Dieser Artikel wurde von BAZ publiziert.

AboFC Basel bald ohne CEO

Chris Kauffmann hat sich überflüssig gemacht

Letzte Tage als CEO des FC Basel: Chris Kauffmann.
Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.

BotTalk

In Kürze:

  • Der FC Basel wird nach Chris Kauffmanns Abgang keinen CEO haben, sondern ein Geschäftsführungsgremium.
  • Mit Kauffmann senkte der FCB Kosten um zweistellige Millionenbeträge.
  • Der scheidende CEO sieht den Club ebenso auf gutem Weg, wie das die Besitzenden tun.
  • Trotzdem wird er diesen Weg nicht mitgehen (dürfen?) – über eine weiterführende Tätigkeit wurde offenbar nie diskutiert.

Ende Oktober beginnt für den FC Basel eine neue Zeitrechnung. Dann, wenn Chris Kauffmann sein Büro geräumt und den Club verlassen hat, bei dem er in den vergangenen zwei Jahren zunächst als Chief Growth Officer und schliesslich als Chief Executive Officer (CEO) gewirkt hat.

Die ganz hohen Wellen hat es nicht geworfen, als der FCB am 6. August 2024 das Ende der gemeinsamen Zusammenarbeit verkündete, indem man den auf zwei Jahre befristeten Vertrag mit dem obersten Geschäftsführer auslaufen lässt. Aber ein bisschen gewundert hat man sich schon.

Nicht nur darüber, dass da wieder einer geht. Sondern auch darüber, dass es diese Schlüsselposition danach gar nicht mehr geben soll: Der FCB wird die Zukunft bis auf weiteres ohne CEO anpacken, sondern mit einem Gremium bestehend aus Abteilungsleitern, zu dem auch David Degen als Verwaltungsratspräsident der FC Basel 1893 AG gehört und dort gleichsam die Club-Besitzenden vertritt.

Dieser David Degen schlendert zufällig den Gang entlang, an diesem Nachmittag, an dem Chris Kauffmann in ein paar Minuten zu seinem Wirken interviewt wird. Und weil Kauffmann im selben Moment aus der Tür tritt und Degen kreuzt, lässt sich zumindest ein Gerücht entkräften, das vor und nach der Bekanntgabe hie und da kursierte: Zum totalen Zerwürfnis scheint es nie gekommen zu sein.

Degen tickt bestimmt anders als der Noch-CEO. Und es war auch zu vernehmen, dass er dessen Arbeit zuweilen sehr kritisch beurteilte. Aber in diesem Moment grüssen sie sich, klatschen ab, wechseln ein paar Worte. Gespielt wirkt es nicht.

«Das ist alles wie immer», wird Kauffmann danach sagen. «Wobei wir uns normalerweise nicht erst am späten Nachmittag begegnen, sondern uns im Verlauf eines Tages ständig sehen. Wir teilen nämlich dasselbe Büro.»

Doch warum ist der gemeinsame Weg dann zu Ende? Chris Kauffmann hat eine einfache Erklärung dafür: «Im Grunde war es Teil meiner Aufgabe, mich selbst überflüssig zu machen.» Das Ende sei von Anfang an so angedacht gewesen, aber aus taktischen Gründen nie so kommuniziert worden.

Das klingt etwas seltsam. Macht aber etwas mehr Sinn, wenn man sich vor Augen hält, wo der FC Basel stand, als Chris Kauffmann mit ihm in Kontakt kam. Mit Dan Holzmann verbunden, da er einst für diesen tätig war, wurde Kauffmann beigezogen, um die vier Hauptaktionäre – also Degen, Holzmann sowie das Ehepaar Ursula und Andreas Rey-Krayer – näher zusammenzubringen. Es folgte ein entsprechender Workshop durch Kauffmann, der dabei überzeugte, was schliesslich dazu führte, dass man den inzwischen 53-jährigen Bayer mit jener Aufgabe betraute, die er nun als abgeschlossen betrachtet: Struktur und Infrastruktur jenes Apparats durchleuchten, der nicht direkt mit dem sportlichen Kernprodukt, der Profimannschaft, zu tun hat. Und diesen dann so verändern, dass alles effizienter und gleichzeitig günstiger wird.

Chief Growth Officer oder Chief Executive Officer waren dabei nur Titel, die es bei einem mittelgrossen Unternehmen offenbar braucht. Eigentlich wäre Chefsanierer passender. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls, wer Kauffmanns Erklärungen lauscht. Dieser wiederum wehrt sich nicht gegen entsprechende Begriffe, sondern sagt: «Das ist das, worin ich Erfahrung habe und gut bin.» Es geht um Transformationsprojekte auf Zeit, nicht um eine Lebensaufgabe.

Nicht alles ist dabei beim FC Basel nach Plan verlaufen.

Da waren Tiefpunkte wie die Ausschreitungen nach dem Cupspiel gegen YB oder die ausgesperrten Fans beim Conference-League-Spiel in Nizza. Aber auch der interne Prozess war ein schmerzhafter, begleitet vom einen oder anderen Nebengeräusch. Es gab Kündigungen, weil Stellen gestrichen und andere mit neuem Profil geschaffen wurden. Es gab Klagen jener, die ihre Stelle verloren hatten. Über den Umgang mit verdienstvollen Mitarbeitenden. Über den Stil. Es gab Verzögerungen, etwa beim Ticketing, die für einigen Ärger sorgten. Und auch Kauffmann sagt: «Es ist nicht alles perfekt, mehr will man sowieso immer erreichen.»

Aber er sagt auch: «Die grossen Weichen sind gestellt.»

Man habe alle Steine umgedreht und den Club in jenen Bereichen, die er verantwortet habe, so aufgestellt, dass dessen finanzielles Überleben weit weniger stark vom Transfergeschäft abhänge, als dies zuletzt der Fall gewesen sei. «Strukturelles Defizit» lautet ein zentrales Stichwort, die jüngste Geschichte ist präsent: Es ist erst ein Jahr her, da ein Darlehen seitens der Besitzerschaft (via Horizon 2026 AG) in der Höhe von acht Millionen Franken nötig war, um im Frühjahr die Liquidität zu gewährleisten. Und all das, während der FCB aus dem Transfergeschäft Millionengewinne wie zu seinen besten Zeiten verzeichnete.

Wie sich die Entscheide des Chefsanierers auswirken, wird man frühestens in der laufenden Jahresrechnung sehen. Kauffmann spricht von einem insgesamt zweistelligen Millionenbetrag, um den man die Kostenseite gesenkt habe. Wobei zu berücksichtigen ist, dass einer der grössten Hebel nicht in den kommerziellen Bereich fällt, sondern sich in den Lohnkosten der Profi-Equipe findet. In den direkt von ihm verantworteten Geschäften spricht er von Einsparungen von rund 20 Prozent, die in den zwei Jahren querbeet erzielt wurden. Und redet von nun noch 175 Personen, die angestellt sind, während es rund 220 waren, als die neuen Eigentümer den Club vor drei Jahren übernahmen.

Dabei ist es nicht so, dass einfach nur weggespart wurde. Vieles, was eine bessere Balance bringen soll, hat auch mit Investitionen zu tun.

Da ist zuerst die Veränderung des Stadionmietvertrags, durch die der FCB für den Innenbau verantwortlich zeichnet, dafür seine Mietkosten von 3,8 Millionen Franken (4,8 Millionen mit Champions League) auf rund eine Million Franken senken konnte. Dass sich dieses Modell rechnet, davon ist Kauffmann überzeugt, «weil wir unsere Bedürfnisse und Dringlichkeiten kennen und die entsprechenden Ausgaben selbst steuern können».

Da ist aber auch die Erneuerung des Flutlichts hin zu LED-Lampen, wobei die Behörden via Swisslos-Sportfonds einen Beitrag leisteten. Oder der Rasen im St.-Jakob-Park, bei dem die drei obersten Schichten inklusive Drainage, Heizung und Kühlung saniert wurden. «Beides sind Investitionen, durch die wir langfristig profitieren.»

Da sind Bewegungsmelder. Da sind Computersysteme. Da ist der Shift im Sicherheitsbereich, wo nun alles bei der Firma Pantex liegt. Kurz: Da ist vieles. Alles im Sinne der Effizienz, der Wirtschaftlichkeit und des zukünftigen Wachstums.

Und da gibt es auch Pläne, die noch nicht realisiert werden konnten. Zum Beispiel jenen Plan, unter dem Label «FC Basel» eine eigene medizinische Klinik zu eröffnen und sich so eine zusätzliche Einnahmequelle zu eröffnen. Die ursprüngliche Idee scheiterte an der Bereitschaft der auserkorenen Leiter, sich darauf einzulassen. Aktuell arbeitet man an einem Modell mit der Muttenzer Rennbahnklinik.

Hätte es Kauffmann denn nicht interessiert, weiterhin beim FC Basel zu bleiben? «Das war nie Gegenstand der Diskussion – und das Aufgabenprofil wäre wohl ein komplett anderes gewesen.»

Ein «Nein» ist das nicht. Aber offenbar haben ihm die Besitzenden auch nie diese Frage gestellt.

Klar ist: Der Job, den er angetreten hat, ist gut bezahlt gewesen. Indem sich Chris Kauffmann selbst «überflüssig» gemacht hat, leistet er einen schönen, finalen Sparbeitrag.

Ab November hat der FC Basel keinen CEO mehr. Auch das ist eine Restrukturierung, einfach auf Führungsebene. Und nicht zum ersten Mal, seit David Degen den Club übernommen hat.

Ob dieses Modell nachhaltig ist, wird die Zukunft zeigen.

Newsletter

Rotblau aktuell

Erhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.

Weitere Newsletter

Similar Posts

  • Verlosung von Codes: So geht der FC Basel den Ticketverkauf zum Cupfinal an

    Verlosung von Codes – So geht der FC Basel den Ticketverkauf zum Cupfinal anDer FC Basel verlost Codes, die zum Kauf von zwei der 12’500 Billete, die dem FC Basel für den Cupfinal zur Verfügung stehen, berechtigen.Publiziert heute um 18:10 Uhr27.04.2025; Basel; Fussball Schweizer Cup Halbfinal – FC Basel – FC Lausanne-Sport;(Pascal Muller/freshfocus)Foto: Pascal Muller (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkAm Sonntag, den 1. Juni bestreitet der FC Basel in Bern den Cupfinal gegen den FC Biel. Beide Clubs verfügen über 12’500 Tickets, die sie an ihre Fans verkaufen können. Doch aufgrund der hohen Nachfrage hat sich der FC Basel dazu entschieden, dies auf eine besondere Weise zu tun.Die Ticketpreise für den Cupfinal inklusive Hin- und Rückreise mit den ÖV.Visualisierung: PDAm kommenden Mittwoch um 12 Uhr erhalten zufällig ausgewählte Saisonkartenbesitzerinnen und -besitzer und Vereinsmitglieder per Mail einen Code zugesendet, der zum Kauf von zwei Tickets berechtigt. Dann haben jene Personen, die einen Code bekommen haben bis zum Sonntag, den 11. Mai, um 23.59 Uhr Zeit, um ihre Tickets zu beziehen.Nicht bezogene Tickets kommen danach in einer zweiten Phase erneut in den Verkauf. Auch dann werden wieder Codes zufällig versendet. Personen, die weder Vereinsmitglied noch Saisonkartenbesitzerin oder -besitzer sind, haben keine Möglichkeit, Tickets vom Kontingent des FC Basel zu beziehen.Der FC Basel vor der MeisterrundeDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.Linus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. Mehr Infos@linusschauffertFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • Fehlende Effizienz in der Offensive: Muss der FC Basel noch einen Goalgetter verpflichten?

    Fehlende Effizienz in der Offensive – Muss der FC Basel noch einen Goalgetter verpflichten?Nach zwei Ligaspielen hat Rotblau nur einen Torschützen. Die Chancenauswertung ist mangelhaft. Stimmen Sie ab!Publiziert heute um 14:56 UhrAlbian Ajeti (Mitte) war in den ersten beiden Saisonspielen noch nicht erfolgreich.Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkNach zwei Saisonspielen hat der FC Basel drei Tore auf dem Konto. Doch Torschützen gibt es nur einen. Beim 1:2 gegen St. Gallen war es Lukas Görtler, der den FCB mit einem Eigentor in Führung brachte, und gegen GC traf am Samstag Philip Otele doppelt.Die Chancen für andere Spieler wären in beiden Partien da gewesen. Doch es mangelt an der Effizienz beim FCB. Startelf-Stürmer Albian Ajeti liess in beiden Spielen sehr gute Chancen aus, der jeweils eingewechselte Kevin Carlos zeigte sich vor allem an Spieltag 1 wenig effizient.Doch auch von den übrigen Offensivspielern geht derzeit wenig Torgefahr aus. Xherdan Shaqiri befindet sich noch nicht auf dem Niveau von vor der Sommerpause, Bénie Traoré liess im ersten Spiel ebenfalls noch den von ihm bekannten Zug zum Tor vermissen – und verpasste das zweite aufgrund einer Verletzung am Sprunggelenk, bei der man nicht weiss, wie lange sie ihn einsatzunfähig machen wird. Die Teileinsätze von Anton Kade, Marin Soticek und Junior Zé zeichnen zudem ein ähnliches Bild.Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass die Saison noch jung ist und sich das alles einpendeln muss. Schliesslich hat man eine lange Pause hinter sich und verständlicherweise nicht mehr das Selbstverständnis der Schlussphase der letzten Saison. Gut möglich, dass die Basler Tormaschinerie in den nächsten Spielen richtig ins Laufen kommt.Man kann es aber auch anders sehen. Bereits am 19. oder 20. August bestreitet der FC Basel das Hinspiel der Champions-League-Playoffs, wo grosse Herausforderungen warten könnten. Bis dahin trifft der FCB auf YB, Lugano und im Cup auf Biel. Alles wichtige Spiele – da bleibt nicht viel Zeit für ein Kalibrieren der Offensive.Es bietet sich nun die Möglichkeit, auf dem Transfermarkt, der in der Schweiz noch bis zum 8. September geöffnet ist, nach einer Verstärkung für die Offensive zu suchen. Die Scouting-Abteilung der Basler wird sich in den kommenden Tagen und Wochen sicher nach einem weiteren Tor-Garanten umsehen. Ob es dann tatsächlich zu einer Verpflichtung kommt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen.Der FC Basel empfängt GCDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. Mehr Infos@linusschauffertFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • FCB-Sportchef Stucki exklusiv: «Wir wollen mit Fabio Celestini in die nächste Saison gehen»

