentlich enden würde.Albian Ajeti weiss das natürlich. Und auch er wird den Tribünenplatz in Lugano nicht als positives Zeichen gewertet haben. Hat das bereits genug Frust verursacht, um sich gegen Sion zu einer Kurzschlusshandlung hinreissen zu lassen? War es vielleicht eher eine gegnerische Provokation, die zu diesem Ausfallschritt führte? Oder war es etwas ganz anderes?Im Moment weiss man das nicht, weil sich Albian Ajeti noch nicht dazu geäussert hat. Irgendwann wird wohl der Tag kommen, an dem er das tut.Ganz sicher ist: Am nächsten Wochenende im Klassiker gegen den FC Zürich fehlt Albian Ajeti gesperrt. Und man darf gespannt sein, welche Rolle er einnimmt, wenn er wieder spielberechtigt ist.Der FCB gegen SionDen Podcast können Sie auf Spotify oder Apple Podcasts abonnieren. Falls Sie eine andere Podcast-App nutzen, suchen Sie einfach nach «Dritte Halbzeit».NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenOliver Gut schreibt seit März 2001 für das Sport-Ressort der Basler Zeitung, das er seit 2019 leitet. Vorher für diverse Sportarten zuständig, konzentriert sich der Fricktaler seit 2011 auf den Fussball – und damit hauptsächlich auf den FC Basel. Mehr InfosFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare