Auch nach einem Medienauftritt von Trainer Ciriaco Sforza an dessen 51. Geburtstag bleibt vieles unklar, was sich beim FCB in diesen Tagen abspielt.

Einigermassen konkret äusserte sich der Cheftrainer zum Meisterschaftsspiel FC Basel  gegen YB vom Mittwoch. Er sagte, mit welcher taktischen Grundeinstellung er das Spiel angehen wolle und dass er «absolut» daran glaube, dass Basel den Match gewinnen könne. Basel-YB ist das Spiel des Zweiten gegen den Ersten der Super League. Aber es geht nicht um den Meistertitel. Es geht um ein bisschen Prestige. Würde der Match im St.-Jakob-Park viel später in der Saison stattfinden, würde man wohl von einem Kehrausspiel sprechen. Jedenfalls ist das allgemeine Interesse am Ausgang des Spiels vom Mittwoch nicht sehr gross. Am gleichen Tag sind St. Gallen – Servette und Vaduz – Lausanne-Sport vielleicht sogar interessanter.

Zur Sache, zum Zustand der FC Basel und seiner Mannschaft, erfuhren die Journalisten an dem Mediengespräch nichts, so oft sie auch fragten. Oder sie hörten von Sforza, was sie längst wussten: Dass die Sache mit dem abgesetzten und angeblich nur für ein paar Tage in die Ferien geschickten Captain Valentin Stocker eine interne Angelegenheit sei, über die man nichts nach aussen tragen werde. Oder dass die Mannschaft und die Spieler jetzt Ruhe und Zeit und noch einmal Ruhe und Zeit bräuchten. Dass die Stimmung in der Mannschaft gut sei, und dass sich alle jetzt auf das Wichtigste konzentrieren sollen, nämlich auf den Fussball, auf die Spiele, die weiterhin in rascher Folge auf den FCB zukommen werden.

Vieles bleibt im Dunkeln

So kommen die nicht ins rotblaue Innenleben eingeweihten Medienleute nicht darum herum, die Ereignisse der letzten Wochen mit ihren Möglichkeiten zu interpretieren und daraus Schlüsse zu ziehen.

Es ist nicht bekannt, ob Valentin Stocker innerhalb der Mannschaft, eventuell gegenüber einzelnen Spielern, gegen Ciriaco Sforza geredet hat. Während oder nach den Trainings vielleicht, oder auch nicht. Aber es ist bekannt, was Stocker in der Pause zwischen den beiden aus Basler Sicht desaströsen Halbzeiten des Cupspiels gegen die Challenge-League-Mannschaft aus Winterthur (2:6) vor den Kameras von SRF sagte: «Die Winterthurer spielen clever und haben ein Konzept. Wir haben im Spiel nach vorne kein Konzept.» Das oft zitierte «Spiel nach vorne» ist allerdings der Fussball schlechthin. Man hat den Ball und will ein Tor schiessen. Den Spielern dies beizubringen und dafür allerlei Strategien, Taktiken und Konzepte zu erarbeiten, ist die oberste Aufgabe des Trainers. Stockes Worte waren kein indirekter Angriff auf Sforza, sondern ein direkter. Und Stocker ritt die Attacke in aller Öffentlichkeit.

Am Dienstagnachmittag veröffentlichte der Club dann doch noch eine Stellungnahme: «Die Massnahme im Fall von Valentin Stocker war ein Entscheid der FCB-Sportkommission – die Spieler der 1. Mannschaft hatten nichts damit zu tun. Die Mannschaft akzeptiert den Entscheid der Sportkommission, das hat sie gegenüber der Clubführung geschlossen bestätigt», heisst es darin.

Entscheid für Sforza

Valentin Stocker ist in all seinen Jahren als Profi ein besonnener Spieler, ein besonnener Mensch geworden. Er versteht es, seine Worte abzuwägen und zu dosieren. Spätestens in seinen vier Saisons bei Hertha Berlin hat er mitbekommen, welchem Kodex sich ein Spieler zu unterwerfen hat. Fabian Lustenberger, damals längere Zeit Captain der Berliner, zählt zu Stockers engen Freunden. Wenn er jetzt Basels Trainer frontal und unmissverständlich angreift, weiss Stocker genau, worauf er sich einlässt. Auf ein Seilziehen, das er mit hoher Wahrscheinlichkeit verliert. Die Klubleitung, also VR-Präsident Bernhard Burgener, musste sich zwischen Sforza und Stocker entscheiden. Der Entscheid fiel summa cum laude für Sforza aus.

Wenn Stocker bewusst ein derart hohes persönliches Risiko eingegangen ist, kann dies wohl nur bedeuten, dass er nicht mehr anders konnte. Dass er es als letzte Möglichkeit betrachtete, einen aus seiner Sicht notwendigen Schnitt in der sportlichen Entwicklung oder Fehlentwicklung des FCB zu provozieren. Dieser Schnitt wäre Sforzas Absetzung gewesen.

Der Beitrag Sforza und der FCB blocken ab erschien zuerst auf Telebasel.

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