    AboFCB-Sportchef Stucki exklusiv – Daniel Stucki: «Wir wollen mit Fabio Celestini in die nächste Saison gehen»Der Sportchef des FC Basel will nun unbedingt den Meistertitel und träumt vor dem Cup-Halbfinal (Sonntag, 15.30 Uhr) vom Double.Publiziert heute um 23:47 Uhr«Ich fand die medialen Diskussionen vor allem für Fabio Celestini sehr schade», sagt Stucki über die unruhige Phase Anfang April. Patrick Straub/FreshfocusJetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkSeit einem knappen Jahr Sportdirektor des FC Basel, könnte Daniel Stucki (43) bereits in seiner ersten Saison in dieser Schlüsselfunktion den Gewinn des Meistertitels, ja gar des Doubles erleben. Ein Gespräch, das zeigt, dass dies ganz den Ambitionen des früheren Verteidigers in drei Meisterteams des FC Zürich entspricht.Daniel Stucki, der FC Basel wird die letzten fünf Partien in der sogenannten Championship Group mit sechs Punkten Vorsprung angehen. Darf man Ihnen schon zum Meistertitel gratulieren?Nein. Noch sind wir weit vom Titel entfernt. Unbestritten ist, dass wir einen guten Abschluss der Qualifikationsphase zeigten. Wir wussten auch stets um unser Potenzial, das wir nun absolut abgerufen haben. Und natürlich ist die Ausgangslage sehr gut.Aber?Wir haben nun erst den Cup-Halbfinal gegen Lausanne und dann – am Anfang der Meisterrunde – ein grosses Spiel gegen Servette. Mit einem Sieg stellen wir da die Weichen. Aber im Fussball braucht es manchmal wenig, damit es in die andere Richtung geht. Was ist, wenn wir gegen Servette früh eine Rote Karte erhalten? Was ist, wenn sich ein Schlüsselspieler verletzt? Was ist, wenn wir danach nur noch drei Punkte Vorsprung, aber eine englische Woche mit drei Auswärtsspielen in Lugano, Lausanne und Bern inklusive der Reisen vor uns haben?Sie meinen: Ein einzelnes unglückliches Ereignis kann zu einem negativen Resultat führen und die Dynamik unterbrechen?Das ist im Fussball schon vorgekommen. Ich habe zwar durchaus das Gefühl, dass das bei uns nicht diesen Einfluss hätte, so wie ich die Spieler und den Staff wahrnehme. Aber wir haben auch keine unglaublich gefestigte, über Jahre gewachsene Mannschaft, die fünfmal Meister geworden ist: Nimmt man den durchaus einschneidenden Shaqiri-Zuzug Ende August als Ausgangspunkt, dann arbeitet das Team in dieser Form erst seit acht Monaten zusammen. In den ersten zehn Minuten gegen den FCZ hat man beispielsweise gesehen, dass wir nicht unverwundbar sind.«Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Offensive weiterhin nur sehr schwer zu verteidigen sind.» Daniel Stucki über Bénie Traoré, Philipp Otele – und natürlich Xherdan Shaqiri (von links nach rechts).Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)Wie nehmen Sie denn die Mannschaft und den Staff wahr?Ich durfte selbst dreimal Meister mit dem FCZ werden und spüre im Moment in der ganzen Einstellung und in der Atmosphäre viel Gutes, das mich daran erinnert. Ich sehe auch, dass wir im Flow und viele Spieler in Topform sind. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Offensive weiterhin nur sehr schwer zu verteidigen sind. Und ich sehe ebenfalls, dass die Abwehr seit der Länderspiel-Pause nur ein Gegentor zugelassen hat.Darf man Ihnen aber zumindest schon zu einer guten Saison gratulieren?Absolut. Sogar zu einer sehr guten Saison. Wir werden am Ende auf einem der ersten drei Plätze stehen und nächste Saison die Chance dazu haben, im Europacup dabei sein. Das war unser Ziel. Mit der Rückholung von Xherdan Shaqiri konnten wir zudem eine einzigartige Dynamik und Euphorie auslösen. Und ich finde, dass man zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Saison auch feststellen darf, dass wir darüber hinaus gute Transfers gemacht haben und einige Spieler im Kader haben, die nun auf eine gute Entwicklung zurückblicken können.Also wären Sie gar nicht enttäuscht, wenn es nun doch nicht klappt mit dem Meistertitel?Im Gegenteil: Verpassen wir den Titel nun noch, wäre die Enttäuschung für alle riesengross. Im ganzen Club sind gerade sehr viele Emotionen. Als Sportchef muss ich aber am Ende in der Lage sein, eine Saison ohne Emotionen zu bewerten. Wenn du aber fünf Runden vor Schluss mit sechs Punkten Vorsprung an der Spitze liegst, dann kann es nur noch ein Ziel geben: Meister werden.Einen grossen Anteil daran hätte Xherdan Shaqiri.Er ist eine absolute Identifikationsfigur, und dass er momentan so fit ist, ist für uns entscheidend. Er hat einen unglaublichen Siegeswillen, den er den anderen Spielern vermitteln kann. Er nimmt den Druck von den anderen Spielern und lädt ihn auf sich – und er mag das. Das ist eine Win-win-Situation.Es braucht auch Mut vom Trainer, das Offensivspiel so bedingungslos auf einen Spieler zuzuschneiden.Unser Spiel ist nicht per se auf Shaq zugeschnitten. Natürlich wirkt es ein Stück weit so, weil er derart dominant ist und oft gesucht wird. Aber schauen Sie sich sein Tor gegen Yverdon an: Dass er dort den freien Raum erkennt, hat nichts mit Zuschneiden zu tun, das ist Qualität. Zudem hat er alle Freiheiten, und das ist immer schwierig zu verteidigen. Dass er dadurch defensiv nicht immer Vollgas gibt, ist durch taktische Kniffe, die der Staff sehr gut anwendet, problemlos auszubaden in der Schweizer Liga.Bei der ganzen Offensivpower geht die gute Leistung der Verteidigung beinahe unter.Wir haben einen Toptorhüter und davor eine super Defensive mit vier Innenverteidigern, die für die Schweizer Liga sehr, sehr gut sind. Aber unsere Defensive ist auch jung. Dadurch können wir nicht einfach mal 30 Minuten lang Tempo rausnehmen und den Ball in den eigenen Reihen halten.Haben Sie sich Sorgen gemacht, als Adrian Barisic und Finn van Breemen beide verletzt ausfielen?Dass wir sie durch Jonas Adjetey und Nicolas Vouilloz ersetzen mussten, bereitete mir überhaupt kein Bauchweh. Sie sind unglaublich starke Zweikämpfer und haben eine Topmentalität. Mich hat aber der Gedanke ins Grübeln gebracht, was wäre, wenn sich noch ein Innenverteidiger verletzen würde. Marvin Akahomen ist zwar ein grosses Talent. Aber der Druck im Moment ist für einen 17-jährigen Spieler noch mal ein anderer. Denn jetzt geht es um den Titel. Im Team hätte es natürlich auch Alternativen, die man umfunktionieren könnte.Nicolas Vouilloz – hier am Boden, aktuell aber ganz oben: Daniel Stucki sieht im Innenverteidiger einen Typ Spieler, wie er jungen angehenden Profis als Vorbild dienen sollte.Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)Dann hat Vouilloz, der eigentlich schon als abgeschrieben galt, eine Chance erhalten.Nicolas ist ein absoluter Vollprofi und körperlich unglaublich fit. Sogar als er eine Zeit lang fast nur auf der Tribüne war, gehörte er im Training immer zu den Besten. Es ist eindrücklich, wie er bereit war, als es ihn brauchte. Junge Fussballer wollen immer werden wie Shaqiri. Das ist ja auch in Ordnung. Aber eigentlich sollte sich ein junger Spieler an Vouilloz’ aktuellem Beispiel orientieren: hart arbeiten und Geduld haben – aber die Chance nutzen, wenn sie kommt.Adrian Barisic ist wohl bald wieder einsatzbereit. Nun gilt aber: Never change a winning team. Nicht?Das ist Sache des Trainers.Wie sehen Sie das?«Never change a winning team» klingt so pauschal. Aber ja, es gibt viel, das dafür spricht, wenig an der Teamdynamik zu ändern. Wir sind im Flow, harmonieren gut, und wenn man etwas umstellt, macht man sich eventuell angreifbar. Klappt es nicht, dann unterbricht man womöglich die Dynamik und kann diese nicht mehr zurückerlangen.Im Flow befindet man sich seit der Nationalmannschaftspause. Hat es die Unruhen, die es da rund um interne Diskussionen mit und um den Trainer samt grossem Medienecho gab, am Ende sogar gebraucht?Nein, das würde ich nicht sagen. Natürlich braucht es immer wieder mal eine Challenge und gewisse Hebel, die man betätigen muss, auch wenn es unangenehm ist. Triggerpunkte zu treffen, ist etwas Positives, wenn es die richtigen sind. Man muss sehen: Es gibt ganz verschiedene Persönlichkeiten, Führungsstile und Arten, Trainer zu sein. Und jede davon hat Stärken und Schwächen. Aber ich fand die medialen Diskussionen vor allem auch für Fabio Celestini sehr schade, denn er hat es hauptsächlich in Form des Vorwurfs abbekommen, dass die Spieler nicht hinter ihm stehen würden. Das hat mich extrem gestört. Das fand ich durchaus unwürdig, gerade wenn man sieht, was er in seiner Zeit beim FCB geleistet hat.Er wurde halt danach gefragt, weil das eines der Themen war, die – ob zu Recht oder zu Unrecht – von innen nach aussen drangen … Hatten Sie denn das Gefühl, Sie müssten Fabio Celestini mit den Gesprächen in eine andere Richtung lenken?Überhaupt nicht. Wir haben einfach die Dinge angesprochen, von denen wir das Gefühl hatten, dass sie wichtig dafür sind, etwas zu gewinnen. Denn auch Dave und ich haben Erfahrungen, die produktiv sein können. Aber es geht mir immer um konstruktive Kritik und Offenheit. Und solche Gespräche gibt es laufend. Wir haben sie nicht geführt, weil wir in den sechs Spielen davor nur sechs Punkte geholt haben. Und ich habe nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis mit Fabio.War es im Nachhinein richtig, bereits in der Nationalmannschaftspause andere Trainer zu kontaktieren?Dass Medien diese gestreuten Informationen aufgreifen, ist normal. Und ich musste für meinen Teil lernen, dass es in gewissen Kreisen Lecks gibt, bei denen solche Informationen nach aussen dringen können. Das ist jetzt halt zu einem schlechten Zeitpunkt und auch anders, als es tatsächlich war, in die Medien geraten. Das ist auch ein Learning für mich. Ich bin ein junger Sportdirektor und noch nicht mit allen Wassern gewaschen. Die Kritik, dass hier nicht alles gut gelaufen ist, nehme ich an.Wird man denn mit Fabio Celestini in die nächste Saison gehen?Ja, wir wollen mit Fabio in die nächste Saison gehen.Und will er auch mit dem FCB in die nächste Saison gehen?Darüber habe ich nicht mit ihm gesprochen. Sein Traum ist es, irgendwann mal in Spanien zu trainieren, das ist auch okay. Und wenn er diese Chance bekommt, werden wir wohl nicht mithalten können.Irgendwann muss es aber für beide Seiten klar sein.Richtig. Nach der Saison. Wir starten sicherlich mit dem Trainer in die Vorbereitung, der dann auch die Saison beginnen wird.Wie antizipiert man die Möglichkeit, dass Celestini nicht in Basel bleiben will?Wir haben keine Glaskugel. Aber wir bereiten uns die ganze Saison auf alle Eventualitäten vor – auch, indem wir Kontakte zu Trainern pflegen, die irgendwann einmal, sei das auch in fünf Jahren, Trainer beim FCB werden könnten. Das gehört einfach zu meinem Job.So auch bei der Kaderplanung. Wie steht es da eigentlich um einen Verbleib von Metinho im Sommer?Es wäre sicherlich in unserem Interesse, ihn beim FC Basel zu halten. Da wir ihn auf Leihbasis ohne Kaufoption verpflichtet haben, gibt es Verhandlungen. Im Vergleich mit anderen möglichen Interessenten befinden wir uns hierbei aber in der Poleposition, weil der Spieler Interesse an einem Verbleib hat.Aber der Preis ist noch nicht ausgehandelt.Also wir wissen, was die City Football Group will. Aber das kann er für uns nicht kosten. Für uns ist es nicht ganz einfach, wenn eine so grosse Organisation hinter einem Spieler steht, denn sie sind nicht auf unser Geld angewiesen.Wie ist es bei Philip Otele?Viele Argumente sprechen dafür, ihn zu behalten. Denn er ist ein Spieler, der eine hohe Performance bringen kann und bei dem wir nicht darauf warten müssen, bis sich sein Potenzial entfaltet.Man kann ja einfach die Kaufoption über 3,5 Millionen Dollar einlösen. Oder wird da nachverhandelt?Ich kann nichts Genaueres sagen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten …Im Geschäftsjahr 2024 wies der FCB einen Transfergewinn von 34,1 Millionen Franken aus. Will man das wieder erreichen?Durch die Brille des Sportchefs will ich Meister werden und nicht Millionen einnehmen. Mein Traum wäre es natürlich, wenn wir einen Spieler für 20 Millionen verkaufen könnten und der Rest im Kader bleibt. Aber das ist gleichzeitig unrealistisch, denn wir wollen keinen Spieler dazu zwingen, bei uns zu bleiben. Das ist einerseits nicht gut für seine Moral und hat andererseits die Folge, dass sich herumspricht, dass der FCB es Spielern verwehrt, den nächsten Schritt zu machen. Dann verlieren wir als Club an Strahlkraft bei den Spielern.Leon Avdullahu wird keine 20 Millionen einbringen. Erwarten Sie ihn dennoch in der Bundesliga nächste Saison?Da ich nichts anderes weiss, erwarte ich ihn beim FC Basel. Es gab auch noch kein Angebot für ihn. Noch bewegt sich ja auch der Markt in den grossen Ligen nicht. Aber es ist auch klar, dass wir einen möglichen Abgang auf der Rechnung haben müssen.Mit einem allfälligen Meistertitel würde der Anspruch für die nächste Saison stark steigen. Sie müssten die Abgänge so ersetzen, dass sie nicht ins Gewicht fallen.Ja, das wird unsere grösste Challenge in diesem Sommer sein. Die Spieler, die wir holen, müssen in der Lage sein, mindestens unter den ersten 15 des Kaders spielen zu können. Und zwar von Anfang an. Wir können nicht einfach zehn Talente im Team haben, die wir erst noch ein halbes Jahr lang entwickeln müssen, bevor sie Leistungen bringen. Wie es beispielsweise bei Thierno Barry der Fall war, der sich dann dafür umso rasanter in eine der grossen Ligen skorte.Ist man bei Barry an den Transferrechten beteiligt?Wir verkaufen nie einen Spieler ohne Beteiligung.Wie steht es um die Vertragsverlängerung mit Albian Ajeti?Wir sind dran. Momentan wird er leider nicht belohnt für das, was er macht. Aber er ist in einer super Verfassung. Wie er die Bälle verarbeitet und verteilt, ist stark.Was bedeutet ein Meistertitel mit der Chance auf Champions League in Bezug auf die Transfers?Dadurch werden wir logischerweise noch attraktiver für mögliche Zugänge. Diese werden wir auch brauchen, wenn ich an die Dreifachbelastung denke. Aber auch die Spieler, die schon hier sind, hätten dadurch ein weiteres Argument, um beim FCB zu bleiben.Wie anstrengend war Ihre Arbeit als Sportchef bisher?Sehr. Es war schwierig, dieses Schiff in eine komplett andere Richtung zu drehen, aber noch schwieriger wird es sein, diese Leistung zu bestätigen. Es ist aber sehr positiv, dass die gute Arbeit schon jetzt auch im Sport Erfolg bringt. Normalerweise geht das immer ein bisschen länger.Nun steht der Cup-Halbfinal gegen Lausanne an.Da bin ich sehr positiv eingestellt, auch wenn wir bisher im Cup die aus meiner Sicht schlechtesten Leistungen der Saison gezeigt haben. Wir sind bereit. Für die Spieler ist es ein absolutes Highlight, denn es ist ein Halbfinal, und das Joggeli wird sehr gut gefüllt sein. Dieses Mal auch die Kurve. Ich habe gesagt, dass ich während meines dreijährigen Vertrags auf den Barfi will. Ich habe aber nicht gesagt, wie oft ich dorthin will …Der FC Basel auf dem Weg zum MeistertitelDiesen Podcast können Sie auch auf allen gängigen Podcast-Plattformen kostenlos hören und abonnieren.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenOliver Gut schreibt seit März 2001 für das Sport-Ressort der Basler Zeitung, das er seit 2019 leitet. Vorher für diverse Sportarten zuständig, konzentriert sich der Fricktaler seit 2011 auf den Fussball – und damit hauptsächlich auf den FC Basel. Zudem ist er regelmässiger Diskussionsgast im Fussball-Podcast «Dritte Halbzeit».Mehr InfosLinus Schauffert ist Redaktor im Ressort Sport bei der Basler Zeitung und berichtet schwerpunktmässig über den FC Basel. Mehr Infos@linusschauffertFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare

  • FCB-Trainer Fabio Celestini: «Jetzt kann ich es endlich sagen: Wir sind Schweizer Meister»

    FCB-Trainer Fabio Celestini – «Jetzt kann ich es endlich sagen: Wir sind Schweizer Meister»Der Basler Trainer sagt nach dem Sieg in Lugano das M-Wort, blickt zurück auf schwierige Zeiten und freut sich auf schlaflose Nächte.Publiziert heute um 23:24 UhrFabio Celestini feiert nach dem 5:2 gegen den FC Lugano ausgelassen vor den mitgereisten Basler Fans.Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)Jetzt abonnieren und von der Vorlesefunktion profitieren.BotTalkFabio Celestini…Hallo zusammen. Wie gehts?Die Frage ist ja wohl eher: Wie geht es Ihnen?Ganz gut. (schmunzelt)Dominik Schmid hat gesagt, man darf ihm zur Meisterschaft gratulieren, Xherdan Shaqiri will lieber noch keine Glückwünsche. Wie ist es mit Ihnen?Ich habe in den letzen Wochen genug gebremst, aber jetzt kann ich es endlich sagen: Wir haben die Arbeit erledigt, jetzt sind wir chweizer Meister. Es ist ein unglaubliches Gefühl – und es ist auch unglaublich, was meine Spieler heute geleistet haben.Was haben Sie dem Team in der Halbzeit gesagt?Wir haben es in den letzten Monaten immer gesagt: Wir sind eine Einheit und glauben an unsere Stärke. Ich ihnen nur gesagt, dass wir das schaffen können – und sie haben alle daran geglaubt. Wir haben zwei, drei Details angepasst, aber wie die Spieler danach aufgetreten sind, das ist der Wahnsinn. Für mich ist es einfach: Ich gebe einen Input und sie setzen es um. Aber dass sie vier Tore in 15 Minuten schiessen…Wie blicken Sie jetzt zurück auf Ihre Zeit beim FCB. Sie haben den Club, wie sie immer gesagt haben, kurz vor der Challenge League übernommen. Jetzt sind Sie Meister.Im Moment kann ich das gar nicht realisieren. Vor anderthalb Jahren waren wir ganz unten und jetzt sind da diese ganzen Emotionen. Wir haben 19 Tore in vier Spielen erzielt. Wir haben hart gearbeitet, um an diesen Punkt zu kommen. Es ist ein schönes Gefühl, dass sich all die Arbeit jetzt auszahlt.Ihre Augen glänzen richtig.Nein, nein. Ich… (atmet durch) Wissen Sie, ich bin ein ambitionierter Mensch und dieser Titel hat mir noch gefehlt. Ich habe immer gesagt, dass ich irgendwann mal allles in der Schweiz gewinnen will. Jetzt bin ich Meister mit dem FCB, Cupsieger mit Luzern, habe die Challenge League mit Lausanne gewonnen, bin Dritter mit Lugano geworden – und der Cupfinal kommt ganz am Ende der Saison. Etwas zu gewinnen, ist unglaublich.Wie wird jetzt gefeiert?Die Spieler haben mir viel davon erzählt, wie es ist, in Basel einen Titel zu gewinnen. Jetzt will ich sehen, wie es ist und wie sich das anfühlt. Aber es ist ganz klar: Wir feiern und ich habe nicht vor, heute Nacht zu schlafen.NewsletterRotblau aktuellErhalten Sie die wichtigsten und interessantesten Geschichten und News rund um den FCB.Weitere NewsletterEinloggenTilman Pauls ist Redaktor im Sportressort des Tages-Anzeigers und befasst sich in erster Linie mit dem Thema Fussball und der Super League. Er moderiert den Fussball-Podcast «Dritte Halbzeit».Mehr Infos@tilman_pFehler gefunden?Jetzt melden.0 Kommentare